Wolfgang Küssner

Deutsch-Prüfung

Das Goethe-Institut bietet überall auf der Welt Deutsch-Kurse an. Das Interesse am Erlernen dieser Sprache ist groß. Da möchten junge Menschen in old Germany studieren, andere hoffen auf einen Job im z.B. unterentwickelten Pflegebereich; Fachkräfte werden benötigt, Flüchtlinge suchen eine temporäre, sichere Bleibe und binationale Paare eine gemeinsame Zukunft. Die dt. Sprache ist – wie wir alle wissen - keine leichte. Da sind die vielen Artikel, das Konjugieren, die Zeitformen, homonyme Wörter – also jene mit Doppelbedeutung -, die Interpunktion, um nur ein paar der Problembereiche aufzulisten. Am Ende eines Deutsch-Kurses steht eine Prüfung. Da fast die Hälfte der deutschen Verben, die eine Vorsilbe haben, mit ver... beginnen, sind diese Wörter heute Gegenstand einer Prüfung. Die Schüler sollen einzelne Vokabeln erklären, ergänzen. (P = Prüfer, S = Schüler)

P: Lukas kommt im Rechnen mehrmals auf das falsche Ergebnis. Das nennt man.....          S:.....verrechnen

P: Was könnte wohl das Wort verfassen bedeuten?                     S: Verfassen meint, daneben zu greifen, z.B. den falschen Demonstranten zu packen.

P: Ergänzen Sie bitte die folgende Wörter der Logik nach – verliebt, verlobt...                 S:.....verheiratet, verschieden

P: Geben Sie uns bitte ein Beispiel zum Verständnis des Wortes verrufen.              S: Wenn die Mama statt der Tochter Maria den Sohn Klaus ruft, dann ist sie verrufen.

P: Ergänzen Sie bitte den Satz: Beim Gericht wurde offensichtlich ein Fehlurteil gesprochen, denn.....        S:.....auch Richter können sich verrichten.

P: Was verstehen Sie unter verankern?         S: Wenn ein Kapitän sein Boot an einer falschen Stelle festmacht.

P: Bitte erklären Sie den Begriff verantworten.     S: Wenn jemand auf eine Frage hin unwissentlich mit einer Lüge antwortet.

P: Was bedeutet das Wort vermögen?               S: Nun, wenn ein bestelltes Essen nicht dem Geschmack entspricht, man es nicht mag.

P: Erklären Sie uns doch bitte mal den Begriff verraten.    S: Eine Person gibt beim Quiz eine falsche Antwort und hat sich damit klar verraten.

P: Kennen Sie ein Beispiel für das Wort verpuffen?    S: Darf ich das hier sagen? Also, wenn jemand zur Hure geht und dann seine Kräfte nachlassen.

P: Wie würden Sie das Wort verstellen erklären?   S: Menschen, die vorgeben, etwas anderes zu sein, als sie tatsächlich sind, die verstellen sich.

P: Und wie steht es mit der Vokabel verbissen?        S: Na, das ist doch klar, wenn beim Essen das Gebiss im zähen Fleisch stecken bleibt.

P: Was könnte das Wort verbriefen wohl meinen? Haben Sie eine Idee?     S: Eine SMS, eine Mail, ein tweet bei Twitter wird noch in schriftlicher Form verschickt, das nennt man dann verbriefen.

P: Was fällt Ihnen zum Wort verfliegen ein?           S: Der Bord-Computer eines Flugzeugs wurde falsch programmiert. Statt in Athen ist die Maschine in Kairo gelandet. Experten nennen das Verfliegen.

P: Kennen Sie die Vokabel verdonnern? Was könnte damit wohl gemeint sein?            S: Ja, das geht um die Natur. Nach einem kräftigen Blitz sollte es eigentlich heftig donnern. Wenn nicht, dann spricht man von verdonnern.

P: Kommt der Begriff verduften auch aus der Natur? Was meinen Sie?               S: Das könnte gut sein. Wenn eine Blüte statt nach Rosen zu duften, Schmeißfliegen anlockt, dann sollte man schnell verduften.

P: Erklären Sie uns doch mal den Begriff vergeben.    S: Wenn mein Geschenk eigentlich jemand anderes bekommen sollte, dann bin ich vergeben, äh, nee, habe ich mich vergeben.

P: Was fällt Ihnen denn zum Wort vergeigen ein?         S: Ich bin zwar kein Musiker, aber wer Violine spielt und keine Noten hat, der läuft Gefahr, sich zu vergeigen.

P: Verhüten. Was könnte das Wort bedeuten?    S: Das liegt doch auf der Hand, bzw. auf dem Kopf – eine falsche Kopfbedeckung.

P: Da wird etwas verordnet. Wie verstehen Sie das?          S: Ich würde sagen, das Chaos wird wieder hergestellt.

P: Geben Sie uns ein Beispiel für das Wort verworfen.     S: Das ist doch leicht. Der Stein landete versehentlich im Glashaus.

P: Wie verstehen Sie die Vokabel verschärfen.      S: Das Essen ist geschmacklos, da gehört mehr Chili hinein.

P: Erklären Sie doch bitte mal das Verb versprechen.    S: Wenn ganz andere Worte aus dem Mund kommen, als geplant, dann spricht man wohl von versprechen.

P: Und wie steht es um das Wort verfahren?     S: Ganz einfach, falsch abgebogen, falsche Ausfahrt gewählt. Ein Navi würde das Verfahren verhindern.

P: Sie haben vielleicht schon mal in Zeitungs-Anzeigen gelesen, da sei eine Person verstorben. Wie ist das bitte zu verstehen?      S: Vermutlich ging es um eine kranke Person. Diese hat aus Versehen den falschen Tod gewählt und sich somit verstorben.

P: Ich denke, das sollte als mündliche Prüfung reichen. S: Danke, auch das ich die ganze Zeit über sitzen durfte, während Sie stehen mußten. Hoffentlich haben Sie sich jetzt nicht verstanden. P: Das Ergebnis erfahren Sie später. Eines darf ich Ihnen an dieser Stelle schon bescheinigen, Sie sind ganz schön verschlagen. S: Wie bitte, verschlagen? Ich habe mich doch wohl recht gut geschlagen, oder? P: So eine Kreativität habe ich selten in einer Deutsch-Prüfung erlebt.

 

September 2017

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