Jürgen Skupniewski-Fernandez

Aus dem Diwan der Liebe (2)

von Abdulrahman ben Abdelhamid

 

5. Ghasala

Du bist der Saum des Lebens,

der Liebe Faden meiner Gewänder.

 

Du bist der Stern aller Lichter,

Horizonte Ordnung aller Universen.

 

Du bist die Frucht aller Bäume,

der Liebe Wälder süsser Träume.

 

Du bist die Knospe aller frisch Verliebten,

der Blüte Sehnsucht aller Gefühle.

 

Du bist das Meer aller meiner Stürme,

der Leben Abenteuer aller Suchenden nach Liebe.

 

Du bist mir Wort, das Du gegeben,

mir die Sprache, um Deiner Worte

Satz zu geben, meiner Liebe Buchstabe,

wie Du es aufgeschrieben.

 

 

6. Ghasala

 

Heller Morgen, der Du die goldene Schlinge um meinen Körper wirfst,

leuchtender Strahl, der Du mein Herz mit so viel Licht erfüllst.

 

Blühender Regenbogen, Deine Farben meine bunten Träume versüsst.

Glänzender Edelstein, Dein Leuchten meine Begierden mit Hunger füllst.

 

Fallender Stern, der Du dem nächtlichen Himmel entglühst,

Sturz zur Erde, mir nur einen Wunsch zulässt.

 

Der Wunsch nach Deiner Liebe, im Sternengarten geboren,

kaum erblickt und wieder verborgen.

 

 

7. Ghasala

 

Tanzende Feuer im Wüstensand,

Brennende Sehnsucht im Wüstensand,

Karawanen, Träume im Wüstensand.

 

Grünende Herzen im Wüstensand,

Fruchtige Süsse im Wüstensand,

Oasen, Lebensquelle im Wüstensand.
 

Singende Engel im Wüstensand,

Führende Streiter im Wüstensand,

Reiter, Begleiter im Wüstensand.

 

Sonne, mich dürstet es unter dem Schwert

Deines Feuers aus Liebe nach seiner

Liebe im Wüstensand.

 

 

7. Ghasala

 

Erlöse mich von den Schmerzen in meinem Herzen,

Durst meiner unverfüllten Sehnsucht,

ich kniee vor Deiner Quelle,

Du netzest mir die Lippen

mit glühenden Tropfen,

Perlen Deiner Liebe,

obgleich ich Dich sehe, Dich spüre, Dich berühre,

Quelle der Liebe,

kniee ich vor Dir und verdurste.

 

8. Ghasala

 

Ich kann Deine Worte nicht verstehen,

Ich kann Deine Worte nicht lesen,

 

Ich kann Dein Licht nicht sehen,

Ich kann Dein Licht nicht spüren,

 

Ohren, seid ihr taub geboren?

Augen, seid ihr blind geworden?

 

Seine Stimme spricht in meinem Herzen,

Sein Gedanke nährt mir die Vernunft,

Sein Nichtdasein ist meine Präsenz,

 

braucht keine Ohren, keine Augen –

brennend schwimmt das Herz im

Meer schäumender Gefühle.

 

 

9. Ghasala

 

Verlasse mich nicht, Traum, wenn der Tag anbricht,

Ich habe Angst vor der Wahrheit des Lichts.

Lebet weiter mir in ihr Träume, ihr schenket

Mir eure Früchte des Glücks.

 

Fliege nicht fort kleiner Vogel der Liebe,

singe weiter mir sein Gedicht,

Freude aus Deinem Gefieder, singe mir

Hoffnung, wenn das Leben anbricht.

 

Muschel am Meeresgrund, hüte die Perle der Liebe,

damit ihr Glanz nicht vom Salz des Lebens erlischt.

Am Stamm der zum Himmel führt, ranken sich

hinauf die Seelen, wie Efeu um die Ulme zum Lichte strebt.

 

Gepflanzt in der Erde der Liebe,

grünt jedes Blatt bis der Sturm es von der Wurzel bricht.

Im Hauch spielender Winde trägt dein Lächeln mich in den Schlaf

sterbender Gefühle, denn ich brauche sie nicht,

denn ich wiege mich im Arm Deiner Liebe.

 

 

10. Ghasala

 

Weisheit, welche Frucht hat Dich geboren?

Sterben, welcher Tod hat Dich geboren?

Lüge, welche Zunge hat Dich geboren?

Traum, welche Hoffnung hat Dich geboren?

Dieb, welche Hand hat Dich geboren?

Eifersucht, welcher Hass hat Dich geboren?

Betrug, welche List hat Dich geboren?

Lust, welches Gefühl hat Dich geboren?

Neid, welche Begierde hat Dich geboren?

Kind, welche Liebe hat Dich geboren?

Seele, welcher Mensch hat Dich geboren?

 

Kraft der Liebe, sie hat uns geboren.

Licht der Liebe, sie hat uns geboren.

 

Sein süsser Liebesreigen hat Vergebung geboren.

 

11. Ghasala
 

Tanze Welle hin zum Strande,

streck Dich aus auf gelben Sande.

 

Singe Nachtigall hin zu lauen Sommernächten,

die die Düfte lieblicher Triebe tragen.

 

Blühe auf Du zarte Rose, Kröne meines Gartens Beete.

Singe, erfrischendes Gefieder,

schmettere Lerche, Dein Lied in den Morgen.

 

Wandere Wolke auf blauen Strassen,

grüsse alle Winde droben, die Dich treiben.

 

Schwinge Dich auf zu hohen Gipfeln Adler,

spiegeln sich in tiefen Seen, Deine weiten Schatten wieder.

 

12. Ghasala

 

Koste Biene von der Blüte,

die mit ihrem Nektar lockt.

Fülle Waben voll mit Honig,

hungriger Zungen süsser Laben.

 

Spring mein Reh aus dem Gebüsche

Koste von den grünen Gaben,

die Natur Dir aufgetischt.

Komm, mein Freund und lass uns trinken,

rotes Blut gereifter Trauben bis der Rausch alles vergisst.

 

Vom Rausch zur Wahrheit ist’s nicht weit,

schweigend löst sich unsere Zunge,

aus dem Becher der Gefangenheit.

 

 

 

 

 

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