Olaf Lüken

Der Mann im Mond ist eine Frau

Es war einer der kühlen und regnerischen Sonntage vor fast fünfzig Jahren. Als sich am Himmel ein Spektakel
mit Weltformat ankündigte. In Bandon, auf einer halb verfallenen Burg, mehr Ruine als intakte alte Wehranlage
und an der Küste im Südwesten Irlands, nur wenige Meilen vor Cork gelegen, erlebte ich auf der grünen
Kerrygoldinsel meine ersten und ganz dem Glauben gewidmete Ferientage. Es war die Zeit des ersten Mond-
fluges und die Antwort der Vereinigten Staaten auf Gagarins erste bemannte Erdumkreisung. Als 16jähriger
Katholik nahm ich an einem internationalen Bibeltreffen junger Christen teil. Es waren - mit ganz wenigen Aus-
nahmen - Protestanten, die am Treffen teilnahmen und die Zeit eines großartigen Baptisten- und Bekehrungs-
predigers wie Billy Graham aus North Carolina (USA) einer war. Es war aber auch ein Jahr des Kalten Kriegs
zwischen den Blöcken des Westens und der des Ostens, als sich die Astronauten Neil Armstrong, Edwin "Buzz"
Aldrin und Michael Collins aufmachten, um unseren Erdtrabanten zu erkunden. Mit Hilfe der NASA begannen die
bemannten Mondflüge der Apolloserie. Drei Tage später erreichten sie die dafür vorgesehene Umlaufbahn und
landeten am 21. Juli 1969, 3.56 Uhr MEZ im "Meer der Ruhe". Während Kommandant Neil Armstrong vom
großen Schritt für die Menschheit sprach und Edwin Aldrin "la bella luna" erforschte und sich nach dem Mann
im Mond erkundigte, den er nicht fand, blieb Michael Collins in der Kommandokapsel der Columbia zurück und
umkreiste in aller Stille unseren Erdbegleiter.

Als Neil Armstrong und Edwin Aldrin mit einem etwas kultig aussehenden Mondjeep kreuz und quer über die
"Sea of Tranquility" fuhren, hatte auch der Westen im Wettkampf der Systeme seine großen Helden, der War-
schauer Pakt eine Woche stiller Trauer und die Verschwörungstheoretiker ein neues Thema, denn sie glaubten
fest daran, dass die Mondlandung vor einer Hollywoodkulisse inszeniert wurde. Dem Mond war es ziemlich
egal. Und wir Erdenbürger verehren Göttin Luna seit tausenden von Jahren mit unseren Geschichten, Ge-
dichten, Legenden, Mythen und astronomischen Betrachtungen. Von Ludwig van Beethovens "Mondscheinso-
nate" bis zu Michael Jacksons "Moonwalk" legen wir dem "Auge der Nacht," wie einst der Grieche Aischylos
unseren Nachbarn beschrieb, unsere sublimsten Gefühle dar. Andere, eher naturwissenschaftlich und ökono-
misch gestimmte Naturen, zerlegen unsere marianische Mondgöttin in die Bestandteile Staub, Gestein,
Eisen, Aluminium und Magnesium. Wahrscheinlich kommt Wassereis aus den kalten und lichtlosen Polre-
gionen hinzu. Wir wissen, dass unser Nachbar die Gezeiten von Ebbe und Flut beeinflusst, für Hebungen und
Senkungen des Erdmantels sorgt und auch das Wetter beeinflusst.

Für das Pflanzenwachstum zieht so mancher Zeitgenosse Dame Luna, der Name steht Pate für unser Wort
"Laune", ebenfalls zur Verantwortung. Meiner Meinung nach hat unser stiller Trabant damit nichts zu tun.
Vor wenigen Jahren ist es wieder presselaut um unsere Mondgöttin geworden. Die Vereinten Nationen
hatten 2009 zum "Jubeljahr der Astronomie" erklärt, und Ex US-Präsident Barack Obama dachte ebenfalls
über einen weiteren Mondflug nach. Daraus wurde nichts. Bisher kam es mit Apollo zu sechs bemannten
Mondlandungen. Zwölf Astronauten betraten bisher den launig stillen Trabanten. Jetzt richtet auch Präsident
Donald Trump für 2019 sein Augenmerk auf den Mond. Göttin Luna wird den ganzen Hype um sie eher
gelassen sehen.

(c) Olaf Lüken

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