Olaf Lüken

Das Wesen des Geldes

Jeder hat Geld, keiner hat genug davon. Man hasst es, wenn es fehlt, man empfängt es mit offenen Armen. Man spricht nicht gern davon, man denkt stets daran. Es ist das Blut der Wirtschaft. Werkzeug für alles, Instrument des Erfolgs, Symbol der Macht, die Macht schlechthin. Es heilt, es macht krank, es rettet, es tötet. Es schlägt, es zirkuliert, es macht fruchtbar, es verschwindet, es korrumpiert, es macht groß, es geht von Hand zu Hand. Es ist verdient, es ist unrein. Man gebraucht es, man träumt davon, man versteckt es, verachtet es, betet es an an. Man häuft es an, es wird zum Schatz. Dann aber wird es unproduktiv. Man verleumdet es, man schwört ihm ab, man meidet es. Die Menschen betrachten Geld mit ihren geheimsten Gefühlen, ihren Rivalitäten, Erfolgen, Frustrationen, ihren Ehrgeiz, ihrem Groll. Nachts steht es auf, nimmt Gestalt an, dominiert, erleuchtet, beschützt, vernichtet. Es ist ein Truggott, den man anfleht und den man fürchtet. Es ist der Sündenbock für unsere Übel und ist überall zur Hand, es bewegt ständig das Gemüt, es ist das Maß, man hat es zum Objekt gemacht. Jeder braucht es, jeder will es.

Geld unterscheidet sich von allen anderen Dingen des Lebens dadurch, dass es sich in alle Dinge des Lebens verwandeln kann. Aus Geld wird Brot, Stein, Kleidung, Auto, Luxus. Aus Geld wird Aufmerksamkeit, Hochachtung, Attraktivität, Enttäuschung, Neid, Hass und Krieg. Geld hat Macht, die es jenem verleiht, der es besitzt und jenem nimmt, der es verliert. Diese Macht beruht auf der weltweit seit langem gültigen Überzeugung, dass Geld einen Wert hat. Wo diese Überzeugung schwach ist oder ins Wanken gerät hat es weniger Wert oder verliert ihn. Wenn morgen früh alle Menschen aufwachen und in Geld nichts anderes sehen als den realen Wert, den der bedruckte Schein auf das gestanzte Metall repräsentiert, wäre die Weltordnung zerstört.

Oder ?


(c) Olaf Lüken (2018)

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.01.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Ein tiefes Blau - Berlin von Heiger Ostertag



Während eines Berlinaufenthalts lockt eine schöne Unbekannte den Schriftsteller Alexander Veldo in die Räume einer Vernissage. Dort wird er mit einem Bild konfrontiert, das ihn völlig in den Bann schlägt. Am nächsten Morgen ist das Gemälde verschwunden. Die Suche nach dem Bild führt Veldo tief in die faszinierende und vielfältige Welt der Kunst. Im Kunstmilieu selbst begegnen ihm Anne, Julia und Antonie, drei sehr eigenwillige Frauen, mit denen bald ein verwirrendes Beziehungsspiel beginnt. Im Hintergrund des Geschehens agiert der Händler Panduli, der Veldo für seine zwielichtigen Kunstgeschäfte zu nutzen sucht. Veldo macht sich in seinem Auftrag mit Julia auf die Suche nach dem verlorenen Bild. Auf der Reise intensiviert sich das kunstvolle Spiel ihrer Verbindung. Doch bald zerstören Pandulis dunkle Geschäfte die Idylle. Julia verlässt ihn und Veldo lebt kurz mit Anne und dann mit Antonie zusammen. Eine unbestimmte Drohung lastet über den Beziehungen, vor der Veldo nach Ägypten flieht. Vergeblich, denn während einer Schiffsfahrt auf dem Nil treten ihm erneut Anne, Antonie und Julia entgegen und Veldo verliert sich mit ihnen in einer surrealen, Angst erfüllten Traumwelt, aus der er nur mit Mühen entkommt. Schließlich kehrt er mit Anne nach Deutschland zurück, aber ihre Beziehung scheitert erneut. Monate vergehen, die er mit der Verarbeitung und der Niederschrift seiner seltsamen Erlebnisse verbringt. Und eines Tages macht Veldo eine eigenartige Entdeckung.

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