Gerhard Krause

Weisst Du dass die Tiere sprechen ...

Bei uns daheim war immer was los. Wir waren eine große Familie,  ich habe noch 9 Geschwister und meine Eltern hatten Mühe uns zu ernähren und zu kleiden. Wir wohnten auf einem Dominium die es in Schlesien noch viele gab. Mein Vater war dort Wirtschaftsvogt und auch meine Mutter arbeitete dort.

Die Eltern hatten einen langen Arbeitstag und war Feierabend dann ging es daheim weiter. Da war es notwendig, dass meine größeren Geschwister daheim mit Arbeiten betraut wurden damit alles seine Ordnung hatte.

Eines Tages übertrug mir Vater die Pflege der Kaninchen etwa 15 Tiere. Ich hatte für Futter und saubere Ställe zu sorgen, das war machbar, kostete aber viel meiner Freizeit, schließlich ging ich ja noch einige Jahre in die Schule, hatte Schulaufgaben und Freunde die immer Zeit hatten.

Opa der kurz vor Kriegsbeginn auch noch zu uns zog, kontrollierte meine Stallarbeit manchmal, half mir auch wenn mal meine Zeit ganz kurz bemessen war.

Morgens bekamen die Kaninchen Heu und Wasser. Danach ging es zur Schule und wenn diese aus war, gab es Mittagsessen, dann mal kurz zu den Kaninchen geschaut, war alles in Ordnung, wurden die Schularbeiten gemacht. Abends gab es Frischfutter und Heu und einmal in der Woche gründliche Stallreinigung. Die Futterbeschaffung war das Problem, Gemüseabfälle und Kartoffelschalen fielen in der Küche an. Im Sommer musste ich Gras für frisches Gras sorgen. Im Winter war es schon schwieriger an genügend Frischfutter zu kommen, alle Wochen wurden im Winter die vor Frost geschützten Rübenmieten aufgemacht, um Rüben Futter für die Tiere des Dominium zu holen, dabei fielen meist ein Paar Rüben ab und die wurden gut eingeteilt, damit es bis zum nächsten mal reichte.

Opa der eine Stütze der Familie war, erzählte uns mal, dass in der Heiligen Nacht und den nächsten 12 Nächte die Tiere sprechen und über die gute oder schlechte Pflege berichten und wenn man ganz still sei, könnte man es hören.

Opas Worte verfehlten die Wirkung nicht und waren immer im Hinterkopf.  Die Heilige Nacht und die 12 folgende Nächte waren besondere und so auch für die Tiere.

So war nun alle Pflege intensiver und die Ställe immer sauber gehalten.

Bei uns wurde der Weihnachtsbaum erst am 24, im Nachmittag geschmückt, Vater hatte vorher fehlende Äste eingesetzt Nun kamen Kugeln Lametta und Kerzen dran und Gebäck, Schokoladen Kringel und Marzipanstücke. Ab nun war der Baum unter ‚strengerAufsicht‘  jeder achtete auf den anderen dass keine der aufgehängte Süßigkeiten verschwanden.

Bei uns gab es am Heiligen Abend immer Karpfen, welche 1 Woche vorher in den Teichen gefangen wurden  und erstmal einige Tage in die Badewanne kamen, um bei frischem Wasser den  modrigen zu verlieren. Manchmal gab es sie gebraten, mal gedünstet auf den Tisch. Er schmeckte immer gut. 

Aber da waren ja noch die Kaninchen, die in der Nacht sprechen würden und das ging mir nicht aus dem Sinn. Nachdem Essen mussten wir ins Nebenzimmer und hörten den Weihnachtsmann kommen, dürften dann etwas später ins Wohnzimmer und  jeder musste vom Weihnachtsmann sein gutes oder schlechtes  Benehmen hören. Wenn der gegangen war wurde ein Weihnachtslied gesungen dann dürften wir die unter dem Weihnachtsbaum liegenden gut verpackten und mit Namen versehen die Geschenke öffnen. Das war immer eine Freude, auch wenn bei uns, den Verhältnissen entsprechend, die Geschenke nicht üppig waren, so waren wir unsern Eltern doch dankbar und auch sie wurde von uns Kindern beschenkt.

Mit einer Ausrede schlich ich mich später nach draußen und ging noch mal in den Kaninchenstall um dort zu hören, ob die Tiere tatsächlich sprechen, aber es war still im Stall die Tiere schliefen, einige knapperten hörbar noch was am Heu. Ich hörte sie nicht sprechen, es war ja auch noch nicht Mitternacht und es kamen ja noch 12 Nächte. Den späten Gang zum Stall machte ich auch die nächsten Abende, habe aber nie was gehört.

Opa dem mein allabendliches Verschwinden aufgefallen war, sagte mir, er hätte die Tiere sprechen und sich beklagen gehört und ich solle doch meinen Pflichten besser nachkommen. Ich versprach es und nahm es mir fest vor. Der Vorsatz schwächte sich mit der Zeit aber wieder ab.

Jedes mal wenn es bei uns Kaninchen auf den Tisch kamen, Vater und Opa schlachteten die Tiere, musste ich an die 12 Nächte denken ob die Tiere auch ein gutes Leben hatten und aß das Fleisch auch verhalten.

Nun bin ich alt und weiß noch immer nicht, ob die Tiere in der Heiligen Nacht und den folgenden 12 Nächten sprechen  

22.12.2017  Gerhard Krause                   

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