Anne Eckardt

Rachespiele (TvP) 3

Während des Frühstücks saßen Clara und Ich wieder zusammen an einem Tisch. Keiner von uns beiden schien diese Nacht sonderlich gut geschlafen zu haben. „Was wirst du Morgen Nachmittag zeigen?“ fragte mich Clara um irgend eine Art von Gespräch anzustoßen. „Ich weiß es nicht“ antwortete ich und es klang mutlos „Irgend wie habe ich das Gefühl überhaupt gar nichts wirklich gut zu beherrschen. Ich glaube ich werde in der Arena wohl mein bestes geben müssen um mich irgend wie zu verstecken oder zu tarnen.“

Im Lauf des restlichen Trainingstages probierte ich meine Fähigkeiten in Sachen Schwertkampf und Ringen zu verfeinern, mit ziemlich niederschmetternden Ergebnissen.

Wenn es nach mir gegangen wäre hätte der Tag 40 Stunden haben können. Mir war klar das Morgen schon der letzte Tag war und das ich am Nachmittag zeigen musste was ich gelernt hatte.

Beim Abendessen war mir der Hunger auf die Suppe vollkommen vergangen. Ich holte mir zwar einen Teller schob diesen dann aber am Tisch gleich zu Clara herüber. Diese sah mich mit großen Augen an. „Möchtest du nichts?“ fragte sie. Ich schüttelte den Kopf. Übermorgen um die Zeit konnte ich bereits tot sein, mausetot. Wahrscheinlich war ich um diese Zeit bereits gewaschen, frisch angezogen und in einer schlichten Pappkiste als Sarg wieder auf dem Weg zurück ins Kapitol um dort beerdigt zu werden. Mir wurde übel bei dem Gedanken.

Nach dem Essen gingen wir alle gleich hinauf in die Schlafräume. Ich setzte mich auf die Kante meines Bettes und begann in meinen Nachthemd zu kriechen. Dann legte ich mich hin und schaute zur Decke. Ich grübelte innerlich vor mich hin. Was in aller Welt sollte ich Morgen in der Einzelstunde nur zeigen? Für die nächsten Stunde flog mir diese Frage in meinem Kopf herum und hinderte mich daran einzuschlafen. Erst nach gefühlten 3 Stunden begannen mir die Augenlider zu zufallen.

Plötzlich schreckte ich hoch. Jemand hatte mich am linken Oberarm berührt. Etwas zittrig schaute ich mich um und erkannte zu meiner Erleichterung dass es nur Clara war. „Ist es den schon Morgen?“ fragte ich. „Ja, ist es“ antwortete sie.

Ich kroch aus meinem Nachthemd und zog meine Trainingssachen an. „Ein letztes mal“ dachte ich mir. Ja, diese Sachen hatte ich das letzte mal angezogen. Ich ging ins Bad und wusch mir das Gesicht. Dann begab ich mich gleich in die Halle. Das Flutlicht, von den Scheinwerfern an der Decke, blendete mich. Erst nach einigen Minuten konnte ich die verschiedenen Trainingsfelder erkennen. Als die Felder für diesen Trainingstag verteilt wurden, zog sich in meinen Inneren alles zusammen. Ich griff in den Beutel und zog zu meinem persönlichen Entsetzen eine Tafel mit einer 1. Ich musste in das Feld mit den Waffenkampf. Hier wurden Sachen wie Bogenschießen, Speerwerfen, Umgang mit Wurfmessern usw. geübt. Meine ersten Versuche mit Pfeil und Bogen waren kläglich. Das hatte ich nie zuvor gemacht und würde es bis zum Beginn der Spiele nie und nimmer beherrschen. Also nahm ich mir einen Speer und versuchte ihn 3 Meter weit in eine Schaumstoffpuppe zu schleudern. Daneben!

Ziemliche entmutigt nahm ich mir schließlich eine Steinschleuder und warf mit Kieselsteinen nach den Trainingspuppen vor mir. Damit traf ich wenigstens die ein oder andere auch.

Doch was war eine Schleuder gegen jemanden der mit Speer oder Pfeil und Bogen umgehen konnte? Fieberhaft überlegte ich was ich überhaupt so gut konnte um es in der Arena anwenden zu können.

Die wenigen Stunden bis zur Mittagspause vergingen schneller als es mir lieb war. Ich hatte überhaupt keinen Hunger. Also nahm ich mir nur einen kleinen Teller voller Nudeln und setzte mich auf meinen üblichen Platz neben Clara. Nach diesem Essen würde ich meine Fähigkeiten vor dem ganzen Land unter Beweis stellen müssen. Jeder in Panem würde dabei zusehen wie ich versuchen würde eine möglichst hohe Punktzahl zu erreichen. Wenn es eine 5 oder 6 werden würde, war ich gut.

Ein lautes Knacken kam plötzlich aus einem Lautsprecher an der Zimmerdecke. Dann wurde der erste aufgerufen der in die Einzelstunde gehen musste. Ich war nervös.

Um so mehr Zeit bis zu meiner Einzelstunde verging um so mehr drohte mein Magen eine 180 Grad Drehung zu machen. „Nicht übergeben“ sagte ich in meinem Inneren zu mir selber. Doch dann war es so weit.

Als mein Name aufgerufen wurde war ich fast die Letzte die den Speisesaal verließ. Ich betrat die Halle und sah überall auf den Bildschirmen, von dehnen 3 an jeder Wand der Halle hingen, Bewohner der Distrikte. Einen Bildschirm ins Kapitol gab es nicht. Die Bewohner erfuhren erst am Abend, über die Nachrichten, wie das Training gelaufen war und wer welche Anzahl von Punkten erhalten hatte.

Mrs. Conner sie haben 10 Minuten Zeit uns eine ihrer Fähigkeiten zu präsentieren“ forderte mich Mario, der Cheftrainer auf „Sie haben freie Wahl aus allen in der Halle zur Verfügung stehenden Trainingsgeräten und Waffen.“ Der Trainer stand an der hinteren Wand der Halle und hielt sowohl ein Klemmbrett als auch einen Stift in der Hand um sich Notizen machen zu können. Des weiteren war eine Auswahl von Vertretern der Distrikte anwesend. Jeder Distrikt hatte je eine Frau und einen Mann geschickt um sich das Training anzuschauen, die Tribute zu beurteilen und hinterher auch die Trainingspunkte zu vergeben.

Ich nickte und ging zu den Schleudern die auf einem Tisch an der Hallenwand lagen. Ich nahm mir eine von ihnen und warf mit ihr einen ca. 7 cm großen Stein. 5 Meter weit an den Kopf einer Trainingspuppe an der er eine deutlich sichtbare Delle hinterließ. Anschließend probierte ich es, trotz aller Aussichtslosigkeit, noch mal mit einem Speer. Diesmal traf ich zu meiner großen Freude die Puppe, allerdings nur in das linke Bein und der Speer blieb auch nicht stecken. Ein so getroffener Gegner wäre nicht wirklich außer Gefecht. Also nahm ich mir noch einen Speer, welcher diesmal nach dem Wurf im Unterlaib der Puppe stecken blieb.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.12.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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