Maik Tippner

Traum und Realität

Als Mellanie aus dem Flieger ausstieg, es war in Leipzig, regnete es leicht. Es war Frühling und alles grünte bunt vor sich hin.

Sie sah Anzeigetafeln mit Namen, Wörtern und Zahlen auf denen die wichtigen Informationen standen. Morgen würde ihre Arbeit los gehen. In einer Sonderpädagogischen Einrichtung nahe der Stadtaussengrenze in einem Gewerbegebiet. Doch noch ein Tag FREI! Sie überlegte ob sie ihr Handy wenigstens bis Mittag aussalten dürfe. Sie tat es demnächst. Das Gefühl der leeren Freiheit. Ohne Elektronik? Nicht ganz denn immerhin beobachteten sie Kameras und ihr Standort wurde vermittelbar auch durch den Surrogatenapparat in ihrer Handtasche im Ausgeschalteten Zustand. In der S-Bahn an den Fensterscheiben liefen die Nachreichten an den Fensterscheiben. Terroranschläge, jeden Tag Terroranschläge. Warum? Fragte Melanie sich, warum greifen die immer wieder Unschuldige an? Oder sind wir alle mehr oder minder Schuldig, wiel wir in einem System mitmachen, dass sich schon überholt hat?

 

Ihr Handy schwieg.

 

Erstmal in die Wohnung. Bei ihrer Freundin wollte sie eine Zeit bleiben. Sie trafen sich vor der Abflughalle.

Hallo Cindy. Und sie umarmten sich.

War's ein anstrengender Flug?

Na es ging, hab ein bissle geschlofen. Überm Mittelmeer, Gewitter aber sonst Ok.

Was ist mit Afrika?

Ach Afrika... Meine Eltern wollen nicht mehr zurück sie haben gefunden, was sie gesucht haben. Und Afrika ist im Kommen. Die haben dort besseres Internet als bei uns.

Wann geht die Arbeit los?

Morgen!

Morgen schon?! Naja haben wir heute noch Heute für uns.

Ja Cindy.

 

Und sie umarmten sich und drückten sich und küssten sich.

 

Hast Du dein Handy vergessen?

Ach, ich hab's ausgeschaltet.

Oh, Mellanie, das darfst Du nicht machen. Allein die Sicherheitslage und die.. überleg doch mal die FREIHEIT.

Was?! Ich glaube es ist frei.... aber lassen wir das, es wird Zeit Cindy.

Ja komm las uns gehen, du hast sicherlich viel zu erzählen.

Auf der Strasse waren die Menschen damit beschäftigt auf ihre Surrogaten zu schauen. Sie spielten, hörten Musik oder fragten nach dem Weg, schauten Pornos oder Katzenvideos an. Einigen lachten unvermittelt laut los oder führten scheinbar Selbstgespräche. Wie sehr doch alle den Zombiecharachkter annahmen, dachte Mell. Vielleicht sieht es aber auch niemand ausser mir? Oder alle sehen es und keiner denkt nach. Oder alle denken nach, wissen aber nicht wie oder wissen nicht was richtig ist. Und vor allen Dingen,wie sie da raus kommen sollen.

Gegen Mittag, es gab Spargel, schaltete Melanie ihr Handy wieder ein. Es blubberte und vibrierte in einer Tour. Sie sollte sich Angebote unterbreiten lassen für Partnerreisen und andere Dienstleistungen bei denen man 200€ pro Minute verdienen konnte. Sie sollte den Flughafen bewerten und das Reiseunternehmen, den Hauptbahnhof und die Arkarden am Brühl obwohl sie da ja eigentlich nie war. Alles Prima tippte sie ohne zu überlegen ein. Und studierte die Unterlagen für den darauf folgenden Tag.

Zwei Authisten, ein Schizophrener, ADHS in Haufen und der Rest Trisomie 21. Oh Frau?! Dachte sie, gendermainstreammässig korrekt. Das wird was werden. 30 Jugendliche und auch noch so verschieden und auch noch geistig anders interresiert.

Sie war es ja gewohnt in Herrausforderungen zu denken, aber wer muss den so viel sparen.

Soll ich für dich das Internet durchsuchen?“ fragte der Surrogat.

Was?! Nein, natürlich nicht.“

Sie hatte ausversehen laut gedacht.

 

Am anderen Tag.

Melanie war in der Einrichtung und unterhielt sich mit dem Leiter.

Wir hören kurz rein:

...nun den Frau Jung, sie sehen um die Authisten und um die Downsyndromer kümmern sich die Pflegeroboter, denn alle diese Krankeiten folgen einem ganz bestimmten Muster, wir können auch sagen Programm. Programm heisst auch, in den Gehirnen der betreffenden, ist etwas in Ordnung gekommen, was beim normalen Menschen nicht in Ordnung ist. Programm heist auch, dass es von einer Maschine erkennbar und reflektierbar ist. Ihre Aufgabe wird der Schizophrene dritten Geschlechts und die drei ADHS Kondozenten sein. Also ein Transgender und drei junge Frauen. Relativ einfach oder auch schwer, wie sie sehen werden...“

 

Die Denkstrucktur erkennen, das Muster in den Gedanken erkennen, und was wenn es keines gibt? Wenn ich das gar nicht will, dass ich als berechnbar gelte? Durchschaubar, transparent und gläsern, vor allen Dingen für die Automaten nicht zu sein. Immer kommt es darauf an auf den krummen Wegen gerade zu gehen. Die Analyse und das Vorrantreiben von Paradoxien, die die Technik noch jahrtausende, wenn nicht länge beschäftigen wird. Manche Automaten rechnen sich zu Tode, wenn es so etwas überhaupt gibt, für Maschinen, über Problem über die ein Mensch ur müde lächeln kann. Und sie verbrauchen Strom und Rohstoffe und saugen den Planeten aus. 20 Jahre hat ein Computer an der Zahl Pi rumgerechnet. Um was, herauszufinden?! Eine fixe Idee, eines Menschen? Und was ist mit dem Bittcoin? Der im Jahr 1GW Jahr verbraucht. Als er bei der 10hoch 1000 hoch 1000 hoch 1000 hoch 1000 sten Stelle ankam beliefen sich die Energiekosten schon auf 10 hoch 22 Reiskörner. Von denen hätten 2 Millionen Menschen, 10 Jahre lang essen können. Glauben sie mir: „Die Wissenschaft wird die Welt nicht retten.“....

 

Als Melanie die Zeilen von ihrem Patienten lass, wunderte sie sich, wie geordnet doch einigen war, nicht so chaotisch wie sie es sich (erhofft) gedacht hatte.

Sie ging nach Hause und irgendwo unterwegs zwischendurch in der Strassenbahn oder auf der Strasse nahm sie eine kleine kybernetische Pille ein. Sie machte sie vergessen, was auf Arbeit war. Sie machte sie FREI für den Alltag zu Hause. Dort war Cindy damit beschäftig einen Salat anzurühren aus Gemüse und Reis. Natürliches Sonnenblumenöl, kein synthetisches. Dann klingelte Das Telefon. Eine Computerstimme meldete sich:

Hier ist die Anwaltskanzlei Paul und Kontor, sie haben gewonnen.“

Sie legte sofort wieder auf. Danach bekam sie eine SMS in der sie den Anruf bewerten sollte, sie löschte beides.

Im Fernsehen, Nachrichten:

...Wir trauern tief um unsere verstsorbenen...

...Die Niederträchtige Tat eines Einzelnen...

...Die Freiheit...

...Wir müssen uns alle fragen, was wir für noch mehr Sicherheit...

...Und so musss sich jeder in Zukunft fragen, in was für einer Welt...

Sie schaltete wieder ab.

Wie war die Arbeit, Mell?“ Wollte Cindy wissen.

Darüber reden wir doch nicht, das ist getrennt, Cindy.“

Meinst du eigentlich abgetrennt, oder abgespallten? Und was ist mit auseinander halten.“

Doch Mellanie hatte das vergessen. Die Pille leistete ihre Dienste. Erst am anderen Tag um 7:00 würde sie wieder im Arbeitsmodus sein.

In der Nacht schliefen sie miteinander.

 

Der andere Tag.

Punkt 7:00 erwachte sie durch den Surrogaten geweckt. Erst mal ins Bad. Das Duschwasser stellte sich anhand der Wärme, der Füsse auf die optimale Temperatur ein, und auch das Wasser zum Zähnputzen wurde PH-Wert gerecht gestreamt. Guten Morgen, sagte der Spiegel und zeigte ihr per LCD-Flash-Back-Modus an, wo gestern noch keine Falten im Gesicht waren.

Soll ich für dich einen Termin im Kosmetiksalon ausmachen?“

Fragte das Surrogat.

Nein!“

In der Cyber-Ruga in Tirana wäre am Samstagnachmittag noch was frei.“

Was soll ich in Tirana?“

Aufgrund der Unschärfeeinstellungen ist dies günstiger als hier zu bleiben. So ergibt sich für Tirana 91,10€. und die Alternative hier zu bleiben, das Auto muss noch geladen werden, 91,15€.“

Das ist ja Marginal.“

Deine Unschärfeeinstellungen sind so, möchtest du diese Ändern?“

Nein!“

Habe soeben einen Widerspruch in deinem Handeln entdeckt, dein Kaffee wird für heute mehr Nanosonden enthalten, es sei denn du änderst die Unschärfeeinsstellungen.“

Noch ehe dies geschah, wurde Mellanie der Türglocke gewar. Es war Cindy.

Hey soll ich dich mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, wir haben vergessen das Auto zu laden.“

Ja können wir machen.“

 

Auf Arbeit angekommen zeichnete der Transgender, Er hies Michelle, Zahlen auf die Tafel.

1001, 30, 2015, 3311, 1729, usw.

Was sind das für Zahlen?“ Wollte Mellanie wissen.

Das sind sphenische Zahlen. Zahlen die aus drei Primzahlen gebildet sind. So ist 1001 genau 7 mal 11 mal 13.“

Warum ist das wichtig?

Es ist wichtig, weil es schön ist. Schöne Dinge sind doch wichtig?! Oder?“

Ja da hast du auch Recht.“

In einer Pause setzte sich Melanie hin und setzte die Datenbrille auf um ihre Iris abtasten zu lassen um die Unschärfeeinstellungen zu ändern. Mithilfe der Unschärfe kann eine Maschine erruieren in wie weit sich der (weibliche) menschliche Körper Paradoxien und Widersprüche in seinem Handeln, Denken und Tun erlauben darf.

Mellanies Unschärfe war; Mehr oder weniger von Oben gesehen klar auf der geraden Linie, des Goldenen Schnitts. Weniger mehr von dem Wenigen mehr da Unten, als von Oben. So jedenfalls lautete die Wörtliche Extraktion, dessen was nur schwer in Worte zu fassen ist.

 

Und jetzt Buche mir einen Flug nach Tirana.“

 

Das ist schon geschehen. Für 285€ am Sonntagvormittag. Du hast am Montag FREI. Und das geht.“

 

MT.

Freilich habe ich Widersprüche in mir, ich
bin sogar stolz darauf. Ich sehe auch
nicht ein bloß für ein technisches fixes
System sei es psychologisch oder bloße
Mode usw. Widerspruchsfrei zu sein oder
werden. Es ist meiner Meinung nach sogar
das, was mich als Mensch ausmacht.
Maik Tippner, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.12.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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