Thomas R.

Er

Plötzlich ist „Er“ wieder da, sitzt neben mir auf der Couch und starrt mich an. Es fällt kein Wort aber ich weiß das „Er“ nur auf ein Zeichen von mir wartet.

Wie bei den vergangenen Besuchen trägt „ Er“ einen schwarzen Mantel mit Kapuze so das man sein Gesicht nicht erkennen kann, auch die Hände sind mit schwarzen Handschuhen verborgen.

Aber ich brauche nicht sein Gesicht sehen denn ich weiß genau wer diese Person neben mir ist.

Während „Er“ mich anstarrt schließe ich die Augen und denke daran wie es dazu kam.

Vor meine Augen erscheint eine Landstraße mit vielen Kurven, die ich gut kenne. Ich fahre diese Straße mit meinem Motorrad vielleicht viel zu schnell entlang und plötzlich kommt aus einer Nebenstraße ein Auto, ich sehe den Fahrer noch der mit weit aufgerissenen Augen mich anschaut.

Der Aufprall war brutal und ich spüre das so gut wie alle Knochen in mir zerbersten.

Ich sehe mich auf der Straße liegen, aus meinem Lederkombi ragen einige Knochen und Blut, mein Blut, fliest auf den Asphalt.

Die Schmerzen sind unerträglich und ich bete zu Gott das er mich von diesen erlöst, aber nichts passiert. Ich werde Bewusstlos und erwache erst wieder im Krankenhaus, dann wird es Dunkel und der Film von diesem Unfall endet hier.

Ich öffne wieder die Augen und erkenne das „ Er“ immer noch regungslos neben mir sitzt und noch immer auf mein Zeichen wartet.

Meine Gedanken gehen nochmal in die Vergangenheit.

Das erste was ich nach dem Unfall und einigen Wochen in denen ich im künstlichen Koma lag sah, war Sabine.

Sabine war Krankenschwester und wie mir berichtet wurde,seit meiner Einlieferung immer an meiner Seite. Sie war Mutter von zwei Kindern und hatte (wie sie immer wieder mit einem glücklichem Lächeln betonte) einen sehr liebevollen Ehemann. Durch sie erfuhr ich auch, das ich an dem Unfall keine Schuld hatte, das der Autofahrer betrunken war und das Verfahren gegen mich eingestellt wurde. Sie war schneller als mein Anwalt, den ich nie gesehen habe. In den wenigen wachen Momenten die ich hatte, wunderte ich mich das weder meine Frau mit den beiden Jungs noch meine Eltern oder die fünf Geschwister erschienen.

Ich fragte Sabine ob sie wusste warum mich keiner besucht, aber statt einer Antwort zu geben füllten sich ihre Augen nur mit Tränen und sie verschwand.

In dieser Nacht erschien „ Er“ zum ersten mal und stand plötzlich neben meinem Bett und sagte nichts, sondern hielt nur ein Bild in den Händen. Auf dem Bild war ein junges Paar zu sehen die glücklich ihre beiden Babys in den Armen hielten. Dann zog „ Er“ eine Zeitung aus seinem Mantel und legte sie auf den Nachttisch und verschwand.

Da meine beiden Arme gebrochen waren und ich sie nicht bewegen konnte, weckte ich meinen Bettnachbarn. Widerwillig nahm er die Zeitung und schlug sie auf. „ Das ist aber eine alte Zeitung,“ meinte er, „ das ist ja vier Wochen her, aber darüber spricht noch immer die ganze Stadt. Schrecklich.“

Ich konnte im halbdunklen noch die Schlagzeile der Zeitung erkennen, auf der stand „ Eine ganze Familie in einer Nacht ausgelöscht! „

In diesem Moment ging das Licht im Krankenzimmer an und die Nachtschwester riss meinem Nachbarn die Zeitung aus den Händen und schimpfte wie ein Rohrspatz. Dann bekam ich eine Spritze und schlief ein.

Am nächsten Morgen war mein Bettnachbar verschwunden aber ich hatte einen Neuen, einen den niemand außer mir sah.

Er „ war eingezogen und machte mir das Leben mit fürchterlichen Alpträumen zur Hölle. Immer wieder erlebte ich den Unfall und sah die aufgerissenen Augen des jungen Mannes.

Tagsüber kümmerte sich Sabine liebevoll um mich und ich erholte mich recht gut.

Als ich nach Hause entlassen wurde, begleitete mich Sabine und half mir so gut wie es ging. Irgendwann verabschiedete sie sich und ich schlief auf dem Sofa ein.

In dieser Nacht setzte „ Er „ sich wieder zu mir, hielt die Zeitung in der Hand und zeigte mir das Foto mit der jungen Familie, und nahm mich mit auf seine Reise.

Er“las mir die Schlagzeile vor. „ Eine ganze Familie in einer Nacht ausgelöscht“.

Die Reise ging zu meinem Elternhaus. Es war ein großes Haus das mein Vater mit eigenen Händen aufbaute und Platz genug für die ganze Familie hatte.

Jetzt wohnten nur noch meine Eltern und eine meiner Schwestern mit ihrem Mann und ihren vier Kindern hier.

Ich stehe vor dem Haus, in meiner Hand eine große Machete. Ein kurzes klopfen an der Haustür reichte und meine Mutter öffnet freudig die Tür. Anstatt sie herzlich zu umarmen, hebe ich das Messer und schlage ihr den Kopf ab, meinem Vater, der danebenstand ebenfalls. Das Blut schoss durch den ganzen Eingangsbereich. Dann gehe ich in die separate Wohnung meiner Schwester, trete die Tür ein und schlachte den vor dem TV sitzenden Schwager und meine zwei Neffen ab. Dann gehe ich die Zimmer durch und finde den Rest der Familie im Bad vor und vollende das Werk. Ich spalte meiner Schwester den Schädel und spieße meine Nichten wie Schaschlik auf meine Machete auf. Dann werfe ich sie in den Müll. Auf dem Küchentisch finde ich noch eine Einladungskarte. Die ganze Familie wollte sich wohl in ein paar Stunden zum Grillen treffen.

Er“ steht neben mir, und zieht mich weiter. Ich gehe ins Gartenhaus und nehme die Kettensäge und noch einige andere „Gartengeräte“ und Benzinkanister mit.

Ich brauch nicht weit zu gehen, denn der Rest der Familie hat sich ja zum Feiern in unseren Familienhütte verabredet.

Sie sind alle da, und ich höre Stimmen die rufen „ Wo sind den Mama und Papa, und Frauke ( meine Schwester die nicht mehr kommen wird).

Ich schleiche um die Hütte herum und vergieße das Benzin um diese. Dann stürze ich mit der Kettensäge in die Hütte und schlachte alle ab. Die Köpfe, Arme, Beine und Gedärme fliegen nur so durch den Raum. Dann gehe ich ruhig raus und entzünde das Benzin.

Er“ steht neben mir.

Schweißgebadet wache ich auf. Ich hatte geträumt das ich meine ganze Familie getötet habe. Ich zittere doch Sabine ist bei mir und kühlt meine Stirn. Dann sehe ich sie nie wieder.

Nun sitzt „ Er“ neben ihr und hält das Foto hoch. Die Frau auf dem Bild war Sabine und der Mann neben ihr war der Mann, der bei dem Unfall gestorben war.

Dann, zum ersten Mal spricht „ Er“ zu mir.:“ Sabine hat mir Ihre Seele gegeben,(Er nahm die Kapuze herunter und der kahle Schädel des Todes kam zum Vorschein) und sie will Dich“.

Dann zeigt „ Er“ mir die ganze Zeitung. Darin steht: Eine komplette Familie in einer Nacht ausgelöscht. Weiter unten stand :“ Dringend Tat verdächtigt das einzig überlebende Familienmitglied, der zur Zeit noch nicht Vernehmungsfähig ist und unter Beobachtung unter Hausarrest gestellt wurde “.

 

Ich gebe mein Zeichen und „ Er“ nimmt mich auf seiner endlosen, grausamen letzte Reise.
 

Wir gehen in meinen Garten, dort ist schon alles vorbereitet. Vor dem alten Apfelbaum steht ein Sarg, nein eine Zinkwanne, gefüllt mit Öl, stinkendes altes Öl. „ Er „ wirft mich ohne ein Wort sofort in diese stinkende Brühe und aus dem Nichts hat er eine Fackel in seiner knochigen Hand. In gleichen Moment erscheinen drei weitere Personen an meiner „ Ölwanne“. Es sind Sabine und ihre beiden Kinder.

Sie starren mich hasserfüllt an und „ Er „ reicht Sabine die Fackel und greift mit der anderen Hand meinen Kopf.

Langsam, ganz langsam fängt das Öl an zu brennen. Nur mein Kopf ragt noch aus dem brennenden Öl und ich spüre wie mein Körper langsam fritiert wird.

Es dauert lange, sehr lange........

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.01.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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