Karin Unkrig

Wie es ist ...

 

Als Stammzellenspenderin in Frage und nicht zum Zug zu kommen. Mein Mann brachte 2013 die Idee auf, sich bei der Deutschen Knochenmarkdatei registrieren zu lassen, als potenzielle Spender. Eine Woche später traf ein Päckchen mit überdimensionalen Wattestäbchen ein. Wir nahmen – wie in zahlreichen Krimis gesehen – einen Abstrich aus der Mundhöhle vor. Mit der Rücksendung entschwand auch der Gedanke an einen möglichen Ereignisfall. Die Wahrscheinlichkeit für einen Treffer liegt eh bei 1:20´000.

 

Im Februar 2016, ich hielt mich grade in Zürich auf, traf eine E-Mail ein. Darin stand, dass ich als mögliche Spenderin in Frage käme. Man bat um einen sofortigen Rückruf. Zuhause lag ein Kuvert im Briefkasten: Glasröhrchen für die Blutentnahme und Erläuterungen. Die Auskunftsperson bei der DKMS erwies sich als freundlich, erkundigte sich nach der aktuellen Spenderbereitschaft (erklärend, ohne zu Drängen) und stellte erste Fragen nach dem Gesundheitszustand, Bandscheibenvorfällen, dem Aufenthalt in Risikogebieten (Zika-Virus), allfälligen Urlaubsplänen etc. Anschließend wurden ein Termin bei meinem Hausarzt vereinbart sowie PDF-Dokumente übermittelt: Informationsbroschüre zusammen mit einem ausführlichen Fragebogen. Ich füllte die Angaben zu Person und körperlicher Verfassung aus, unterschrieb die medizinische wie die datenschutzrechtliche Einwilligungserklärung und faxte alles nach Tübingen.

 

Nach dem Gesundheits-Check und der Blutentnahme (frühmorgens, nüchtern) war das große Warten angesagt. Es hieß, es könne dreieinhalb Monate gehen, bis der Bescheid eintreffe. Bei 7´000 möglichen Merkmalen dauert dies … Blieb zu hoffen, dass der Empfänger bis dahin durchhielt. Er musste die unterschiedlichsten Kriterien erfüllen: unter 75 Jahre alt, ausreichend stabil, risikobereit, transportfähig, behandlungswillig und operationsmutig (vor dem Eingriff werden seine Knochenmarkzellen zerstört, mittels Bestrahlung und Chemotherapie).

 

Meine Spenderzeit neigte sich ebenfalls dem Ende zu. Ich zählte 52 Jahre, kam also noch zwei Jahre für eine Transplantation in Frage. Eine absehbare Zeit, dennoch: Geduld war nie meine Stärke. Nach acht Wochen erschien mir das Sich-zur-Verfügung-Halten unendlich lang. Weniger wegen der Auflagen (gemäßigter Alkoholkonsum, keine Infektionskrankheiten, keine neuen Medikamente) sondern wegen der planerischen Unsicherheit. Jeder Termin sah sich mit einem kleinen Fragezeichen versehen. Im April stellte sich heraus, dass mein Arbeitgeber eine allfällige Absenz als unbezahlten Urlaub einstufte. Ich würde dies ja freiwillig tun. Das sei so etwas wie eine Schönheits-OP (?!). Dabei ist insbesondere die erweiterte Spende, die Entnahme von Knochenmark aus dem Beckenkamm, für eine grazile Statur nicht ohne.

 

Ende Mai teilte man mir mit, dass ich nicht in Frage käme. Ich bedauerte das Ergebnis. Gleichzeitig spürte ich eine gewisse Erleichterung, nicht mehr auf Abruf bereit zu stehen, um nach Köln oder Dresden zu reisen, sich Wachstumsstoffe spritzen und narkotisieren zu lassen. Nur eines hätte ich gerne gewusst: Ob ich einen «genetischen Zwilling» habe!




 

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