Harald Bertsch

Das letzte Versprechen oder mit dem Moped durch die Highlands

Lasst mich ganz kurz erklären wie es dazu kam, dass ich meine alte Kuh im Frühsommer 2016 durch die schottischen Highlands getrieben habe.
Als ich der besten Sozia der Welt zum letzten Mal die Linke zum Gruß geben durfte, habe ich ihr versprochen für sie einmal in ihr geliebtes Schottland zu fahren… 

Loch Lomond – Am dem See, den die schottische Rockmusikgruppe Runrig in ihren Liedern besingen, einen Steinturm zu bauen, damit alle sehen können, dass sie einmal in Schottland war. Und für sie einmal auf der Isle of Skye über den Atlantik zu schauen….

…. All das hatten mich bewegt in ein Land zu fahren, in dem ich ganz alleine unterwegs auf einsamen Straßen, fernab der Heimat und mit absoluter Sicherheit immer wieder nass werden würde. Gut, ich hatte unsere Kuh dabei, die wir 10 Jahre vorher gemeinsam in einer dunklen Doppelgarage in einem kalten Winter aus einer BMW R100RS gebaut hatten, unsere Kuh eben. Ja ich gehöre zu den wenigen Glücklichen, die gemeinsam mit ihrer Frau das gemeinsame Moped bauen können.

Vorab, es war meine bisher schwerste Reise und dennoch auch gleich meine schönste Reise auf der ich viel mehr mitgebracht als ich dort gelassen habe.
Naja ganz so blauäugig ist der olle Indsman ja nicht. Indsman da man mich als den Indianer kennt oder eben den LastMohawk, meine Freunde rufen mich Indi. So hatte ich dann ein halbes Jahr im Voraus die Fahrt insoweit geplant, als dass ich die Fähre und die Bed & Breakfest Übernachtungen gebucht habe. Mir Routen rausgesucht und auf mein steinaltes TomTom Navi geladen hatte… Mit Karten kann ich als alternder Indianer nicht mehr fahren, da das Augenlicht auf die kurze Entfernung zum Tankrucksack mir viele Streiche spielt und so ne Karte dann ausschaut wie ein Gemälde von Miro oder das Schnittmuster aus ner Burda Modezeitung…. Aber es soll ja auch angeblich die Vorfreude enorm steigern, wenn man sich auf so ne Reise etwas vorbereitet.
Ja auch die Kuh bekam neue Vorder- und Hinterhufe, da meine Pellen schon ziemlich runter waren und ich mit ca. 4000 km rechnete, aber die Trennscheiben nicht mehr solange hielten… gut gut, nach dem Ölstand habe ich auch noch geschaut und mal einen halben Liter aufgefüllt. Ach ja und bei Polo noch nen neuen Tankrucksack gekauft… der alte verratzte Koffer, den ich seit vielen Jahren mitschleppe meinte den Reißverschluss abwerfen zu müssen. Der Verkäufer beim Zubehörladen meinte auf meine Frage nach nem ordentlichen Tankrucksack für die Schottland Tour, dass wohl ein solcher nicht ausreichen würde… was ein Quatsch. Alles was da net reinpasst, ist eh überflüssig oder? Hey ich fahr mit Lederjeans und Cowboystiefel… also reicht eine Hose, die Schuhe hab ich an, für jeden dritten Tag ne frische Unterbuz, Socken und ein Wechsel T-Shirt…. Etwas Kulturbeutelzeugs und die Elektroniksachen wie USB Versorgung für Handy, Navi und MP3 Player.
Nach einem blöden Erlebnis vor ein paar Jahren an einem schönen Sonntag irgendwo im Siegerland mit platten Hinterreifen, sind seither immer 2 Schläuche und ne Luftpumpe am Moped dabei… und mein kleiner Drache zum Fliegen am Atlantik kam auch noch ans Moped.

Die Fähre wartet

Dann ab nach Holland, der geilsten Stadt der Welt…. aber net für Mopedfahrer… das ist echt ätzend, genauso wie am Niederrhein entlang – überall 70 und in Holland 60. Da ich die Autobahnen nicht fahre, musste ich auf die Nationalstraßen ausweichen… hab ich schon mal erwähnt, ich hasse „Trempels“… und die Nebenstrecken … ich glaub ich erfind in Holland mal Wegweiser auf den Nebenstrecken. Kann es sein, dass weil Holland so klein ist, die sich dort alle auskennen auf ihren Straßen? Ich jedenfalls nicht, und so kreuzte ich mal gegen und mal quer zu Regen der sich mit der Sonne abwechselte bis Amsterdam und weiter nach IJmuiden zum Hafen und der Fähre.

Man munkelt in Schottland wäre der Sprit so teuer – stimmt auch, also kurz vor der Fähre nochmals an ne Tanke und das Spritfass gefüllt. Apropos Sprit und Schottland… ich musste erfahren, dass es sehr viele Ammenmärchen gibt über die Spritversorgung in den Highlands… im Nachhinein vermute ich dass es von denen die dort waren und wieder hinwollen bewusst so erzählt wird, damit andere abgeschreckt werden und nicht die Single Track Roads zuparken.
Meine Erfahrung ist, dass spätestens nach 60-70 km irgendwo ne Zapfsäule rumsteht.

Aber zurück nach Holland… zum Check-In soll ich gehen kurz nach 15:00 Uhr… nur auch dort keine Schilder und ich kenn ja Check-Ins vom Fliegen her… kein Schalter oder sowas… hmm wat nu? Ahhhh ne Horde Schotten auf Mopeds, offensichtlich auf der Heimreise… die kamen ja schon mal von so ner Fähre, die könntens wissen. Also nix wie hinten an die neumodischen BMW 12er GSn gehängt und sie wurden fündig…
Geschafft, die Kuh ist sicher im Bauch des Stahlriesen verzurrt. Ja man muss das selber machen, aber es hängen Zurrgurte von der Wand und es sind Stahlseile am Boden und Ösen, an denen man das Moped anbinden kann. Ich geh mal davon aus, dass man mindestens einmal vorher daheim das verzurren geübt hat… denn es muss schnell gehen und überprüfen tut das niemand mehr. Glaubt mir, man schläft leichter mit dem Wissen, das Moped bleibt auch bei schwerem Seegang standhaft.
Die Überfahrt nach Newcastle upon Tyne war sehr kurzweilig… Essen war lecker und das Frühstück reichhaltig. Würde aber nicht mehr im Vorab das Essen buchen, ist zu teuer, denn auf dem Schiff gibt es einige Restaurants und man kann für weniger Euronen auch satt werden. Irgendwann fand ich eine Bar in der ein Barde Lieder aus den 70ern und 80ern spielte. Genau meine Welt. Da der Seegang über Nacht geringfügig rauer wurde standen morgens viele Mitreisende an der Reling und fütterten die Fische während ich mir die Rühreier mit Lachs schmecken lies und meinen Granatapfeltee genoss. Und die Kuh ist stehen geblieben, alles richtig gemacht gestern.

Die Teletubbies

Endlich Land in Sicht… England pfeift auf das Schengen Abkommen und man muss durch eine Passkontrolle… gut, geht schnell und die Leute sind sehr freundlich. Man gewöhnt sich eigentlich mit dem Moped sehr schnell an den Linksverkehr und man merkt nicht, dass man 50 Jahre die falsche Straßenseite benutzt hat und plötzlich auf der Richtigen fahren muss. Links um den Kreisel geht klasse und die Leute auf der Insel können das – im Gegensatz zu uns Deutschen sogar.

Dann im zweiten Kreisverkehr nach der Fähre verabschiedet sich mein Navi mit sanftem Ruck verteilt sich Halter und Navi auf der Straße. Ein mir folgender Einheimischer fährt direkt über den Halter und jagt das Navi an die Randsteinkante… klasse zum Glück waren alle Routen und B&B Adressen dort verzeichnet. Aber der Brite bietet mir seine Hilfe an und lotst mich zur 5 Meilen entfernten Bank. Danke an meinen Kollegen Horst, der mir ne Woche vorher noch ein Navisystem aufs Handy packte, die Karte von Schottland dazu und meine Routen auch. Nur musste ich 100 mal am Tag feststellen: Navigieren mit Handy ist einfach Scheiße.

Aber irgendwann stand ich dann vor diesen wunderschönen Schild in herrlicher Landschaft: Welcome to Scotland Es liest sich nach langer Vorbereitungszeit einfach klasse.
Ein klasse Gefühl, dort angekommen zu sein wo man hinwill und wo die eigentliche Reise anfängt. Ja der Norden Englands und entlang des Hadrianswalls ist reizvoll zu fahren und es sind grüne Hügel mit kleinen Straßen und wenig Verkehr.

In den Lowlands fand ich herrliche Sträßchen durch eine Landschaft, die ausschaut wie das Teletubbie Land… nur keine Teletubbies, sondern Schafe… überall Schafe und kleinste Sträßchen mit Ausweichstellen. Irgendwann dachte ich mal an eine Tanke, aber Teletubbies brauchen wohl kein Benzin. Am späten Nachmittag traf ich zwei Mopedfahrer und fragte nach der nächsten Tankstelle. Sie nahmen mich ein Stück des Weges mit, machten dann aber an einem Mopedtreff halt, den ich aufgrund der vorangeschrittenen Uhrzeit und der noch zurückzulegenden Wegstrecke beiseite lies.

Das Versprechen

Mit gefülltem Tank ging es dann über Glasgow zum wunderschönen Loch Lomond. Dort wollte ich ja einen Steinturm bauen. Stellte meine Kiste ans Ufer und genoss den Ausblick. Die Abendsonne schimmerte auf die leichten Wellen und es war ein sehr friedlicher Anblick dort am See zum Fuß des Ben Lomond.
Meine Angst, nicht genügend Steine zu finden um einen Steinturm zu bauen waren unbegründet. So suchte ich mir ein ruhiges Plätzchen und gedachte der Jahre als ich noch mit Sozia fahren durfte. Die warmen Sonnenstrahlen schickte bestimmt Sabine von oben. Mit Kaltmetallknete, die ich eigens dafür mitnahm zementierte ich die Steine übereinander und montierte ein Bild von ihr an dem Turm.
Jetzt kann wenigstens ihr Bild auf diesen wunderschönen See blicken und ich weiß, sie war eigentlich immer mit auf der Reise… wer mein Moped sieht, der stellt fest, dass die hinteren Fußrasten immer unten sind… ihr Platz eben.
Nach einem kurzen Smalltalk mit fünf sehr netten Parkrangern sollte ich noch eine Lektion lernen… nachdem ich erleben konnte, dass das Aus meines Navis mich nicht hindern sollte meine Reise fort zusetzen, stellte ich nach 2 km Fahrt fest, dass es meiner Kuh an Vortrieb mangelt. Der Motor drehte hoch und das Getriebe ließ sich schalten. Mein erster Gedanke an des Gelenk des Kardans war falsch… also Moped abstellen und prüfen was es sein kann. Das Hinterrad ließ sich frei drehen obwohl ein Gang eingelegt war – blöd. Also runter mit dem Rad und schauen was ist…. Da ich erst zwei Tage vorher neue Reifen draufgezogen hatte, ließ sich alles problemlos mit dem Bordwerkzeug zerlegen. Hier war dann der Übertäter. Die Nieten des Antriebsflansches waren alle gebrochen, so dass dieser sich Richtung Achsgetriebe verflüchtigt hatte und nicht mehr in die Bohrungen eingriff. Klasse und das Samstagabend halb Acht irgendwo in Schottland.
Nach 5 Minuten kam ein sehr freundlicher Mann auf einem Fahrrad und half mir das Rad in seine kleine Gartenhauswerkstatt zu Transportieren. Wir schlugen die Nieten aus der Nabe und Bohrten die Löcher – an Ermangelung passender Schrauben - auf 6mm auf. Da wir nur 6 Schrauben aufgetrieben hatten, wurde eben nur jede zweite Niete ersetzt, die restlichen 6 Nieten greifen ja noch in die Bohrungen und treiben ebenfalls mit an. Es hat gehalten und zuhause habe ich dann die restlichen Nieten auch durch Schrauben ersetzt. In einer kleinen Laube konnten wir zu Dritt mein Rad reparieren. Die Frau des Hauses brachte uns noch Orangesaft und wir unterhielten uns noch über dieses schöne Land. Als ich dann fragte, wie ich denn Danke sagen kann für seine Hilfe, erwiderte er nur: „Hab einfach nur Spaß in unserem Land und erinnere dich an uns“. Dann fuhr er mich zum Moped und wartete bis ich alles angebaut hatte. Hier will ich nochmals Danke sagen.

Ab in die Berge

Nach reichhaltigem Frühstück auf der Farm auf der ich übernachten konnte machte ich mich in feinstem Niesel auf Kurs Richtung Norden, immer an der Westküste entlang. Übrigens durfte ich meine Kuh in der Scheune des Farmers grasen lassen und die Bäuerin lachte über die Ohrmarke an der Kuh. Ich habe ihr dann erklärt, dass hier in Deutschland wir dieses Moped als Gummikuh bezeichnen und sie deshalb die Ohrmarke trägt. Aber Jungs, vergesst den Gedanken auch eine an eure Kuh zu schrauben. Es ist sehr schwer eine echte Marke zu bekommen und man glaubt nicht, wieviel Ohrschmalz so eine ausgewachsene Kuh produzieren kann. Ich hatte flaschenweise Sagrotan verbraucht bis sie sauber war.

Den See hinter mich lassend steuerte ich auf halben Wege zur Isle of Skye den bekanntesten Mopedtreff in Schottland an, the green welly stop an der A82 halbe Strecke bis Fort William. Ein Besuch lohnt sich, ich habe dort richtig nette Mopedfahrer getroffen und lange bei einem Kaffee mit ihnen geplaudert. Dann weiter bis Fort William. Aber hey wenn ihr dort längs fahrt, bitte am Loch Leven NICHT über die Brücke. Biegt vorher rechts ab Richtung Kinlochleven. Ihr habt dann 16 km beste Achterbahn auf feinstem Asphalt und kein Verkehr bis Kinlochleven und wieder 16 km auf der anderen Seite des Sees zurück zur A82, wieder feinste Achterbahn und ein Grinsen bis hinter die Ohren.
Die Landschaft wird immer rauer und schöner und ein Wassertümpel am anderen fliegt an einem vorbei. Ich habe bei diversen Fotostops viele Mopedfahrer aus aller Herrenländer getroffen und kurz geplaudert. Als kurz vor Fort William mein Kaffee vom green welly stop ins Freie drängt, steuerte ich mein Moped auf einen kleinen Rastplatz an dem schon zwei nette Engländer saßen. Wir plauderten über das Land und die Leute und waren uns sehr schnell einig, dass es einfach nur wunderschön hier ist. Sie boten mir an, ein Foto von mir, der Kuh und dem Tümpel hinter uns zu machen. Natürlich nahm ich das Angebot an und knipste die Beiden dann auch vor ihren Mopeten.

Irgendwann wurden die Midlands immer zerklüfteter und ein einsames Schild verkündete mir, dass ich jetzt in den Highlands angekommen war…. Eigentlich könnte man hinter jeder Kurve neue Bilder machen, aber irgendwann muss man ja auch mal etwas Strecke machen. Mein Handynavi nervte mich zusehends und endlich hatte ich auch rausgefunden wie man dem blöden Ding sagen kann, dass es den Bildschirm nicht immer in die falsche Richtung drehen soll. Dann kamen aber wieder diese Momente wo alles egal ist und man nur noch stauend vor der Herrlichkeit unseres Planeten steht und merkt wie klein und unbedeutend unsere Probleme doch sind. Die Autos waren kein Problem, willig machten sie immer wo es möglich war Platz, damit die Kuh freien Auslauf hat. Der Verkehr dort oben in den Highlands ist komplett entspannt und jeder winkt einem zu und lächelt einen an. Ich genieße dies, vor allem wenn ich an unsere Autobahnen denke und die Art wie wir uns im Verkehr bewegen.

Es kann nur einen geben

Nach irgendeiner Linkskurve stand es dann vor mir da, das Eilean Donan Castle … die Highlanderburg überhaupt. Natürlich war es Pflicht, die Kuh zur Fotosession in Stellung zu bringen. Und da es mal wieder etwas regnete eine willkommene Möglichkeit im Trockenen ein Sandwich zu essen und einen Kaffee zu trinken, wieder mal festzustellen … eigentlich sollte man was anderes trinken als den Kaffee in Schottland… es gibt nicht wirklich guten Kaffee dort.
Bis zur Isle of Skye ist es nur ein Katzensprung und dort im Süden der Insel hatte ich ein Hostel gebucht. Naja auch alte Männer dürfen dort übernachten und das Beste, es war ein Pub mit italienischem Essen dabei. Ich traf drei junge Jurastudenten aus Bayreuth und wir zechten bis zur Sperrstunde und testeten das beste Bier. Diese Information sollte mir dann in den weiteren Tagen angenehm weiter helfen. Es gibt viele Biersorten und nur wenige wirklich gute.

Nette Leute kennen gelernt

Den folgenden Tag verbrachte ich auf der Isle of Skye. Dort ist es wunderschön. Ab zum Frühstück, der Koch meinte es zu gut mit mir. Nach einem kurzen Plausch über unsere Mopeds, er fährt ne rattige Speedtriple mit Totenkopflackierung, spendierte er mir die doppelte Menge Rührei mit Lachs. Das echte schottische Frühstück bekomm ich morgens nicht runter… Sowas wie angebratene Nürnbergerle, Rührei und gebratene Blutwurst und Speck und dazu ne Kelle voll weiße Bohnen und etwas Toast. Also rauf auf dem Bock, aber zuerst das Handy wieder aus dem Höcker nehmen, da lag es die Nacht zum Laden, da mein Adapter für die komischen Steckdosen dort kläglich seinen Dienst verweigerte. Also musste die Batterie der Kuh das ganze übernehmen. Die Straßen auf Sky sind wirklich gut zu fahren.  An der Siligachen Bridge machte ich kurz Halt. Hier treffen sich alle Straßen der Insel, ähnlich dem Johanniskreuz im Pfälzer Wald. Aber der Stopp lohnt sich.
Die Gipfel hier sind alle in den Wolken, jetzt weiß ich auch warum das die Isle of Skye genannt wird, man ist so nah am Himmel hier draußen. Morgen sollte ich das noch deutlich zu spüren bekommen. An der Ostküste der Insel weiter bis zu einem Einschnitt an dem ein kleiner Fluss an den Lealt Falls über die Klippen in den Atlantik stürzt. Das Schauspiel und die Touris hinter mich lassend bog ich nach Westen ab und genoss die Fahrt über den Quiraing. Eigentlich ein unspektakulärer Pass, aber ne geile Aussicht von da oben. Was mir besser gefiel war die Straße danach, eine klasse Single Track Road und keine Dose weit und breit. Nur ich, die Kuh und ganz nah am Himmel bei Bine. Diese schier endlose kleine Straße über die Hochebene führte mich dann in ein kleines Hafenstädtchen mit dem Namen Uig. Dort gab es Sprit und ne Tasse warmen Kaffee. Aber davor konnte die Kuh etwas vor sich hin galoppieren. Zum Ende der Straße bot sich wieder ein anderes Bild mit freiem Blick über den Atlantik und dem Hafenstädtchen davor.
Ab und an musste ich meinen Tankrucksack beiseite packen, damit ich ein Bild vom Cockpit und von Bine (Ich habe ein Passbild von ihr am Lenker) vor der traumhaften Kulisse machen konnte. In Uig an der Tanke fragte mich der Tankwart, wie alt denn mein Moped sei und was es für ne Marke ist. Wir plauderten etwas über die weitere Strecke auf Skye und aus dem Augenwinkel sah ich einen Cafeshop den ich dann auch ansteuerte. Vor dem Café stand ein junges Pärchen aus Cambridge, wie sich später herausstellte. Beide hatten schöne Scrampler Mopeds dabei. Glaub sie hatte eine neue Ducati Scrampler in dem Olivgrün und er ne Rote. Als ich meinen Helm absetzte fragte sie was der Schriftzug, an der Sitzbank, aus dem Song: Me and Bobby McGee von Kris Kristofferson zu bedeuten hatte: „I'd trade all  my tomorrows for one single yesterday To be holdin' her body next to mine“ Ich erklärte es ihr und warum ich hier bin. Da zog sie ihren Helm aus, machte ihre Jacke wieder auf und umarmte mich. Als sie losließ hatte sie Tränen und den Augen und wünscht mir viel Kraft und „Have a safe Journey“. Dies wünschen sich die Fahrer hier in Schottland wenn sie losfahren. Im Café am Tresen traf ich ne Frau aus Virginia und sie erzähle mir von ihren Reisen durch Großbritannien während ich meinen Milchkaffee schlürfte und sie am Guinness nippte. Ich mag das dunkle Bier nicht. Als ich ihr erzählte, dass ich im Schwarzwald geboren wurde und in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen bin, leuchteten ihre Augen. Ihr Vater war GI und in Vaihingen stationiert und sie bis zum 9. Lebensjahr dort aufwuchs. Ja die Big red One war dort stationiert. Einer ihrer Wünsche war den Canstatter Wasen zu besuchen, das Oktoberfest in Stuttgart, von dem ihr Vater immer schwärmt. Nach der Stärkung und den lieben Gesprächen zog es mich wieder auf die Straße und es lohnt sich auch mal ne kleine Strecke nach ! links od er rechts abzubiegen… gut man muss die selbe Tour wieder zurück. Aber hey die haben da net umsonst ne Straße gebaut, entweder wohnt da einer, oder es ist ein sehenswerter Platz dort. So fand ich viele kleine einsame aber hübsche Fischerdörfchen.
 

Zurück im Hostel und im Pub musste ich mein Handy wieder unter dem Höcker zum Laden anhängen und beschloss Übermorgen in Ullapol nach einem Adapter zu forschen oder ein USB Ladegerät für die hiesigen Steckdosen zu kaufen. Im Pub traf ich die drei Studenten wieder und wir erzählten uns bei einem guten blonden Lager und einem Hühnerburger was wir so erlebt hatten. Irgendwann spät in der Nacht legte ich mich erschöpft aber zufrieden in mein Stockbett.

Dem Himmel ganz nah

Morgens stellte ich fest in meinem 8-Mann Schlafsaal hatte noch ein anders Ehepaar genächtigt… ist mir garnet aufgefallen am Abend… hmm war wohl das Lager. Egal, heute geht’s zum Applecross Pass. Da freu ich mich schon drauf den höchsten Pass zu fahren den es dort oben gibt. Bei der Anfahrt zum Pass überholte ich eine Gruppe von Harley Treibern, d.h. wir überholten uns immer wieder gegenseitig, da ich oft anhielt um Fotos zu machen. Aber die Jungs waren fair und ermöglichten mir immer wieder das Überholen, auch auf kleinen Straßen. Der Ausblick auf viel Spaß am heutigen Tag, gut nicht soooviel Sonne, aber auch keine Mücken, hat ja auch was. Auch kommt die Vorahnung dass es wohl etwas feucht wird in den höheren Regionen. Um viele Serpentinen weiter bot sich dann das folgende Bild. Der Applecross ist tief in den Wolken.. man kann hier nur das untere Ende des Berges sehn. Es folgten viele Serpentinen in den Wolken und das als Single Track Road… Null Sicht, der Wind blies das Wasser in den Wolken quer zur Fahrtrichtung über den Pass. Und das beste oben auf dem Hochplateau konnte man ganz kurz sehen, dass die Straße auf einem Art Damm gebaut wurde der ca. 1 1/5 Meter hoch war. Bereits auf der ersten Kehre bei der Abfahrt lief ich mal wieder auf die Harleytruppe auf und musste feststellen, die beiden hinteren konnten keine Spitzkehre fahren… die Abfahrt war sehr zäh, denn ein Vorbeifahren bei Null Sicht war so gut wie unmöglich. Unten angekommen bogen wir gemeinsam zum Applecross Inn ein und es gab ne Tasse heißen Kaffee und ein Hotdog. Wir plauderten über die Schönheit der Westküste und dass es schade ist, dass die Sonne sich nicht zeigt. Da die Jungs noch Mittagessen wollten fuhr ich alleine weiter, was aber mir gar nicht so unlieb war. So konnte ich doch meine Marschzahl selbst bestimmen und muss net immer auf die Kurvenparker acht geben. Es findet sich hinter jeder Biegung eine tr! aumhafte Kulisse. Ist man auf einer gewissen Höhe, dann sind Hochmoore mit dem Wollgras und dem Heidekraut ringsum die kleinen und großen Tümpel. Dann immer wieder kleine tolle Abfahrten runter an die Lochs mit Ausblicken auf kleine Inseln und natürlich auf sehr viele Lachsfarmen. Und Schafe…. Überall Schafe….

Erinnerung an schlimme Tage

Nach einer kurzen Rast in Nanny’s Cafe in Shiledaig am Loch Shildaig, die Cupcakes dort sind echt lecker, ging die Reise weiter zum Loch Ewe. Ehe ich mein B&B Zimmer aufsuchte fuhr ich die paar Meilen zum WW II Memorial Stone. Da ich um die Geschichte aus dem 2. Weltkrieg wusste, hatte ich mit meinem deutschen Kennzeichen ein mulmiges Gefühl im Bauch. Hier versenkten deutsche U-Boote die Schottische Flotte, die zur Unterstützung des russischen Konvois sich im Loch Ewe versammelt hatten. Ich traf da oben einen älteren Schotten, denke er war Geschichtslehrer oder sowas. Auf jeden Fall unterhielten wir uns sehr lange über die Vorkommnisse dort und irgendwann fragte er mich warum mich das als Ausländer interessiere. Ich sagte ihm: „schau, deine Großväter liegen dort auf Grund der See, es waren mit Sicherheit gute Männer. Meine Großväter waren es, die sie dahingeschickt haben, es waren auch keine schlechteren Männer, es war die Zeit im Krieg. Schau es ist auch Teil meiner Geschichte“. Das konnte er verstehen und wir waren uns einig, dass es ein Wunder ist das wir Beide hier so ohne Hass miteinander reden können. Ja wir waren uns einig, dass das einzige was wir für die Männer da unten tun können, ist dafür Sorge zu tragen, dass solche Steine nicht mehr aufgestellt werden müssen. Dann empfahl er mir noch den roten Strand am Loch Ewe zu besuchen… dort versuchten die Engländer in grauer Vorzeit die Schotten aus ihrem Land zu treiben und nach Neu Schottland vor der Küste Amerikas zu deportieren. Der Empfehlung folgte ich gerne und stellte meine Kuh in den Strand vom Loch Ewe und genoss den Abend. 
3 Meilen zurück, Richtung Poolewe lag mein B&B Zimmer. Es empfing mich eine sehr nette Frau und wir plauderten über den Grund meiner Reise, wo ich schon war und dass der Startpunkt Loch Lomond aufgrund des Runrig Songs war. Sie erzählte, dass sie in einem Chor die gälischen Lieder singt unteranderem auch Lieder von Runrig. Sie meinte ich solle kurz warten und kam dann mit einer CD wieder. „Auf der sind unsere Lieder, hör sie dir an“ meinte sie und gab mir die CD. Als ich ihr sagte, dass ich keinen CD Spieler dabei habe und auch im Zimmer keiner ist, meinte sie nur: „nimm die CD mit und wenn du sie daheim anhörst, dann denk an mich am Loch Ewe“. Die Leute schaffen es hier immer wieder mich aus dem Latschen zu hauen. Langsam fange ich an zu begreifen, dass ich auch nach Sabines Tod nicht alleine bin, dass sich Menschen für mich interessieren und dass es gut tut sich auszutauschen, auch so viele Meilen von zuhause weg. Ich glaub in den paar Tagen war ich eigentlich nie weit von zuhause weg… ich war überall willkommen und konnte mich zuhause fühlen, Es tat einfach nur unendlich gut das zu spüren und zu erleben.

Drachen am Atlantik

Heute geht’s nach Ullapool und weiter in den Norden… aber zuerst will ich etwas meinem Hobby frönen und meinen kleinen 4-Leiner Drachen in den Himmel entlassen und am Atlantik zu fliegen. Also nach leckerem Frühstück und etwas Smalltalk über die Gartenbaukunst in England und Schottland trieb ich meine Kuh wieder zu dem roten Strand vom Vorabend. Aber den konnte man kaum sehen, denn die Flut war inzwischen da. Das störte meinen kleinen Drachen nicht besonders. Es machte mir richtig Freude mit meinem Himmelsmoped in den Morgenstunden am Loch Ewe zu spielen. Ja das mit dem Drachen ist ein Spleen von mir, ich habe ihn schon an so vielen Orten geflogen und werd es wohl auch weiterhin tun. Also ist er immer in meinem Gepäck dabei. Auf dem Moped musste ich ihn etwas Umbauen, da er mit 2 Meter Spannweite nicht gerade das Optimum für ein Moped darstellt. Nach ner guten Stunde Spaß mit dem Vogel, scharrte meine Kuh mit den Hufen, hatte wohl zu viel vom guten Seegras geweidet. Kurzum, wir waren wieder on the road again…
Ich hatte vor der Reise nicht mal von solchen Wegen zu träumen gewagt, aber es gibt sie wirklich, die Freiheit auf Zwei Rädern. Immer wieder musste ich anhalten, da sich nach manch einer Kurve immer wieder so herrliche Flecken Erde fanden. Selbst der Blick von der anderen Straßenseite auf das Moped war atemberaubend schön. Ich sage mir immer wieder, schöner kann es nicht mehr werden und nach er nächsten Ecke: „doch, es geht“.
Langsam meldete mein Magen, dass es an der Zeit wäre etwas Nahrhaftes aufzutreiben. Mein blödes Handynavi zickte rum und ich konnte nicht einschätzen wie weit es bis nach Ullapool sein wird. Dann traf ich Lars vom Tourenfahrermagazin, der mit Einem zusammen Bilder für eine Story über Tourenmopeds in Schottland machte. Er meinte, dass Ullapool nicht ganz ne halbe Stunde weg wäre.

Komm doch mal nach Mailand

In Ullapool gabs erstmal Futter für die Kuh. Einen Bankomaten habe ich gefunden und sogar ein Freispiel erhalten. An der Ecke gegenüber der Imbissbude sah ich auch einen Hardwareladen, der laut Werbung auch Netzteile und son Zeugs verkauft. Dort bekam ich mein USB Ladegerät für die schottischen Steckdosen passend und ein USB Kabel, da meines ebenfalls den Geist aufgegeben hatte. Dann rüber in die Imbissbude…. Vorneweg: Fish&Chips schmecken nicht, aber sie haben einen gewissen Nährwert. Gut der Backfisch war ok, aber die Pommes nee, das geht in Belgien um Welten besser.
Beim Essen lernte ich ein Ehepaar kennen, Er kam aus Italien und Sie aus Ecuador. Wir unterhielten uns über alles Mögliche. Während er ihr Essen zerkleinerte, da sie an den Händen spastische Lähmungen hatte, erzählte sie über ihr Land auf der anderen Seite des großen Teiches. Mir hat es gut gefallen und Marco und Mary haben mich in Mailand beim Giraffentreffen auf ne Pizza eingeladen… Ich soll mich nur bei ihnen melden. Keine Stunde später fand ich eine kleine Bucht mit einem wunderschönen Sandstrand. Das Wasser war herrlich blau, aber viel zu kalt für einen bekennenden Warmduscher. Als ich vorne am Wasser stand, blickte ich mich um und sah meine Spur im Sand und verfiel wieder in die Traurigkeit, denn da fehlte einfach eine Spur neben meiner. Diese Momente kamen auf der Reise sehr oft und ich war sehr oft über den schottischen Regen froh, denn er wusch die Tränen aus meinen Augen. Beim Versuch das Dosencola wieder loszuwerden, stoppte ich an einem kleinen Parkplatz in einem Wald. Keine 10 Meter neben der Maschine fand ich dann einen wunderschönen Wildbach. Das Wasser braun vom Moor plätscherte es über das Gestein. Ein willkommener Platz um die Seele baumeln zu lassen. Ich hatte ja Zeit und keine Eile. Musste erst abends bei meinen B&B Gastgebern sein. Kam an weit entlegenen Farmen vorbei und viele Schilder warnten vor dem Lämmern auf der Straße. Ja die alten Schafe störten sich nicht mehr an den Fahrzeugen die vorbeifuhren, aber die Lämmer versuchten noch kurz vor mir die andere Straßenseite zu Mama zu erreichen. Abends um Zehn halb Elf blickte ich aus meinem Fenster auf die Kuh, die ihren verdienten Schlaf bekam. Hier oben im Norden wird es nur ein paar wenige Stunden dunkel selbst kurz vor Mitternacht kann man noch sehr gut sehen. Ich konnte bei einem alten Ehepaar nächtigen die ebenfalls sehr lange Zeit mit dem Motorrad unterwegs waren.

Auf zur Nordküste

Beim Frühstück erklärte mir der Gastgeber, das ich eine sehr schöne Route gewählt habe, die wie eine Achterbahn auf und ab und rechts und links sich an der Küste entlang windet. Er meinte, man braucht gute Bremsen wenn man da zügig unterwegs sein will. Darauf antwortete ich ihm: „ I’ve bad breaks, but I trust in god“. Daraufhin lachte der Mann neben mir, es war abends noch ein englisches Ehepaar angereist, laut los und meinte nur: „We trust in god too, but we have breaks“. Und so trieb ich meine Kuh auf dieser endlosen rechts links auf und ab windenden schmalen Straße. Aber immer schön auf die Lämmer achten. Bei solchen Straßen schlägt doch das Kradlerherz höher oder? Irgendwann tauchte vor mir eine kleine und zugegeben für die Highlands sehr moderne Tankstelle auf. Sie gehört zu einem Angelsportgeschäft und ich beschloss spontan meinen Vorrat an Treibstoff aufzufüllen. Die Frau an der Kasse wollte direkt wissen, ob meine Fransen an der Wildlederjacke nicht zu laut flattern im Wind. Aber das konnte ich ruhigen Gewissens verneinen. Im Laufe des Tages kam ich dann wieder über eine der vielen Hochflächen an denen es rechts und links des Weges kleine und große Seen gab. Immer wieder überwältigte mich der Anblick dieser Landschaft. Irgendwo bog ich einfach mal rechts ab und kam über kleinste Sträßchen in eine wunderschöne Bucht. Ich konnte mein Moped direkt vor dem Wasser abstellen und auf einer Parkbank den Gedanken freien Lauf lassen. Gegenüber waren dunkle Felsen ne richtige Steilküste auf denen Vögel brüteten.  Fragt mich aber jetzt net wo ich da abgebogen bin…. Ich weiß es nicht mehr.

Kinder und alte Männer

Und am Parkplatz stand neben meinem Moped ein Wohnmobil und ein langhaariger Bombenleger war damit beschäftigt sein Kochgeschirr zu reinigen. Irgendwann schaute er sich mein Moped an und wir kamen dann ins Gespräch als ich wieder von der Bank zurückkam. Ihm gefallen die alten Mopeds besser als die Neuen meinte er. Dann begrüßte mich seine hochschwangere Frau und sie erklärte mir, dass es ihre letzte Reise zu zweit wäre und sie sich auf ihr Baby freuten. Ich erwiderte, dass es bei mir genau das Gegenteil als Reisegrund ist. Während sie ihre Reise machten um ein neues Leben zu erwarten, machte ich die Reise um ein altes Leben zu verabschieden. Nachdem ich der werdenden Mutter alles Gute für sie und ihr Kind gewünscht hatte, bat ich den jungen Mann seiner Frau und seinem Kind ein guter Vater zu sein. Mit diesen Worten und einem obligatorischen „have a safe journey“ lenkte ich meine Kuh wieder gen Norden. Mein Magen signalisierte, dass er sehr stark an etwas essbarem interessiert wäre und so hielt ich Ausschau nach einem geeigneten Platz. Den fand ich am Wegesrand in Form einer alten Schule, die zum Restaurant umgebaut wurde. Der Name passte wunderbar zu meiner alten Kuh und auch beim Essen wurde ich nicht enttäuscht.
Nachmittags irgendwo in der Nähe von Tongue sah ich ein kleines Hinweisschild auf eine Tankstelle. Ich fuhr in den kleinen Ort und fand aber lediglich einen Sparmarkt in Form eines kleinen Tante Emma Ladens. Das Haus war am Hang gebaut und der Hof bestand aus lauter Schlaglöchern…. Nee vor dem Laden war ne uralte Zapfsäule, keine so mit Digitalanzeige, nein, eine mit Zeigern. So eine hatten wir auch an Vaters Tanke als Dieselsäule während meiner Kindheit. Nur wo das Moped abstellen vor der Säule? Ich war mir sicher in den Schlaglöchern am Hang fällt die Kiste um. Noch im Grübeln, las ich ein Schild mit alter zitternder Hand geschrieben: „ no selfservice, please ring the bell“ „Mist, wie komm ich an die blöde Glocke ohne abzusteigen?“ Aber da kam schon ein alter Mann mit langem weisem Bart auf mich zu und lächelte. Wir hielten erstmal ein kleines Schwätzchen, so in der Art, wie alt ist denn das Moped? Ist doch ne alte BMW oder? Und wo ich herkomme und wohin ich heute noch fahren will. Nach ein paar Minuten kamen noch mehr Motorräder zum Tanken und der alte Mann meinte dann: „mach mal den Tank auf und lass uns tanken, die anderen wollen ja auch noch“. Als er fertig gezapft hatte schrieb er die Liter und den Betrag auf einen kleinen Block, so einer wie die Bedienungen im Restaurant haben, und erklärte ich solle gegenüber parken und nach meinen Einkauf den Betrag an der Kasse bezahlen. So nett kann ein Tankstopp sein. Immer wieder kommt man an den vielen Buchten des Atlantiks vorbei. Die Menschen hier leben von der Fischzucht, der Schafzucht und dem Fremdenverkehr. Sie leben zwar in einer herrlichen Gegend, aber müssen auch hart für ihr Brot arbeiten. Das ein oder andere Mal stoppte ich an alten fast verfallenen Friedhöfen und las einige Grabesinschriften. Die Gräber stammten teils vom 17ten Jahrhundert. Dort haben sie genau in den Stein gemeißelt, wie der Ruhende se! in Leben ließ. Man liest viel von Krankheiten und Mord, aber auch vom Todesurteilen und Seeräuberei. Aber es gibt auch Steine die Aussagen, dass der Mensch eines natürlichen Todes aufgrund seines Alters gestorben ist. Es ist schon eine seltsame Stimmung auf so einem alten Friedhof und dort oben werden die Häuser nicht abgerissen sie bleiben als Zeitzeugen solange stehen, bis sie verfallen. Kurz vor meinen Ziel, das Armadale House nochmals eine kleine Pause an einem Leuchtturm gemacht und der Kuh noch, etwas Ruhe gegönnt.

Zum Tee bitte

Das Armadale House wird von einer sehr netten alten Dame geführt. Ihr müsst es euch vorstellen wie so ein Herrenhaus in einem Rosamunde Pilcher Film, der Sonntagabends im TV flimmert. Sie hieß mich herzlich willkommen und nachdem sie mir mein Zimmer gezeigt hat, saßen wir in ihrer Küche bei einer Tasse Tee und Keksen. So wie hier, durfte ich überall die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit der Leute kennenlernen. Ich fühle langsam, dass die Menschen in diesem wunderschönen Land mir weit mehr in Erinnerung bleiben werden als die grandiose Landschaft. Ich zeigte ihr dann welche Strecke ich an diesem Tag zurückgelegt hatte und was ich erleben konnte.

Kein Strom

Am nächsten Morgen regnete es, es hatte wohl schon die ganze Nacht geregnet und die Temperaturen waren leicht im Keller. Denke so um die 16 Grad waren die Spitzenwerte an dem Tag. Also Regenjacke musste mal wieder herhalten. Als ich mein Gepäck aufgerödelt hatte, versuchte ich die Kuh zu starten. Ich hatte schon ne Ahnung, dass der Regen und meine offenen Trichter nicht sonderlich gut miteinander konnten. Die Kiste stand so blöd, dass der Regen in die Trichter fiel und die Kiste nicht anspringen wollte. Naja irgendwann ist Schluss mit der Batterie und ich stand da, hoch im Norden und kein Saft mehr. Die anderen Gäste, zwei junge Schweizerinnen und ein junges Paar aus Leverkusen hatten in den Leihfahrzeugen kein Überbrückungskabel. Auch die Hausdame hatte keines zur Verfügung. Aber sie telefonierte in der gesamten Nachbarschaft vergebens nach solchen Kabeln. Hmmm dann doch die Werkstatt im 40 Meilen entfernten Tongue anrufen. Der Mann fragte nach der Bezahlung und ich erklärte, dass ich das aus eigener Tasche bezahlen muss. In den 45 Minuten die ich auf ihn warten musste, saß ich dann wieder in de Küche beim Tee.
Irgendwann nach einer gefühlten Ewigkeit kam der gute Monteur und wir überbrückten die Kuh, die dies direkt mit einem willigen Kaltstart quittierte. Ich 60 £ ärmer, fragte wo man ein Überbrückungskabel kaufen kann. Er erklärte mir, dass die Tanke in der nächsten Stadt solche Kabel hätte. Diese habe ich auch beim Tankstopp in den Tankrucksack gepackt und ne Dose Startpilot dazu. Glücklicherweise habe ich die Kabel und das Startpilot bis heute nicht benötigt.

Gemüsesuppe ist klasse

Im Nieselregen und bei frischen Temperaturen fuhr ich dann in Richtung Osten, immer an der nördlichen Küste entlang bis zum Ende des Festlandes, wenn man von einer Insel als Festland reden kann. John o' Groats war mein Ziel. Das letzte Haus von Schottland. Hier war ich nun am Rand der Britischen Insel und das im kalten Nieselregen. Aber wir Beide, die Kuh und Ich haben es geschafft. Ich bin stolz auf uns. Irgendwie baut man, wenn man soweit alleine fährt, zu seinem Gefährt, bei mir eben die Kuh, eine gewisse „Beziehung“ auf. Man redet mit dem Bock und ich bilde mir ein, dass er auch mit mir redet. So konnte ich meine Kuh auch beruhigt auf den Parkplatz zu den vielen anderen Mopeten stellen und mir den Ort in Ruhe ansehen. Da es wie gesagt doch sehr frisch und kühl war während der Fahrt, erfreute mich der Anblick des Cafés im Hintergrund. Schon beim Eintreten vernahm ich einen leckeren Duft und sprach die Bedienung darauf an. Es war eine Gemüsesuppe, die den Duft versprühte und ich durfte sie sogar testen. Lecker !... „einen Teller davon bitte“, „Groß oder Klein?“ „Groß, so groß wie es geht und Toast, brauner Toast bitte“. Ich bin der Überzeugung, dass diese Gemüsesuppe zu den besten Suppen gehört, die ich je gegessen habe. Sie wärmte nicht nur den Magen und die Finger, sondern auch die Seele. Da war es egal, dass der Kaffee mal wieder nicht zu den Besten gehört, die so auf dem Globus verkauft werden.
Tipp: Unbedingt die Gemüsesuppe testen wenn ihr euer Moped man in den Winkel der Erde getrieben habt, lohnt sich.
Da meine Schwägerin nächste Woche 70 wird – oh Mann ich bin alt geworden – dachte ich, dass es eine gute Wahl wäre hier was nettes, schottisches zu kaufen. Ja, auch hier gibt es Touriquatsch zu überzogenen Preisen… aber was solls, hey ich bin ja ein Touri und will son Quatsch kaufen. Der Kuh schenkte ich noch eine kleinen Aufkleber von John o' Groats für den Höcker. Denke damit kann sie vor den anderen Mopeden glänzen, die ihre Treiber bei Sonnenschein ins nächste Café fahren und wieder heim.

Versackt im Pub

Auf der Piste Richtung Inverness, der Hauptstadt der Highlands war eigentlich nix los… viel fruchtbares Land hin und wieder ein Schloss oder ne Burg, aber die Straße war nicht der Rede wert. So konnte ich auch mal das tun , was Mopedfahrer eigentlich gerne tun, mit überhöhter Geschwindigkeit einfach über die Piste knallen. Muss auch mal sein, oder? Irgendwann kam ich an einem Schloss vorbei und dachte, warum eigentlich net mal den Kasten anschauen? Aber die Eintrittspreise waren mir schlicht zu viel. So schaute ich das Ding von außen an und lernte eine netten smarten Jaguarpiloten kennen. Er erklärte mir seinen Sportwagen nicht ohne Stolz und ließ mich den satten Sound hören. Sind schon schöne Autos, die die Briten da so bauen. Dann weiter nach Inverness, diesmal hatte ich ein Appartement gebucht, mitten in der Stadt, eigentlich in Nairn, etwas östlich von Inverness. Da die alte Dame im Armadale House mir erzählte, dass man hier Delphine in freier Wildbahn sehen könnte, marschierte ich dann am Abend zum Hafen. Natürlich Ebbe und keine Delfine. Auf dem Heimweg kam ich an einem Pub vorbei und genehmigte mir ein Lager. Nach etlichen Lagerbieren und noch mehr Coronas war ich froh als der Wirt dann meinte: „last order, boys“. Aber der Reihe nach. Ich setzte mich neben einem Mann im Blaumann, der so wie es sich herausstellte Engländer war und nach Nairn gezogen ist. Wir plauderten über Gott und die Welt und tranken das eine oder andere Bier zusammen. Dann plötzlich stand ein Schotte neben mir, der meinen Aufnäher vom Eishockeyclub Bad Liebenzell als Fan Aufnäher der Chicago Blackhawks ansah: „Blackhawks – yea !!! „ und Daumen hoch grinste er mich an. Ich erwiderte dasselbe und schwups standen drei Bier auf dem Tresen. Es war ein richtig geiler Abend in dem Pub und wir haben viel gelacht und gequasselt. Bis der Wirt eben zur letzten Runde aufrief.
 

Kein Flipper, kein Nessi dafür Cajun Chicken

Der Vermieter erklärte mir, dass ich mit absoluter Sicherheit in Rosemarkie auf der Black Isle die Delphine sehen würde. Eigentlich wollte ich ja zu Nessi… hey Schottland ohne Besuch am Loch Ness, das geht ja garnet, da muss man hin. Tja man schon, ich net. Ich dachte mir, dass es wahrscheinlicher ist Delphine zu sehen als Nessi zu sehen, so fuhr ich auf die Black Isle. Sehr schöne Straßen dort und als ich in Rosemarkie ankam – Ebbe und wieder keine Delphine. Moray Firth, die Bucht von Inverness gehört schon zur Nordsee… gefrustet über das Ausbleiben von Flipper und Co setzte ich meine Reise Richtung Dundee fort. Mein Navi brillierte mal wieder gewaltig und es lotste mich 3 Mal quer durch Inverness. Sowas nervt mich total an. Ich fuhr dann einfach mal in die gewünschte Richtung und hoffte, dass das Navi sich wieder einfängt. Dabei fand ich schöne Routen und irgendwo im Cairngorms National Park bei einem Stopp traf ich gleichgesinnte Schotten. Ein Ehepaar trieb eine alte grüne Norton durch den National Park. Bei Kaffee und Kuchen – letzterer schmeckt sehr lecker in Schottland, ist empfehlenswert – wurde wie überall Benzin geredet. Alte Mopeds und geile Strecken waren das Thema. Mir gefiel es, dass die Beiden mit nur einer Maschine unterwegs waren, ist besser mit Sozia unterwegs zu sein. 
Die Midlands sind gut zu fahren. Zwar findet man überall die Singel Track Roads, aber die Besiedelung wird dichter und die Hügel flacher. Trotzdem finden sich auch hier wunderschöne Ausblicke auf die Flüsse die immer noch das typische braune Wasser haben. In Dundee angekommen dachte ich, ich könnte meine Vorräte an essbarem etwas aufstocken und mir auch wieder ein paar Getränkedosen in den Tankrucksack packen, aber die Geschäfte waren leider schon zu. So stellte ich mein Moped auf irgendeinen Parkplatz und hoffte, dass mein Tankrucksack noch da ist wenn ich wieder komme. Zu meiner Freude fand ich eine kleine italienische Bar in der es den wohl besten Cappuccino in ganz Schottland gibt. Dies habe ich dem jungen Wirt auch so  direkt gesagt und er hat es freudestrahlend entgegen genommen. Achja, der Tankrucksack war noch auf dem Moped. Es fing mal wieder an zu regnen auf den letzten 5 km und das nicht gerade wenig. Am Seaside House hatte ich mein Zimmer und die Wirtin meinte nur, dass sie die Heizung angeschaltet hätte und ich meine Klamotten trocknen kann. Ja und da ich das Deutschlandspiel anschauen wollte, es war schließlich EM erklärte sie mir wo ich gut essen und Fußball schauen könnte. Ich fand das Restaurant und bestellte mir ein Cajun Chicken… Ich hatte keine Ahnung, dass es so scharfe Panade überhaupt gibt. Aber es war lecker und um Welten besser als Fish & Chips. Inzwischen trockneten auch meine Klamotten vor sich hin und das Wetter wurde wieder besser.

Ein Abend unter Freunden

Gleich zum Frühstück schockte ich die Wirtin. Ich  wollte „nur“ Toast und Marmelade bzw. Konfitüre zu meinem persischen Grantapfeltee, den ich selber mitbrachte habe. Selbst nach dem vierten Toast fragte sie erneut ob ich wirklich nichts essen wolle. Ein süßes Frühstück zählt wohl in Schottland nicht zu den Mahlzeiten. Die Route von Dundee nach Perth ist aber sowas von langweilig. Ich konnte zwar ab und zu von der breiten Strße runter auf Nebenstrecken, aber die endeten irgendwann wieder auf der blöden A90 bis Perth. Dort angekommen fasste ich Sprit und landete wohl am lokalen Bikertreff. Es kamen immer mehr Kuttenträger vom Tribe aus Glasgow und den Blue Angels Scotland angefahren. Ich interhielt mich lange mit einigen von ihnen und sie fragten mich ob ich die North500 gefahren bin. Nö, die Scotland 4000 erwiderte ich und erntete wohlwollende Blicke als sie mein Moped anschauten. Einer von den Jungs hatte ein Buch von Guy Martin im Tankrucksack. Ich erzählte wie ich ihn kennen lernen durfte beim 1/8 Meilen Rennen am Glemseck 101. Als ich mich dann aufmachte wünschten sie mir wieder das bekannte „have a safe journey“.

Nach Perth wurde die Landschaft schöner und die Straßen kleinerund schnuckeliger. Ich fand schöne Brückchen wie bei Bridge of Earn. Als ich hier anhielt um Fotos zu machen, posierte ich mein Moped zunächst quer auf der Straße, damit ich den Fluss auch aufs Bild bekam. Es war Sonntagmittag und wie Murphy es erklärte, just zu dem Moment ein schicker neuer Landrover angefahren, konnte aber nicht passieren. Er blieb stehn und zu meiner Verwunderung grüßte er freundlich. Ich natürlich zurück. Er wartete bis ich meine Fotos gemacht hatte und ich bedanke mich bei ihm und er grüßte zum Abschied nochmals zurück. Stellt euch mal vor die Brücke stünde in Deutschland….. Hier in den Midlands kann man wunderbar seine Touren fahren. Ich war unterwegs in Richtung Sankt Andrews. Dieser schöne Ort an der Nordseeküste war aber sowas von überlaufen. Auf der zentralen Meile bekam ich nicht einmal einen Platz wo meine Kuh sich ausruhen konnte und ich einen Kaffee. Mit diesen herrlichen Aussichten verbringt man gerne den Sonntagnachmittag im Sattel oder? Und da St. Andrews so überlaufen war suchte ich wo anders nach einem gemütlichen Straßencafe und bin dann auch in Cupar fündig geworden. Frisch gestärkt fand ich noch weitere kleinste Nebensträßchen, die dank eines guten Belages sehr gut zu fahren waren. Der Zufall lenkte mich dann nach Springfield und ich musste Lachen und meinen Jungs direkt ein Bild vom Ortsschild schicken. WhatsApp funktioniert auch in Großbritannien. Nun Bart Simpson war nicht zuhause. Dann kam es wie es kommen musste, auf den letzten 30 km wurde ich wieder naß. Aber die Französin, bei der ich mein B&B Zimmer hatte nahm es gelassen hin, dass ich dastand wie ein begossener Pudel. Da wieder ein Deutschlandspiel angesagt war und die Französin mit Fernseh nix am Hut hatte, erklärte sie mir den Weg zum einzigen Pub im Dorf.&! nbsp; Im Pub war es mal richtig laut. Ich glaube Schotten können im Pub nicht ruhig sein. Ich stellte mich an den Tresen und trank mein gewohntes Lager. Neben mir stand ne Dose mit Hundekeksen und ein zwei alte Hunde bettelten immer mal wieder danach. Irgendwie war es wie in einem großen Wohnzimmer. Vor dem Spiel bekam ich noch mein Abendessen… der Fisch war lecker, aber die Chips… bekam wohl irgend ein Bauer für seine Schweine. Als ich das 1:0 für unsere Mannschaft laut bejubelte, standen direkt drei Mann neben mir und fragten mich ob ich Deutscher bin. Daraufhin gratulierten Sie mir zu unserer klasse Mannschaft, nun ich kann ja nix für, dass die so gut spielen. Wir plauderten den ganzen Abend über Fußball und den Brexit und auch über Mopeds. Einer von ihnen stellte mir sein ganze Familie vor und fragte mit was ich unterwegs sei. Ich zeigte ihm ein Bild von meinem Moped. Er lächelte und meinte er hat auch einen deutschen Boxer. Zeigte seinen feuerroten 911 Carrera. Der Abend war total entspannt und ich genoss diesen Abend wie unter alten Freunden verbringen zu dürfen. Ich hoffe Morgen ist es trocken, denn Morgen habe ich ein sportliches Pensum zurück zur Fähre.

Jetzt aber Gas

Der Morgen war wirklich schön und es fiel mir schwer den Heimweg anzutreten. Da mein Weg eigentlich quer durch Edinburgh führte, versuchte diese zu umfahren. Dabei verzettelte ich mich gaaanz leicht an der Küste entlang in Richtung Dunbar. Es machte zwar Spaß über die Küstenstraße zu düsen, aber ich hatte ja die 15:00 Uhr Check-In im Nacken. So machte ich mich dann schweren Herzens auf die A2 nach Süden. Endlose LKW Kolonnen mussten überholt werden und die Kuh lief wie ein Uhrwerk. Eigentlich dachte ich, ich komm mit den letzten £ an der Tanke bis zur Fähre, aber nee, kurz vor der Fähre hieß es nochmals 20 £ ziehen und etwas Benzin fassen. In Newcastel ist die Beschilderung zur Fähre so beschissen wie in Amsterdam…. Auf seltsame Weise bin ich aber dennoch auf einem Parkplatz gelandet, auf dem viele Mopeten zur Einschiffung warteten. Ein nettes junges Pärchen aus Plauen auf ihren XS400 Caferacern standen hinter mir und wir schwelgten in den Erinnerungen an die einsamen Highlands. Vor mir zwei Mädels aus Belgien mit modernen Kisten. Der Check-In war eigentlich sehr zügig erledigt und wir durften ohne lange Warterei aufs Schiff. Nur dort war es nicht mehr so gemütlich wie auf der Hinfahrt. In Dreierreihen standen die Mopeds und nur zu einer Seite fand sich ein Stahlseil… man musste sich „irgendwo“ einen Haltepunkt für die bereitlegten Gute suchen. Auch kam niemand der unser Treiben kontrollierte. Und das Schlimmste, man konnte so gut wie gar nimmer sich zwischen den Mopeds bewegen. Überall kreuz und quer Spanngurte… Ich machte drei Kreuze als ich endlich den Laderaum verlassen und meine Koje betreten konnte. Schnell das Geraffel aufs Bett geworfen, die Lederjeans gegen eine andere Jeans getauscht und dann ab aufs  Deck und Frischluft schnappen. Das Ladedeck war total stickig, heiß und laut. Abschied von der Insel und auf eine ruhige Übe! rfahrt h offend. Zum Ausfahrt aus dem Hafen winkte uns noch eine alte Festung zu… jetzt hat uns die See im Griff. Auf Deck setzte ich mich direkt in ein Café und tippelte die Erlebnisse des Tages in mein Reisetagebuch. Meine letzten Pfundnoten setzte ich dann in Eistee um. Auch fand ich wieder eine nette Bar in der Einer zur Gitarre die alten Lieder von Simon Und Garfunkel oder den Beatles sang.

Holland und seine Nebenstrecken

Zunächst machte ich noch einen Rundgang an Deck um frische Luft zu schnappen und genoss die Stille. Den Abend in der Bar verbrachte ich mit einem holländischen Ehepaar, die Schottland per Eisenbahn erkundet hatten. Es hatte ihnen sehr gut gefallen und sie erzählte, dass er ihr die Reise geschenkt hat, da sie einen sehr schweren Herzinfarkt überstanden hatte. Ich freute mich für sie und ich erzählte dann auch meine Geschichte. So konnten wir uns gegenseitig sehr gut verstehen. Irgendwann fiel ich aber doch in meine Koje und ließ mich vom Wellengang in den Schlaf schaukeln. Am nächsten Morgen vor dem Frühstück wollte ich noch wissen wie es ist auf einem Schiff zu duschen… was soll ich sagen, es geht. Runter von der Fähre wollte ich die Autobahnen meiden und dachte ich schaff das auch ohne Navi… naja dachte ich zumindest. Irgendwann dachte ich, dass die Richtung Den Haag leicht falsch ist und Utrecht wohl besser gewesen wäre. Nächste Tanke angesteuert und eine Straßenkarte gekauft. Mit dem Bleistift eine Linie zwischen dem Ort wo ich war und Harscheid, meiner Wahlheimat in der Eifel gezogen… hmm ich muss über Gauda und Eindhoven nach Aachen – klasse ab da kenn ich mich aus. So wurden aus den 350 geplanten Kilometern zum Schluss etwas über 500. In Holland gabs dann diverse Fähren über die Flüsse, wie über die Maas. In Aachen angekommen trieb ich die Kuh über Simmerath in die Eifel. Natürlich nicht ohne an der Biker Ranch dort noch ein Cola bestellt zu haben. Es war schon seltsam, nach der herrlichen Reise und den netten Bekanntschaften hier zu sitzen und keiner hat Bock mir einem zu quasseln. 
Nach über 4500 km war ich wieder glücklich daheim gelandet, die Kuh war zwar etwas weidwund, aber das war alles reparabel.  Ich bin froh, dass ich mein Versprechen einlösen konnte und auf der Reise, die schwerste bis jetzt für mich, doch auch für mich sehr viel mitnehmen durfte. Noch ehe ich in meinen Hof einbog, fuhr ich weiter zu Sabine und legte ihr einen Stein, den ich von ihrem  Loch Lomond mitbrachte an ihren Grabstein. Die Sonne schien und ein leichtes Lüftchen wehte als ich den Friedhof wieder verließ. Ich weiß sie hat sich darüber gefreut und sendete mir den Sonnenstrahl ins Gesicht.

Irgendwann treib ich mal wieder meine Kuh oder meine alte Honda GL1000 nach Schottland. Es wird dann aber Reise für mich alleine werden, das Land und die Leute und auch die Straßen wieder zu besuchen. Nur dann werde ich länger im Westen verweilen und den Osten zügig hinter mir lassen.

Euer Indianer

Dies war das letzte Versprechen, das ich meiner Frau
auf ihrem Sterbebetzt gegeben hatte. Sie starb im
März 2015 an einem Nierentumor.
Wir waren 29 Jahre verheiratet.
Harald Bertsch, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.01.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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