Olaf Lüken

Fluch ewiger Jugend

Erwachsene, vor allem erwachsene Männer, sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.
Hängen auf Computerspiele-Messen herum, tragen in den 40ern noch Baggy-Jeans und
Skater Schuhe. Und stylen ihr Resthaar zur Beckham Gedächtnis-Frisur. Längst haben sich
Jugendlichkeit und Lebensalter voneinander gekoppelt. Adoleszenz ist von der Lebensphase
zum Lebensstil geworden. Wer sich Gewissheit verschaffen will, muss nur die Glotze anschal-
ten. Bei Formaten wie "Schlag den Raab" und seinen Nachfolgerformaten feiert sich eine
Gesellschaft voller Pubertierender täglich selbst. Doch nicht nur die Erwachsenen verschwin-
den - auch die Kindheit wird immer kürzer. Oft beginnt die Pubertät heute schon mit elf
Jahren, und ein 18jähriger ist körperlich genauso weit entwickelt - wie ein 13jähriger um
1800, wie Forscher des Max Planck-Instituts für demografische Forschung 2014 nachgewie-
sen haben. Bei den Mädchen ist diese Entwicklung schon länger dokumentiert. Ihre Menstrua-
tion setzt zunehmend eher ein.

Werden Kinder also früher erwachsen als vor 200 Jahren ? Übernehmen früher Verantwortung
im Beruf, verdienen früher eigenes Geld, bekommen früher Kinder ? Mitnichten. Eher das
Gegenteil ist der Fall. Nach einer kurzen Kindheit werden sie in eine scheinbar nie endende
Jugend katapultiert. Denn Jugendliche werden zwar immer eher biologisch erwachsen, wie
die Untersuchung zeigt, den sozialen Status des Erwachsenenseins erreichen sie aber immer
später.

Ewige Jugend, das klingt nach Spaß, Abenteuer und Freiheit. Peter Pan - tagein, tagaus.
Ein wahr gewordenes Werbeversprechen. Doch das Versprechen geriert zum Fluch - zum
Beispiel in Ländern wie Spanien, Italien oder Griechenland, wo viele 30jährige noch zu Hause
wohnen müssen, weil sie keinen Job finden. So folgt auf die Generation, die nicht erwachsen
werden will, eine Generation, die nicht erwachsen werden darf. Shit happens.

(co) Olaf Lüken

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