Marlene Remen

F Ü R M A T T H I A S

Oft und gerne erinnere ich mich an meine Kindheit, ganz besonders
jetzt zur Weihnachtszeit. Im Jahre 1947 kam ich zur Welt, sollte eigentlich ein
Nikoläuschen werden, hatte mich aber dann entschieden, erst drei Tage
später mein warmes, kuscheliges Zuhause in Mamas Bauch zu verlassen.
Es war ein einfaches Leben damals, so kurz nach dem Krieg, doch meinen
beiden älteren Geschwistern und mir fehlte nichts, ganz besonders nicht
die Liebe unserer Eltern.

Als ich so ungefähr 5 oder 6 Jahre alt war, sah ich in einer Losbude auf dem
Kirmesplatz der Spätkirmes, die immer im September war, eine wunderschöne,
große Puppe. Sie hatte dunkles gelocktes Haar und ein ganz feines Kleidchen an,
auf dem kleine Röschen aufgestickt waren. Sie war in einem großen Karton
und man konnte sie mit einem Los gewinnen. Doch diese Chance, es zu schaffen,
sie war sehr gering. Ich hatte mich sofort in diese Puppe verliebt und schwärmte
meinen Eltern die Ohren damit voll.

Mama meinte : "Wünsche sie dir doch zu Weihnachten und wenn du ganz lieb bist,
so wie eigentlich immer, vielleicht bringt dir das Christkind dann diese Puppe !"
Ja, das leuchtete mir ein und ich malte jeden Tag ein Bild, auf dem die Puppe war.
Die Zeit bis zum Weihnachtsfest wurde mir viel zu lang und ich fieberte diesem Tag
entgegen. Dann kam er endlich, der ersehnte Tag, auf den ich mich schon so lange freute.
Bei uns Zuhaus war die Bescherung erst am 1. Weihnachtstag und erst, wenn unsere
Mutter uns rief, durften wir in die große Wohnküche kommen. Der Tannenbaum war so
wunderschön geschmückt, die Kerzen waren angezündet und auf dem großen Tisch,
der mit einer Weihnachtsdecke bedeckt war, die bis auf den Boden reichte, standen die
Weihnachtsteller mit so vielen leckeren Sachen drin, ich sehe es heute noch vor mir.

Wir Kinder bekamen auch neue Pullover, Mützen und Handschuhe, von unsere Mutter
gestrickt, sie waren sehr schön. Doch mein Blick ging suchend durch die ganze Küche
und mein Herz wurde mir schwer. Erst als ich in Tränen ausbrach, nahm mein Vater mich
zur Seite, er wußte ja, was ich suchte.  "Hast du auch überall gekuckt, auch unter dem Tisch ?"
fragte er und lächelte. Ganz vorsichtig hob ich die Tischdecke ein wenig hoch und da war er,
der Karton. Mama sagte aber : "Da steht für Matthias drauf !"  F Ü R       M A T T H I A S   ?????
War er gar nicht für mich, doch dann jubelte ich los : "Doch es ist wohl für mich, machte den
Karton auf und da war sie, die schönste Puppe, die ich jemals gesehen habe.
Mein Vater nannte mich immer scherzhaft Matthias, dabei war ich doch kein Junge, sondern
ein kleines Mädchen, welches an diesem Tag sehr glücklich war.
Erst viel später habe ich erfahren, daß er die Puppe dem Losverkäufer abgekauft hat, aber
dieses Weihnachten wird mir für immer unvergeßlich sein.

In meiner Geschichte habe ich vergessen zu erwähnen,
ich habe auch noch ein jüngeres Schwesterlein,
sie hatte aber mit Puppen nicht so viel am Hut.
Marlene Remen, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.12.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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