Sabine Sener

Der Aufstand der Marienkäfer

Im Rosengarten einer prächtigen Villa tobte das Leben. Die roten Marienkäfer tummelten sich auf den Rosen, da diese voller Blattläuse waren und schlugen sich die Bäuche voll. Es war das reinste Festmahl und sie lebten wie im Schlaraffenland. Bis eines Tages jemand kam, und die Rosenbüsche mit so einem komischen Zeug besprühte und es bald keine Blattläuse mehr gab. Die Marienkäfer waren ganz verzweifelt, denn man hatte sie ihrer Nahungsquelle beraubt. Wußten die dummen Menschen denn nicht, dass sie die natürlichen Fressfeinde der Blattläuse waren?
Sie versammelten sich alle, um sich zu beraten und eine Lösung für ihr Problem zu finden. So ging das nicht weiter, sie würden hier alle verhungern. Sie könnten ja woanders hinfliegen, aber der Rosengarten gefiel ihnen so gut, dass sie hier nicht  wegwollten. Also schickten sie den Ältesten von ihnen in den Nachbargarten, damit er sich dort bei ihren schwarzen Verwandten Rat holen konnte. Nach einiger Zeit kam er mit vollbeladenem Rücken voller Blattläuse zurück und verteilte sie auf alle Rosen. Auf dem Rücken des Marienkäfers waren sie noch in Sicherheit gewesen, aber jetzt machten sie, dass sie schnellstens davon kamen, um nicht gefressen zu werden. Aber ihre Angst war unbegründet, denn sie dienten diesmal nur als Mittel zum Zweck. Und bald hatten sich die Blattläuse im ganzen Garten ausgebreitet, und die Marienkäfer lebten wieder in Saus und Braus.

Jedesmal, wenn die Rosen mit diesem komischen Zeug besprüht wurden, transportierten sie aus dem Nachbargarten weitere Blattläuse, damit diese sich wiederum überall vermehren konnten. Und so ging das Spiel hin und her, und die Marienkäfer waren mittlerweile so erschöpft, dass sie die Wespen zur Hilfe riefen. Diese sollten sich jetzt öfters um die Rosenbüsche aufhalten und agressiv auftreten, wenn jemand die Rosen besprühen wollte. Sie mussten richtig Angst und Schrecken verbreiten, damit sich niemand den Rosen nähern konnte. Der Trick gelang und eine Zeit lang wurden die Rosenbüsche auch in Ruhe gelassen. Bis eines Tages ein Kammerjäger vorbei kam und die Wespen fachmännisch einfing und sie woanders hin brachte.

Die Blattläuse hatten sich inzwischen wieder so vermehrt, dass eine erneute Besprühung nötig war. Aber diesmal schickten die Marienkäfer eine Eilmeldung zu den Hornissen, die dann auch plötzlich in einem großen Schwarm auftauchten und den Gärtner angriffen, als dieser gerade die  Rosen besprühen wollte. Der arme Mann floh schreiend aus dem Garten und rief, dass er kündige würde. "Dieser Garten ist nicht normal, dass habe er bisher noch nie erlebt! Die Tiere sind hier alle verrückt geworden, vielleicht sollte man hier gar nichts mehr machen und alles in Ruhe lassen!" Das war Musik in den Öhrchen der Marienkäfer, und sie stürzten sich auf ihre üppige Mahlzeit, die Blattläuse, die keine Chance mehr hatten zu entfliehen.

In diesem Rosengarten wurde nie wieder irgendetwas gesprüht, denn die Marienkäfer gaben ihr Wissen von Generation zu Generation weiter. Und die Wespen und Hornissen überwachten auch die anderen Gärten und sobald es notwendig war schritten sie ein, um das Schlimmste zu verhindern.



 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.12.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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