Gherkin

HAUSTÜRGESCHÄFTE



...und öffnest du das Tor, steht der Antichrist davor...
© Gherkin


Silvester 2017, 23:36 Uhr! Ich hatte mit viel Liebe meine Lieblings-Bong gereinigt und
startklar gemacht. Eine nahezu luziferische Mischung wartete auf ein langes Zündholz.

Alabama Kush. Ich hatte ein Vermögen dafür hingeblättert.


Allein, wie eigentlich jedes Jahr (traurig-konsequentes Los des Cannabikers, der in all
der Tragik seines soporösen [low-]Seins doch heiter, gelassen und relativ (?) zufrieden
sein verräuchertes Leben fristet), machte ich mir nun einen ‚schönen’ Jahresübergangs-
Abend. Hatte ich alles??

Da ist der Pfirsich-Eistee, hier liegen die Afterburner-Zichten, dort sind die Sweets...

Na, das ließ sich doch ganz gut an. Bis hierher.

Ich linste zu den Uhren (ich habe 6 Uhren an 6 verschiedenen Plätzen in meiner 24qm-
Bude. Weil ich so unglaublich vergesslich bin, trifft das [trübe] Auge doch irgendwann
auf wenigstens eine dieser Uhren): Links außen 00.06, rechts außen 23.53 und die in der
Mitte meinte, es sei jetzt exakt Mitternacht! Na, da sollte ich doch mal das Pfeifchen in
aller Muße entflammen, nicht? Meine Spezialriesenzündhölzer aus Portugal, die ich nur
in Silvester-Nächten benutzte, lagen direkt vor mir. Nun also das gute alte Ritual.


 

Mein Spezial-Räucherwerk spie kleine, wohl duftende Wölkchen aus, die Cypress Hill-
DVD mit B-Real, Sen Dog, DJ Muggs und Bobo, ‚still smokin’, war bereits an der Stelle,
da King Arthur die Bühne ‚betritt’, im ‚Pause-Mode’, parat und willig, um in nicht gerade
kommoder Lautstärke heftigst loszulegen. Ich wartete auf die Kirchturmuhr, denn meinen
six clocks konnte man nicht wirklich trauen. So aber die Kirchturmuhr *12* schlägt, wird’s
wohl, so in etwa, 12 Uhr (plus/minus 3 Minuten) sein. Exakt dann wollte ich auch meine
Neujahrsbong schwingen. Ich hatte sie liebevoll „Katy“ getauft. Doch da...


Dauerklingeln!! Ich würde wohl doch öffnen müssen! Langsam strebte ich der Haustür
zu, nichts Gutes ahnend... In aller Regel bedeutet es ja Stress und Ärger, wenn es an der
Tür klingelt und du eigentlich keinen Menschen erwartest. Das reicht dann vom kleinen
Jungen, dessen Ball in deinen Garten geflogen ist, bis hin zum Cop, der einen entflohenen, 
gefährlichen Geisteskranken bei dir vermutet. Ersteres bedeutet eine Menge Stress, letztere
Situation eher weniger! Eigentlich sind Verkäufer an der Tür aber die schlimmsten ‚Geister’.


 


Relativ schlecht gelaunt traf ich an der Tür ein. „Katy“ wartete auf mich, es ging auf 12.


’Müde’ öffnete ich die Tür einen kleinen Spalt. Sofort drang ein riesiger Schuh, etwa die
Größe 49, in diesen Spalt. Breit zahnend schob ein äußerst korrekt gekleideter Mann im
besten Alter seinen Oberkörper vorsichtig nach. Er hielt in seiner linken ein Köfferchen,
in der rechten Hand eine Visitenkarte, die er nur ganz kurz zeigte und dann wegsteckte.
Sie sah recht edel aus. Das Wenige, das ich wahrnehmen konnte, war ‚WASHINGTON’.
„Hello Sir, I’m Robert T. Gruber [es klang so: Hellooo Sööör, eim Rabbart Tii Graaböör]
and I’m going to….“ – doch da hatte ich ihn schon unterbrochen. Ich sah meine Chance!!


“Es tut mir leid, ich verstehe und spreche kein Englisch, guter Mann!“. Er schob weiter...


“Das ist nicht im Entferntesten auch nur ein mikroskopisch winziges Problem.... Ich heiße
Robert Gruber [nun sagte er es so, wie ich es auch ausgesprochen hätte, zudem ließ er das
’T.’ ganz weg, was mich ein wenig erstaunte. Ich tippte instinktiv auf ‚Timotheus’ und war
geneigt, mich zu fragen, wie er diesen Timotheus wohl auf Englisch aussprechen würde…],
bin Investment Broker und möchte Ihnen die sensationellen Möglichkeiten meines bekannt-
berühmten Instituts, des ‚Washington International Investment Institute Inc.’, Ihr Gespartes
sinnvoll und, vor allem, Gewinn bringend anzulegen, ein äh ganz klein wenig näher bringen.

 

Ich bin quasi ab jetzt, ad hoc und ab sofort, Ihr Financial Consultant! Ich betreue Sie ganz persönlich, und das rund um die Uhr!“.


“Gut-gut, das freut mich ganz ungemein. Wo befindet sich Ihre Repräsentanz, Herr Gruber?“.


„In der Arnulfstraße 2 in München!“. Er schien nicht im Geringsten verblüfft, verwundert.


“Ganz prächtig, einfach prächtig!! Denen schreibe ich, wie hervorragend Sie Ihre Aufgabe
meistern. Ich werde mich in wahren Lobtiraden ergehen, liebwerter Besucher. Ich schreibe
noch heute einen begeisterten Brief! Ich wünsche Ihnen in aller Freundlichkeit einen guten
Übergang in das für Sie persönlich hoffentlich recht erfreulich verlaufende Jahr 2018! So!“.


Während ich sprach, drückte ich den lästigen Broker langsam, aber stetig, mit ansteigender
Intensität, im Takt meiner Worte, immer weiter zurück. Die Kirchturmuhr schlug gerade….


“’Tirade’ gebraucht man besser in Verbindung mit Negativ-Aussagen, z.B. die Hass-Tirade!“.


“Schade, ich wollte Sie gerade zu einer heißen Ovomaltine ins Haus bitten.… Aber mit einem
besserwisserischen Klugscheißer möchte ich nichts zu tun haben!“. Ich drückte die Tür gegen
den gewaltigen Schuh. Dieser wich keinen Zentimeter… Stattdessen schob Gruber seine nicht
gerade fragile Gestalt gleichsam drängender, fordernder in meine Richtung. Ich hielt dagegen.


“Ich muss mich entschuldigen, Herr Fröchwempler, ich….“. Energisch unterbrach ich ihn da.


“Förchwempfler!!“ – Irritiert zuckte der Oberkörper zurück, der Schuh gab jetzt bereits einige
Millimeter nach und Gruber studierte das Türschild, um mich dann vielleicht der dreisten Lüge
bezichtigen zu können. Doch zu seinem Gram hatte ICH Recht, der Name war doch tatsächlich
Förchwempfler!


Die Sekunde, da Gruber resigniert den Schuh fast ganz aus der Tür zog, nutzte ich – WOMP,
die Tür war zu! Es hämmerte heftig dagegen. Ich ignorierte das. Aber es wummerte, krachte,
schepperte und klopfte weiter. Zudem betätigte Gruber noch die Klingel. Ich gab auf, relativ
mutlos öffnete ich, brachte nur ein recht zaghaft fragendes ‚Jaaa?’ zustande. Der Mann war
schon so gut wie in meinem Wohnzimmer, drehte sich im Gehen nach mir um und quakte,
fast übermütig, und mich dabei am Hemdärmel zart zupfend in den Wohnbereich geleitend:


„Ich bin verpflichtet, Ihnen den Inhalt meines Köfferchens zu präsentieren, Förchwempfler!“.
Das völlige Weglassen des Wörtchens ‚Herr’ verwunderte mich, ich hakte das aber unter dem
Gesichtspunkt ab, dass Gruber wohl erst vor kurzem ein aggressives Sales-Manager-Training
(vielleicht in Washington?) absolviert hatte - und nun von den Früchten dieser Erkenntnis, in
allen Bereichen der kognitiven Entwicklung eines ‚Financial Consultant Frontiers’ deutlichst
verbessert, um jeden verdammten Abschluss kämpfte wie ein Mutterfrettchen um ihr Junges.


“Frohes Neues!“ – „Sie entschuldigen?“ – „Ich habe Ihnen nur, wie üblich, ein ‚gutes Neues’
wünschen wollen, wir schreiben den 1. Januar 2018!“ – „Oh, ist dem so? Dito! Ihnen auch…“


Beware of the Mormons, lehrte mich mein Dad. So hatte ich geglaubt, Gruber sei Mormone.


Natürlich verstand und sprach ich Englisch ganz hervorragend, hatte jedoch vermutet, durch
diese recht dreiste Lüge den lästigen Klingelfritzen verscheucht zu haben. Jetzt hatte ich ihn,
gemütlich auf meiner Couch sitzend, im Wohnzimmer! Das Aluminium-Köfferchen auf den
Knien, strahlte er mich an. Vorsichtig hob er den Deckel an, sah hinein - blendete mich dann
wieder mit dem makellosen Weiß seiner Zähne, schaute wieder sehr verliebt in das allerdings
nicht sonderlich große Köfferchen und zog einen feuerroten Umschlag heraus. Mit überlegen
wirkender Gestik schob er mir diesen Umschlag zu. Seine Augenbrauen hoben und senkten
sich unentwegt, Gruber war ganz aufgeregt. Das mit den Augenbrauen konnte auch ich gut!


“Öffnen Sie! So öffnen Sie doch endlich!“. Gruber zappelte auf der Couch wie ein Kokser
auf Entzug. Er war aufgeregt wie ein Sechsjähriger kurz vor der Weihnachts-Bescherung.
Würde er das rote Feuerwehr-Auto bekommen, das er sich so sehr gewünscht hatte???


Leicht irritiert nahm er die Anwesenheit meiner Geliebten zur Kenntnis. Ich sah auch auf
die Schöne – wie gern hätte ich sie nun endlich in Brand gesetzt! Doch da war R. Gruber.


Ich zog ein grünes Blatt Papier aus dem grellroten Umschlag. Auf diesem DIN A 4-Bogen
stand nur, fett gedruckt, eine einzige Zahl: 36.000! Verständnislos sah ich Agent Gruber an.


„Das ist Ihre Rendite, Förchwempfler! Ja, ich bin Ihr Fonds Manager, Ihr Anlage-Broker, Ihr
kompetenter Financial Consultant. Ich bin erfahren, bewandert und unglaublich erfolgreich!“

Ohne Zweifel, ich war beeindruckt. Wenn Selbstbewusstsein ein Gesicht hätte, dort zahnte es!


“Ich bin perplex, Gruber, tatsächlich baff erstaunt!“ – Ha, jetzt hatte ich es ihm aber wirklich
recht gewitzt gegeben, die Höflichkeitsanrede war nun auch auf meiner Seite gefallen. So!!!


„Das glaube ich sehr gern, lieber Anleger, das glaube ich Ihnen. Denn die 36.000 Euro, ja!,
die gehören Ihnen! Nun, was meinen Sie --- wollen Sie diesen gewaltigen Betrag Ihr Eigen
nennen? Wollen Sie das Geld auf Ihr Konto überwiesen haben?“. Die Augenbrauen tanzten.


„Recht gern, wo muss ich unterschreiben?“. Ja, ich wirkte jetzt doch ein wenig interessiert.

Nicht übermäßig, damit wir uns richtig verstehen, nur ein wenig. Ich war quasi angefixt.

Noch immer vermisste ich das vertraute Geflüster, die verspielte Ruchlosigkeit meiner ach
so verkommenen Geliebten. Wie mir dieses Blubbern fehlte. So nüchtern war ich, so lange
ich auch zurück denke, noch nie in meinem ganzen langjährigen Kifferleben ‚reingerutscht’.
O Katy, wann darf ich zu dir ins warme Bettchen? Wann?


„Nun, lassen Sie mich das klarstellen. Vor der Überweisung der Rendite hat unser Schöpfer
ein Investment vorgesehen. Ist nun mal so! Sagen Sie mir frank & frei, welchen Betrag pro
Monat Sie anlegen möchten“. Ein ganz klein wenig gierigen Blicks sah mich der Mann an.


Im Kopf, das konnte man der Mimik deutlich ablesen, errechnete Gruber seine Provision.


Nach dem Börsen-Crash, dem ganzen Bankensterben (Lehman etc.), dem Niedergang so
vieler namhafter Großfirmen, schienen die Broker verzweifelte Anstrengungen ‚vor Ort’
zu unternehmen, arg bizarre Akquise zu betreiben, um zu einem Abschluss zu gelangen!!


Sie nannten es „Door-Scoring“, man stritt um Wohnviertel und Hochhäuser, um Kunden!


“Ganz ehrlich jetzt, ich möchte pro Monat 6 Euro anlegen“. Gruber nahm das Papier und
den Umschlag, gab beides in sein Köfferchen, schloss den Deckel mit brachialer Gewalt
(hatte er es doch zuvor so liebevoll angesehen und getätschelt), und machte nun Anstalten,
meine Wohnung zu verlassen. So, wie es sich jetzt darstellte, völlig ohne Gruß. Kurz vor
der Wohnungstür drehte er sich noch einmal kurz um, sah mich sehr streng an und meinte:


“Sollten Sie dereinst ernsthaft daran denken, diese 36.000 Euro einstreichen zu wollen, so
lassen Sie es mich wissen!“. Er nahm eine seiner Visitenkarten und schnippte sie gekonnt
auf mein Telefontischchen im Flur. Dann ging er unwirsch-elegant hinaus. Gerade, als ich
die Tür fast geschlossen hatte, kam dieser gewaltige Schuh, zwängte sich erneut zwischen
Rahmen und Tür, Gruber schob das Gesicht nah an den Spalt (er erinnerte mich ein wenig
an Jack Nicholson in Shining, der heiser ‚Come to Daddy’ röhrt, während er die satanisch-
wahnsinnige Fratze in den Spalt der mit seiner Axt bearbeiteten Tür steckt). Er machte ein
bedeutsames Gesicht - und flüsterte jetzt unendlich leise, so dass ich voller Konzentration
zu lauschen gezwungen war, wollte ich ihn verstehen [ich dachte: Washington-Training!!]:


“Wenn Sie jetzt sofort einen Betrag von, sagen wir mal, 3.600 Euro erübrigen könnten und
zudem monatlich 440 Euro abzwackten, dann würde ich persönlich den Scheck über 36000
Euro überbringen. Trotz all meiner Termine... Ich komme persönlich! Was sprechen Sie??“.


“Wann werden Sie, unter den genannten Bedingungen, den Scheck bringen, Gruber. Wann?“.


Wenn ich diese Sache hinter mir hätte, würde ich gleich 2 Bongs hintereinander schmauchen.
O dieser Schmacht nach acht! „Katy“ wartete in den Katakomben meiner Junggesellen-Bude.


“Das wird“, meinte Robert T. Gruber und begab sich stracks zur Couch zurück [er saß schon,
da war ich noch immer zu meinem Sessel unterwegs], „roundabout, lassen Sie mich nicht und
auf gar keinen Fall lügen, Förchwempfler, das wird Ende 2022 sein. Ist das´n Wort? So sei es!“.


Gruber bereitete die Papiere zur Unterschrift vor, hatte alles hierzu Benötigte aus dem Winz-
Köfferchen gekramt. Er strahlte wie ein ‚perma-pot-pal’ (das sind diese Art Kumpel, die auch
vielleicht dem einen oder anderen als ‚Borkenkäfer’ bekannt sind, die grundsätzlich immer nur
selbst anrauchen wollen, die in der Regel nie mehr als einen Winzpickel auf Tasche haben und
gern alle 36 Minuten 'einen bauen’ wollen, nur eben stets von deiner Kante!), der just auf „fein
Kombi“ [eigentlich ja Kommi, aber dieses Kombi ist nicht mehr aus den Ganja-Freak-Nischeln
rauszukriegen] mehr bekommen hat, als er sich auch nur in seiner kühnsten Fantasie auszumalen
in der Lage gewesen wäre!


“Ich muss Sie bitten, jetzt meine Räumlichkeiten zu verlassen, Gruber!“. Ich blickte streng.


“Nein, das werde ich nicht tun! Ich bin unterwegs in Sachen Frohsinn, Wohlstand, Freude,
Solvenz, ‚better living’ - und natürlich Glückseligkeit, dies ist mein ureigener Auftrag!! Ja,
und sehr genau weiß ich von der Unfähigkeit mancher, Glück abrufen zu können. Hier bin
ich ganz besonders gefordert. Ich muss Sie, liebster Freund, ein wenig zu Ihrem Glück, äh,
sagen wir es ruhig – zwingen! Jawohl! Aus diesem Grund, hören Sie - und nur aus diesem
einen Grund, guter Mann [erst der ‚liebste Freund’, nur wenige Sekunden später ein ‚guter
Mann’? Sehr enttäuschend, dieser tiefe Fall innerhalb von 6 Sekunden….], werde ich jetzt
hier sitzen bleiben und darauf warten, dass Sie wieder klar denken können. So!“. Robert T.
Gruber verschränkte die Arme demonstrativ und lehnte sich, recht selbstzufrieden, auf der
Couch zurück und schloss die Augen, so, als wolle er mir bedeuten: Also, ICH habe mein
Pensum erledigt, ich habe meinen Teil zum Gelingen des Werks beigetragen, jetzt liegt es
an dir, Bursche!’. Ich tat es ihm nach, schloss ebenfalls die Augen und sagte ziemlich leise:


“Gut denn, fein fein, lassen Sie uns ein wenig schweigen, warum eigentlich nicht, Gruber?“.


Gruber schielte auf meine 1,5 l Pfirsicheistee-Kanne, in der die 12 Eiswürfel recht muntere
Geräusche von sich gaben. Nein, ich würde ihm keinen Tee anbieten! Und selbst entsagen…


Er würde nicht einen Lebkuchen erhalten, nicht ein Plätzchen, von meiner Mutter gebacken,
und selbstredend würde es für R. Gruber auch auf gar keinen Fall Bleigießen bei mir geben.


Nach vielleicht 30/33 Minuten begann er, mit den Kindersärgen an seinen Füßen zu wippen.


Manchmal kreiste sein Fuß auch ein wenig, meist aber wippte er, dazu klapperte der Agent
mit dem Aluminium-Deckel seines Köfferchens, immer schön rhythmisch... Ich unterbrach
energisch, da mich dieses unausgesetzte Wippen, das Kreisen und Klappern fast wahnsinnig
machte und rief:


“Wenn Sie den Fuß nicht auf der Stelle still halten, Gruber, sowie diesen Deckel ihres enorm
peinlichen Aluminium-Köfferchens nicht sofort in Ruhe lassen, werde ich beginnen, jawohl!,
konvulsivisch mit der linken Schulter zu zucken. Zusätzlich, lauschen Sie, werde ich meine
rechte Augenbraue arg arrogant nach oben ziehen und wieder fallen lassen!!“. Gruber begann
jetzt, ohne auch nur im Geringsten auf meine Worte eingehen zu wollen (neben dem Wippen,
Kreisen und Klappern), auch noch mit dem permanenten Klicken des Kugelschreibers, den er
blitzschnell aus dem Köfferchen befreit hatte. Ich las das Logo - ‚Washington Inc.’. Wütend
begann ich die rechte Braue zu heben und zu senken, auch zuckte ich heftigst mit der linken
Schulter. Gruber ‚antwortete’ sofort. Dieser unglaubliche Tumb-Nerd, er war vorbereitet, die
Bazille! Dieses Insekt, dieser Wurm! Nun ließ er provozierend den Kopf kreisen. Satanisches
Lachen begleitete meine neue Aktion – ich streckte den rechten Arm aus, hielt ihn starr, und
schüttelte dann die Hand. Und zwar so, als sei sie völlig gefühllos und ‚taub’. Als ‚Zugabe’ -
ich empfand den Einfall mit der Hand als zu schwach gegen sein Kopfkreisen – knackste ich
mit der linken Hand die einzelnen Finger durch, indem ich sie, die Hand zur Halbfaust geballt
und von oben auf die Sessellehne gedrückt, jeweils einzeln fest aufpresste. Das konnte ich so
ungefähr eine Viertelstunde aushalten. Gruber schien beeindruckt, vor allem das anhaltende
satanische Lachen verstörte ihn deutlich. Er sprang nun hoch, hüpfte im steten Rhythmus auf
und nieder, wobei er das ‚Kniescheibenwechsel-Spiel’ mit den Händen recht gekonnt, in
der Luft, also während des Hochhüpfens, abzog. Damit zog er sich meinen Respekt zu,
zumal er ja dieses Kugelschreiber-Klicken fortsetzte, was ja nun wirklich eine gewisse
Fertigkeit verlangte! Gar nicht übel, Agenten-Kübel!


Er musste ja mit beiden Händen den ‚Kniescheibenwechsel’ vollziehen, aber darüber hinaus
auch noch weiter im Takt auf das Minenhütchen drücken. Der Mann hatte was drauf, keine
Frage. Beeindruckt stellte ich das Lachen ein und ahmte jetzt die Sprache der Ureinwohner
nach, die im Film „Die Götter müssen verrückt sein“ (die Geschichte mit der Cola-Flasche!)
mitspielten. Eine Art Glucksen, Zungenschnalzen, Tropfengeräusch. Das brachte ich in doch
recht beachtlicher Lautstärke zustande. Gleichzeitig war auch ich aufgesprungen und steppte
jetzt die heiße Michael-Flatley-Nummer.... Ja, jetzt war ich der ‚celtic tiger’!! Ein donnerndes
Stepp-Gewitter entlud sich auf meinem Parkett-Boden... Unter mir bekam kaum einer etwas
davon mit, überall wurde gefeiert, gesoffen und, seufz, geraucht… Nur ich, zum 120-fachen
McNamara noch mal, bringe hier den ‚Michael Flatley’, völlig nüchtern! Ich steppte mir den
inneren Iren aus der Seele. Hüpf – Stepp – Hüpf – Stepp – Hüpf – Stepp - und dabei immer
schön glucksen. Natürlich, da blieb ich meiner Linie treu, war meine rechte Augenbraue noch
immer ‚unterwegs’ und selbstredend zuckte meine linke Schulter nach wie vor!! Ich benötigte
meine volle Konzentration, um diesen wahrlich nicht unerheblichen 5fach-Stress rund um die
Koordination und, bezüglich der Feinabstimmung, des Rhythmus´ zu bewältigen, denn stetig
hielt ich den rechten Arm ausgestreckt, trotz wandernder Braue, und schüttelte die Hand! Ja,
wer sich bei diesem ‚Dummie-Contest-Programm’ am Besten konzentrierte, der würde auch
den Sieg erringen, da war ich, Förchwempfler, sicher. Rein gar nicht hatte ich mich des nun
logischerweise anstehenden Gedankens gewidmet, welcher Lorbeer dem glorreichen winner
wohl würde zuteil werden nach dem errungenen Sieg. Für den Moment war´s mir aber auch
egal, ich hatte zu tun. Eine Menge zu tun...


 

Nachdem Gruber eine Mini-Mundharmonika hervor geholt hatte (sie steckte vorne in seiner Anzugs-Jacke)
und nun leidenschaftlich durch dieses kleine Instrument geräuschvoll ein- und wieder ausatmete (er konnte
es wohl gar nicht richtig spielen, das tumbe Rumpelstilzchen) –

und dabei nun voll mit dem Kopf gegen meine Wand rumste und krachte, immer und immer
wieder, (der Mann schien weit entfernt von einer Kapitulation!), schrie ich nun, im höchsten
Falsett, alle mir bekannten Kinderreime ins neue Jahr, von ‚Ene mene miste, es rappelt in der
Kiste’ über ‚Eins, zwei, Polizei, drei, vier, Grenadier.…’, bis sogar hin zu: ,Humpty, Dumpty,
Sauerkraut, wer liegt im Stroh mit meiner Braut?’, und ich brüllte: ‚Milk, Milk, Lemonade,
´round the corner, fudge is made’, zudem: ‚Nick nack, paddy whack, give them dog a bone’,
und auch mein Lieblingsabzählvers kam mir locker von den Lippen: „Tittentott und Tottentitt
gingen flotten Schrittes mit, doch Tattentutt und Tuttentatt hatten bald die Reise satt!“, wollte
gerade beginnen, vom orgiastischen M. Flatley-Stepp zum komplex-brachialen, ekstatischen
Schranktreten anzusetzen, da brüllte Gruber wie irre, das Gesicht in Zornesröte voll entbrannt,
fast wahnsinnig vor Wut:


 


“Ha! Wusste ich es doch, Mistkerl! Sie sind ein Lügner!!! Wer kann hier kein Englisch, wie?
Was? Hö! Ein ganz gemeiner Lügner sind Sie, Herr!“. Nun hatte Gruber meinen Namen also
bereits aus dem temporären Speicher gelöscht, so weit war es also schon gekommen.... Meine
Tränen flossen reichlich. Unwirsch schob Gruber meine Hand beiseite, die zärtlich die Wange
des Erzürnten zupfen wollte; so tätschelte ich lediglich beruhigend, besänftigend und auch ein
wenig um Verzeihung heischend seinen Unterarm. Doch ward mir auch dieser dann entzogen.
Ohne jeden Zweifel hatte ich meine komplette Reputation verspielt... Weinend brachte ich zu
meiner eigenen Verwunderung hervor, zu Beginn noch etwas undeutlich (wegen der Tränen):
“Schingensn möpfl schork ruff wäääährabääääh… tapfl schlif lechn Frieden im neuen Jahr!“.


In nicht unerheblichem Maße war ich nun bestrebt, den money-man weiterhin zu besänftigen.


Ich reichte Robert den ‚Raider’-Riegel, doch Gruber lehnte energisch, wuchtig und rigoros ab.
Gut, das konnte ich verstehen, denn der Riegel stammte sicher aus dem Jahr 1991. Aus rein
nostalgischen Gründen hatte ich ihn aufbewahrt, wie auch noch diese eine DM, die mir einst
eine Frau gab, als ich auf der Straße meine Okarina bearbeitet hatte, doppelbreit, rund, völlig
dicht und richtig nudelzu.


Jetzt musste ich schwere Geschütze auffahren! Es blieb mir nichts anderes mehr übrig als das:


“Gerne würde ich 440 Euro pro Monat anlegen, Financial Consultant Rabbart Tii Graaböör!“.


Der korrekte Titel (und dann auch noch auf Englisch) ließ Grubers Zorn so rasch verrauchen,
wie er entstanden war. Seine Miene heiterte sich auf, jetzt ließ er sich doch - jedoch nur ganz
kurz, in die rosige Wange kneifen. Herzhaft lachte er auf. Mit einem gewaltigen Taschentuch,
auf dem ich überdeutlich die Initialen ‚R. G.’ ausmachen konnte, wischte er sich die blutende
Stirn, lachte nochmals kurz auf und fragte dann, schon wieder recht gut gelaunt und aufgelegt:


“Und was ist mit der Sofort-Einlage von 3.600 Euro, lieber Herr Förchwempfler???“. Na, da
war der ‚Herr’ ja wieder. Vielleicht würde doch noch alles gut werden.... Lieb sah ich ihn an:


“Oh, den Scheck über exakt diesen Betrag haben Sie übermorgen in der Post, Herr Gruber!“.


Ich trocknete meine Tränen, nickte dem mächtigen Broker freundlich zu. Gruber säuselte:


“Ach, wissen Sie was, JETZT nehme ich Ihr Angebot dankend an. Eine schöne heiße Tasse
Ovomaltine wäre jetzt gut. Dürfte ich eine haben, während ich die Papiere zur Unterschrift
vorbereite?“. Sein strahlendes Perlweiß-Lächeln betörte mich. Ach, wäre ich doch schwul.


“Lieber Agent, das war nur so dahin gesagt. Ich habe natürlich keine Ovomaltine im Haus.
Dafür aber braue ich einen ganz hervorragenden Muckefuck. Den wohl Besten im ganzen
Viertel, dafür verbürge ich mich…“. Ich hatte gerade ‚ich mich’ gesagt, da fuhr Robert T.
Gruber von meiner Couch hoch, hatte ganz plötzlich überall am Kopf dicke, pochende und
pulsierende Würmer, so breit gespannte Halssehnen, die Augen traten ihm aus den Höhlen,
der Mann war völlig außer sich. Er schrie, und ich konnte den Wahnsinn im Blick erkennen:


“Waaaas? Keine Ovomaltine?? Ich wette darauf, dass Sie auch keinen Muckefuck brauen
können. Ja, ich gehe soweit, zu behaupten, Sie wissen nicht einmal, was Muckefuck ist….


Ich verabscheue Sie, F.! Sie sind ein permanenter Lügner, ein ganz falscher Fuffziger, ich
mache doch mit SO einem keine Geschäfte! Niemals! Sie sind mit Abstand der peinlichste
Mensch, der mir je begegnet ist. Einen solch verlogenen Falschlackel habe ich noch nie in
meinem ganzen Leben kennenlernen müssen. Nein, was sind Sie widerlich, was haben Sie
für einen miserablen Charakter…. Wah! Uwäch!“ – sprach’s und kübelte in meine Azaleen,
ein Großteil des vielfältigen, bunt gewürfelten Speisengemenges ergoss sich auf die Couch.
Ich konnte sehr deutlich Maiskörner, Paprika und Erbsen ausmachen, auch erkannte ich auf
rote Bohnen. Ohne Zweifel hatte Gruber zuletzt mexikanischen Eintopf zu sich genommen!


Merkwürdigerweise hatte das komplexe Erbrochene Grubers meine, nun, ganz besonderen
Pflanzen verschont – oder aber, anders ausgedrückt, nur sehr knapp verfehlt. Den im Kreis
platzierten Schätzchen mit dem wohlklingenden Namen ‚lowryder’ (auto flowering effect!)
ging’s gut! Es gab also doch einen Gott.


Grubers schlimmste Strafe aber war mein abgekürzter Name, ‚F.’, den er kurz vor dem wohl
alles andere als suboptimal exportierten Mageninhalt zudem ausspie! DAS tat wirklich weh!
 

Irgendwie fühlte ich mich wie der permanente Pechvogel K., der durch F. Kafkas Universum
trieb, allein, immer auf Konfrontations-Kurs mit seiner kompletten Spezies.


Nachdem sich Gruber notdürftig gereinigt hatte, nickte er mir nur noch kurz zu und entfloh.

Ich hörte nur noch einige unterdrückte Flüche. Sie galten auch meinen Nachfahren und deren Enkel..


 


Das blutige Taschentuch warf er einfach auf meinen Tisch, es blieb an meiner Bong hängen.
Noch heute hängt es (quasi als Trophäe!) bei mir an der Wand, gleich neben „Cypress Hill“.


Meine Azaleen waren verloren!! Ich setzte mich hin und schrieb einen Brief an ‚Washington
Institute Inc.’, Arnulfstr. 2, 80335 München, und brachte recht bescheiden und demütig eine
Bitte zu Papier, man möge mir doch bald die Kosten für eine Couch und 6 Azaleen ersetzen,
ein gewisser Herr Robert T. Gruber habe sich, schamlos betrunken, über meine Couch und -
als sei das nicht genug – entsetzlich vielgestaltig auch über meine geliebten Azaleen entleert.


Und damit kein Missverständnis aufkam, schrieb ich gleich dazu, dass ich hier nicht von der
Entleerung im Sinne eines Stuhlgangs sprach (in Klammer setzte ich ‚vomitting & belching’
dazu, um alle Unklarheiten zu beseitigen). Ich fügte 4 Polaroid-Fotos hinzu, außerdem diese
edle Visitenkarte des Financial Consultant Gruber. Und auf ein grünes DIN A 4-Blatt schrieb
ich eine Zahl: 3.600! Und erst dann, sage und schreibe um 3.12 Uhr, rauchte ich meine Katy,
die gläserne Geliebte. Lediglich 4 Tage später erhielt ich einen Brief von der Washington Inc.

Per Einschreiben!


Mir schrieb "Rob" Gruber, Financial Consultant, Section-Anchorman (Nordrhein-Westfalen):


Dear Mr. Fröchwimpler [dieser Schuft!], wir teilen Ihnen ohne weitere Umstände mit, dass
’vomiting’ mit nur EINEM ‚t’ geschrieben wird! Der von Ihnen eingereichte Text ist daher
reine Makulatur. Wir haben die Fotos, den Brief und Ihre unglaublich naive Forderung von
3.600 Euro in den Schredder gegeben und bitten Sie heute freundlichst, nun erneut schriftlich
vorstellig zu werden, um uns Ihre, unserer Meinung nach durch nichts, aber auch rein gar nichts
gerechtfertigte und völlig überzogene Forderung zur Prüfung zu übermitteln. Wir legen ganz
besonderen Wert, und jetzt merken Sie bitte sehr explizit auf, J. Furchtwampler [oh dieser in
jeder Hinsicht unglaubliche Doppel-Schuft und Mistkerl!], von Ihnen mindestens 6 Polaroid-
Fotos zum Vorgang, die nicht später als 24 Stunden nach diesem unserer Meinung nach eher
lächerlichen Vorfall erstellt worden sein dürfen, zu erhalten. Dem beigefügten Formblatt F22
entnehmen Sie die exakten Daten, wie Sie bei der Erstellung der Foto-Nachweise zu verfahren
haben. Bitte, füllen Sie auch den 36-seitigen Datensatz ‚Regress-Anspruchs-Eingabe’ exakt,
gewissenhaft, vollständig und SO EHRLICH WIE ES IHNEN NUR MÖGLICH IST, SIE ALTE
FROSCHWAMPE, [also, DAS schlug nun wirklich jedem Fass die Krone mitten ins Gesäß!]
aus und übersenden Sie uns diesen in doppelter Ausführung auf der Basis eines Einschreibens.

Bitte, legen Sie die Bearbeitungsgebühr in der Höhe von 36 Euro bei, sonst werden wir Ihre
‚Sendung’ unserer so enorm fleißigen Schredder-Anlage anzuvertrauen wissen. Gezeichnet,
ohne Gruß, Rob Gruber (Ihr ehemaliger Financial Consultant).


Ich tobte und fluchte und rannte mit der Stirn gegen meine Wohnzimmerwand. Exakt an DER
Stelle, an der das Blut des R. T. Gruber getrocknet war, kam nun mein eigenes Blut dazu und
vermischte sich mit dem Blut des Feindes. Waren wir nun, trotz allem, Blutsbrüder? NEIEN!


 


Niemals! Ich hasste Gruber. Natürlich hatte ich nur diese 4 Fotos gemacht. Und natürlich war
jetzt die Frist abgelaufen, weitere Fotos zu erstellen. Auch wollte ich die Bearbeitungsgebühr
nicht zahlen. Es war zum Bröckeln! Ich tobte wie irre und chaotisierte ca. 2 Stunden in meiner
kleinen Wohnung umher. Dabei ging so einiges zu Bruch! Leider auch meine ‚Katy’ – und so
etwas nehme ich nun wirklich sehr persönlich! Einige Stunden später ‚beruhigte’ ich mich ein
wenig und schöpfte Mut…. Was 4 flott hintereinander und sehr fett gebaute Old-Style-Reefer
doch ausmachen können…


 

Die Couch würde ich reinigen lassen, die Azaleen durch Kakteen ersetzen und die ganze schrille Angelegenheit unter jenem Gesichtspunkt ‚Da haben wir doch wieder mal etwas für das ganze Leben gelernt!’ abhaken. Ich nahm mir vor, nie wieder auch nur das kleinste Geschäft an der Tür abzuschließen und keinen Menschen mehr in meine bescheidene Behausung zu lassen, der auch nur im Entferntesten etwas mit Investment, Versicherungen, Zeitschriften, Pfadfinder-Keksen, Religionsausübung oder Kriegsgräberfürsorge zu tun hat.


 

Ich schrieb diesen Schwur auf und klebte ihn auf die beblutete Wand…. Nun also war auch
das Blut des Feindes und das Meinige nicht mehr länger zu sehen. Holla - und jetzt, da ich
den Seelenfrieden ja wieder gefunden hatte, setzte ich mich entspannt an meinen PC, um ein
wenig im world wide web zu surfen. Eben, als sich die Verbindung positiv gestaltete, öffnete
sich ein pop-up-Fenster und ein sehr bekanntes Logo traf auf mein überraschtes Auge. Ich las
(fast hätte ich meine Ersatz-Bong vom Tisch gewischt!) zu meiner grenzenlosen Verblüffung:


 


“Hier schreibt Ihnen Ihr ganz persönlicher Financial Consultant, Mr. Robert T. Gruber! Ich
vertrete stolz das Washington International Investment Institute Inc. (kurz W.I.I.I.I.), mit der
Repräsentanz in München, Arnulfstr. 2, und möchte Sie für eine Idee begeistern. Wie wäre es,
wenn ich IHNEN PERSÖNLICH 36.000 Euro überbrächte? Wie? Wäre das eine tolle Sache,
ja? Könnten Sie sich an den Gedanken gewöhnen, 36.000 Euro einzustreichen? Dann sollten
Sie mich flott kontaktieren, denn ich warte nur darauf, Ihnen so bald wie möglich die Rendite
zu überbringen. Ja, glauben Sie es nur! Ich bin kompetent, erfahren, bewandert und wirklich
unglaublich erfolgreich. Partizipieren Sie von meinem Drive, meinem Verve und meiner fast
ansteckenden Heiterkeit im permanenten Erfolg! Schreiben Sie mir! Jetzt sofort! Tun Sie´s!“.


Ich schrieb SOFORT, freudig erregt, mit ungeahnter Energie und auch satanisch lachend zurück:
“Dear financial consultant Mr. Bernhard Blubber! Es heißt selbstverständlich stets DIE VERVE -
und nicht DER VERVE - und somit werde ich Ihnen nicht, wie eigentlich zuvor beabsichtigt,
meine 360.000 angesparten Euro zwecks Dopplung und Vervielfältigung überstellen. Ich bin
nicht sicher, dass mein Geld bei Ihnen, der eines solch entsetzlichen Fehlers (und ich spreche
hier nicht von einem kleinen Lapsus!) fähig scheint, richtig gut aufgehoben ist... Die Feinheit
der Sprache, die Gewandtheit, die Eloquenz, der Wortschatz und der GEKONNTE EINSATZ
von Fremdwörtern, das ist es, was einen extraordinären Menschen vom gemeinen Homo Sap.
unterscheidet. Ihnen werde ich mein Geld nicht anvertrauen! Sie sind ein Blender, Blubber!!“.


Zufrieden klickte ich auf ‚SENDEN’. Der Beginn einer langen, intensiven Web-Feindschaft?


 


Keine Woche später besuchten mich zwei sehr diskrete Herren der Kripo, Abteilung Rausch-
gift-Dezernat. Sie hätten da einen anonymen Hinweis bekommen. Nassen Auges musste ich
zusehen, wie meine 12 ‚lowryder’-Babys abtransportiert wurden. „Sie hören noch von uns“ -
so verabschiedeten sich die beiden Herren. Ich wünschte noch von Herzen ein ‚frohes Neues’
und bin letztlich sehr froh, dass ich die Adresse eines Investment-Brokers aus München habe.


Ich freue mich auf so manchen zukünftigen Streich zum Nachteil des erfolgreichen Agenten!!


Wie Cypress Hill so schön tönen: „Now it’s time for the blubber! Soon, I got to get my props,
Cops comin´ try to snatch my crops! These pigs wanna blow my house down!” [Insane in the
brain; “BLACK SUNDAY”]. Teufel eins, das Jahr 2018 hatte für mich nicht gut begonnen….


 


Nur gut, dass die Gift-Cops nicht in meine Vorratskammer gesehen haben. Und so darf ich, so
wie eigentlich every day, voller Stolz sagen: Bom Bom Shiva, Bom Shankara, Heja Heja, Om
Shanti! Und ein sehr anregendes Blubbern und Köcheln erfüllt den kompletten Raum. Du bist
mir ein zwar ebenbürtiger, aber doch nicht in allen Belangen übermächtiger Gegner, Gruber...


Wenn der wüsste, dass ich in der Tat nicht die geringste Ahnung habe, was ein Muckefuck ist.
Dieser tasmanische Springteufel, jähzornig bis zur Hutkrempe, würde Gift u. Galle spucken!!


Meine Nachbarn gratulierten mir übrigens im Hausflur. ‚Da war ja mächtig was los bei Ihnen
zu Silvester… Wohl eine Orgie gefeiert, was? Wir tippen auf mindestens 12 Gäste. Bei dieser
Fete wären wir auch gern dabei gewesen. Bei uns schunkelte der uralte Kronleuchter mit, weil
Ihre Gäste so heftig abgetanzt haben. Von allen Partys im Haus muss Ihre Silvester-Party, das
dürfte wohl als sicher gelten, die absolut schärfste und heftigste gewesen sein, Förchwempfler
(und ich konnte all den neidischen Blicken entnehmen, dass meine Nachbarn sehr gern dabei
gewesen wären.. Vielleicht lade ich die Könnemanns, die Domrösers und die Schmutzbenesters
zum diesjährigen Silvester tatsächlich ein. Das ist eigentlich gar keine schlechte Idee. Gerne
werde ich meine berühmten Hasch-Plätzchen für die Nachbarn backen, Alkohol kommt dagegen
auf keinen Fall auf den Tisch. Der wird auch sicherlich nicht vermisst werden, weil ich auf ca. 99
Gramm Teig gute 2 Gramm Maroc rechne (arbeite ich aus Kostengründen mit Ketama Gold,
sind es sogar 3 Gramm pro 99 Gramm Teig!)! Und wenn ich schon mal Gäste habe, so pflege
ich nicht extra darauf hinzuweisen, dass meine Plätzchen ein wenig gedopt sind! Dies erhöht
den Unterhaltungswert enorm. Wenn ich nur an den Besuch meiner Großeltern denke (1987,
waren damals schon über 60!) – welch vergnügliche Stunden haben wir zu dritt erlebt! Meine
beiden Oldies liefen zu ganz großer Form auf, wir haben alle 3 Tränen gelacht. Oma sang aus
voller Brust ‚Kleine Möwe, flieg’ nach Helgoland’ und Opa gab ‚Ole, wir fahr’n ins Puff nach
Barcelona’ zum Besten. So nett haben wir drei danach leider nie wieder zusammen gesessen –
solch heitere, gelassene und Cypress-Hill-Stuff verrückte Großeltern konnte sonst auch keiner
aufbieten!! Nach dieser Fete waren Oma und Opa leider deutlich reservierter mir gegenüber...


THE SAD END (McNamara - but the mad man is still smokin´, Julie fucking Andrews!)

 


BEI RUHIGER LUFT, IM STILLEN ZIMMER, BRING’ ICH MICH SELBER UM
WOHL HÖRE ICH DEIN LEIS’ GEWIMMER UND KÜMMER’ MICH NICHT DRUM
DEIN WEH UND ACH, DAS STÖRT NUN NIMMER, mich treibet es IM ALL HERUM
UND JEDE NACHT TV-GEFLIMMER, DAS HÄLT UNS ALLE REICHLICH DUMM


(Genialer Ausspruch Heiner Müllers; Dramatiker, bekennender Kiffer und zynischer Mahner!
Die Zeilen 2, 3 und 4 habe ich mir erlaubt, nachträglich anzufügen. Im Original: nur 1. Zeile!)



 

EIN WICHTIGER HINWEIS:

Diese wahre Geschichte ist selbstredend vollständig erstunken und erlogen, bezieht sich nicht
auf lebende oder bereits verstorbene Personen. Sollte sich der Eine oder Andere dennoch darin
erkennen, so ist das der reine Zufall oder er hat Hasch-Plätzchen gemampft. Die Namen sind frei erfunden. Sollte es jedoch realiter eine Firma Washington geben, vielleicht sogar einen Mitarbeiter Gruber, so ist dies Zufall! Der pure, reine Zufall.


Dass die Handlung frei erfunden ist, kann der geneigte Leser schon daran erkennen, dass mein persönlicher Financial Consultant nur wenige Minuten vor dem neuen Jahr an meiner Tür war
[und kein Vertreter würde am 31.12.2017 um rund 23:36 Uhr an irgendeiner Tür klingeln - sei dieser Berufsstand auch noch so gefährdet; es gibt ja nun wirklich für alles eine Grenze, oder?]...

Jedenfalls möchte ich anmerken, dass Katy, Robert Gruber, lowryder oder Raider nicht wirklich existieren!!! Ach halt, tschullschungk, Raider gibt es, ab und an, doch wieder. Seit 2009.


 


 

Keinen Leser möchte ich mit dieser abgedrehten Story zum Genuss illegaler Substanzen ermutigen!
KEINEN!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.12.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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