Olaf Lüken

Die Polizei - zwischen Gewissen und Respekt

Rot sei eine Warnfarbe, sagen die Farbpsychologen. Entschuldigung, das stimmt so nicht. Drei andere Farben sind es, die unsere Sinne in einen Alarmzustand versetzen. Blaugelbe, blaue und grüne Streifen, die Signale staatlich-vollziehender Ordnungsmacht. Wahr ist ebenfalls, dass der allgemeine Umgangston mit den Gesetzeshütern durchaus respektlos, rüde oder auch mal rabiate Formen annehmen kann. Dennoch gibt es Situationen, in denen Polizisten ehrfurcht- und ordnungseinflößend auftreten und die Autorität allein durch deren Anwesenheit ausgedrückt wird. Ein gutes Beispiel ist die Autobahn. Hier wird gerast, gedrängelt und geblinkt. Es sei denn, dass unsere Ordnungshüter mit einem Einsatzfahrzeug auf der Bildfläche erscheinen. Blitzschnell steigen alle anderen Verkehrsteilnehmer auf die Bremspedale, auch jene, die gar nicht so schnell gefahren sind. Kann es sein, dass Uniformierte eine Art Röntgenblick besitzen und über ein im Kopf gebautes  Radarsystem verfügen, mit dem sie pausenlos unsere Fahrgeschwindigkeit überprüfen ? Ein Blick genügt Zack ! Ertappt ! Wahnsinn ! Polizisten können Ehrfurcht einflößen. Nicht wenige Autofahrer vermuten am Steuer deutscher Polizeifahrzeuge regelrechte Cyborgs mit Superkräften, statt Freunde und Helfer in der Not. Ausgelöst wird dieser Heidenrespekt auch dann, wenn ein Streifenwagen auf der Autobahn gemütlich durch die Gegend schleicht. Kein Verkehrsteilnehmer, der genügend Mut aufzubringen scheint, um das Gefährt stoisch langsam fahrender Ordnungsmacht zu überholen. Der Grund ? Ich weiß es nicht. Kein Tempolimit, kein Überholverbot und kein Unfall. Trotzdem kriecht alles - was im Fahrzeug sitzt - unterwürfig und im Schneckentempo hinterher, als wäre die Kanzlerin persönlich unterwegs.

 

Selbst in der Kölner Fußgängerzone funktioniert es. Ein Beispiel: Zwei Schutzleute schlendern unbekümmert und frei von jeder Hektik, freundlich grüßend über die Einkaufsstraße. Plötzlich höre ich: "Ey lass das Alter!" So raunzt hinter den beiden Ordnungshütern ein Jugendlicher seinen Freund an, der gerade im Begriff ist seine Zigarettenkippe auf die Straße zu werfen. Respekt im Angesicht friedlich flankierender Polizisten, und überall das gleiche Phänomen. Selbst wenn irgendwo im freien Gelände ein Polizeigefährt zwischen Büschen und Bäumen steht, löst es dieselbe durchschlagende Wirkung aus wie der Anblick einer Gefängniszelle. Mitglieder der Unterwelt, ihr seid gewarnt, so die einfache Botschaft.

 

Nicht wenige Zeitgenossen sind es, die sich ebenfalls angesprochen fühlen. Warum eigentlich ? Ist es das schlechte Gewissen ? Oder ist es der gute alte Respekt vor der Obrigkeit ?


(c) Olaf Lüken (2017)

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