Hans-Juergen Ketteler

Grabkreuze von dem lustigen Friedhof von Tirol



Vor Jahren war ich einmal geschäftlich mit dem Auto unterwegs. Da die Fahrt länger dauerte,
erfreute ich mich an dem bunten Musik-Cocktail, der vormittags aus dem Radio kommt.
An diesem Tag jedoch brachte die Redaktion vom NDR eine Sendung über Grabkreuze und deutete in der Ansage schon an, dass man bei der redaktionellen Zusammentragung der In-
schriften auf den Grabkreuzen schon sehr viel Spaß gehabt habe.
Ich konnte mir zunächst nicht viel unter diesem Titel vorstellen. Schon nach kurzer Zeit war
ich jedoch im Bilde und musste derartig lachen, dass ich meinen Wagen einparkte und die Sendung zu Ende hörte.
Was ich in dieser halben Stunde erfuhr, war so lustig, dass ich mich fortan um das Buch bemühte, das dieser Sendung als Quellenangabe zugrunde lag. Es war garnicht leicht, daran zu kommen, da es seit Jahren im Buchhandel vergriffen war.
Erst später  konnte ich in Erfahrung bringen, dass eine Nachauflage auf dem Markt sei.

Ich möchte Euch mit einigen Beispielen Appetit machen, zur eigenen Erbauung dieses
Büchlein zu erwerben. (falls es nicht schon wieder vergriffen ist) Der Titel gibt an sich schon den richtigen Einstieg:"  Hier liegen meine Gebeine, ich wollt´, es wären deine". Unter dieser Titel-
Bezeichnung müsste es in jeder Buchhandlung erhältlich sein

Enno Hansing, ein Familienforscher aus dem Norden unserer Republik, hat über Jahre auf alten 
Friedhöfen  und in Kirchen Zeugen vergangener Epochen gefunden und somit auch Grabkreuze
samt ihrer überaus lustigen Sprüche. Besonders interessant waren die Grabkreuze auf dem
sogenannten lustigen Tiroler Friedhof, den es auch heute noch gibt.
Urlauber aus allen Teilen Europas besuchen diesen besonderen Friedhof und halten
sich noch tagelang die Bäuche vor Lachen.
Aber auch Grabkreuze aus den entlegenen Gebirgstälern des Östereichischen und Südtiroler
Alpenraums sind es, die zum Schmunzeln anregen und von jener Gelassenheit zeugen, mit
der die Hinterbliebenen ihrer Toten gedachten.
Beobachter im Vatikan haben berichtet, dass sich Benedikt ,der XVI. wie sein Vorgänger,
Johannes Paul, der II. bei der Lektüre dieses Buches amüsiert haben.

Der vielfach gereimte Text ist wahrscheinlich von Schulmeistern, Pfarrern oder sonst schreibgewandten Zeitgenossen gemacht worden. Häufig verkünden die Inschriften
Wahrheiten, die zu Lebzeiten nicht offen gesagt, sondern nur getuschelt wurden.
Nach dem Ableben der Person war man dann nicht mehr so zimperlich, den Verstorbenen
die im Leben getragene Maske herunterzureißen.

Hier liegt Johannes Weindel.
Er lebte wie ein Schweindl.
Gesoffen hat er wie ne Kuh.
Der Herr geb´ ihm die sel´ge Ruh
---------------------------------------------

Hier liegt der Orgelspieler Martin Krug,
der Kinder, Weib und Orgel schlug.
---------------------------------------------------

Hier liegt der alte Abentau.
Er starb an seiner jungen Frau.
------------------------------------------


Beim forschen Hannes stand auf dem Grabstein
""Beim Kommen gegangen"
---------------------------------------------------------------
Grabspruch eines Gigolos:
"Tote Hose im toten Hemd"
-----------------------------------------------------------------
Magdalene
Gestorben ist sie im siebzehnten Jahr,
just als sie zu gebrauchen war.
-----------------------------------------------------------------
In diesem Grab liegt Anichs Peter
Die Frau begrub man hier erst später.
Man hat sie neben ihm begraben.
Wird er die ew´ge Ruhe haben?
------------------------------------------------------------------
Hier liegt mein Weib.
Gott sei´s gedankt.
Bis in das Grab hat sie gezankt.
Lauf, lieber Leser schnell von hier,
sonst steht sie auf und zankt mit Dir.
-----------------------------------------------------------------
Grabinschrift für einen langweiligen Dichter
"Hier liegt ein guter Mann,
kaum gütiger zu denken.
Er stahl sich selbst den Schlaf
um ihn den anderen zu schenken.
--------------------------------------------------------------------
Grabinschrift für einen Schauspieler.
"Hier lieg ich nun, das Stück ist aus.
Oh Publikum , hol´ mich hier raus."
--------------------------------------------------------------------
Auf dem Grabstein eines tiroler Boxers steht:
"Ihr braucht nicht mehr zu zählen.
Ich steh nicht wieder auf"
--------------------------------------------------------------------
Hier ruht das junge Öchselein.
Vom alten Ochs das Söhnelein.
Der liebe Gott hat nicht gewollt,
dass es ein Ochse werden sollt´
--------------------------------------------------------------------
"Du stehst noch hier und ich bin hin.
Bald bist du dort, wo ich schon bin."
---------------------------------------------------------------------
An einen trägen Advokaten.
"Der Tod folgte nicht seinem Beispiel.
Er machte kurzen Prozess."
--------------------------------------------------------------------
Grabspruch eines Überheblichen
"Hier lieg ich nun, ich armer Tor.
Die Weisheit schien gepachtet.
Doch Weisheit ist ein Trauerflor
von unten her betrachtet."
---------------------------------------------------------------------
"Hier ruhrt mein seli´g Eheweib
in dieser Grabeshöhle.
Zuweilen waren wir ein Leib,
doch niemals eine Seele."
----------------------------------------------------------------------

"Hier liegt die ehrsame Jungfrau Josefine.
Sie starb im 89. Lebensjahr
und ging ungeöffnet zurück.
-----------------------------------------------------------------------
Grabschrift auf einen Gehenkten:
"Hier ruht er, wenn der Wind nicht weht."
----------------------------------------------------------------------

"Hier ruht Hans-Gottlieb Lamm.
Er starb durch einen Sturz vom Damm.
Eigentlich hieß er Leim,
doch das passte nicht in den Reim."
------------------------------------------------------------------------

Ich hoffe, Ihr habt Euch amüsiert, auch wenn ich die nicht von
mir gereimten Gedichte unter KG gebracht habe.

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Hans-Juergen Ketteler).
Der Beitrag wurde von Hans-Juergen Ketteler auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.01.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Sommerzeit - Rosenzeit: Hommage an die Königin der Blüten von Eveline Dächer



Mit einer Hymne auf die Rose überrascht uns die Autorin Eveline Dächer in ihrem neuen Lyrikbändchen. In zarten und feurigen Bildern dichtet sie über eine dunkelrote Rose, die einen bisher unbekannten Duft ausströmt, oder von gelben Rosen, die wie Sonnenschein erstrahlen. Sie erzählt von Rosen, die auf Terrassen, Balkonen und in Gärten blühen, und von einem besonders schönen Rosenstrauß, einem Geschenk des Liebsten, der auf ihrem Lieblingstisch sie täglich erfreut und Sehnsucht schürt. Und da die Rose das Symbol der Liebe schlechthin ist, lässt sie aus deren Blätter eine Liebesstatt entstehen, die duftend weich und zart Zeit und Raum vergessen lässt.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Einfach so zum Lesen und Nachdenken" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Hans-Juergen Ketteler

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Spannende Recherche für Familien-Chronik von Hans-Juergen Ketteler (Wahre Geschichten)
Menschen im Hotel II von Margit Farwig (Einfach so zum Lesen und Nachdenken)
Brillantes Spiel der Shirley Brill von Rainer Tiemann (Klassisches)