Karl-Heinz Fricke

Ein überraschendes Geschehen

Ein überraschendes Geschehen

Wir leben in einer kurzen Sackstraße, die in einem nahen Waldstück endet. Nur sieben Häuser stehen in der Straße, die von 1978 bis 1980 errichtet wurden. In fünf dieser Häuser wechselten die Bewohner in den vergangenen Jahren mehrfach. Das Haus direkt neben uns war von sehr guten Nachbarn für 32 Jahre bewohnt. Als der Nachbar vor fünf Jahren starb, entschied die Witwe das Haus zu verkaufen. Dieses indes stand nicht lange leer. Eine geschiedene Frau von etwa 60 Jahren wurde die neue Besitzerin. Sie war allerdings nicht ganz allein in ihrer neuen Behausung, denn ihr ehemaliger Ehemann besuchte sie regelmäßig, um ihr zu helfen das Haus in eine Festung umzuwandeln. Für viele Monate vernahmen wir Sägen -und Hammergeräusche. Sie kapselte sich völlig ein und hatte nicht die Absicht mit jemanden aus der Nachbarschaft einen Kontakt zu pflegen. Als ihre nächsten Nachbarn machten wir uns bei ihrem Einzug bekannt, hießen sie willkommen und boten ihr an eine Tasse Kaffee mit uns zu trinken. Sie lehnte es ab. Dann erfuhren wir von ihr, dass sie Hauskatzen hätte. In den folgenden Tagen sahen wir nichts von ihr, stellten aber fest, dass sie drei Katzen hielt, die jedoch alles andere als nur Hauskatzen waren, sondern  frei in der Nachbarschaft herumliefen. Unser Grundstück und Garten wurde zu ihren beliebtesten Tummelplatz und die Verrichtung ihrer Notdurft wurde zu einem täglichen Geschehen. Ich drückte der Nachbarin mein Missfallen darüber aus. Sie reagierte schnippisch und für die folgenden Jahre änderte sich nichts an dem Übel. Natürlich entwickelte sich kein gutes Verhältnis und ich beschwerte mich  auf dem Gemeindebüro und bat,  in Bezug auf die Katzen, mit unserer Nachbarin zu sprechen. Sehr viel hat es nicht eingebracht, aber sie war sauer auf mich. Es war besonders ärgerlich, weil die Katzen die Gartenbeete heimsuchten und die neuen Saaten zerkratzten, um ihre Ausscheidungen zu hinterlassen. Die Nachbarin, die handwerklich erstaunliche gute Arbeiten macht, erklärte mir ihr nächstes Projekt sei einen hohen Zaun zwischen unseren Grundstücken zu errichten, um das Katzenproblem zu verringern.  Der Anfang wurde mit einigen Hölzern gemacht. Es blieb allerdings für mehrere Jahre nur ein Anfang und das Vorhaben schien vergessen zu sein, zumal sie sich ein Jahr vor ihrer Pensionierung entschlossen hatte ihr Haus zu verkaufen. Ein Verkaufsschild wurde vor ihrem Hause angebracht, aber wir sahen nur wenige Käufer auf Haussuche und sie gab es schließlich auf und entschied sich, dazubleiben. Nun machte sie es wahr, den lang geplanten Zaun zu errichten. Es dauerte ihr und einer Helferin nur wenige Tage einen wunderschönen zwei meterhohen Zaun zu bauen und ihn auch mit einer Farbschicht zu versehen. Mich fragte sie, ob ich ihr erlauben würde den Zaun auch an unserer Seite  zu streichen. Ich hatte  nichts dagegen und es zeigte sich tatsächlich, dass die Katzenbesuche weniger wurden. Nun pensioniert, schien sie daran interessiert zu sein, ein besseres nachbarliches Verhältnis anzustreben. Jedesmal, wenn sie vorüberfuhr winkte sie freundlich und ich winkte freundlich zurück. Auf unserem Grundstück vor dem Haus hatte ich vor vielen Jahren zwei Kastanienbäume gepflanzt, die inzwischen sehr groß geworden sind. Diese Bäume verursachen mit ihrem Laub und Kastanien beträchtliche Anstrengungen den Herbstfall zu entsorgen. Ich war dabei das Laub zusammenzuharken, als die Nachbarin plötzlich an dem anderen Baum  mit ihrer Harke erschien und mir zurief, sie wolle helfen. Mit ihrer Schubkarre fuhr sie das Laub von dem kleineren Baum  auf eine Lichtung in das 100 Meter entfernte Waldstück.
Ich hatte 15 große Laubhaufen zusammengeharkt und fuhr 2 meiner Schubkarren voll mit Laub und Kastanien ebenfalls auf die Lichtung und entschloss mich,  es sei genug für den Tag. Die restlichen 12 Haufen würde ich am folgenden Tage entsorgen. Die Nachbarin musste mich beobachtet haben, denn sie erschien gleich darauf und half mir damit. Stolz zeigte sie mir, dass man sie in der Klinik an einen schwarzen kleinen Apparat angeschlossen hatte, um ihre Herztätigkeit zu untersuchen. Ich bedeutete ihr, sie möge sich besser schonen anstatt mir zu helfen. Ich wäre ihr sehr dankbar aber ich möchte nicht, dass sie sich bei der anstrengenden Arbeit gesundheitlichen Schaden zufügen könne. Das bekümmerte sie nicht.. Das geschah vor fünf Tagen und ich hoffe, dass sie ok ist, denn ich habe sie seitdem weder gesehen noch gesprochen.
Diese Geschichte ist ein gutes Beispiel dafür, dass ein hoher Zaun Nachbarschaften verbessern kann,
denn gute Zäune erzeugen auch gute Nachbarn.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.12.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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