Olaf Lüken

Solange der Vorrat reicht

Geiz ist geil, und hamstern macht Spaß, solange alles billig zu haben ist. Entfernen
wir den deutschen Bundesadler und machen den Hamster zu unserem Wappentier.
Der kleine goldbraune Laufradtreter verkörpert jahrelang deutsche Grundtugenden
und Befindlichkeiten. Hamster legen Vorräte an, damit sie Krisen überstehen. Da
mache ich mit. Diese Einstellung, ich gebe es zwar ungern zu, aber sie wurde mir
von Einzelhändlern und ihren cleveren Marketingstrategen anerzogen, die sich
Sprüche einfallen lassen wie: "Solange der Vorrat reicht." Oft finde ich diesen Hin-
weis im Kleingedruckten, wo vornedrauf steht, groß und grell:"Super-Riesen-3D-
Prismafernseher mit Surround-Massagefunktion. Nur 99 Euro." Oder so ähnlich.
Daran angebracht ein kleines Sternchen: "Solange der Vorrat reicht."

Robert Galdini, Amerikaner und Verkaufspsychologe, stellte fest, dass Kunden mehr
kaufen, wenn sie eine gewisse Angst im Nacken verspüren und befürchten müssen,
leer auszugehen. Interessanterweise funktioniert es auch, wenn es sich um völlig
überflüssige Produkte und offensichtliche Nonsense-Aussagen handelt. Einem
Elektromarkt geht der Bildschirmvorrat nie aus, es sei denn, den chinesischen Zu-
lieferern geht der Vorrat an Fabrikarbeitern aus, was höchst unwahrscheinlich ist.
Und die "nur 99 Euro" sind keine Frage des Vorrats, sondern eine des Preises.
Außer seinem Wunsch, nicht in Konkurs gehen zu müssen, hindert den Einzelhänd-
ler nichts daran, sämtliche Fernseher für 99 Euro das Stück anzubieten.

Kaum habe ich aber den Laden betreten, stelle ich fest, dass der Bildschirmvorrat
längst aufgebraucht ist. Na, dann kaufe ich halt etwas anderes, wo ich schon mal
hier bin. Bevor die Inflation mein Geld frisst, komme ich ihr zuvor. Denn die nächste
Krise kommt bestimmt. Mein Vorschlag: Spare nie in der Not, dann hast du keine Zeit
dazu.

(c) Olaf Lüken

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