Manfred Reitmann

Böser Markt

Frei nach einer Geschichte aus J. P. Hebels Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes.

In und um einer Großstadt treiben sich logischer Weise mehr Taschendiebe und Trickbetrüger herum als auf dem Land, da die Chancen einen erfolgreichen Beutezug zu machen wesentlich höher und dabei erwischt zu werden geringer sind.

Immer wieder hört man von neuen Maschen oder Varianten von bisherigen erfolgreichen Tricks wie dem „Enkeltrick“.

Eine recht aufwändige Geschichte passierte einem recht erfolgreichen Musikproduzenten. Ein großes Platten-Label hatte zu einer sommerlichen Veranstaltung eingeladen und neben dem Hauptkünstler des Labels fanden sich auch das Who is Who der Musikszene zu der Veranstaltung ein.

Neben reichhaltigen Buffets die von hübschen Cateringdamen offeriert wurden gab es auch weitere Unterhaltungsmöglichkeiten an Buden und Ständen an denen sich die Gäste verlustieren konnten. Die Anlage auf der das Event abgehalten wurde war ein Schlosspark mit vielen weitläufigen Wegen mit wundervoll gestalteten Blumenbeeten und Rosenbögen.

Die Wege führten auch durch ein größeres Waldstück wo sich die Besucher im Schatten von der Sommerhitze ein wenig Abkühlung verschaffen konnten.

In diesem Waldstück postierte sich nun ein junger Mann, dem Anlass und der Musikrichtung des Hauptstars entsprechend gekleidet hinter einem Baum. Unter seiner Jacke konnte das geübte Auge die Auswölbung einer Pistole in einem Schulterholster erkennen.

Wie es der Zufall nun wollte lenkte der zu Beginn erwähnte Musikproduzent, erhitzt von einem langen Gespräch mit einem vielversprechenden neuen Musiker unter praller Sonne, seine Schritte Richtung Wald um sich um Schatten die Vertragsbestandteile noch einmal durchs Gedächtnis zu führen. Wie es sich für einen Musikproduzenten gehört trug er selbstverständlich auch seinen Erfolg offen zur Schau. So hatte er heute seine Armbanduhr passend zu seinem Bentley gewählt und der Ring mit Diamant war mehrere Karat schwer.

So kam es das der Musikproduzent an dem Baum vorbei kam wo sich der junge Mann postiert hatte. Dieser sprang hervor zückte seine Pistole, richtete sie auf den Mann und bat diesen nicht zu schreien. Es müsse ja niemand wissen welche Geschäfte sie hier zu tun hätten.

Man kann sich das Gefühl nur schwer vorstellen wie einem zumute sein, muss wenn man mit einer Pistole bedroht wird, zumal die Waffe nicht von einer Spielzeugpistole unterschieden werden kann.

Mein Leben ist mir lieber als der Schmuck dachte der Musikproduzent und beschloss zu schweigen.

„Mein Freund“ sprach der junge Bursche, „Wie wäre es wenn Ihr mir Eure Uhr verkauft“?
Will der Musikproduzent sein Leben behalten so muss er wohl seine Bentley Mulliner Tourbillon für ein paar Cent abgeben. So geschieht es denn auch. Das edle Zeiteisen wechselt für ein 5 Cent Stück seinen Besitzer.
So handelt Ihm der Halunke auch seinen Ring, die goldene Halskette, das silberne Armband welches er mal von Kanye geschenkt bekommen hat Stück für Stück für nur wenige Cents ab. Und jedes Mal mit der Pistole auf ihn gerichtet.

„Mein Freund“ spricht schließlich der Spitzbube, „jetzt haben wir schon so fein gehandelt nun ist es an der Zeit das Ihr mir auch etwas abkauft.“ Und zeigt ihm einige billige Werbeartikel die nun in umgekehrter Weise allerdings für horrende Summen an Euros den Besitzer wechseln.

Zu guter Letzt, hat der Mann noch einen Hunderter in deiner Geldklammer stecken hat sagt der Bursche: „mein Freund wollt Ihr mir für den letzten Hunderter nicht auch noch die Pistole abkaufen? Es ist eine Glock und unter uns Brüdern weit mehr als 100 Euro wert.“

Der Mann dacht in seiner Überraschung „Was für ein Vollhonk“. Kaum hatte er die Pistole in der Hand drehte er sie herum und sprach: „Stehenbleiben und Hände hoch, sonst knallts.“ Der Spitzbube sprang mit einem großen Satz ins Gebüsch und rief: „Schieß nur, du alter Sack, sie ist nicht geladen!“
Der Mann drückte ab und tatsächlich klickte es nur und sonst passierte nichts. Er lies das Magazin herausgleiten und sah das nicht eine einzige Patrone drin steckte. Mittlerweile war der Dieb über alle Berge.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.12.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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