Frank Kaltwasser

Weihnachten bei den Grummels

Weihnachten bei den Grummels


In Hummelsbüttel etwas abseits vom städtischen Trubel stand eine alte Villa. Ihre besten Tage hatte sie schon längst hinter sich, das sah man ihr gleich an, jedoch strahlte sie immer noch etwas Vornehmes aus. Früher haben hier bestimmt einmal reiche Kaufleute oder Fabrikbesitzer gewohnt, derzeit jedoch wohnte in diesem Haus die Familie Lamprecht. Es war rundherum gelb gestrichen und hatte an jedem Fenster dunkelgrüne Fensterläden. Es war bald Weihnachten. In den Fenstern hingen allerlei Fensterbilder und die Blumenkästen vor ihnen wurden durch Lichterketten erleuchtet. Der krumme Schornstein auf dem Dach gab sein Bestes und ließ die Gegend nach frisch verbranntem Kaminholz duften – Elfriede Lamprecht hatte gerade den Kamin angezündet, damit es drinnen lauschig warm wurde. 
Der alte Geräteschuppen diente Papa Leopold als Künstlerwerkstatt. Dort gab es allerhand Werkzeuge und verrostete Gegenstände, aus denen Leopold neue Figuren machte. Einmal hatte er aus einem alten Fass, einem rostigen Spaten und ein paar alten Schrauben einen tollen Ritter gebaut. Die alten Sachen kaufte er bei einem alten Freund, der Schrotthändler war, oder auf den Flohmärkten, die er so liebte. Wenn er auf die Flohmärkte ging, kamen Elfriede seine Frau und die Kinder Klara und Robert mit. Oft kauften sie Sachen, die kein Mensch mehr benötigte. Meist waren es Kisten aus dem letzten Jahrhundert oder alte Bücher, die manchmal schon ein wenig modrig rochen. Klara liebte alte Puppen und Teddybären. Sie hatte vor allem ein Herz für die Kuscheltiere, die andere Kinder nicht mehr mochten, weil sie kaputt oder schon zu fleckig waren. 
Roberts Sparschwein stand immer auf seiner Fensterbank. Es war  schon übersät mit Resten unterschiedlicher Klebstoffe und Pflastern, da Robert es jedes Mal, wenn es zum Flohmarkt ging, mit einem kleinen Hammer zerschlug, um sich ein paar Münzen heraus zu nehmen. Man konnte es ja danach immer wieder flicken. 
In der Küche  der Lamprechts standen unzählige Dinge herum. Die Regale  und Schränke waren gefüllt mit Tassen, Tellern, unterschiedlichen Gläsern von Marmelade, Pflaumenmus,  und Eingekochtem. Viele Teller und Tassen waren abgestoßen. Mama Elfriede brachte es nie übers Herz, etwas weg zu schmeißen. Alles wurde aufbewahrt.
Am liebsten mochte Elfriede das Backen zur Weihnachtszeit. In dieser Zeit lagen neben den Tellern, Gläsern und Tassen auch noch verschiedene Bücher mit Backrezepten herum. Gerade war Elfriede Lamprecht dabei, den Teig für die Weihnachtsplätzchen anzurühren. Der Teig soll dann eine Nacht stehen, damit die Plätzchen besonders lecker werden. Im Ofen schmorte die Weihnachtsgans vor sich hin und auf dem Herd stand ein Topf, in dem die Kartoffeln kochten. Der Kochdunst war an diesem Tag erfüllt mit den Düften der verschiedenen Leckereien und einer Prise hektischer Betriebsamkeit. Schließlich war dieser Tag ein besonderer. An diesem Abend sollte das Christkind kommen. 
Elfriede war wie immer derart in das Kochen und Backen vertieft, dass ihr das kleine Loch in der Wand gar nicht auffiel.  Es war genau zwischen zwei Regalen, in denen sich auf der einen Seite Teller und auf der anderen Seite Konserven und Weckgläser stapelten. Ihr denkt jetzt, dass sei ein Mauseloch? Weit gefehlt! 
Dieses Loch in der Wand war kein gewöhnliches Mauseloch. Die Lamprechts hatten keine Mäuse in der Küche. Dafür sorgte ihre Hauskatze Minka. Das Mauseloch war nichts anderes als die Wohnungstür der Grummels. 
Na, ihr kennt die Grummels noch nicht? Dann hört jetzt mal genau zu: Unsere Familie Grummel sind Georg, der Papa, Elsbeth, die Grummelmama und die Kinder Anton und Paula. Sie wohnten unter dem Holzfußboden des alten Hauses.
Kurz hinter dem Eingang führte eine kleine Treppe hinunter in die Wohnung der Grummels. Dort gab es, wie bei den Menschen, eine Küche, die auch das Wohnzimmer der Grummels war, ein Schlafzimmer der Eltern Georg und Elsbeth und ein Kinderzimmer mit den Betten von Anton und Paula. Die Grummels haben ein Kabel an die Steckdose des lamprechtschen Kühlschrank befestigt. So hatten sie genügend Strom, um die kleinen Lämpchen in der Grummelwohnung leuchten zu lassen.  Ihre Möbel hatten die Grummels aus einer alten Puppenstube von Klara. Die stand immer unbachtet in einer Ecke herum, bis sie die Grummels eines Nachts ganz leer räumten. Für Elfriede und Georg war das ein Traum gewesen: Eine ganze Einrichtung auf einen Schlag! 
Ihr wollt jetzt doch bestimmt wissen, wie die Grummels aussehen, oder?
Anders als die Zwerge, die ihr ja bestimmt kennt, haben die Grummels keine Zipfelmütze und sind auch nicht so käsig im Gesicht. Ganz im Gegenteil: Papa Georg Grummel hasst Mützen. Die braucht er auch nicht, denn auf seinem Kopf sind sicherlich mehr Haare als auf dem eines Zwerges. Auch auf seinem Rücken und auf seinen Füßen hat er Haare. Im Gesicht hat er sehr buschige Augenbrauen, eine Knollennase, die rötlich schimmert und einen Zottelbart, auf den er besonders stolz ist. Am liebsten trägt er seinen grünen Wollpullover und seine blaue Latzhose. Schuhe trägt er keine, die wären ihm viel zu warm. Das Fell auf seinen Schuhen hält ihn schon warm genug. Elsbeth war seinerzeit die schönste Grummeldame, die sich ein Grummelpapa nur vorstellen konnte. Wenn sie lächelt, zeigt sie jedem ihre schönen gelben Zähne. Sie hatte die schönsten Haare auf ihren kleinen krummen Beinen. In ihrem Gesicht mit der roten Knollnase, die immer etwas rosa wird, sobald Elsbeth aufgeregt ist, sprießen weit weniger Haare als bei Georg. Die Grummeleltern hatten sich immer sehr lieb. Oft schaut Georg der Elsbeth ganz tief in ihre lieblichen Glupschaugen und murmelt dann ein „Ich hab dich lieb“ durch seinen Bart in ihre abstehenden Ohren. Ja, man konnte sagen, dass die Grummeleltern glücklich miteinander waren. Ihre beiden Kinder Anton und Paula waren gut erzogene Kinder. Sie lernten schon früh, ihre Zimmer unordentlich zu halten und wenn sie noch Platz in ihrem Kinderzimmer hatten, schafften sie es, diesen schnell mit dem allerschönsten Krimskrams voll zu stellen. Bei den  Grummels, und da unterscheiden sie sich wirklich von den Menschen, ist der Tag dunkel und die Nacht hell. Wenn es bei ihnen Nacht war, waren die Lamprechts draußen vor dem Mauseloch in ihren riesigen Betten und schnarchten. Die Grummels krochen dann aus ihrem Loch um in dem Menschenhaus die dollsten Dinge zu entdecken und um dabei etwas zu Essen zu ergattern. Essen mochten die Grummels immer gern. Am liebsten Süßigkeiten. Deshalb ist ihnen allen im Laufe der Zeit ein kleiner Bauch gewachsen. Die Grummelkinder liebten es, mit den Spielzeugen der Menschenkinder zu spielen. Sie tobten dann und rannten herum. Sie hatten keine Angst, dass sie von den Menschenkindern entdeckt werden könnten. Dazu schliefen diese viel zu fest. Oftmals machten Sie ganz schön viel Unordnung in den Kinderzimmern.
Die Weihnachtszeit fanden die Grummels immer besonders spannend. Jedes Jahr schleppten die Lamprechts einen riesigen gestachelten Baum ins Haus. Da hängten sie  allerlei Zeug dran. Anton und Paula fanden jedes mal die großen roten Kugeln besonders schön. Wenn Paula sich darin spiegelte, hatte sie eine riesige Knollnase und ganz kleine Augen. Anton konnte sich vor lachen nicht mehr halten. 
Eines Tages, die Lamprechts waren gerade zu Bett gegangen, wachte Anton auf und hatte einen herrlichen Duft in der Nase. „Paula, wach auf! Es riecht hier so herrlich.“ Paula aber dachte gar nicht daran, auf zu wachen. Sie drehte sich nur müde um, und schon bald schnarchte sie wieder. „Paula!“ Es nützte nichts. Leise schlich Anton sich ins Badezimmer und holte einen Waschlappen. Er ging zum Waschbecken und drehte vorsichtig den kleinen rostigen Wasserhahn auf. Der quietschte leise. Das Wasser war eiskalt. Anton machte den Waschlappen schön nass. „Na wollen wir mal sehen, ob du wach wirst.“, murmelte er. Was hatte er vor?
Leise schlich er wieder zurück ins Kinderzimmer in dem Paula noch schlief. Vorsichtig näherte er sich ihrem Bettchen und … schwubs, hatte sie den kalten Waschlappen im Gesicht „ Ihh! Du Schwein!“ Klara war hellwach und wollte sich gleich auf ihren Bruder stürzen, doch auf einmal hielt sie inne und schnupperte. „He, Anton, riechst du das auch?“ Anton leckte sich die Lippen „Es kommt auch der Küche der Lamprechts. Wollen wir mal sehen, was dort ist?“ 
Klara quälte sich langsam aus ihrem Bettchen, zog ihren Schlafanzug aus und schlüpfte in ihr rosa Kleidchen. Der Schlafanzug flog dann in eine Zimmerecke zwischen den Puppen und Bausteinen. Unordnung musste halt sein. Auch Anton zog sich schnell um. Seine Unterhose flog in hohem Bogen in Klaras Bettchen und müffelte dort gemütlich vor sich hin. Schnell noch die Hose an und den Pullover drüber und dann machten sich die beiden auf den Weg in die Menschenküche, denn aus ihr kam der köstliche Geruch. Auf dem Küchentisch stand eine Schüssel. Vor dem Tisch stand ein weißer Küchenstuh.l„Los lass uns da hinauf“, Anton und Paula zogen sich an dem Stuhlbein  hoch bis sie auf dem Stuhl standen. Dann zogen sie sich an der Tischplatte herauf.. Das Klettern machte den Grummelkindern ganz schön viel Mühe. Endlich waren sie oben auf der Tischplatte angekommen. Dort stand eine hohe Schüssel „In dieser Schüssel muss der leckere Plätzchenteig drin sein“, flüsterte Anton seiner Grummelschwester zu, „Wie kommen wir da nur dran?“ Paula hat einen große Streichholzschachtel entdeckt. Mit vereinten Kräften schoben sie die Schachtel vor die Schüssel. „Wenn wir uns auf die Schachtel stellen, können wir in die Schüssel greifen und von dem köstlichen Teig probieren.“ Paula zögerte noch ein wenig. Sie meinte ein leises Singen zu hören und glaubte, dass es aus dem Haus der Lamprechts kam. „Meinst du, dass das die Lamprechts gar nicht merken. Sie werden sich doch wundern, wer von dem Teig genascht hat.“ „Ach Unsinn! Die werden schon nichts merken. Außerdem essen wir ja nicht alles auf. Wir probieren ja nur. Das wird doch schon nicht auffallen.“ Paula war noch nicht ganz überzeugt, dennoch ging sie mit auf die Rührschüssel zu , als Anton sie am Ärmel zog. Beide sprangen auf die Schachtel. Sie beugten sich tief in die Rührschüssel, um ihre Finger in die süße Masse zu tauchen. Plötzlich machte es ein Riesengepolter und beide Grummelkinder rutschten in die Schüssel. Sie  saßen in einem süßen Teig. Da sie jetzt schon mal mitten in der wohlschmeckenden Masse saßen begannen sie den Teig zu schlecken. „Hmm lecker!“ Paula blickte ganz besorgt drein: „Mensch Anton, denk doch mal nach!“, doch Anton war ganz hin und weg. Immer wieder tauchte er seine Hand in den süßen Teig und schleckte diese dann gierig ab. „Anton! Hör‘ mir mal zu!“ Anton hielt mit dem Schmatzen inne „He?“ „ Mensch Anton, wir müssen sehen, dass wir wieder herauskommen, bevor uns die Lamprechts erwischen!“ „Ach Paula, die schnarchen doch tief und fest in ihren Betten.“ Anton steckte sich gerade wieder genüsslich einen Finger in den Mund.“ „ Ach ja? Wir sitzen jetzt mit dem Po in dieser Masse. Was glaubst du, wie wir wieder zurück in unsere Wohnung kommen, ohne eine Teigspur zu legen, die die Lamprechts geradewegs zu unserer Haustür führt, na?“, Paula wurde nun wütend, wie konnte ihr Bruder so dumm sein. „Ja, äh, da hast du recht.“ Er quälte sich jetzt langsam aus der süßen Masse und kletterte die Schüsselwand hoch. Paula folgte ihm. Ihr ganzes Kleid war verklebt. Als sie beide wieder auf dem Tisch standen, bildeten sich schon Teigpfützen unter ihnen. 
Hastig begannen sie, diese auf zu schlecken. Wie zwei Wischlappen leckten ihre Zungen den ganzen Teig von der Tischplatte. Sie leckten an ihren Händen und Armen. Als sie sicher waren, dass sie keine Spuren mehr hinterlassen würden, wollten sie den Tisch herunter klettern. „Lass uns noch ein wenig naschen?“ Anton konnte nicht genug bekommen, doch Paula brachte ihn wieder zu Verstand „Untersteh dich! Lass uns sehen, wie wir wieder nach Hause kommen.“ Paula sprang  als erste auf den Stuhl und klammerte sich an das Stuhlbein. Langsam glitt sie herunter. Als sie nach oben blickte um zu sehen, wo den Anton bleibt, bekam sie einen klebrigen Fuß ins Gesicht „Autsch! Mensch Anton pass doch auf!“ Sie waren fast auf dem Fußboden angekommen, als sie ein unheimliches Geräusch hörten „Miau!“ Sie wurden ganz bleich vor Schreck und ihre Nasen färbten sich hellrosa. Minka die Hauskatze schlich in der Küche herum. Obwohl die Grummels nichts mit einer Maus gemeinsam hatten, konnten Katzen sie doch leicht mit Mäusen verwechseln. Paula und Anton jedoch wollten auf keinen Fall als Katzenmahlzeit enden. Sie hielten sich krampfhaft am Stuhlbein fest und schauten ängstlich auf den Fußboden. „Da unten ist sie.“ Paula flüsterte so leise wie möglich.“ „Halt dich fest. Ich werde sie ablenken. Anton kletterte das Stuhlbein wieder hinauf.  Paula erstarrte. Minka kam jetzt direkt auf sie zu Hatte sie sie gesehen? „Miau!“ Sie kam immer näher und betrachtete sie mit ihren grünen Augen. Ihr lief bereits das Wasser in ihrem Maul zusammen, dass konnte Paula schon sehen. „Sie wird mich gleich fressen“ Wie gelähmt vor Angst hockte  Paula da, als Minka ihre raue Zunge herausstreckte und an Paulas Fuß schleckte. Paula fing plötzlich an zu lachen. Sie war kitzelig an ihren pelzigen Füßen. Die Katze kümmerte das wenig. Sie schleckte den süßen Teig von Paulas Füßen. Paula zappelte. Als Minka mit ihren Füßen fertig war, leckte sie an Paulas Beinen. Paula konnte sich vor lachen kaum halten. Minka kitzelte sie durch. Auf einmal hatte Paula keine Angst mehr. Minka mochte bestimmt keine Grummels, sie mochte nur den Plätzchenteig. Sie ließ sich auf den Fußboden fallen, und Minka schleckte sie ab. Am liebsten hatte Paula es, wenn sie am Rücken massiert wurde. Minkas raue Zunge war genau richtig dafür. Paula lachte und kicherte vor Vergnügen und auch Minka gefiel es, Paula zu kitzeln und ab zu schlecken. Plötzlich kleckerte ein Schwall Teig vom Tisch direkt auf den Boden. Minka hörte das. Sie drehte ihren Kopf. Paula rief ihren Bruder„Anton, wo bleibst du?“ Just in diesem Moment rutschte Anton an dem Stuhlbein herunter. Als er unten angekommen war, rief Paula: „Minka, guck mal, dein Nachtisch ist angekommen.“ Anton erbleichte, als Minkas Zunge sanft über seinen Rücken strich. „Sie tut dir nichts, Anton. Sie will nur den Teig abschlecken. Mit einem Zögern setzte sich Anton auf den Küchenboden. Er nahm all seinen Mut zusammen und hielt Minka seine teigbesudelten Füße vor die Schnauze. 
Er musste lachen als sie mit ihrer Zunge an seiner Fußsohle schleckte. „Hihihi Mihihinka, das kihihitzelt! hahaha“ 
Als sie beide restlos sauber geleckt waren, verabschiedeten sich die beiden Grummelkiner atemlos von Minka und tapsten wieder zu ihrem Mauseloch. Mama und Papa waren bestimmt schon aufgestanden und warteten mit dem Frühstück.  
Als die beiden in die Küche kamen saßen nicht nur Mama und Papa am Tisch. Opa war zu Besuch gekommen. 
Für ihren Besuch hatten die Grummels extra einen Außeneingang gebaut. Es war ganz schön mühsam, das neue Mauseloch in die dicke Außenwand des Hauses zu hämmern. Vorher musste der Papa Georg einige Berechnungen anstellen. Er hat dann stundenlang am Küchentisch gesessen und verschiedene Zeichnungen gemacht. Fluchend hat er hin und wieder zum Radiergummi gegriffen und dann hat er wieder neu gerechnet und gerechnet. Endlich war es dann soweit. An einem Tag, als die Lamprechts nicht im Haus waren. Hatte der Papa zu seinem größten Hammer gegriffen und auf die Wand eingedonnert. Als der Durchbruch geschafft war, landete Papa direkt neben der großen Regentonne ins Freie. Das ganze Rechnen hat sich gelohnt. Von Draußen ist das kleine Eingangsloch in einer dunklen Ecke neben der Regentonne für Menschen nicht zu sehen. Durch diesen neuen Eingang ist heute morgen der Opa gekommen. Oma und Opa wohnen unter dem Fußboden der Werkstatt nebenan. Er ist dann durch einen langen Gang unter dem Fußboden der Lamprechts bis direkt in die grummelsche Wohnung gelangt. Opa Erwin kommt gern mal vorbei, wenn Oma Ilse zu Hause herumwirbelt. Einerseits steht Opa dann nicht im Weg herum und andererseits kommt er auch nicht in die Verlegenheit, das ein oder andere mitzuhelfen. 
Als Anton und Paula ihren Opa sehen, stürmen sie auf ihn los: “Opa, Opa!“ Der Opa nahm sie in die Arme und setzte sich Anton und Paula auf seinen Schoß. „Wisst ihr was heute ist, ihr beiden Grummelchen?“ Die Grummelkinder schauten sich fragend an. „Haha, heute ist Heiligabend. Heute kommt das Christkind zu den Menschenkindern und bringt eine Menge Spielzeug.“ Antons und Paulas Augen leuchteten „Das Christkind?  -Hurra!“ Die Grummelkinder wussten ganz genau, dass es zu Weihnachten wieder neue Sachen zum Spielen gab, denn wenn die Menschenkinder ins Bett gingen und schliefen, hatten die Grummelkinder alle schönen neuen Spielsachen für sich ganz allein. Doch der Opa hatte noch eine schöne Überraschung für die beiden Kinder: „Na, habt ihr denn das Christkind schon gesehen?“ „Nein, Opa, darf man das Christkind denn überhaupt sehen?“ Der Opa rückte seine Brille nachdenklich zurecht. „Naja“, sagte er ernst, „Die Menschenkinder dürfen das Christkind natürlich nicht sehen. Es muss ja schnell von Haus zu Haus, um all die Geschenke zu verteilen, denn sonst sind am Ende ja Kinder da, die an Weihnachten kein Geschenk bekommen und furchtbar traurig sind. Das darf natürlich nicht passieren. Anders ist es mit den Grummels. Die Menschen wissen ja nicht, dass es die Grummels gibt, und niemals hat ein Mensch einen Grummel gesehen. Dazu sind wir Grummels ja viel zu klein und zu unscheinbar. Das Christkind kennt die Grummels von jeher. Zwischen dem Christkind und den Grummels herrschte schon immer eine tiefe Freundschaft. Deshalb dürfen manche Grummelkinder das Christkind sehen, ja ihm sogar einen guten Tag wünschen. Heute Abend ist es soweit. Das Christkind will wissen wie es euch geht. Vielleicht hat es euch ja auch etwas mitgebracht.“ Die Kinder waren sehr begeistert. „Das Christkind kommt, wenn es für die Menschen Abend ist, also müsste es gleich soweit sein. „Sind die Menschen denn heute nicht im Bett?“, Anton wurde ganz bleich, wenn er daran dachte, dass er und Paula  hätten entdeckt werden können, wenn jemand von den Lamprechts in die Küche gekommen wäre.„ „Nein nein, sie sind dann in ihrem Wohnzimmer. Sie sitzen dann vor ihrem Stachelbaum und manchmal singen sie Lieder. Jetzt erinnerte sich Paula an den leisen Gesang der im Haus gewesen ist, als sie und Anton auf dem Küchentisch ihr Unwesen trieben. 
„Das Christkind müsste bald bei den Lamprechts sein. Als ich vorhin durch die Außentür ging, war es in der Nebenstraße. Ich habe den Lichtschein gesehen. „Lichtschein?“ Anton und Paula blieb der Mund offen stehen. „Ja der Lichtschein. Das Christkind fährt mit seinem himmlischen Schlitten durch die Straßen...“ „Ja, aber da ist doch überhaupt kein Schnee“, protestierte Anton, der Opa schmunzelte, „Das braucht es auch nicht. Der himmlische Schlitten schwebt ganz leicht über den Boden, ganz ohne Schnee. Da staunt ihr, was?“ 
Anton und Paula waren ganz aufgeregt. Ihre Nasen waren ganz rosa. Auch Papa Georg und Mama Elsbeth  lächelten gespannt. „So ihr beiden, zieht euch mal ein wenig weihnachtlich an, denn das Christkind ist gleich da.“ Anton und Paula rannten in ihre Zimmer und suchten sich das Schönste unter ihren Kleidern aus. Paula zog ihr rosa Kleid mit den Glitzerknöpfen und den schönen Blumen an. Anton kroch in seine schönste Latzhose und zwängte sich in seinen Lieblingspullover. Als sie wieder in die Küche kamen, hörten sie von oben her seltsame Geräusche. Es war unruhig geworden im Wohnzimmer der Lamprechts. Es gab ein Geknister und ein Scharren. „Das Christkind ist gerade bei Lamprechts Klara und Robert, die Menschenkinder sind noch in Ihren Zimmern. Ich glaube, die sind im letzten Jahr besonders lieb gewesen. Es hört sich an, als ob das Christkind ganz schön viel zu schleppen hat.“, der Opa lächelte. Bald war es wieder ruhig im lamprechtschen Wohnzimmer. Dann ein Ruf von der Mutter und dann ein lautes Getrappel. „Es ist Bescherung“ murmelte der Papa. „So liebe Kinder, jetzt ist es soweit. Wenn die Menschen ihre Geschenke auspacken, können wir Grummels jetzt zu unserem Ausgang neben dem Regenfass gehen und unser Knollnäschen hinaus strecken.“ „Zieht euch eine Jacke an“, Mama und Papa waren auch aufgestanden. Mit Jacken, Schal und Handschuhen gingen die Grummels unter dem Fußboden hindurch bis zu ihrem Mauseloch. Als sie ihre Nasen herausstreckten war es kalt und...hell „Anton und Paula konnten ihren Augen nicht trauen. Da stand ein riesiger Schlitten, gezogen von einem weißen, leuchtenden Pferd und über und über beladen mit Geschenken. Ganz vorne saß ein kleiner Junge. Er war auch weiß angezogen und leuchtete auch ein wenig. 
Plötzlich winkte er ihnen zu. Anton und Paula blieb der Mund offen stehen. „Na ihr beiden? Das habt ihr auch noch nicht gesehen, was? Ich freue mich, euch zu sehen. Das Christkind beugte sich ganz zu ihnen herunter. „Hallo Erwin, alter Junge, dass sind also deine Enkel?“ Opa lächelte. „Hallo Christkind, schön dass du heute bei uns vorbeikommst.“, sagte er, während Mama und Papa staunend in ihrem Mauseloch stehengeblieben waren. Mama und Papa hatten das Christkind auch noch nie gesehen, da es ja nur ab und zu zu den Grummelfamilien kommt. Auf einmal kam auch Mama aus dem Mauseloch hervor und sagte „Hallo Christkind, ich freue mich ja so, dass du kommen konntest. Ich habe dir ein paar von unseren leckeren Plätzchen eingepackt. Einen Tee habe ich dir auch gekocht, damit du heute Abend bei Kräften bleibst. Es wird ja noch lange für dich.“ Das Christkind nahm Kekse und Tee und bedankte sich bei Mama Elsbeth. „Nun ja, wenn ich schon mal bei euch Grummels vorbeikomme, will ich euch auch etwas schenken“, fuhr das Christkind fort. Es stieg wieder auf seinen großen weißen Schlitten und kramte etwas aus dem riesigen Geschenkehaufen. Es gab Opa, Mama und Papa etwas in die Hand.“Für euch habe ich natürlich auch noch etwas. Schon wurde Anton und Paula jeweils ein kleines Päckchen in die Hand gedrückt. Das Christkind kramte noch ein Geschenk hervor. „Das hier, lieber Erwin ist für deine fleißige Frau.“  Alle Grummels strahlten über das ganze Gesicht, und ihre Nasen schienen allesamt rosa zu leuchten. „Es ist immer wieder schön, wenn ich euch eine Freude machen kann“, sagte das Christkind, schwang sich elegant auf den Schlitten und wendete. „Komm bald mal wieder, liebes Christkind“ , rief Papa Georg hinterher „Und danke für die schönen Geschenke“, brüllten sie Kinder den sich immer weiter entfernenden Schlitten hinterher. Bald war er nur noch ein weißer Punkt am Horizont. Die Grummelfamilie stand immer noch vor ihrem Mauseloch hinter dem Regenfass. „Na wollt ihr nicht reinkommen und eure Geschenke auspacken?“ Oma Grummel kam auf sie zugelaufen. Alle schlossen sie in die Arme. Als sie sich begrüßt hatten, gingen wie wieder unter dem Fußboden der Lamprechts hindurch in die grummelsche Wohnung zurück. 
Bei den Lamprechts war es still geworden. Nur ein leises Schnarchen war zu hören. Die Nacht war ruhig. Niemand hörte wie es unter dem Fußboden der Lamprechts raschelte, und auch die Jubelschreie die erschallten, als Anton und Paula  ihre Pakete auspackten. 
Es war Nacht geworden in Hummelsbüttel, und die ersten Schneeflocken fielen vom Himmel. Es war Weihnachten.  

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.12.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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