Doris E. M. Bulenda

In der Trambahn

Es war an einen Samstag-Nachmittag, ich fuhr mit der Trambahn Richtung Innenstadt. Ganz vorne, zwei Plätze vor mir, auf dem Schwerbehinderten-Sitzplatz, saß eine ältere Frau.

An der nächsten Haltestelle stieg eine Frau ein, ebenfalls etwas älter. Und sie stürzte sofort auf diejenige, die auf dem Schwerbehinderten-Sitzplatz saß, zu. Mit barschen Worten und in sehr unfreundlichem Ton forderte sie: „Sie müssen da jetzt sofort aufstehen, das ist mein Platz.“ Die sitzende Frau, die bisher aus dem Fenster gesehen hatte, zuckte zusammen.

„Wieso?“ Der Ton der Zugestiegenen wurde noch barscher und unfreundlicher: „Ich bin Schwerbehindert, das ist MEIN Platz, also hoch mit ihnen.“ Die Besitzerin des Sitzplatzes antwortete, offensichtlich verblüfft von dem Ton, jetzt etwas schärfer: „Ich bin AUCH schwerbehindert.“

Woraufhin sie von der neu eingestiegenen Frau richtiggehend angeblafft wurde: „Was Sie nicht sagen, sie schauen aus wie das blühende Leben, sie wollen schwerbehindert sein? Das ist ja lächerlich!“ (Der Dialog wurde in hartem bayerischen Dialekt geführt, wodurch sich das Ganze nochmal aggressiver anhörte.)

Antwort der Sitzenden: „Wenn Sie so rumkeifen können, da glaube ich nie, dass Sie schwerbehindert sind.“ Die Hinzugestiegene, mittlerweile brüllend: „Jetzt will ich sofort ihren Ausweis sehen.“ Die Besitzerin des Schwerbehinderten-Sitzplatzes begann hektisch, in der Tasche zu wühlen. Das hielt sie aber nicht davon ab, zurückzubrüllen: „Ihnen glaube ich nie, dass Sie behindert sind. Zeigen Sie doch mal den Ausweis.“

Damit fing auch die andere Frau an, wild in ihrer Handtasche zu wühlen. Was aber weder die eine noch die andere Kontrahentin davon abhielt, weiter in den höchsten Tönen zu schreien. Jetzt flogen auch schon Schimpfwörter und Flüche durch die Straßenbahn, der Streit eskalierte so richtig.

Das eigentlich wirklich pikante Detail der ganzen Sache: Die Trambahn war fast leer! Es waren außer mir höchstens 4 oder 5 Fahrgäste drin. Das heißt, von ca. 45 Sitzplätzen waren eben höchstens 10% belegt. Es gab massig freie Plätze, auch solche in der Nähe der Tür, die einfacher zum Ein- und Aussteigen waren. Es war völlig unnötig, so einen Zirkus wegen einem Schwerbehinderten-Sitzplatz zu machen. Zumal auf der gegenüberliegenden Seite ebenfalls ein Schwerbehinderten-Platz frei war.

Die undamenhaften Schimpfwörter flogen nur so hin und her, die Stimmen wurden lauter und keifender. Leider konnte ich diesen Konflikt nicht weiter verfolgen, weil ich an meinem Ziel angekommen war und aussteigen musste.

Ich wundere mich aber noch heute darüber, wie man sich wegen so etwas Unnötigem dermaßen in die Haare kriegen kann…

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