Wolfgang Küssner

Kleine Urlaubs-Geschichten 10 - Ein Mosaik

Schattenspiele

Bei Familienfesten und Dorffeiern im Süden Thailands darf ein Volkstheater nicht fehlen. Nang Talung ist der Name eines solchen Theaters, eines Schattenspiels. Die agierenden Figuren sind von unterschiedlicher Größe, zwischen 30 cm Breite und 100 cm Höhe. Sie werden aus getrockneter Rindshaut oder dünnem, durchscheinendem Pergament gefertigt. Mit einem Bambusstab an der Rückseite, hält der Spieler die Figuren in der Hand. Ein weiterer Bambusstab kann Arme oder Unterlippe zum Leben erwecken. So ein Figurensatz umfaßt bis zu 200 Teile, denn das Spiel kennt durchaus 100 verschiedene Charakter-Typen.

Die Urspünge dieses Schattenspiels liegen in der indischen Kultur und haben sich vermutlich in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten von dort nach Sumatra, Java, Bali, Malaysia, Kambodscha und Thailand ausgebreitet. Ein Spiel also mit alter Tradition.

Bei religiösen Festen, privaten Anlässen (Bestattungen, Eintritt ins Kloster) oder bei weltlichen, öffentlichen Veranstaltungen ist Nang Talung zu erleben. Auf einer kleinen Bühne bilden weiße Stoffbahnen einen Bildschirm. Die Figuren agieren hinter dem Stoff und werden von rückwärts beleuchtet, sodaß die davor sitzenden Zuschauer ein Schattenspiel erleben. So eine Bühne darf allerdings nicht nach Westen zeigen und an keinem Ort erreichtet werden, der Unglück bringt. Das Spiel der Figuren wird von Musik begleitet und begeistert fast immer.

Eine Variante des Nang Talung ist das Nang Yai. Bei diesem Spiel werden große Bildtafeln auf Pergament oder Leder von den Akteuren mit Musikuntermalung tänzerisch hinter einer ebenfalls von rückwärts beleuchteten Leinwand gezeigt. Auch das ein Schattenspiel, auch hier darf die Bühne nicht nach Westen hin ausgerichtet sein.

Bei voller Begeisterung für Nang Talung oder Nang Yai könnte ein Thai nun der Versuchung unterliegen, bei abendlichem Licht erste eigene Experimente im Schattenspiel zu versuchen; Herzen oder bellende Hunde mit wackelnden Ohren an die weiße Wand zu „werfen“. Doch das ist nur Theorie. Ein Thai wird die Finger davon lassen. Er weiß um die bösen Geister, die dafür sorgen würden, seine Versuche zu bestrafen; für ein Schattennachspiel würden sie sorgen, mit bösen Träumen.

 

Der Mittwoch

Der Hindu-Gott Budha (nicht mit Buddha zu verwechseln) ist ein Sohn des Mond-Gottes Chandra und Namensgeber für den Mittwoch. Budha heißt auf Thai Phra Phut und der Wochentag folglich Wan Phut. Der Planet Merkur und die Farbe Grün sind ihm zugeordnet. Das Element von Phra Phut ist das Wasser und er gilt als Beschützer der Händler. Mit smaragdgrüner Haut auf einem Elefanten reitend wird der Gott häufig dargestellt. Budha gilt als Einsiedler.

Viele Thais kleiden sich übrigens gern in den Farben des jeweiligen Wochentages.

Es gibt zwar nur sieben Wochentage aber acht Buddha-Statuen, denn in brahmanischen Zeremonien muß ein Zusammenhang mit den acht Himmelsrichtungen hergestellt werden. Der Mittwoch teilt sprachlich nicht nur die Woche, sondern ermöglicht durch die Teilung die Voraussetzungen für entsprechende Zeremonien. In Thailand beginnt eine Woche – wie der Name Mittwoch zum Ausdruck bringt - mit dem Sonntag.

Der Mittwoch kennt, wie schon erwähnt, zwei Buddha-Figuren. vormittags die stehende Figur, die andächtig die Almosenschale der Mönche in den Händen hält. Für den Nachmittag ist eine sitzende Figur vorgesehen. Buddha sitzt bequem, während die linke Hand auf dem Oberschenkel liegt, ruht die rechte auf dem Knie. Ein Affe spendet Honig, ein Elefant einen Topf mit Wasser.

Der Donnerstag folgt.

 

Tipp zum Tip

Das sprichwörtliche flache Land gestaltet sich manchmal recht hügelig. Da gibt es auf diesem Globus wohl keine Ausnahmen. Das trifft ohne Wenn und Aber auch für Thailand zu. Zwischen Stadt und Land, einzelnen Provinzen und den großen Zentren des Tourismus gibt es ein erhebliches, sprichwörtliches Gefälle. Nehmen wir zum Beispiel das Thema Tip, als Abkürzung für to insure promptness oder für to insure the promt service in unser Munde und das gute, alte Wort Trinkgeld meint. Ganz nebenbei: wurde eine Schreibkraft einst deshalb Tipse genannt, weil ihre Entlohnung Trinkgeldniveau hatte? Nun, das wäre wohl eine andere Geschichte.

Auf dem oben erwähnten flachen Thailand ist Trinkgelb absolut unbekannt. Wer hat schon Geld zu verschenken. Außerdem kann man sich eh nur das erlauben, was auch zu bezahlen wäre. Thais geben dort, wo das Land flach ist, generell keine Trinkgelder. Die Situation in den Zentren des Tourismus ist natürlich eine ganz andere. Hier sind erhoffte, zu erwartende Trinkgelder nicht selten Bestandteil der Entlohnungssysteme.

Ein Zahlungsprozedere im Restaurant könnte sich wie folgt gestalten: Gast bittet um die Rechnung, diese wird präsentiert; in modernen Restaurants werden automatisch 10 % Service-Charge erhoben. Der Kunde zahlt im vorliegenden Fall bar, bekommt das Wechselgeld zurück und muß nun die Entscheidung über die Höhe des Tip treffen. Dieses Trinkgeld wird in die Schale, oder die Mappe gelegt, aus der zuvor das Wechselgeld entnommen wurde. Bitte keine Münzen als Tip geben, das käme fast einer Beleidigung gleich. Bei einer bereits erhobenen Service-Charge wäre Trinkgeld eigentlich nicht nötig. Die Service-Charge oder in anderen Fällen, das in das Etui gegebene Trinkgeld werden übrigens unter den Mitarbeitern aufgeteilt.

Ist eine Service-Kraft durch besondere Leistung aufgefallen, so sollte sich der Gast mit einem direkt in die Hand dieser Person gegebenem Tip erkenntlich zeigen. Die Person weiß es sehr zu schätzen und das Geld wäre nicht mit den anderen Mitarbeitern zu teilen. Für beabsichtigte Wiederholungsbesuche ein recht empfehlenswertes Verfahren.

Nun kommt zwangsläufig die Folge-Frage: Wieviel Trinkgeld soll man geben? Taxifahrer bekommen bei ihren total überzogenen Preisen kein Trinkgeld. Betreiber von Garküchen erwarten keinen Tip. Bei ihnen sollte allerdings auch nicht gehandelt werden. Zur Orientierung ein paar Daten: Für die täglichen acht Arbeitstunden wird dem Thai ein Mindeslohn von max. 310 Baht garantiert. Im normalen Restaurant verdienen Mitarbeiter 9.000 Baht im Monat. An der Hotel-Rezeption, an der Bar, im Restaurant  können es 10.000 bis 15.000 Baht im Monat sein. Ein Gast möge in Relation zu diesen Eckdaten nun selbst über den Tip entscheiden.

 

Der Donnnerstag

Auf einem goldenen Hirschen kommt die Gottheit Brihaspati daher. Es ist der Name einer Gottheit aus der Rigveda, der wichtigsten Schriftensammlung des Hinduismus. Brihaspati steht für Frömmigkeit und Religion. Sein Element ist die Erde. Der thailändischer Name lautet Phra Phruehatsabodi und der Donnerstag heißt Wan Phruehat. Der Himmelskörper Jupiter und die Farbe Orange wären für den Donnerstag noch zu nennen.

An diesem Wochentag hat die Buddha-Figur Platz zur Meditation genommen. Die beiden Handflächen liegen entspannt in seinem Schoß und zeigen nach oben. Die Meditation hatte Buddha einst die Erkenntnis gebracht, daß Begierde, Gewalt, Unwissenheit die Ursachen für das menschliche Leid sind. Nur wer das überwinden kann, wird auch das Leiden beenden. Aus dem einstigen Prinzen war der Erleuchtete, Buddha geworden.

Es folgt Der Freitag.

September 2017

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