Michael Wies

STERNENKINDER; Ein modernes Liebesmärchen

Es war einmal ein Sternenmädchen, namentlich Sternchen genannt. Jede Nacht um 23.00 Uhr

wenn unten auf der Erde die Menschen zu Bett gingen, um sich für einen neuen, langen Arbeitstag auszuruhen, fing sie an oben am Firmament ihre Kreise zu ziehen.

 

Es war ein herrliches Gefühl für Sternchen, all die bunten Lichter von oben herab zu betrachten.

 

Zu gerne wäre sie einmal auf die Erde geflogen, um sich diese glänzende Pracht, die so herrlich glitzerte, aus der Nähe anzusehen. Doch das ging ja nicht, leider, denn der Sternenvater hatte es allen Sternenkindern verboten, hinunter auf die Erde zu fliegen.

Denn wer erst einmal unten war, für den gab es kein Zurück mehr.

 

All dies wusste unser Sternchen. auch, dass sie dann ihre goldenen Flügelchen für immer

verlieren würde, trotzdem wurde in Sternchen dieser Gedanke, einmal zur Erde zu fliegen,

von Tag zu Tag stärker. In ihr kam ein Gefühl von Sehnsucht auf, das sich mit WWorten einfach nicht mehr beschreiben ließ. Und das aus gutem Grund!

 

Jeden Abend, wenn Sternchen ihre Kreise zog, sah sie unter sich ein kleines Städtchen,

nennen wir es kurz Bad Kreuznach, in dem ein blonder hübscher Junge lebte und jeden Abend zur selben Zeit, verschloss er an seinem kleinen Häuschen sorgfältig die Fensterläden und sah hinterher noch lange zum Sternenhimmel hinauf, bevor er dann ins Haus zurücktrat und die Tür hinter sich zuzog.

 

Manchmal hatte Sternchen das Gefühl, er würde ihr zuwinken und sie freundlich anlächeln, was natürlich nicht möglich war, denn für ihn sah ja ein Stern wie der andere aus. Für ihn waren alle gleich. Doch sie bildete sich das ein, denn unser Sternchen hatte sich mächtig verliebt in diesen blonden Jungen mit dem strahlenden Lächeln und es war eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis Sternchen sich über das Verbot des Sternenvaters hinwegsetzen würde, um zur Erde hinunter zu fliegen.

 

Und dann war es eines Tages soweit, Sternchen drehte wieder einmal ganz alleine ihre Runden, wie schon so oft in den letzten Tagen und Wochen und reagierte nicht auf die freundlichen Zurufe der anderen Sternenkinder, die sie ein wenig zum Verweilen einladen wollten. Sie zog unbeirrbar ihres Weges und kam dem Städtchen Bad Kreuznach immer näher!

 

Sie malte sich in Gedanken schon aus, wie es wohl sein würde, wenn sie dem blonden Jungen so plötzlich gegenüber stand und vor Freude klopfte ihr das Herz bis zum Halse.

 

Während sie noch in Gedanken war, sah sie unter sich auch schon die Lichter dieser kleinen Stadt immer näher kommen und ohne ihren Flug abzubremsen, zog es sie hinunter zu dem kleinen Häuschen.

 

Da stand sie nun, die Landung hatte ihr keine Schwierigkeiten bereitet. Aber ach, wie sah sie denn aus? Ihre goldenen Flügelchen waren verschwunden, die Haare hingen ihr wirr und völlig zerzaust ins Gesicht. Ihr schönes goldenes Mäntelchen war zerrissen, voller Löcher und hatte sich dunkelbraun verfärbt. Auch ihre Schuhe sahen nicht viel besser aus. Sie sah aus wie eine Bettlerin, denn wie diese armen Menschen aussahen, das hatte ihr der Sternenvater im Himmel oft genug erzählt. Doch das machte ihr alles nichts aus, die Hauptsache für sie war, dass sie nun auf der Erde vor dem kleinen Häuschen stand, in dem der Junge mit den blonden Haaren lebte.

 

Thomas Berger stand auf dem Türschild, das neben einer kleinen Glocke hing. Thomas dachte sie, Thomas, was ist das doch für ein schöner Name und es war ihr, als hätte er ihre Gedanken lesen können. Denn in diesem Augenblick öffnete sich die Tür und Thomas trat heraus auf den Gehweg vor dem kleinen Häuschen.

 

Völlig überrascht blieb er stehen und fragte verwundert; "Wer bist denn Du und wo kommst Du her?" Da antwortete unser Sternenkind: "Das ist eine lange Geschichte, ich heiße Sternchen und komme von weit her!"

 

Da es inzwischen zu regnen angefangen hatte, nahm Thomas Sternchen bei der Hand und führte sie ins Haus hinein. Ja, er vergaß es heute sogar, die Fensterläden an dem kleinen Häuschen zu verschließen. Bis früh in den Morgen hinein sah man zwischen den zugezogenen Gardinen einen schmalen Lichtschein auf den Gehweg fallen.

 

Die Beiden hatten sich so vieles zu erzählen in dieser Nacht und als der Morgen kam, die Sonne ihre ersten warmen Strahlen auf die Erde schickte, da öffnete sich wieder die Tür des kleinen Häuschens und zwei glückliche und verliebte junge Menschen wanderten in den neuen Tag hinein.

 

Unser Sternchen hatte ihren Thomas sehr, sehr lieb, ihren Jungen mit den blonden Haaren und seinen blauen Augen. Und Thomas? Ja, der liebte sein Sternchen auch über alles und versprach ihr, sie sein Leben lang zu achten und zu ehren und immer gut zu ihr zu sein.

 

Sie waren damals ja noch so jung und sie lebten lange, sehr lange. Und sie waren glücklich miteinander bis an ihr Lebensende.....

Oder leben sie etwa heute noch?

 

Schau Dich doch mal um in Deiner Stadt, wenn Du ein verliebtes, glückliches Pärchen findest, dann ist das ganz sicher unser Sternchen mit ihrem Thomas!

 

 

- E N D E -

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.12.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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