Elke Müller

Amerika

Die Abendsonne war längst untergegangen und die Dämmerung verdichtete sich zunehmend. Nebel kam langsam auf und tauchte das Land in ein grauweißes Licht. Heika hat den Feuerschein schon längst bemerkt. Sein erbeuteter Falbe schnaubte leise. Er glitt aus dem Sattel, legte die Zügel um das Sattelhorn, sprach ein paar Worte zu ihm. Mit einem leichten Klaps auf den Hals brachte er das Tier dazu ein paar Schritte zur Seite zu gehen. Warf die langen Zügelenden nach vorn über dessen Kopf, das Tier würde sich nicht mehr von der Stelle rühren. Blickte sich nach allen Seiten um und setzte seinen Weg vorsichtig zu Fuß fort. Er spürt sofort die Gefahr. Er konnte manchmal voraussehen, was passieren könnte. Er hatte ein Gespür für manche Dinge, eben einen Sinn mehr als andere Menschen.

Runter!“ sagte eine dünne Stimme. „ Da kommt ja die gesuchte Rothaut! Runter ihr zwei Deppen. Bis jetzt hat er uns noch nicht mal gesehen. Gleich haben wir ihn.“ „ Seid bloß vorsichtig, das ist ein Teufel,“ rief einer der Männer. „ Stell dich nicht so an. Immerhin sind wir zu dritt.“ „ Warte nur, bis du ihn kämpfen siehst, du hirnloser Kuhidiot. „ Dann hast du einen tollwütigen Wolf vor dir, der um sich beißt.“ „ Seit doch endlich still!“ Ein leises metallisches Geräusch und laute Schritte ließen Heika aufhorchen. Ein Schuss fiel. Für Sekunden sah er nichts außer einem grellen Blitz. Drei Männer tauchen plötzlich auf. Sie hatten ihn eingekreist und ihre Halstücher weit bis über ihre Nase hochgezogen. Heika verfluchte seine Achtlosigkeit. Es gab keinen Zweifel, diese Männer hatten ihn bereits erwartet. Er spürt plötzlich die Mündung eines Revolvers in seinen Rücken und ballte die Hände zu Fäusten. Wie ein Anfänger hatte er sich überrumpeln lassen. Dann bekam er den Revolverknauf auch schon über den Kopf gezogen. Sie banden ihn mit Lederriemen. „ Los, hoch mit ihm“, wies jemand seine Kumpane an. „ Ich werde ihm ein schönes Andenken in sein verdammtes rotes Fell brennen.“ Spuckte den Zigarrenstummel aus dem Mundwinkel und entrollte mit einem breiten Grinsen, die lange geflochtene Bullpeitsche aus. Zwei Männer schleiften ihren Gefangenen zu einen vom Blitz gespaltenen Baum, banden ihn mit ausgebreiteten Armen und gespreizten Beinen an. Dann streifte man ihm, mit einer raschen Bewegung, das Hemd von den Schultern. Heika spürte den Lufthauch, bevor er vom ersten Peitschenhieb getroffen wurde, der sich wie ein Rasiermesser tief ins Fleisch schnitt. Er spürte das Brennen und Blutfäden rannen vom aufgerissenem Rücken über seinen nackten Oberkörper herunter. Sekundenlang machte sich ein würgendes Gefühl in seinem Hals breit. Mit jedem neuen Hieb, brauchte er all seine Willenskraft, um nicht laut aufzuschreien. Aber Zorn blitzte in seinen Augen auf. „ Ich werde euch kriegen, ihr Mistkerle, alle,“ murmelte er vor sich hin. „ Einer nach dem anderen....“ „ Schlag ihn nicht tot, sonst gibt es Ärger, einen Haufen Ärger, Kim! Roger wird es nicht gut heißen! Immerhin sollte uns diese Rothaut ein paar hundert Dollar einbringen.“ Kim Basal, drehte sich um. „ Halt dein Maul, Parker! Ich brauche keine Ratschläge über dem Umgang mit dieser Rothaut. Außerdem kann dieser Stinkestiefel von Roger mich mal!“ gab er kalt zurück. In diesen Moment hörte man knirschende Schritte und der Schatten eines Mannes taucht im Feuerschein auf. Das Gesicht von Kim verfärbte sich aschgrau. Sieht aber Roger hasserfüllt an. Dessen Gesicht zeigte keine Regung. Er packt plötzlich Kim, hält ihn fest wie ein Schraubstock. Dieser zieht schuldbewusst den kahlgeschorenen Kopf zwischen seine Schultern. Die beiden Anderen starrten ihren Boss erwartungsvoll an. „ Verdammt! Du blöder, fetter und stinkender Hundesohn, wir hatten eine Abmachung! Noch so eine Nummer und ich jage dir eine Kugel in deinen blöden Schädel! Ich werde meinen Plan, wegen euch dummen Ochsen nicht ändern!... Und du Jake, du Heuchler, versuche mich nicht übers Ohr zu hauen. Macht das noch mal, dann...!“ Er spuckte auf den Boden. Seine Augen waren dabei so kalt wie Eis. Ihm hatten noch nie Zweifel oder Skrupel geplagt, er arbeitete mit allen schmutzigen Tricks. Wer sich ihm in den Weg stellte, ist ein Todgeweihter, der ziemlich schnell eine Kugel in den Rücken bekam. „ Der Bursche da, ist weit über tausend Dollar wert. Verstanden!“ rief Roger. Jake Tuscal lachte leise. Er war einer der drei Männer. Ein großer kräftiger Bursche in Cowboy- Kleidung, zog seinen Stetson tiefer ins Gesicht. „ Yeah! Zu viele Hunde sind nun mal des Hasen Tot. In diesem Land ist er vogelfrei und du weißt, die Leute haben wenig Geduld mit solchen … sind wie der Teufel hinter jeder armen Seele her.“ Dabei war auch er nur ein brutaler Dieb und Mörder und für dessen Rücksichtlosigkeit, bekannt. „ Wenn uns Späher gesehen haben, ist ein toller Tanz mit ihnen zu erwarten.“ „ Schnauze! Willst dich verdrücken, was? “ „ Dieser Outlaw da, wird Schwierigkeiten machen, Boss! Er weiß zu viel und daran kann man sterben.“ Roger drehte sich um und drückte den Lauf seiner Winchester den Sprecher in den Bauch. Parker Milford , der jüngste von allen, zählte vielleicht gerade mal zwanzig Jahre, ein hagerer, sehniger Bursche mit Sommersprossen im Gesicht und blonden Haar. „ Vielleicht sollte ich dir Bastard eine Kugel verabreichen, dann gibt es noch weniger Arbeit!“ „ Comprede, Roger. Du bist der Boss!“ Er presste die Lippen fest aufeinander und schweigt von nun an. Sie waren ein Haufen zusammengewürfelter Galgenvögel, die auf schnelle Art und Weise ihr Geld verdienen wollten, egal um was es sich handelte. „ Ausgezeichnet! Dann haben wir uns also verstanden. Ich bin kein Narr. Nur wenn ihr auf mich hört, geht es gut. Ich lasse mir schon etwas einfallen.“

Roger hat ehrgeizige Pläne und weiß wie man sich Freunde macht, sowie man Feinde behandeln aber auch unliebsame Gesellen klein bekommt. Es kostet ihm nur ein Lächeln, einige Geschenke, wie gute Zigarren und gutes zureden, bei einen guten Glas vollen Whisky und... natürlich ein paar Geldscheine, viele Geldscheine. Immerhin kommen immer wieder neue Banden ins Land. Zum Teil setzen sie sich aus Geächteten und Ausgestoßenen aller Rassen zusammen, also Indianern, Weißen, Schwarzen, Gelben und Halbbluts.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.01.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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