Wolfgang Küssner

Kleine Urlaubs-Geschichten 11 - Ein Mosaik

Oh wie hässlich

Wohl überall auf der Welt präsentieren Eltern, wenn es denn die sozialen Umstände und Verhältnisse zulassen, der Nachwuchs ihrem Wunsch entsprach, stolz diesen neuen Erdenbürger der Familie, den Bekannten, Verwandten, Freunden, dem Besucher. Das dürfte sich in Österreich oder Deutschland nicht wesentlich anders gestalten, als in Marokko oder Peru, in Namibia oder auf Tasmanien. Doch es gibt kleine, feine, bitte zu beachtende Unterschiede.

Beispiel Thailand: Hier ist die Mutter genauso stolz, wie in vielen anderen Ländern. Das Neugeborene wird gern dem Gast gezeigt und sollte es zwischen den Strampel-Beinchen ein Zipfelchen haben, so wird auch dieses dem Besucher sichtbar zur Kenntnis gebracht. Die Frage der Gleichheit der Geschlechter scheint noch nicht ganz gelöst; traditionell sind für die Eltern die Kinder eine Art Rentenversicherung. Die Leistungen sind mit Zipfelchen wohl vielversprechender, als ohne.

So kleine Würmchen, auf den Armen von Mama oder Papa, mit ihren großen, ganz langsam die Welt entdeckenden Äuglein, lassen kaum einen Betrachter kalt. Irgendwie sind die Kleinen zum knuddeln, möchten man sie in den Arm nehmen, streicheln, küssen, drücken, ins Herz schließen und voller Freude rufen: „Oh wie niedlich, die (oder der) Kleine!“

Das sollte man in Thailand tunlichst unterlassen. Erstens sitzt im Kopf die Seele des Menschen und das gilt auch für Neugeborene. Durch die Berührung des Kopfes könnte die Seele Schaden nehmen. Bitte Zurückhaltung. Und gleiches gilt für Bekundungen der Begeisterung, der Rührung, für Ausrufe der Freude, der Schönheit über diesen neuen, kleinen Mitmenschen. Laute Formulierungen über schönes, niedliches Aussehen könnten nämlich von bösen Geistern gehört werden. Diese bösen Geister lauern überall und warten nur auf eine Gelegenheit, zugreifen zu können. Die wären sofort daran interessiert, dieses schönen Menschen habhaft zu werden, sich das kleine, ach so niedliche Baby, unter den Nagel zu reissen. Die Eltern werden es schätzen und verstehen, wenn der Bewunderer zu den Worten „Oh wie hässlich!“ und einem zwinkernden Auge den Nachwuchs würdigt. Aber bitte das Zwinkern nicht vergessen.

 

Der Freitag

Die Farbe des Freitags ist Hellblau, zu diesem Tag gehört die Venus als Himmelskörper. Die Hindu-Gottheit Shukra, für Reinheit, Klarheit, Helligkeit stehend, machte den Tag auf Thai zum Wan Suk, abgeleitet von der Shukra-Übersetzung in Phra Suk. Dieser Gott ist ein Symbol des Friedens und steht für die Liebe. Das zugehörige Element ist das Wasser. Phra Suk hält sich als Reittier den mythologischen Bullen Asupharat, den Shiva einst aus 21 Rindern schuf. Shukra lebt in einer goldenen Behausung und die Farbe seines Körpers erinnert an einen Sonnenaufgang.

Eine stehende Buddha-Figur in nachdenklicher, ruhender Pose steht für den Freitag. Die Hände liegen gekreuzt über der Brust. Die linke Hand befindet sich über der rechten. Wie kann die Erkenntnis dem einfachen Volk verständlich gemacht werden?

Der Samstag folgt zum Abschluß.

 

Die unreine Hand

Die Linke Hand kommt vom Herzen, so die bekannte, deutsche Redewendung, wenn zur Begrüßung einer anderen Person – warum auch immer – die linke zum Händeschütteln gereicht wird. Doch die linke Hand kommt nicht immer vom Herzen. Manchmal kommt sie auch von jenem Körperbereich,  bei dem sich in anderen klugen Sprüchen Scherzen auf Herzen reimen. Bedarf es einer Erklärung? Hier ist sie.

Das ursächliche Thema heißt steril formuliert: Analhygiene. Das Papier von der Rolle für die Reinigung danach ist seit knapp 140 Jahren bekannt. Auch vorher legten Menschen Wert auf Hygiene, auf Sauberkeit. Blätter, Stroh, Laub, Moos, Stoffreste, Lumpen, Schwämme, Zeitungspapier etc. mußten eine weitere Funktion erfüllen. Angeblich sollen noch heute orientalische Nomaden Sand zur Reinigung des Allerwertesten verwenden. In Teilen Südost-Asiens, in Indien und im arabischen Raum war es lange Zeit üblich, die linke Hand und laufendes Wasser zur Reinigung einzusetzen. Das erklärt die heutige Situation, warum die linke Hand in diesen Regionen als unrein gilt.

Da die rechte weiß, was die linke tut, wird in Thailand mit rechts gegessen und gegeben bzw. geschenkt, egal, ob es sich um Sach- oder Geldgeschenke, Trinkgelder oder was auch immer handeln mag. Formvollendet wäre es vom Gebenden, wenn er seine Gabe in der rechten Hand haltend, diese dem Empfänger entgegenstrecken und dabei die linke Hand den rechten Unterarm stützen würde. Die Hand wird dadurch nicht zur sauberen, der Gegebende läßt aber eine punktuelle Stilvollendung erkennen.

 

Der Samstag

Diesem Wochentag sind der Himmelskörper Saturn und die Farbe Violett zugeordnet. In der Hindu-Astrologie kennt man neun personifizierte Planeten und die Gottheit Shani manifestiert sich im Saturn. Die thailändische Bezeichnung für Shani lautet Phra Sao und der Wochentag trägt den Namen Wan Sao. Phra Sao ist der Gott des Ackerbaus, der Zivilisation aber leider auch des Mißgeschicks. Mit schwarzer Haut und glühenden Augen wird er auf einem Tiger reitend dargestellt. Eine Lanze und einen Bogen führt er mit sich. Phra Sao hat sich um die erste Regenperiode im Frühjahr zu kümmern, obwohl das ihm zugeordnete Element das Feuer ist.

Eine abermals sitzende, meditierende Buddha-Figur. Die Hände entspannt im Schoß liegend und die Handflächen nach oben zeigend. Der siebenköpfige König der Nagas schützt mit seinem Körper Buddha vor Regen, denn die tiefe Meditation soll nicht gestört werden.

Die Nationalflagge Thailands (Thong Chat Thai) besteht aus fünf waagerechten Feldern. Der obige und untere Streifen sind rot gehalten und symbolisieren die Nation, das Volk, das für das Land vergossene Blut. Nach innen folgt je ein weißer Streifen als Symbol für Religion und Glaube, für Reinheit des Buddhismus. Das mittlere Feld umfaßt ein Drittel der Fläche, ist blau und symbolisiert die Monarchie.

Die kleine Wochen-, Farben-, Planeten- und Buddha-Kunde ist mit diesem siebten Tag abgeschlossen.

 

September 2017

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