Olaf Lüken

Der Mann im Mond ist eine Frau

Wenn der Schatten der Erde den Mond verdunktelt, dann scheinen wir von unserem 'Trabanten besonders fasziniert zu sein. Eine Mondfinsternis macht uns bewusst, wie nah der Himmelskörper mit seinen 400.000 Kilometer  unserer Erde ist. Seine Nähe zu unserem Planeten ist es auch, dass er gelegentlich monströs und übermächtig erscheint. Der Mond verdunkelt die Sonne und bringt riesige Ozeane in Wallung. Vielleicht versetzt er auch unsere Gemüter  in Stimmungs-    schwankungen. Der Mond als ständiger Begleiter und  Teil unseres Selbstverständnisses.

Es war einer der kühlen und regnerischen Sonntage vor fast fünfzig Jahren. In der Bundesrepublik regierte  Kanzler Kurt Georg Kiesinger und in den USA war Richard Nixon Präsident. Nixon stand kurz davor, sich aus Vietnam zurückzuziehen. Ihm war längst klar, geworden, dass er sich in Saigon nicht mehr halten konnte. 1969 war aber auch das Jahr, an dem sich am Himmel ein ein Spektakel von Weltformat ankündigte, das John F. Kennedy einst ins Leben rief. Ich verbrachte meine Ferientage im südwestirischen  Bandon auf einer halb verfallenen Burg. Es war 1969 und die Zeit des ersten Mondfluges. Es war das Jahr der Vereinigten Staaten und ihre Antwort  auf Gagarins erste bemannte Erdumkreisung. Als 16jähriger Katholik nahm ich an einem internationalen Bibeltreffen junger Christen teil. Wir waren eine Gruppe aktiver und neugieriger junger Christen, in der Mehrheit Protestanten,,die zum Treffen ins Bibelzentrum anreisten. Und es war die Zeit jenes weit  über die Grenzen hinaus bekannten Baptisten- und Bekehrungspredigers  Billy Graham aus North Carolina (USA). Graham's Begeisterung griff um sich wie ein Lauffeuer im trockenen Getreidefeld. Er machte uns mit lodender Zunge den biblischen Gott begreifbar. 1969 war auch  ein Jahr des kalten Krieges zwischen den Blöcken des Westens und der des Ostens, als sich die Astronauten Neil Armstrong, Edwin "Buzz" Aldrin und Michael Collins aufmachten, um unserem Erdtrabanten einen wissenschaftlichen Besuch abzustatten. Mit Hilfe der NASA und dem genialisch veranlagten Altnazi Wernher von Braun,  begannen die ersten bemannten Mondflüge der Apolloserie. Drei Tage später erreichten sie die dafür vorgesehene Umlaufbahn und landeten am 21. Juli 1969, 3.56 Uhr MEZ im "Meer der Ruhe". Während Kommandant Neil Armstrong vom großen Schritt für die Menschheit sprach und Edwin Aldrin "la bella luna" erforschte und sich nach dem Mann im Mond erkundigte. Er fand ihn nicht, und Michael Collins blieb als einziger in der Kommandokapsel der Columbia zurück und umkreiste in aller Stille unseren Erdbegleiter. Als Neil Armstrong und Edwin Aldrin mit einem etwas kultig aussehenden Mondjeep kreuz und quer über die "Sea of Tranquility" fuhren, hatte auch der Westen im Wettkampf der Systeme seine großen Helden, der Warschauer Pakt eine Woche stiller Trauer und die Verschwörungstheoretiker ein brandneues  Thema, denn sie glaubten fest daran, dass die Mondlandung vor einer Hollywoodkulisse inszeniert wurde.

Dem Mond war es ziemlich egal. Und wir Erdenbürger verehren Göttin Luna seit Jahrtausenden mit unseren Geschichten, Gedichten, Legenden, Mythen und astronomischen Betrachtungen. Von Ludwig van Beethovens "Mondscheinsonate" bis zu Michael Jacksons "Moonwalk" legen wir dem "Auge der Nacht," wie einst der Grieche Aischylos unseren Nachbarn beschrieb, unsere sublimsten Gefühle dar. Andere, eher naturwissenschaftlich und ökonomisch angehauchte Naturen, zerlegen unsere marianische Mondgöttin in die Bestandteile Staub, Gestein, Eisen, Aluminium und Magnesium. Wahrscheinlich kommt Wassereis aus den kalten und lichtlosen Polregionen hinzu. Wir wissen, dass unser Nachbar die Gezeiten von Ebbe und Flut beeinflusst, für Hebungen und Senkungen des Erdmantels sorgt und auch das Wetter  von ihm abhängig macht.

Für das Pflanzenwachstum zieht so mancher Zeitgenosse Dame Luna, der Name steht Pate für unser Wort  "Laune", gleichfalls zur Verantwortung. Meiner Meinung nach hat unser stiller Trabant damit nichts zu tun. Vor wenigen Jahren ist es wieder presselaut um unsere Mondgöttin geworden. Die Vereinten  Nationen hatten 2009 zum "Jubeljahr der Astronomie" erklärt, und Ex US-Präsident Barack Obama dachte ebenfalls über einen weiteren Mondflug nach. Daraus wurde nichts. Bisher kam es mit Apollo zu sechs bemannten Mondlandungen. Zwölf Astronauten betraten bisher unseren launig stillen Trabanten. Jetzt richtet auch Präsident Donald Trump für 2019 sein Augenmerk auf den Mond. Göttin Luna wird den ganzen Hype um sie gelassen sehen.

(c) Olaf Lüken (2017)

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.01.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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