Aylin

Silvesteransprache der Bundeskanzlerin 2017 (Satire)

Silvesteransprache der Bundeskanzlerin 2017

 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

wieder ist ein Jahr vergangen, manches lassen wir hinter uns, manches nehmen wir mit ins neue Jahr. Mich zum Beispiel, denn ohne die CDU kann keine Regierung gebildet werden und die CDU bin ich. Eigentlich haben wir im Moment ja keine Kanzlerin, ich mache das ja nur kommissarisch, bis ich eine Regierung zusammengestellt habe. Und dabei sind wir auf einem guten Weg, einem sehr guten Weg!

Bissige Zungen meinen ja, dass es an mir liegt, dass niemand mit mir koalieren will. Aber ich wüsste nicht, was ich hätte anders machen können. Es wäre unmenschlich gewesen, die Grenzen in 2015 zu schließen! Falls wir in der Flüchtlingskrise Fehler gemacht hätten, haben wir sie längst ausgebügelt. Familiennachzug wird es mit uns nicht geben. Das ist nicht unmenschlich, sondern konsequent! Sie kennen mich als konsequenten Menschen! Ich bleibe immer bei meinem Standpunkt, es sei denn, eine andere Partei hätte mit ihrem Erfolg bei den Wählern - dann schwenke ich auf deren Thesen um und verkaufe sie als meine. Flexibilität und Konsequenz, das sind die gnadenlosen Eckpunkte einer erfolgreichen Kanzlerin wie mir. 12 Jahre, das nehme ich als Kompliment und als Ansporn für die Zukunft, in die ich unser schönes Land führen will.

Ein Land, in dem es sich gut und gerne leben lässt. Das wollen wir doch alle und das will auch Ihre Regierung für Sie! Darum haben wir das Kindergeld erhöht ( um 2 Euro), um die Kinderarmut in Deutschland, die es ja nicht gibt, zu bekämpfen. Auch den Harz-Vier-Satz haben wir um 5 E für ein Kind erhöht.

Es soll uns allen gut gehen, in diesem Land, in dem es sich gerne leben lässt. Das sind immerhin 5 leckere Cheeseburger bei dem größten Börger-Anbieter der Welt! Und mehr als 5 sind ohnehin ungesund.

Wir haben viel geschafft und werden noch mehr schaffen!

Für die nächste Legislaturperiode haben wir keine allzu starren Pläne, aber die Digitalisierung muss unbedingt vorangebracht werden. Darum spielen wir mit dem Gedanken, dass Sparguthaben demnächst nur noch in Bit-Coins angelegt werden dürfen. Unglaublich hohe Zinsgewinne winken. So werden die Banken entlastet und Sie, liebe Bürger, können endlich wieder Zinsen einkassieren.

Wir blicken auf ein starkes Land, die Wirtschaft boomt, die Arbeitslosenzahlen sinken, die Kriminalitätsrate geht zurück. Also, ich wüsste wirklich nicht, was ich hätte anders machen können! Wenn Sie zu den Wenigen gehören, die 3 Jobs haben, um über die Runden zu kommen, dann freuen Sie Sich, denn auch Sie tragen zu dieser tollen Statistik bei. Alles für den Dackel, alles für den Club ( entschuldigen Sie, mein Ghostwriter hat wohl auch für diese Hausmeisterserie geschrieben…)!

Und machen Sie Sich keine Sorgen, irgendwann werden wir auch wieder eine Regierung haben. Das ist wie bei Unterrichtsausfall. Der Ersatzlehrer macht mal dies, mal jenes und der eigentliche Stoff wird nicht im Unterricht behandelt. Aber irgendwann ist der Lehrer ja wieder da und dann wird rangeklotzt.

Man darf sich nie auf seinen Lorbeeren ausruhen. Im Moment haben wir Stoff für 8 Millionen Verkaufswert am Hamburger Zoll. Die Bundesbeamten haben Kokain im nämlichen Wert sichergestellt. Wir könnten überlegen, ob wir nicht bei den Rücknahme- Verhandlungen mit den afrikanischen Staaten…

An dieser Stelle möchte ich auch einmal allen Polizisten danken, die jeden Tag treu und brav ihre Arbeit zum Schutz von Staat und Bürgern verrichten. Die Herausforderungen sind hoch. Safalisten, die wir jahrelang sich in Ruhe haben aufbauen lassen, weil wir ja Religionsfreiheit haben, werden nun etwas übergriffig. Damit konnte ja niemand wirklich rechnen! Und wir überlegen nun tatsächlich, die Polizei im Zuge der Digitalisierung mit neuen PCs und Programmen auszustatten, damit sie nicht immer über Face-Book gehen müssen.

Ich möchte Sie, liebe Bürgerinnen und Bürger, nicht noch einmal mit Neuwahlen belasten, auch mich nicht, denn die neuesten Forza-Umfragen zeigen, dass nur noch 30 Prozent mich als Kanzlerin für 4 Jahre möchten. Das ist ein bisschen unfair, finde ich, denn schließlich kann ich ja nichts dafür, dass der Lindner plötzlich ausschert, wo wir doch bei fast allen Punkten schon Einigkeit erzielt hatten ( bis auf so ein paar Hundert). Aber ich setze auf Sie alle, meine Bürgerinnen und Bürger!

Außerdem, wer soll es denn machen? Der Spahn ist doch noch grün hinter den Ohren, die Damen haben alle Kinder ( wollen Sie die von ihren Müttern trennen?), Herr Altmaier hat bestimmt Diabetes und Kohl ist tot. An dieser Stelle noch einmal ein Hoch auf den großen Staatsmann, den Kanzler der Einheit, der es mir überhaupt ermöglicht hat, mich hier politisch einzunisten, äh, festzusetzen ( Mann, wer hat das denn geschrieben? Wohl zuviel Glühwein getrunken?) - äh, zu etablieren.

Mit großem Stolz habe ich seine Nachfolge angetreten und ich wüsste wirklich nicht, was ich hätte anders machen sollen…

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.12.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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