Elke Müller

Amerika

Hallo, hiermit melde ich mich zurück. Hatten im alten Jahr so manchen Schicksalschlag gehabt, der erstmal verdaut werden musste.

Ja, man hatte ihn nicht gerade für einen harten und zähen Burschen gehalten, welcher sich im Buschland auskennt und sogar Pferde und Rinder zusammen trieb. Die scheuen Wildpferde mochte er besonders, diese konnte man nur, durch einen starken Zaun, an Flucht hindern. Sie nutzen jede schwache Stelle sofort aus um wieder auszubrechen. Aber er war vertraut damit und kannte auch den Krieg um Zäune und freie Weiden, kannte diese Knochenarbeit von Kindheit an. Das Leben hier ist rau und verlangte den Menschen alles ab und zwingt sie sich durchzukämpfen. Er war ein guter Beobachter, liebte die Natur und das Alleinsein, um über sich und der Welt nachzudenken. So waren manche vernarbte Wunde, Ekel und Groll zurück geblieben. „ Vater!“ dachte Redmon. Ein bitterer Geschmack stieg in ihm auf. Obwohl er jetzt selten auf die Ranch seines Vaters kam, die sein älterer Bruder Sidney erbte, waren nun sicher schon anderthalb Jahre vergangen, regiert dieser weiterhin mit eiserner Hand. Damals hatte er eine riesige Auseinandersetzung mit seinem ergrauten Vater gehabt, weil er nicht zur Armee wollte, da er seine Freiheit liebte und eine Begabung hatte, seinen Revolver schneller zu ziehen als andere in seinem Alter. Sein Vater hat ihn nur mit starren Gesicht angesehen, unter seinen klaren Augen lagen tiefe Schatten, dann… hob er die Peitsche. Der peitschende Knall fauchte nur wenige Zentimeter an ihm vorbei. Redmon warf sich seitwärts und rollte ab. Ein weiterer Schlag erfolgte und strich knapp über ihn hinweg. „ Du Hundesohn! Du bist ein Angsthase“, schrie der Alte. „ Fängt das schon wieder an! Immer das selbe! Was bildest du dir ein, he! Du und dein Stolz! Ich schlag dich windelweich! Du machst was ich dir sage, verstanden! Oder ich peitsche dich aus, bis… “ „ Nein, mir reicht es!“ Redmon duckte sich zur Seite. Wieder zischte es in der Luft. Doch dann warf sich Redmon herum und seine Faust traf mitten unter die Rippen in den Magen, des alten Jake. Dieser krümmte sich zusammen, ging röchelnd in die Knie, nach diesen fürchterlichen Schlag. „ Bist du nun friedlich?…Tut mir leid Vater! Du kennst deinen eigenen Sohn sehr wenig… Ich habe immer deinen Befehle befolgt, habe weder Hass noch Wut dabei gezeigt, doch jetzt ist Schluss damit mit… mit diesen sich beweisen müssen. Hör zu… zwinge mich nicht etwas zu tun, was ich nicht will… Ich bin kein Menschenjäger und habe auch keine Lust auf Menschen schießen zu müssen! Niemand will gern sterben, was sicher passiert, wenn es hart auf hart kommt… Außerdem lasse ich mich nicht mehr mit der Peitsche schlagen, nie mehr!“ „ Hol dich der Teufel,“ stöhnte der Alte, sah ihn kurz und finster an, dann richtete er sich langsam auf. Sein Gesicht war dabei starr und drückte Verachtung aus. Seitdem hat sein Vater kaum mit ihm gesprochen. Für ihn war ein Sohn ein Erbe und Nachfolger, welcher die Pflicht hatte, als Boss, mal später, die Ranch vertreten und führen zu können. Damals hat er die beiden Kinder allein großgezogen, denn, seine Mutter starb bei seiner Geburt. Alles auf der Ranch wurde von ihnen allein gemacht. Es gab nichts, was er, seinen Bruder und ihm, nicht beibrachte. Keinem schenkte er etwas. Lob gab es nur sehr spärlich, dafür Prügel, wenn man nicht gehorchte. Dies hat er nicht nur einmal spüren müssen, als ihn sein Vater einmal an den Haaren durch das ganze Haus gezogen und dabei auf ihn einschlug, weil er in einen fremden Hühnerstall eingedrungen und Eier gestohlen hatte, da war er noch ein Kind gewesen. Sie haben kaum Freunde gehabt, dafür so manchen Neider. Fremde waren nicht erwünscht, die waren nichts als Lumpen, Herumtreiber und Tagediebe. Obwohl sicher so mancher Städter gerne tauschen würde.

Als er von seinen Gedanken auf sah, konnte er plötzlich ein kleines schelmisches Leuchten in Ashleys Augen sehen. Er drehte sich ganz um und das ganze Lager war auf den Beinen, hatten einen Halbkreis um sie gebildet, um das Schauspiel nicht zu verpassen. Ihm war klar, das sie ihm einen erfolgreichen Streich gespielt hatte. Seine Augen wurden zu schmalen Schlitzen. Es war ein ungeschiebenes Gesetz, das man sich lieber aus dem Weg ging, als allzu viel Neugier zu zeigen. Ergreift die Zügel, von Tinker, umklammert den Sattelknauf und mit einem Ruck wirft er sich hoch, bekommt die Stiefel in die Steigbügel. Tinker steht erst ganz ruhig da, doch dann bäumt er sich auf die Hinterhand. Redmon wirft sich nach vorn, prallt mit der Schulter gegen den Hals des Tieres. Nun geht der Hengst aber mit allen Vieren zugleich in die Luft, dreht sich dabei. Redmon hält sich im Sattel. „ Ruhig,“ sagt er keuchend und spricht weiter beruhigend auf ihn ein. Wut und Verzweiflung stehen ihm dabei im Gesicht. Wieder steigt der Hengst, bockt und steht dann. Plötzlich knickt er vorn ein, Redmon springt ab. Doch sitzt im gleichen Moment wieder im Sattel, als der Hengst sich erhebt. Dieser rast los und scheut nach der Seite weg. Redmon treibt ihn mit harter Hand an, aber der Widerstandswille des Pferdes ist noch nicht gebrochen. Wieder steigt der Hengst, bockt erneut und will davon rasen. Erneut spricht Redmon leise auf das Tier ein. Er spürt, wie der Hengst unter ihm bebt und zittert. Schnaubend und nervös tänzelnd gehorcht er langsam. In ein paar Tagen würde er los reiten können und Tinker mitnehmen können.

Sie legt ihre Hand auf seine Schulter. Tränen verschleierten ihren Blick, als sie verloren in die Weite der Landschaft schaut. „ Ich,… ich werde ihn finden,“ sagte er leise zu Ihr. „ Wenn er nicht will das man ihn findet, dann findet man ihn nicht.“ Redmon schaut zu den Bergen und überlegt „ Wo werde ich dich finden. Wo bist du?“

Abigal trat heran, schaute Redmon offen ins Gesicht. „ Pass auf dich auf und vor allem mach die Augen auf. Es lauern hier überall Gefahren.“ Redmon lächelt einen Augenblick. „ Damit werde ich fertig.“

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Elke Müller).
Der Beitrag wurde von Elke Müller auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.01.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Eine schottische Geschichte: erotische Novelle von Care



Eine erotische Novelle spielend im 15. Jahrhundert in Schottland:
Schottland im Mittelalter. Ein raues Klima herrschte nicht nur beim Wetter, sondern auch unter den Menschen. Für die wahre Liebe gab es durch die höfischen Zwänge, besonders beim Adel, kaum Platz. Und doch galt auch damals schon: Ausnahmen bestätigen die Regel! Eine Frau, die sich dem Schicksal widersetzt und ein Mann, der es sucht. Was passiert, wenn das Herz seine eigene Sprache spricht?

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Fantasy" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Elke Müller

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Geliebtes fernes Land AMERIKA von Elke Müller (Fantasy)
Der Kuss, der auf seinen Lippen loderte von Margit Farwig (Fantasy)
Absacker von Norbert Wittke (Wahre Geschichten)