Martina Wiemers

Der Wichtel mit den großen Ohren

 

„Setz die Mütze auf, beeile dich. In diesem Jahr musst du die Menschen in der Vorweihnachtszeit zum Lachen bringen. Dulde keine Ausrede “, brummte der Weihnachtsmann, sah Arthur, den Wichtel mit den großen Ohren, streng an, stopfte ihn unsanft in seine Manteltasche und sauste mit dem Schlitten davon.

Arthur dachte mit Grauen an das vergangenem Jahr. Tagelang musste er als Werbefigur im Kaufhaus am Fleischstand die Augen verdrehen, sich über den Bauch streichen und „Hm, lecker“ rufen“. Erniedrigend, doch der Weihnachtsmann kannte kein Erbarmen.

Sein Herz klopfte bis zum Hals als er den Weißbärtigen rufen hörte:„Bringe den gewünschten Wichtel zur Unterhaltung vorbei. Hole ihn, wenn es dunkel wird, wieder ab.“

„Oh, je“, diesmal Clown, dachte Arthur, lugte vorsichtig aus der Manteltasche, sah erwartungsvolle, grauhaarige Menschen, den geschmückten Weihnachtsbaum, helle Zimmer und Kerzen auf den Tischen.

„Wo bin ich und was soll ich hier“, fragte er den Weihnachtsmann. Der sah ihn streng an und sagte: „Heute möchten die Senioren feiern, tanzen, lachen, singen. Du, als Alleinunterhalter, wirst dafür sorgen, dass sie sich amüsieren und wohlfühlen.

„Soll ich  Witze erzählen, mich zum Kasper machen, hirnrissige Fragen stellen, billiges Zeug verlosen“, fragte Arthur sarkastisch.

Der Weihnachtsmann zog Arthur wütend an den Ohren und brüllte ungehalten :„Es ist seit Jahrhunderten die Pflicht der Wichtel vor Weihnachten, auch ausgefallene Wünsche zu erfüllen. Wenn du dazu nicht in der Lage bist, musst du ab morgen bei Frau Holle den Schnee wegschieben und beim Teufel Kohlen schippen. “Er versetzte dem Wichtel einen Stoß und fuhr, ohne sich noch mal umzudrehen, davon.

„Willkommen bei uns“, begrüßten die Senioren Arthur freundlich. Der kahlköpfige Herr Müller, schenkte ihm Kaffee ein, legte Plätzchen auf seinen Teller und drückte ihm ein Mikrophon in die Hand. Im Raum wurde es mäuschenstill. Alle sahen den Wichtel erwartungsvoll an. Arthur räusperte sich, dachte kurz nach, fing an zu schmunzeln und begann von Schneewittchen zu erzählen, die sich heimlich im Palast der Schneekönigin mit Rumpelstilzchen trifft und das König Drosselbart so laut in der Badewanne singt, dass Rotkäppchen ihn schon beim Wolf verklagt hat. Sprach vom Mundgeruch des reichen Froschkönigs, der das Katerlieschen von nebenan vergeblich liebt.

Frau Ludwig aus der 1. Reihe rief aufgeregt dazwischen:“ Wenn er nachts mit Kukident seine 3. Zähne pflegt, täglich die Unterhose wechselt, dann wird ,weil er Geld hat, selbst die schöne Nachbarin schwach.

Arthur jonglierte mit Tellern, zauberte Hasen aus dem Hut, zersägte vor aller Augen Frau Meier und lies anschließend Herrn Müller verschwinden. Als Zugabe lüftete der Wichtel noch das Geheimnis von Ilsebill, der eifersüchtigen Ehefrau des Weihnachtsmannes. Jedes mal wenn ihr Mann der Erbsenprinzessin beim Betten machen helfen will, schüttet sie eiskaltes Schmutzwasser in seine Stiefel und der Jäger muss ihn vertreten.

Der Weihnachtsmann traute seinen Augen nicht, als bei seiner Rückkehr Arthurs Mütze im Weihnachtsbaum hing und man dem Wichtel mit Schnaps zu prostete. „Schickst du uns das kleine, freche Kerlchen im nächsten Jahr wieder“ ,fragten leicht angeheitert und fröhlich einige der Senioren. Der Weihnachtsmann sah sie streng an, zögerte, kratzte sich am Kopf und antwortete ausweichend: „vielleicht.“

Auf der Rückfahrt fragte er den Wichtel neugierig.:“ Was hast du ihnen erzählt, weil selbst die sonst so nörgelige Frau Krause zufrieden war. Sie hat mich zwinkernd in den Hintern gezwickt und Grüße an die Erbsenprinzessin bestellt.“ „Ach, nichts Wichtiges, ein bisschen Klatsch und Tratsch aus dem Märchenland. Wer mit wem und wer nicht. Doch kein Wort über deine Besuche beim schönem Rapunzel, seinen Peitschen und Lackstiefeln und auch nichts über den Schweinkram im Internet“, antwortete Arthur und guckte den Bärtigen frech an.

Der legte erschrocken den Zeigefinger an den Mund und flüsterte: „kein Wort nach außen, vor allem nicht zu Ilsebill. Kannst dir künftig aussuchen ob und wo du Wichteln willst. Versprochen. “ Hand drauf“, rief Arthur und dachte: “stimmt also doch, was man im Märchenland über den Alten so munkelt.“

  (C) Martina Wiemers

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Martina Wiemers).
Der Beitrag wurde von Martina Wiemers auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.11.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Sophie wehrt sich (ab 5 Jahren) von Petra Mönter



Die kleine Sophie hat Angst davor, in die Schule zu gehen. Ihr Schulweg führt an einer Schule mit „großen Jungs" vorbei, die sie jeden Morgen drangsalieren. Als eines Tages einer ihrer Freunde von ihnen verprügelt wird, traut sich Sophie endlich, den Erwachsenen davon zu erzählen. Zusammen mit Lehrern und Eltern überlegen die Kinder, wie sie sich von nun an wehren können.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Weihnachten" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Martina Wiemers

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Hochzeitstag von Martina Wiemers (Einfach so zum Lesen und Nachdenken)
DER SILBERNE ENGEL von Christine Wolny (Weihnachten)
Sybilles Hände von Adalbert Nagele (Wie das Leben so spielt)