Elisa Heureux

Ana

Das sie zu viel war, wusste sie. Zu viel von allem. Sie redete zu viel, wollte zu viel, nahm zu viel Raum ein. Und doch fand sie sich immer zu schwach.

Unsichtbar sein. Kontrolle. “Das klingt gut.”, dachte sie heimlich und hörte einfach auf. “Einmal will ich etwas schaffen.”. Und wenn sie sich einfach auflöste, weniger wurde, dann würde sie endlich niemanden mehr stören. Vor allem nicht sich selbst. Dann konnte sie stolz auf sich sein. Versagen war keine Option.

Niemand sollte wissen, was sie tat. Und doch wollte sie es nur zu gern in die Welt hinaus posaunen: Seht her was ich geschafft habe!

Zweimal schon hatte sie es versucht. Sie hatte daraus gelernt. Wieder so stark sein wie damals, das war ihr Ziel. 60 Stunden. Das musste sie diesmal überbieten. Damals war sie nicht ungefallen und hätte sicher mehr geschafft, hätte man sie nicht zum Essen gezwungen.

Warum sie gescheitert war? Immer der Liebe wegen. Davor hatte sie auch diesmal Angst.

Sie wollte nicht sterben. Im Gegenteil. Sie wollte nur endlich aufhören können, sich zu hassen. Ein leerer Magen war schön. Er zeigte ihr, dass sie die Kontrolle über sich hatte. Der Schmerz tat gut. Sie hatte ihn verdient.

Andere Menschen waren glücklich. Wie sie das anstellten, blieb ihr ein Rätsel. Leise fragte sie sich, wann sie ihren Mut verloren hatte. Vermutlich im selben Moment wie ihren Glauben daran, dass sich ihr Leben zum Guten wenden würde.

“Er liebt mich. Er wird es nicht ertragen.”,meldete sich die Vernunft kaum hörbar. “Er muss es nicht wissen,” flüsterte Ana. 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.12.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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