Wolfgang Küssner

Kleine Urlaubs-Geschichten 9 - Ein Mosaik

Gebühreneinheit

Tagsüber ist es nachfühlbar deutlich zu warm. Doch sobald sich die Sonne verabschiedet hat, die Temperaturen erträglicher werden, ziehen kleine Einheiten der Verkehrs-Polizei auf, um bei Straßenkontrollen Gebühren wegen eines nicht getragenem Motorradhelms von den Touristen einzutreiben. Voraussetzung natürlich: Der Tourist fährt das Motorrad und ist nicht Beifahrer.

Zum einen finden es viele ausländische Besucher bei tropischen Temperaturen recht angenehm, wenn ein frischer Fahrtwind dem unverpacktem Kopf leichte Kühlung spendet. Zum anderen hat so ein Helm natürlich auch ein schützende Funktion bei Unfällen. So etwas ist dem Fahrer eines Motorrads natürlich bekannt, doch Sonne, Wärme, Urlaub, Freiheit, „born-to-be-wild“ oder ganz einfacher Leichtsinn, lassen den Helm schnell vergessen.

Und genau das ist der Grund, der die Gebühreneinheiten der Polizei abends ausrücken läßt, um den Urlauber an seine Pflicht zu erinnern und die Tagesvorgabe an Strafgeldern einzutreiben. Es ist schon auffällig, fast möchte man fürsorglich sagen, wie sehr die Polizei bei dieser Aktivität um das Wohl der Touristen bemüht ist. Jeder unbehelmte Europäer, Australier, Chinese, Russe, Araber, Südafrikaner, Inder, Amerikaner etc. wird sofort gestoppt und natürlich zur Kasse gebeten. Für die eigenen Landsleute scheint diese polizeiliche Fürsorge nicht zu existieren, denn kommt ein Thai ohne Helm des Wegs, sind die Mitglieder der Gebühreneinheit gerade mit Notizen, kleinen Schreibarbeiten beschäftigt. Man kann schließlich nicht alles sehen, oder?

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ein Schwabe würde das vermutlich als Geschmäckle bezeichnen. Hier ist es Normalität. Übrigens nur in den Gebieten mit Touristen. Außerhalb dieser Touristenzentren interessiert die Helmfrage keinen Uniformierten. Da wird nicht einmal auf das erforderliche Alter, oder auf einen Führerschein geachtet. So ist es leicht durchschaubar, das Spiel der Gebühreneinheiten.

 

Der Montag

Die hinduistische Mondgottheit Chandra (auf Thai: Phra Chan) hat diesem Tag den Namen Wan Chan gegeben. Der Weg vom Mond zur Farbe Gelb liegt nahe. Der Streitwagen dieser Gottheit wird jede Nacht von jasminfarbenen Pferden gezogen. Erde ist ihr Element. Der im vergangenen Jahr gestorbene, vom Volk sehr geliebte, König Rama IX. hatte einst an einem Montag das Licht der Welt erblickt. Gelb war somit seine königliche Flagge, Gelb die dominierende Farbe bei königlichen Feierlichkeiten. Unschwer nun zu erraten, an welchem Tag der Woche die Anhänger und Sympathisanten der Gelbhemden für ihre Interessen auf den Straßen waren. Klar, es war der Montag.

An diesem Wochentag sehen wir einen stehenden Buddha. Die rechte Hand in Brusthöhe nach oben und die Handfläche dem Betrachter zeigend. Es gibt Figuren, die beide Hände in der Haltung zeigen, ebenso solche, wo die linke Hand erhoben wurde. Die Botschaft: Buddha wendet Übel und Krankheit ab.

Es folgt Der Dienstag.

 

Geringe Schnittmengen

Der Titel mag vielleicht böse Erinnerungen an den Unterricht in Mathematik, an die Mengenlehre wachrufen. Das sollte kein Grund sein, nicht doch weiterzulesen. Diese Geschichte hier hat nämlich zunächst nichts mit Zahlen zu tun, handelt aber doch von Schnittmengen. Und diese Schnittmengen sind bei thailändischen Gerichten dermaßen gering, daß man bei Tisch – einmal von der Zubereitung in der Küche abgesehen - getrost auf ein Messer verzichten kann.

In vielen Kochbüchern der deutschen, französischen, spanischen, italienischen oder was auch immer Küche werden in Rezepten die Zutaten für 4, teilweise sogar mehr Personen, aufgelistet. Kocht nun jemand für sich allein, was ja vorkommen soll, muß er dann alle Angaben vierteln, sechsteln? Die Thai-Küche ist da einfacher, ihre Rezepte basieren – Ausnahmen von dieser Regel lassen wir mal außen vor – auf Mengen für einzelne Portionen. Würden sich nun vier Personen zu einem Dinner treffen, hieße das auf keinen Fall, die angegebenen Werte zu multiplizieren. In einer solchen Situation würden mindestens vier – eher wohl erheblich mehr - verschiedene Gerichte gekocht bzw. geordert. Essen à la Thai heißt nämlich ein bißchen Fisch, ein wenig Schwein, etwas vom Huhn, ein paar Garnelen, ein Curry, ein Süppchen, Gemüse und Kräuter etc. Das eine süß-sauer, das andere scharf, etwas limetten-säuerliches, etwas mit Tamarindenote, etwas süßes – alles darf bei einem Essen den Gaumen kitzeln. Und außerdem ist es der Geselligkeit dienlich.

Essen à la Thai heißt auch, mundgerechte Nahrung serviert zu bekommen. Da sind weder Tafel- noch Menuemesser, weder Käse- noch Spargelmesser, Dessert- oder Brotmesser, weder Fisch- noch Steakmesser, kein Butter- und kein Obstmesser, ganz zu schweigen vom Tortenmesser, erforderlich. In der Küche kam das Tranchiermesser vielleicht zum Einsatz. Und wenn Thais essen, darf man getrost auch auf einen Zeitmesser verzichten. Wie gesagt, die Schnittmengen sind ausgesprochen gering. Gegessen wird mit Löffel und Gabel, wobei nur der Löffel zum Mund geführt wird. Ein solches Essbesteck ist zudem recht kinderfreundlich. Und wenn man weiter bedenkt, daß Löffel und Gabel häufig aus leichtem Aluminium bestehen, wird das Verletzungsrisiko enorm reduziert und ein jeder kann schnell zum Uri Geller werden.

Stäbchen zur Nahrungsaufnahme kennt man in China, Japan, Korea, Vietnam. In Thailand eigentlich nicht, doch es gibt eine – wie sollte es auch anders sein -  Ausnahme: Die traditionelle, typische, thailändische Nudelsuppe – diesmal liegt die Betonung auf  Suppe – die ißt der Thai nun mit Löffel und - Stäbchen. Apropos die eingangs erwähnten Zahlen: Beim Verzehr im Restaurant macht es – unabhängig von den Schnittmengen – einen besseren Eindruck, wenn das Zahlen nicht vergessen wird.

 

Der Dienstag

Mangala ist in der indischen Astrologie der Name für den Mars. In Thailand trägt die Gottheit den Namen Phra Angkhan und der dazugehörige Wochentag den Namen Wan Angkhan. Rosa ist die Farbe des Dienstags. Und da Mars ein kriegserfahrener Gott ist, kommt er auf einem starken Wasserbüffel geritten. Mars wird häufig mit rötlicher Kleidung und einer roten Blume hinterm Ohr dargestellt. Auf jeden Fall hat er vier Arme für die göttlichen Waffen. Der Wind ist sein Element.

Ein liegender Buddha ist diesem Wochentag zugeordnet. Er ruht auf der rechten Seite, der Kopf wird von der rechten Hand und einem Kissen gestützt. Der linke Arm liegt seitlich am Körper. Die Pose ist eindeutig: Der liegende, ruhende Buddha.

Fortsetzung mit Der Mittwoch.

 

September 2017

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.01.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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