Gertraud Widmann

Überraschung


Es war am Weihnachtstag vor vielen, vielen Jahren, als die Mutter meinen
kleinen Bruder und mich am Nachmittag losschickte:
   »Geht`s ein bissl spazieren, weil vielleicht kommt`s Christkind hier vorbei
und des lasst sich ja net gern zuaschaun (zusehen).«.

Na ja, wenn`s moant (meint).
Deshalb gingen Hubert und ich - der Himmel weiß warum - in den Münchner
Ostfriedhof.

Es hatte ein wenig geschneit und es war kalt, saukalt sogar. Darum waren
auch die kleinen Weihwasser-Behälter an vielen Gräbern zugefroren.
Mein kleiner Bruder hatte das sofort bemerkt und wurde auch gleich "tätig",
dieser "Gschaftlhuber“ (Wichtigtuer): 
Denn damit die Leute wieder ungehindert an ihr Weihwasser kommen sollten,
entfernte er bei allen Gräbern an denen wir vorbei kamen, die Eisklötzchen
aus den Behältern und warf sie hinter die Grabsteine.
   Wir waren schon eine ganze Weile unterwegs und hatten schon etliche
Reihen vom "Eis befreit". Aber, dass dieses Eis das eigentliche Weihwasser
war, das kapierten wir erst, als uns deshalb ein alter Mann ansprach und
g`scheit schimpfte. Dass wir es doch nur gut gemeint hätten ließ er nicht
gelten, ganz im Gegenteil, er drohte uns sogar mit seinem Stock.
Is` ja scho guat … I

Inzwischen begann es eh duster zu werden, gefroren hat`s uns und schön
langsam bekamen wir auch Hunger. Außerdem, hatten wir bis jetzt dem
Christkind genügend Zeit gelassen, uns die Geschenke vorbei zu bringen.
Also machten wir uns auf den Heimweg.

 

Zu Hause warteten die Eltern bereits mit dem Abendessen auf uns. Ja und
was gab`s? Richtig! Würstl mit Kartoffelsalat, wie das Jahr zuvor und all die
Jahre danach -  bis heute!
   Das Essen dauerte und dauerte - Himmel nochmal, für zwei so mickrige
Würstl braucht man doch nicht so lange! Endlich, der Vater schob den Teller
zurück, das Essen war somit beendet. Aber jetzt rauchte er auch noch eine
Zigarette ….
   Schließlich verschwand er dann doch im Schlafzimmer (wir hatten ja in der
Ruine nur dieses eine Zimmer und die Küche). Während Mutter und ich den
Tisch abräumten, horchte mein Bruder - ohne Erfolg - an der "Weihnachtstür".


Nach einer gefühlten Ewigkeit bimmelte das Glöckchen, hell und zart - das
Christkind war gekommen!
Aufgeregt stürzten wir ins Schlafzimmer und blieben schlagartig vor dem
Christbaum stehen! Schön bunt war er, wie immer, aber es lagen nur graue
Hausschuhe und ein Malbuch für mich, eine braune Mütze und ein kleines
rotes Feuerwehrauto für Hubert darunter ... Ja was war denn heuer los?
Freilich waren wir arm, aber so arm nun auch wieder nicht.
   Als die Mutter in unsere enttäuschten und traurigen Gesichter sah, zeigte
sie wortlos auf unsere Betten ...

Und da saßen sie:

In meinem Bett ein großer Teddybär aus rosatotem  Plüsch, um den Hals
eine hellblaue Schleife und im Bett meines Bruders saß ein hellblauer Bär,
mit  einer großen weißen Schleife!

Das war die schönste Überraschung meiner Kindheit.


Später erzählte uns die Mutter immer wieder, dass sie damals etliche Monate
etwas vom Haushaltsgeld "abgezwackt" hatte, um uns diese Bären kaufen zu
können!

Danke Mutti.

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