Jana Niedzwetzki

Unter der Decke

Es war heiß unter meiner dicken Bettdecke und ich schwitzte. Bis über den Kopf hatte ich sie gezogen. Die Luft darunter war stickig. Doch ich wollte mich nicht weiter aufdecken. Ich konnte nicht. An dem Ungetüm klammerten sich meine schwitzigen Finger fest wie eine Katze, die ihre Krallen in eine Maus stieß. Es war unerträglich und meine Augen wollten einfach nicht zufallen. Ich wusste nicht wie spät es war. Keinen Fuß wagte ich über die Kante zu strecken. Was wenn irgendetwas unter meinem kleinen Holzbett lag und gleich danach schnappte? Da war wieder dieses Knacksen und Knarzen. Oder bloß Einbildung? Ich wollte frische Luft angeln, aber ich hatte zu große Angst die Decke umzustülpen. Schiere Verzweiflung stieg in mir auf.  Vielleicht war da jemand in meinem Zimmer. Womöglich zog er mir gleich die Decke weg. Eigentlich konnte doch da gar niemand sein. Es war kein Fenster offen. Die Haustür abgesperrt. Und doch meinte ich leise Schritte auf dem Teppichboden zu hören. Ein Schritt vor den anderen. Ganz langsam. Lauernd. Oder war das nur das laute Pochen in meinen Ohren? Ich wusste es nicht. Mein Mund war auch trocken und ich wollte was trinken. Nur ich traute mich einfach nicht. Kein Glied bewegte ich in meiner dusteren, stickigen Höhle. Dieser Jemand könnte merken, dass ich unter der Decke lag. Betend, es möge endlich vorbei sein mit dem Grauen. Vorbei sein mit der unerträglichen Angst. Kaum Luft war noch zum Atmen, als söge mir noch etwas anderes sie weg. Schließlich schob ich ganz langsam, behutsam die Bettdecke bis zum Mund weg. So kostbar, frisch und erleichternd drang sie mir an die Nase. Ich hatte mich mit dem Gesicht zur Wand gedreht. Ich meinte böse, wachende Blicke auf mir zu spüren. Überall Schatten von Gestalten im Raum. Ständig hörte ich diese Schritte auf dem Teppich. Durchgehend, sodass sie gar nicht real sein konnten. Ich redete mir ein, das Etwas hätte sich schon längst auf mich gestürzt, wenn es wirklich da wäre. Es wirkte nicht. Die Angst krallte sich an mir fest, wie ein hungriges Tier. Ob ich meine Eltern rufen sollte, die im Nebenzimmer schliefen? Vorsichtig öffnete ich meinen trockenen Mund. Es wollte kein Ton heraus kommen. Noch einen Versuch startete ich. Er misslang erneut. Immer wieder und wieder. Ich zählte auf drei, öffnete wieder den Mund und…nichts. Nach ein paar weiteren Anläufen gab ich hoffnungslos auf. Minutenlang, die mir wie Stunden vorkamen, lag ich regungslos da.

Irgendwann ohne es zu merken, war ich eingeschlafen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.02.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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