Olaf Lüken

Wem gehören wir nach dem Tod ?

Gesetz den Fall,
die Wünsche all,
wär'n uns erfüllt für 100 Lebensjahre,
so wär' auch dies
kein Paradies,
es ständ' am End' doch nur die Bahre.


Francois Bacon, Malgenie des ausgehenden 20. Jahrhunderts, stellte den menschlichen Körper in seiner ganzen Faktizität und Schutzlosigkeit dar. Seine Botschaft ? Auch wennwir alles haben, sind wir nicht mehr als potenzielle Kadaver. Wir sind Habenichtse, nicht einmal arme Schlu-ucker. Denn ein Toter ist ein Toter und hat nichts mehr nötig (Jules  Supervielle 1884-1960).

Viele Menschen dieser Welt,
streben nur nach Gut und Geld.
Und wenn sie es erwerben,
fallen sie um und sterben.


Ich kenne ein gut situiertes Paar, Annegret und Wolfgang. Sie haben alles, was ein junges und erfolgreiches Duo sich im Leben nur wünschen kann und leiden doch Mangel. Sie müssen mit leeren Händen zusehen, wie ihr Leben peu a' peu unter ihren Händen zerrinnt. Bei der  Begräb- sfeier für Wolfgangs Kollegen Erich, denkt Wolfgang über den Tod und damit auch über das Leben nach. Führt der Tod zu einem Wechsel der Besitzverhältnisse ? Ja. Was dem Toten einst zu Lebzeiten gehörte, geht jetzt in Besitz und Eigentum anderer über. Dazu gehört nicht nur Omas Zahngold.

Ihr Hab' und Gut ist nur der kleinste Teil. Das nächste ist der Körper. Er gehört demjenigen, der sie schminken und frisieren lässt, wie, wann und wo auch immer. Anschließend nehmen die Hinterbliebenen in Besitz, was der Tote einst gedacht, gehofft und geliebt hatte. Wer formuliert die Todesanzeige ? Wer den Nachruf ? Wer hält das Angedenken vor den Angehörigen ? Selbst die Erinnerungen des Verstorbenen werden von den Lebenden adaptiert, vorgetragen und entsprechend ausgelegt: War der Verstorbene zu Lebzeiten wirklich so tadellos, wie er von den Seinen mündlich und schriftlich geschildert wird ? Vor kurzem las ich: Tot ist nur, wer vergessen ist. Ist das wirklich alles ?

Wolfgang begreift zum ersten Mal, dass mit der Grenze des Todes aller Besitz zu einem Ende kommt. Endgültig: "Mir wäre es am Liebsten", sagt Wolfgang zu Annegret, dass die Leute mich vergessen sollen, wenn ich einmal nicht mehr bin. So erhofft Wolfgang sich im Stillen noch etwas von sich letztgültig behalten und bewahren zu können.

(c) Olaf Lüken (2017)

 

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