Christian Scheffel

Airfighter: Whatever it takes!

Vorwort:

Nach dem Anschlag auf den Gipfel in London jagen Carl Schwartz´ Scharfschützen die Politiker-Delegation um Präsidenten Brunt, Premierminister Farrell und Bundeskanzlerin Meitner durch das in Terroralarm versetzte London. Zwar sind Juan, Manuel und Chris rechtzeitig zur Stelle, doch schließlich nimmt Schwartz´ Organisation, die ihre Anhänger überall zu haben scheint, die Delegation in die Zange, und Carl stellt Chris endgültig vor die Wahl, wem er folgen will.

Gleichzeitig spitzt sich die Verfolgung Shimatos durch Bills und Justins Polizeitrupp immer weiter zu, wobei sich auch hier zeigt, dass trotz dem kompromisslosen Vorgehen der Polizei die Commodores immer einen Schritt voraus sind.

Jessica entdeckt inzwischen einen zentralen Bestandteil des offensichtlichen Plans von Carl Schwartz´ Organisation, was aber nur zeigt, als wie übermächtig sich der Feind herausstellt.

 

 

 

 

Whatever it takes!

 

  • 1 –

  •  

Die Sonne scheint vom strahlend blauen Himmel, indem ein paar grüne Blätter sanft durch die Sicht wehen; das beruhigende Zwitschern von Vögeln ist zu hören.

Abrupt schlägt Rimes eine Augen auf und realisiert, dass er auf dem Rücken irgendwo im Gebüsch liegt. Reaktionsschnell erfasst er seine Umgebung und kontrolliert, ob Wright noch da ist: dann setzt er sich hastig auf und prüft seinen Körper auf Verletzungen. Als er keine gravierenden Verletzungen feststellen kann, springt Rimes auf und hastet die Böschung hinauf, die er den Spuren zufolge herunter gestürzt ist, indem er das Bewusstsein verloren hat. Oben angekommen blickt sich Rimes suchend um, indem er sein Funkgerät betätigt: „Gehen Sie über zu Phase_2!“

Aus dem Funkgerät antwortet eine Stimme: „Verstanden, Sir – Phase_2 wird eingeleitet.“

Rimes läuft weiter durch das Grün, indem er zunehmend erkennen kann, dass es auf der anderen Seite in eine lang gezogene Schlucht hinunter geht: das Gefälle ist allerdings nicht steil, und die zahlreichen Büsche bieten ideale Deckung. Um die Schlucht besser überblicken zu können, eilt Rimes weiter auf dieser Höhe durch das Dickicht, um etwa fünfzig Meter weiter eine Stelle zu erreichen, die frei von Büschen erscheint und somit einen besseren Überblick über die Schlucht geben kann.

 

Vom Dach des CIA-Hauptquartiers in G.S.T.-City aus starten drei Helikopter mit auf den Kufen stehenden Scharfschützen.

 

Nach wie vor mit der bewusstlosen Jessica über der Schulter geht Wright standfest den mäßig steilen Waldhang in die Schlucht hinunter: Sein Tritt ist fest, und offensichtlich ist er so kräftig, dass er Jessica auch bei diesem durchaus anstrengenden Abstieg weiterhin tragen kann; die zahlreichen Büsche, die er immer wieder umgehen muss, geben ihm perfekte Deckung.

 

Als Rimes die freie Stelle erreicht hat, blickt er angestrengt in die Schlucht hinunter: Für einen kurzen Moment kann er Wright zwischen den Büschen viel weiter unten erkennen und zielt sogleich mit seiner Waffe – doch schon ist Wright wieder im grünen Dickicht verschwunden. Da hört Rimes aus der Ferne die Helikopter nahen, und zündet eine kleine Signalrakete einfach aus der Hand. Von hier aus bietet sich ihm ein Blick sogar durch die gesamte Waldschlucht hindurch fast bis nach Green-Stone-Town.

 

Wright erreicht einen kleinen Senkrechtstarter, der unter einigen grünen Zweigen getarnt in der Schlucht abgestellt ist. Er legt die bewusstlose Jessica hinein und bemannt dann das Cockpit.

 

Weiter oben hört Rimes den plötzlich tosenden Lärm der Triebwerke, und, Ungutes ahnend, verzieht er unwillkürlich das Gesicht. Da startet der kleine Senkrechtstarter von unten aus der Schlucht und wird sogleich von den drei Helikoptern des CIA unter vollen Beschuss genommen. Mit einer Rakete zerfetzt Wright jedoch sogleich den ersten der Helikopter in einer donnernden Explosion. Unten verfolgt Rimes entsetzt das Kampfszenario in der Luft. Die verbliebenen beiden Helikopter setzen zu einem Manöver an, mit dem sie Rimes´ Senkrechtstarter in die Zange nehmen wollen.

 

In der hoch über Green-Stone-Town positionierten Police-Airbase_002 ist Captain Towers soeben in die Einsatzzentrale gerufen worden: auf dem großen Hauptschirm ist eine Luftaufnahme des sich weiter unten über dem Green-Stone-Forest ereignenden Kampfszenarios zu sehen.

Der Offizier an der taktischen Überwachungsstation kommentiert: „Der Senkrechtstarter ist vor wenigen Minuten aus dieser Schlucht gestartet; unmittelbar darauf sind drei Helikopter vom CIA-Hauptquartier aus gestartet, von denen einer bereits abgeschossen worden ist.“

Towers: „Fragen Sie beim CIA-Hauptquartier an, ob wir freundlicherweise erfahren dürfen, was da geschieht, oder ob das eine weitere dieser verfluchten CIA-internen Operationen darstellen soll!“

Der Kommunikationsoffizier antwortet sofort: „Aye, Sir.“

 

Luke Rimes verfolgt mit, wie der Senkrechtstarter mit einem gekonnten Manöver der Zangenbewegung der beiden CIA-Helikopter entgeht, und einen Looping mit hoher Geschwindigkeit direkt über der Schlucht ausführt. Sogleich stürzt sich die Maschine zurück auf die beiden Helikopter und eröffnet das gezielte Automatikfeuer, mit dem sie die Motoren des rechten Helikopters zerfetzt: in Flammen stehend, stürzt der Helikopter unkontrolliert in den Wald. Rimes sieht den Helikopter mit entsetztem Blick genau auf sich zu stürzen und rettet sich mit einem waghalsigen Sprung den Abhang hinunter, in dessen Verlauf er sich mehrfach überschlägt, indem über ihm das Flammeninferno von Helikopter mit einem donnernden Schlag auf die baumfreie Stelle kracht. Rimes überschlägt sich noch zweimal und springt dann einfach blind zur Seite weg ins dichte Gebüsch, als bereits brennende Trümmer an ihm vorbei in die Schlucht hinunter stürzen.

 

In der Computerzentrale der Airfighter-Basis dreht sich Ned Burton gerade zu einem der Monitore in der großen Kontrollwand, auf dem das Gesicht Captain Towers´ erscheint.

Towers: „Commander Burton, Sie erhalten gerade Koordinaten von 002 aus übermittelt, auf denen sich ein Gefecht zwischen drei Helikoptern des CIA und einem bewaffneten Flugzeug abspielt; zwei der Helikopter sind bereits abgeschossen worden.“

Ned reagiert sofort: „Ich habe verstanden, Captain, ich starte die Airfighter-Basis.“

Towers, kurz bevor sein Gesicht wieder vom Bildschirm verschwindet: „Danke, Airfighter-Basis.“

Ned wird auf dem Kommandositz in der Mitte der Basis automatisch festgeschnallt, indem vor ihm ein Teil der Metallwand im Boden versinkt und so den Blick durch die große Glasscheibe nach draußen freigibt, wo eine halbe Minute später die Silhouette von G.S.T. immer weiter nach unten sinkt.

 

Wright sieht auf der Radarabtastung in seinem Cockpit die gestartete Airfighter-Basis. Nach einem kurzen Absuchen mit der Radarabtastung zeigt Wrights Blick, dass er offenbar etwas gefunden hat, wonach er gesucht hat. Sein Blick funkelt kalt und berechnend.

 

Neben dem lichterloh brennenden Pfad, den die Trümmer den Hang hinunter gezogen haben, rappelt sich Rimes erneut auf und sieht, wie Wrights Flugmaschine Kurs auf den Green-Stone-Highway setzt, der, aus dem Forest kommend, die langgezogene Waldschlucht am Rande in Form einer hohen Brücke entlang verläuft.

Rimes betätigt sein Funkgerät mit Böses ahnendem Blick:

Er setzt Kurs auf die Talbrücke des G.S.-Highway!“

 

Die Scharfschützen auf dem verbliebenen CIA-Helikopter zielen erneut, indem der Helikopter Wrights Flugmaschine dicht verfolgt.

 

In der Computerzentrale der Airfighter-Basis antwortet Ned einfach Rimes´ Funkspruch, den er auch empfangen hat: „Agent Rimes, hier ist Commander Burton an Bord der Airfighter-Basis. Ich kann die feindliche Maschine in drei Sekunden mit den Bordwaffen erfassen.“

 

Rimes blickt im ersten Moment verärgert wegen der Einmischung durch die Airfighter-Basis, akzeptiert dies dann aber: „Verstanden, Airfighter-Basis.“

 

In der Computerzentrale hat Ned Wrights Maschine bereits mit den Bordwaffen erfasst, da geht eine weitere Bild-Funk-Mitteilung von 002 ein.

Captain Towers: „Commander Burton, in einem Nebensatz ist von einer Geiselnahme die Rede.“

Sofort nimmt Ned Wrights Maschine aus dem Visier und funkt erneut Rimes an:

Wen zum Teufel hat der Kerl als Geisel genommen?!“

 

Unten neben dem lodernden Feuerpfad stöhnt Rimes und antwortet dann zögerlich:

Anwältin Ricks.“

 

Ned reißt die Augen auf: „So ein Mist!“

Und indem Ned auf dem Hauptschirm verfolgt, wie Wrights Flugmaschine sich in dieser Sekunde auf die Highway-Brücke stürzt, schlägt Ned frustriert auf die Armlehnen: „Verdammt!“

 

Von Police-Airbase 002 aus starten drei Flugmaschinen mit Kurs direkt nach unten auf den Green-Stone-Forest.

 

Wright stürzt sich mit seinem Kampfflieger genau auf die Highway-Brücke hinab und eröffnet das geballte Feuer aus den Bordwaffen auf sie: der Beschuss des ihn verfolgenden CIA-Helikopters lässt ihn kalt. Wie ein Granathagel schlägt Wrights Beschuss in die Highway-Brücke ein, so dass die Teerdecke zerfetzt wird und die Brücke an dieser Stelle immer weiter aufgerissen wird, bis ein ganzes Stück der Fahrbahn nach unten in den Forest abstürzt und dort wie eine Trümmerlawine den Hang hinunter in die langgezogene Schlucht stürzt.

Rimes verfolgt das Szenario der Vernichtung gebannt.

 

Ned bezieht mit der Airfighter-Basis Stellung hoch über dem in der Highway-Brücke klaffenden Krater: „Wir müssen den Highway unbedingt absperren, das gibt sonst eine Katastrophe!“

 

Die drei von 002 aus gestarteten Flugmaschinen senken sich in diesem Augenblick auf den Highway hinab: „Wir erledigen das, Commander Burton.“

Ned verfolgt durch die große Glasscheibe in der Vorderwand der Computerzentrale wie die Flugmaschinen in beiden Richtungen weit genug vor dem klaffenden Krater landen, um die herannahenden Autos unter Blaulicht und deutlich roten Warnleuchten anzuhalten.

Allein der Anblick der etwa zwanzig Meter über dem Highway schwebenden Airfighter-Basis sorgt schon dafür, dass die heranfahrenden Autos irritiert langsamer werden und rechtzeitig vor der Polizeiabsperrung zum Stehen kommen. Durch den entstehenden Rückstau verselbstständigt sich das Absperren des Highways, und zum Glück kommt es auch zu keinerlei Auffahrunfällen.

 

In der Computerzentrale wendet Ned sich wieder der großen Kontrollwand zu:

Computer, wo befindet sich das Zielobjekt jetzt?“

Auf einem der Bildschirme wird der Kurs von Wrights Flugmaschine angezeigt, die sich jetzt weiter hinten in der langgezogenen Schlucht befindet, die hinter einem Berg, der die Sicht zu Green-Stone-Town versperrt, in einen kleinen Ort mündet.

Auf dem Bildschirm sieht Ned, wie der verbliebene CIA-Helikopter Wrights Flugmaschine jede Sekunde eingeholt haben wird und die Bordschützen erneut das gezielte Automatikfeuer eröffnen.

 

Vor dem kleinen, idyllischen Ort steht das Eingangsschild WOODLAKE, auf das in dieser Sekunde die Schatten von Wrights Flugmaschine und dem verfolgenden CIA-Helikopter fallen, begleitet von dem ohrenbetäubenden Donnern der Motoren und des Automatikbeschusses.

Auf der anderen Seite von Woodlake erstrecken sich weite Weideflächen über einen mäßig ansteigenden Hügel hinauf, auf dessen Oberseite ein schöner Eichenwald beginnt: am Waldrand ist zwischen den weit auseinander stehenden Bäumen ein Zeltlager in dem hohen Waldgras aufgeschlagen. Zahlreiche Kinder spielen hier, während ein Junge gerade von einem der Leiter, der selbst wohl gerade erst erwachsen ist, getröstet wird: „Was macht dein Heimweh, wenn wir gleich im Wald ein eigenes Lager bauen und dort heute Abend ein Grillfeuer machen?“

Der kleine Junge strahlt. Da hören die beiden die herannahende Flugmaschine Wrights, die gerade den unterhalb des Hügels und vom Zeltlager aus zu überblickenden Ort Woodlake überfliegt.

 

In seinem Cockpit erfasst Wright den verfolgenden Helikopter mit emotionslosem Blick mit den Automatik-Zielsystemen.

Unter vollem Beschuss aus den Achterbordwaffen von Wrights Flugmaschine wird der letzte CIA-Helikopter krachend in einem Explosionsball auseinandergerissen, und Wright zieht unter ohrenbetäubendem Donnern dicht über das Zeltlager hinweg: hinter Wrights Düsenschweif tauchen die brennenden Trümmer des CIA-Helikopters auf, die unkontrolliert genau auf das Zeltlager zu stürzen. Die Teilnehmer reißen ihre Augen entsetzt auf. Da taucht die Airfighter-Basis aus der gebogenen Schlucht auf und zieht dicht über Woodlake hinweg, um in ihrer imponierenden vollen Größe zwischen dem Zeltlager auf dem Hügel und dem herabstürzenden Trümmerhagel wieder aufzusteigen. Die Teilnehmer des Zeltlagers sind vor Ehrfurcht erstarrt.

In der Computerzentrale klammert sich Ned beim Anblick des auf ihn einschlagenden brennenden Trümmerhagels im Kontrollsitz fest, und dann schlagen die Trümmerbrocken alle auf den Panzer der kuppelartigen Airfighter-Basis und werden in ihrer Flugbahn so abgelenkt, dass sie über das Zeltlager hinweg fliegen und auf der anderen Seite des Eichenwaldes in einen großen Natursee stürzen, wo sie eine riesige Welle beim apokalyptischen Einschlag verursachen, die auf das gegenüberliegende Ufer zu rollt, und dort einige Bäume ausreißt.

Dann lässt sich Ned wieder in seinen Sitz sinken und atmet auf.

Die Teilnehmer des Zeltlagers jubeln vor Begeisterung und Dankbarkeit.

Der Junge neben dem Leiter blickt diesen entgeistert an: „Wow, war das cool!“

 

In der Computerzentrale meldet sich wieder Captain Towers:

Sehr gute Arbeit, Commander Burton. Das war spitze!“

Ned, selbst erleichtert: „Danke, Captain – aber bitte so schnell nicht wieder.“

Um Ned herum flackert die Beleuchtung, und es ist auf den Kontrollanzeigen zu erkennen, dass einige Ersatzaggregate angesprungen sind.

Jetzt zeigt Ned wieder einen ernsten Blick: „Die feindliche Maschine, Sir?“

Towers schüttelt den Kopf:

Leider aus der Ortung verschwunden: sie besitzt offenbar eine Stealth-Beschichtung.“

Ned, etwas resignierend: „Das war ja zu befürchten.“

Ein Blick auf die Kontrollanzeigen des Luftraumscans zeigt Ned, dass dieser gerade ausgefallen ist.

 

  • 2 –

  •  

Bill und Kim sitzen in einem Seminar der Polizeischule und während des Unterrichtsvortrages treffen sich immer wieder ihre Blicke.

Nach dem Unterricht verlassen beide zusammen das Gelände der Polizeischule.

Bill grinst: „Solche Vorträge sind nicht gerade das Motivierendste, finde ich.“

Kim, gespielt belehrend: „Sie wollen ja nur sicherstellen, dass wir in der Praxis auch hundertprozentig professionell handeln können.“

Bill bleibt stehen: „Und was ist deine Motivation, demnächst da draußen Polizistin zu sein?“

Kim: „Ich möchte unseren Bürgerinnen und Bürgern auf den Straßen das Gefühl von Sicherheit geben, dass sie sich nicht vor Kriminellen fürchten müssen. Denn um die kümmern wir uns tagtäglich.“

Bill lächelt: „Du bist echt überzeugt von deiner Berufswahl?!“

Kim lächelt zurück: „Hundertprozentig. Aber das müssen wir ja auch in unserem Beruf.“

Bill: „Und heute Abend sehen wir uns zur Abschlussfeier unserer Einheit?“

Kim: „Mit Marshmallows am Lagerfeuer!“

Bill sieht Kim lächelnd für eine gefühlte Ewigkeit in die Augen.

 

Bill kniet zurück im Hier und Jetzt über dem reglosen Körper Kims, die ihn aus offenen und leblosen Augen anstarrt: auch hier sieht ihr Bill für eine gefühlte Ewigkeit in die Augen, indem ihm die Tränen aus den Augen laufen, bis er seine Augen schließen muss und wieder ein Stück zusammenbricht. Da stürmen hinter Bill Justin und Raffael in den Wasserhof, beide auch sichtlich angeschlagen durch die Druckwelle Explosion.

Raffael fasst Bill sofort mittrauernd bei den Schultern: „Oh nein. Bill, das tut mir so leid!“

Justin nimmt die Szenerie der Verwüstung und des Todes mit gebanntem Blick wahr und zeigt zunehmend weniger Emotionen: „Sie können nur dorthin weitergegangen sein.“

Er weist auf den auf der gegenüberliegenden Seite beginnenden Tunnel, der aus dem unterirdischen Wasserhof hinausführt. Bill besinnt sich auf das, was Justin gerade gesagt hat, und blickt jetzt auch über das Wasserbecken hinweg zu dem Tunneleingang. Bill steht wieder auf, indem Raffael ihn leicht stützt. Bill wechselt einen entschlossenen Blick mit Raffael, und Justin fokussiert dann mit einem Blitzen in den Augen wieder den Tunneleingang, indem er sein Funkgerät betätigt:

Wir nehmen Shimatos Verfolgung auf.“

 

  • 3 –

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Umgeben von scheinbar endlosem Wald liegt auf einem großen von satt grünen Wiesen überzogenen Hügel ein prachtvolles Anwesen inmitten idyllischer Natur: beim gleitenden Heranzoomen ist über dem Haupteingang zu lesen, dass es sich um das Forest Seasons handelt.

Chris verlässt gerade sein Hotelzimmer und trifft Juan in dem leuchtend weiß tapezierten Flur, durch den sie immer wieder an Fenstern mit Blick auf die herrliche Natur vorbeikommen.

Juan grinst breit, indem er Chris auf die Schulter schlägt: „Ich hätte mir noch vor kurzem nie träumen lassen, einmal hier Urlaub zu machen!“

Chris erwidert das Grinsen:

Und es ist noch nicht einmal weit weg von Green-Stone-Town.“

Juan: „Ich bin wirklich glücklich, in eurem Team sein zu dürfen, Chris.“

Jetzt klopft Chris Juan auf die Schulter: „Du hast es dir verdient, Juan.“

Gerade erreichen die beiden das Ende des Flures und gelangen über eine strahlend weiße Treppe in einen Innenhof, auf dem sich am einen Ende eine Terrasse befindet und in der Mitte ein großer Swimmingpool; darüber scheint der blaue und absolut wolkenfreie Sommerhimmel. Auf der Terrasse sitzen bereits Jessica und Bill am Tisch und blicken den beiden gut gelaunt entgegen.

Bill: „Gut, dass ihr noch rechtzeitig gekommen seid, ich weiß nicht, wie viel wir vom Buffet noch übrig gelassen hätten.“

Chris nimmt neben Bill Platz, wo bereits eine Tasse dampfenden Kaffees steht.

Chris wendet sich an Bill und weist auf die Tasse: „Vielen Dank.“

Bill grinst wissend.

Jessica grinst Juan an: „Darfst du so früh morgens schon Kaffee trinken?“

Juan geht auf die Neckerei ein: „Na ja, so früh ist es ja gar nicht mehr.“

Die beiden küssen sich kurz.

Chris blickt auf Bills reichlich belegten Teller mit den Brötchen, den verschiedenen Aufstrichen und der Salatbeilage.

Chris zieht eine Augenbraue hoch: „Das ist nicht zufällig auch schon für mich?“

Bill hält beschützend die Hände über seinen Teller und zeigt einen skeptischen Gesichtsausdruck.

Chris dreht sich zum Buffet: „Na gut.“

Bill grinst breit: „Der Gang wird sich lohnen, Chris!“

Auf der anderen Seite des Tisches ist Juan auch gerade in Richtung Buffet aufgebrochen und fordert Chris jetzt heraus:

Wenn ich zuerst da bin, gehört das Buffet mir!“

Beide hasten los und erreichen mit einem Satz das Buffet. Ein paar Gäste blicken die beiden groß an.

Chris entschuldigt sich förmlich, aber zugleich etwas gespielt. Juan imitiert Chris´ Verhalten. Jessica schüttelt gespielt maßregelnd den Kopf. Bill grinst, indem er in sein Brötchen beißt.

Wieder zurück am Tisch, entschließt Chris sich spontan, noch eine Schale Müsli zu holen. Als er zurück kommt, ist das Brötchen von seinem Teller verschwunden. Sein fixierender Blick gleitet von Jessica über Bill, die beide keine Miene verziehen, hin zu Juan, dem augenblicklich der Bissen im Halse stecken bleibt. Allmählich verziehen sich Juans Mundwinkel zu einem breiten Grinsen, indem Chris nur ein Wort heraus bringt: „Lauf!“

Sofort rennt Juan los, doch holt ihn Chris beim Umrunden des Pools ein. Dann fasst Chris Juan, hebt ihn einfach hoch und wirft ihn in den Pool.

Bill isst genüsslich sein Brötchen weiter.

Jessica: „Toll – und was ist, wenn Juan jetzt ertrinkt?!“

Kurzerhand springt Chris hinterher in den Pool, wo ihm Juan bereits grinsend unter Wasser auflauert, um sich weiter mit Chris zu „bekämpfen“.

 

Ein bläulicher Schimmer trifft auf Chris´ geschlossene Augen und holt Chris´ Bewusstsein allmählich wieder zurück: als Chris die Augen aufschlägt, findet er sich dicht über dem Boden der Themse wieder. Auf einmal bemerkt er den schmerzenden Druck auf seinen Trommelfellen und führt sogleich einen wiederholten Druckausgleich durch. Wieder bei vollem Bewusstsein stößt sich Chris mit aller Kraft mit den Beinen vom Grund ab, um schnellstmöglich wieder aufzutauchen.

Am Ufer der Themse kommt ein weiterer der Bewaffneten auf einem Motorrad entlang gefahren und sieht sich offenkundig suchend um. Als er eine Stelle passiert, an dem das betonierte Ufer ohne weitere Stufen direkt in die Themse übergeht, und er auf dem Motorrad über einen flach abfallenden Gehweg so weit wie möglich an die Themse heranfährt, kommt dem Bewaffneten plötzlich Chris von irgendwo unter Wasser aus entgegen gesprungen und reißt ihn in voller Fahrt vom Motorrad: indem das Motorrad umfällt und unter Funken noch einige Meter über den Asphalt schleift, kommen Chris und der Bewaffnete wieder auf die Beine. Der Mann richtet seine gezogene Automatikwaffe auf Chris´ Kopf, Chris schlägt dem Mann jedoch in derselben Sekunde reaktionsschnell den Arm weg, sodass der Schuss daneben geht, dreht dem Mann den Arm mit der Waffe auf den Rücken, tritt ihm einmal mit dem Knie genau ins Gesicht, wirft ihn dann einmal rückwärts über sich, verpasst ihm noch einen harten Schlag ins Genick und stößt den Regungslosen dann in die Themse – die ganze Kampfaktion hat nur wenige Sekunden gedauert. Chris´ Blick erfasst sofort das auf der Seite liegende Motorrad.

 

Juan erwacht unsanft in dem Wrack des dritten Autos, in das er hinein geschmettert worden ist, und hustet beim hastigen Umdrehen etwas Blut aus. Als er wieder normal atmen kann, bemerkt Juan, dass es lediglich von seinem Zahnfleisch her rührt, und rappelt sich langsam auf. Als ein paar weitere Bewaffnete auf Motorrädern vorbeifahren, duckt sich Juan schnell wieder in dem Wrack, um anschließend zu dem zerborstenen Fenster zu hasten, durch das Manuel in ein Haus hinein geschmettert worden ist.

Auf seinem hastigen Weg dorthin hat Juan Manuels Gesicht als Kind vor Augen, als ihr Vater wieder einmal betrunken in der heruntergekommenen Wohnung herum brüllt.

Der kleine Manuel klammert sich an Juan fest: „Ich habe Angst, Juan.“

Juan umarmt seinen kleinen Bruder: „Keine Sorge, Kleiner, ich bin immer bei dir und beschütze dich!“

Juan durchlebt wieder die Gefühle, als er davon überzeugt gewesen war, Manuel für immer verloren zu haben: die Schuldzuweisungen, all den Hass und die schreckliche Hoffnungslosigkeit und Trauer. Bei der gefühlten Ewigkeit, in der Juan all dies noch einmal durchlebt, handelt es sich in Wirklichkeit nur um wenige Sekunden, in denen Juan vom Autowrack zu dem zerborstenen Fenster rennt. Juan springt in das Fenster hinein, und erblickt im Innern sofort Manuel, auf dem Boden liegend und am Arm sowie im Gesicht blutend.

Juan kniet sich sofort neben Manuel und legt seine Hand unter dessen Kopf, um ihn leicht aufzurichten: „Manuel?!“

Zu Juans Erleichterung spürt er Manuel atmen, und nur eine Sekunde später beginnt Manuel zu blinzeln: „Hey, großer Bruder, du hast auch schon mal besser ausgesehen – das passiert, wenn ich mal kurz nicht auf dich aufpasse.“

Juan lächelt erleichtert. Als Manuels Grinsen in ein Husten übergeht, stützt Juan ihn erneut.

Auf der anderen Seite des zerborstenen Fensters kommen die zurückkehrenden Bewaffneten auf den Motorrädern zum Halt und erblicken Juan und Manuel im Innern. Sofort steigen die Bewaffneten ab und nehmen Juan und Manuel ins Visier, indem sie auf die zerborstene Fensterscheibe zukommen. Der offenkundige Anführer des Trupps zieht ein kleines Handy aus seiner Tasche und vergleicht das Foto von Chris auf dem Display mit den Gesichtern von Juan und Manuel.

Wir brauchen vor allem auch Ihren Kommandanten: Commander Hawk!“

Juan wird auf Manuels Blick aufmerksam, und als Manuel bemerkt, dass Juan auf seinen Blick reagiert, deutet er die Metallstange an, die er in dem Trümmerfeld ergriffen hat. Juan bestätigt mit einem weiteren, kurzen Blick.

Wir sind dazu befugt, unserer Frage den notwendigen Nachdruck zu verleihen, wenn Sie beide sich nicht kooperativ zeigen!“

Er nickt einem der anderen Bewaffneten zu, der Manuels Hand ins Visier seiner Automatikwaffe nimmt.

Links- oder Rechtshänder? Welche kannst du entbehren?“

In diesem Augenblick kommt Chris auf dem entwendeten Motorrad von unter Wasser aus der Themse empor gerast und nutzt den flach ansteigenden Gehweg als Rampe: Er fliegt förmlich auf dem Motorrad auf den bewaffneten Trupp zu, und als dieser das Automatikfeuer auf Chris eröffnen will, kracht Chris mit voller Wucht in den Trupp hinein, lenkt das Motorrad quer und kommt mit quietschenden Reifen zum Stehen – zwei der Bewaffneten sind durch ein weiteres Fenster in ein Gebäude geschmettert worden. Gleichzeitig hat Manuel dem auf seine Hand Zielenden mit der Metallstange schneller, als der Mann reagieren konnte, einmal mit solcher Wucht gegen den Kopf geschlagen, dass der Mann sich in der Luft rückwärts überschlägt und dabei einige Blutspritzer ringförmig durch die Luft fliegen. Sofort wirft Manuel Juan die Metallstange zu, und dieser schlägt dem Anführer des Trupps ebenfalls mit voller Wucht die Beine weg, sodass dieser rückwärts auf den Boden fällt und beim Aufprall eine kleine Fontäne Blut aus seinem Mund spritzt.

Manuel starrt auf den Regungslosen hinunter und hebt demonstrativ seine Hand, mit der er zu dem gewaltigen Hieb mit der Stange ausgeholt hat: „Rechtshänder.“

Chris blickt die beiden vom Motorrad aus an: „Seid ihr noch ganz?“

Juan: „Nichts, was man nicht reparieren könnte – danke dir.“

Manuel: „Alles gut, Chris – danke.“

Chris nickt beiden erleichtert zu. Ein paar Sekunden später rasen alle drei auf entwendeten Motorrädern des bewaffneten Trupps davon am Themseufer entlang.

Eine Überwachungskamera über einem Schaufenster richtet sich gerade auf die drei davon fahrenden aus: das Geschäft, zu dem das Schaufenster gehört, ist nach dem Anschlag allem Anschein nach Hals über Kopf verlassen worden.

 

In einer von künstlichem Licht erleuchteten Schaltzentrale steht Carl Schwartz vor einem Bildschirm und betrachtet darauf die Aufnahme der auf den Motorrädern wegfahrenden Chris, Manuel und Juan. Langsam gibt Schwartz eine Befehlsfolge in das Keyboard ein, und auf dem Bildschirm erscheint jetzt das Gesicht Wrights im Cockpit seiner Flugmaschine.

Schwartz: „Das Airfighter-Team hat sich leider doch entschlossen zu intervenieren.“

Wright verzieht sein Gesicht.

Schwartz: „Daher wäre Ihr Passagier nun doch besser in der Zwischenbasis aufgehoben als hier.“

Wright: „Ich verstehe.“

Wright gibt Befehle in seine Flugkontrollen ein: „Ich korrigiere den Kurs entsprechend.“

Schwartz nickt Wright bestätigend auf dem Schirm zu und beendet die Bild-Funk-Verbindung dann wieder. Sein Blick schweift durch die Einsatzzentrale langsam nach oben, so dass jetzt das gläserne Dach zu erkennen ist, über dem wenig Lichtschein offenbar durch viele Meter Wasser nach hier unten fällt.

 

  • 4 –

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Wright überfliegt ein großes Gebirge und setzt jetzt mit seiner Flugmaschine zum Landeanflug genau auf einen prächtigen Wasserfall an, der in voller Größe ein Gebirgsmassiv herunter läuft. Wright steuert mit seiner Flugmaschine genau auf den Wasserfall zu und taucht schließlich frontal in diesen ein. Hinter dem Wasserfall erscheint ein großer Start- und Landehangar im Fels, in dem Wright jetzt präzise zur Landung ansetzt. Während das eine Ende des Hangars durch die draußen in die Tiefe stürzenden Wassermassen gekennzeichnet wird, befindet sich am gegenüberliegenden Ende des Hangars eine große Luftschleuse zu einem Aufzug, der in einem röhrengleichen Schacht senkrecht nach oben in einen offensichtlichen Kontrollraum verläuft, der durch eine Panzerglasscheibe auf etwa 7 Metern Höhe gegen den großen Hangar abgegrenzt ist: dahinter stehen einige Kontrollposten an ihren Überwachungstationen. Die Cockpitscheibe öffnet sich, und Wright steigt aus: sofort treten zwei bewaffnete Posten heran und nehmen die immer noch bewusstlose Jessica aus dem Flugzeug entgegen. Wright geht zielstrebigen Schrittes auf die Luftschleuse zu und fährt nach dem Passieren der zwei Schotts und dem erfolgten Sicherheitsscan per Hand- und Retinaabdruck mit dem Aufzug nach oben in den Kontrollraum. Aus den sich erneut öffnenden Aufzugtüren betritt Wright den Raum, in dem ihm ein hochgewachsener, kantig wirkender, dunkelhaariger Mann in dunkler Kleidung entgegentritt: sein noch junges, aber herbes Gesicht zeigt überall schwarze Bartstoppeln.

Der Mann spricht Wright direkt an: „Mister Schwartz hat die Zwischenbasis über die Änderung des Ablaufplans instruiert, Mister Wright.“

Wright: „Er hat mich auch vor einer viertel Stunde neu angewiesen, General Steele.“

Die beiden drehen sich zur anderen Seite des Kontrollraums, der in die entgegengesetzte Richtung des Hangars zeigt, wo durch eine zweite Panoramasichtscheibe hindurch der Blick in eine tief in den Fels hinein ragende Halle fällt, die an eine wissenschaftliche Versuchseinrichtung erinnert und in der zahlreiche Leute ihren Aufgaben nachgehen: in der Mitte befindet sich eine Art verschlossener Reaktorkammer, aus deren runder Sichtscheibe leuchtend blauer Lichtschein austritt.

Steele: „Unseren Gast konnten Sie sicher her transportieren?“

Wright: „Alles wie abgesprochen, General.“

 

  • 5 –

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Justin, Bill und Raffael sind durch den unterirdischen Gang bis zu einem breiten Abwassertunnel gelangt.

Justin hat das Tempo bis hierher vorgegeben: „Da sich Shimato auf der Flucht befindet, werden die Commodores mit ihm stromabwärts gefahren sein!“

Raffael: „Der Abwasserkanal führt etwa einen Kilometer unterhalb der City, bis er sich dann verzweigt. Wir sind diese Wege auch schon gefahren, wenn wir ungesehen durch die City kommen mussten.“

Bill: „Ohne Weiteres können wir sie nicht verfolgen, Justin.“

Justin blickt sich suchend um: sein Blick zeigt, dass es ihm unter den Fingernägeln brennt, Shimato und die übrigen Commodores zur Rechenschaft zu ziehen. Da erblickt Justin eine am Rande des Kanals angespülte Kunststoffplatte. Justin ergreift diese und sieht, dass sie auf dem Wasser schwimmt.

Bill: „Willst du wirklich darauf durch den Abwasserkanal fahren?“

Justin: „Wir können Shimato nicht so entkommen lassen, Bill!“

Raffael: „Wäre es nicht besser, auf Verstärkung zu warten? Die Police of M.C. muss jeden Moment eintreffen.“

Justin, schon regelrecht zischend vor eiskalter Wut:

Ich bringe diese Schweine zur Strecke – ein für alle Mal!“

Bill will ansetzen, weiter zu gehen, doch bricht halb zusammen.

Raffael stützt ihn sofort besorgt: „Bill, mach mal langsam!“

Als Bill Raffaels Blick erwidert, sieht Raffael erneute Tränen in Bills Augen.

Raffael: „Lass gut sein, Bill – lass uns erst mal eine Pause einlegen und auf die Verstärkung warten!“

Bill sieht Raffael fest in die Augen und beginnt dann, mit senkendem Blick zu nicken.

Justin: „Ok, dann sagt dem Trupp Bescheid, dass ich die Commodores durch den Kanal verfolge!“

Justin springt auf die Platte und lässt sich stromabwärts durch den unterirdischen Abwasserkanal treiben.

 

  • 6 –

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Umgeben von einem Trupp bewaffneter Sicherheitsposten werden Bundeskanzlerin Meitner, President Brunt, Premierminister Farrell sowie Verteidigungsminister Collin Bancroft und Sichehreitschef Andrew Young-Smith in Hast durch eine Seitenstraße geführt, die zwar menschenleer erscheint, in die aber auch die hallenden, panischen Schreie der Zivilisten dringen.

Young-Smith: „Der Sprenganschlag scheint vorbei zu sein.“

Bancroft: „Jedoch müssen wir jetzt mit Schützen rechnen.“

Meitner: „Wohin bringen Sie uns?“

Farrell kommt Young-Smith zuvor: „Der MI6 hat eine Reihe von Hochsicherheits-Schutzräumen für politische Delegationen in London eingerichtet, Frau Bundeskanzlerin, Mister President. Wir werden jetzt zum nächstgelegenen gebracht, wo wir in Sicherheit sind.“

Meitner nickt gewährend und zeigt mit ihrer Mimik, dass sie keine weitere Erklärung einfordert.

Brunt blickt sich suchenden Blickes um, während sie weiter durch die Gasse hetzen.

Bancroft bemerkt Brunts suchenden Blick: „Ich bin mir sicher, das Airfighter-Team ist bereits im Einsatz, Mister President.“

Brunt beendet seinen suchenden Blick und sieht Bancroft in die Augen. Dann nickt Brunt bedächtig.

Young-Smith, vor allem an Bancroft gerichtet: „Dass dieser Sprenganschlag so präzise gegen unser Gipfeltreffen gerichtet werden konnte, legt die Befürchtung nahe, dass Carl Schwartz London genau unter Beobachtung hat!“

Bancroft nickt in einer unguten Bestätigung seiner eigenen Befürchtungen.

Wie heraufbeschworen, fallen jetzt Schüsse von den Häuserdächern in die Gasse, woraufhin sich die Sicherheitsposten sogleich mit den Führungspolitikern zu Boden werfen. Doch auch an den beiden Enden der Gasse tauchen jetzt Bewaffnete auf und nehmen die Delegation ins Kreuzfeuer.

Young-Smith: „Verdammt – sie haben uns die ganze Zeit beobachtet!“

Innerhalb von Sekunden wird die Sicherheitsdelegation um die Politiker durch brutal präzise Schüsse dezimiert, indem Brunt und den anderen die Geschosse und Splitter buchstäblich um die Ohren fliegen – bis der Automatikbeschuss plötzlich eingestellt wird. Collin Bancroft braucht eine Sekunde, um dies zu realisieren, da seine Ohren durch den andauernden Schusslärm klingen. Am anderen Ende der Gasse erblickt Collin einen stämmigen Mann unter den bewaffneten Killern, der offensichtlich den Befehl zum Feuereinstellen gegeben hat. Der Mann tritt durch die Gasse auf die Politiker zu, die sich immer noch ducken, indem Collin bemerkt, dass die Bewaffneten auf den Dächern sie unentwegt im Visier ihrer Automatikwaffen behalten.

Darf ich Sie bitten, Ihre Waffen auf dem Boden liegen zu lassen und unserem Trupp zu folgen?!“

Bancroft und Young-Smith wechseln einen kurzen Blick zur Bestätigung miteinander und signalisieren dann Meitner, Farrell und Brunt, der Aufforderung Folge zu leisten: nach wie vor werden sie von den Schützen auf den Dächern genau im Visier gehalten.

Sehr vernünftig.“

Der stämmige Mann winkt ein paar der Schützen zu, die Delegation abzuführen.

Folgen Sie meinen Männern!“

Mit erhobenen Händen werden Brunt, Meitner, Farrell, Young-Smith, Bancroft und die verbliebenen Sicherheitsposten durch die Gasse zum Themseufer geführt.

 

Vom Flachdach eines mehrstöckigen Gebäudes aus startet Airfighter im automatischen Verteidigungsmodus und setzt einen Funkspruch an Chris, Juan und Manuel ab:

Meine Sensoren haben das Peilsignal President Brunts jetzt wieder erfasst.“

 

Chris, Juan und Manuel rasen auf ihren Motorrädern das Themseufer entlang, indem sie Airfighters Nachricht über den Helmfunk empfangen: „Sie bewegen sich Richtung Tower Bridge.“

Chris nickt Juan und Manuel, die links und rechts von ihm fahren, durch das dunkle Helmvisier zu: „Dann holen wir sie uns jetzt!“

Juan und Manuel nicken bestätigend zurück.

 

Meitner und Brunt wechseln einen Blick miteinander, bevor ihrer beider Blicke unauffällig, aber abwartend zum Himmel driften. Bancroft, Young-Smith und Farrell wechseln einen Blick der Bereitschaft miteinander, sobald das Airfighter-Team auftauchen würde. Der Truppführer gibt das Tempo vor, sodass kein längeres Umsehen, geschweige denn ein Stehenbleiben möglich ist. Dann kommt die Tower Bridge in Sicht. Der Truppführer gibt einen Befehl zur Abholung über Funk durch, und als die Delegation auf die Tower Bridge geführt wird, donnern drei Helikopter im Tiefflug über die Themse herbei: auf den Kufen aller drei Helikopter stehen Bewaffnete. Indem die Delegation durch die Bewaffneten bis zur Mitte der Tower Bridge geführt wird, vernehmen Brunt und Bancroft endlich ein vertrautes Donnern, das schnell lauter wird: wissend sehen die beiden einander in die Augen. Young-Smith registriert den Blick sofort und nickt Farrell zu. Der Blick des Truppführers neigt sich, Ungutes ahnend, gegen den Himmel, von wo das lauter werdende Donnern kommt: der Blick des stämmigen Mannes wird noch böser, als er sieht, wie am gegenüberliegenden Ende der Tower Bridge Chris, Juan und Manuel auf entwendeten Motorrädern seines Trupps den Weg demonstrativ versperren. Indem der Truppführer sich auf der Tower Bridge zu seinen Schützen zurückdreht und wutentbrannt den Feuerbefehl erteilt, starten Chris, Manuel und Juan am anderen Ende der Brücke wieder durch und rasen mit ihren Motorrädern auf den Trupp und die Delegation der Politiker zu, während die Schützen von den Kufen der tief über der Themse herbei donnernden Helikopter ebenfalls das Feuer eröffnen und mit einem Mal Airfighter von oben über die Häuserfronten herab auf die Themse herabgestürzt kommt und unter vollem Beschuss direkt den ersten der drei Helikopter in einer donnernden Explosion zerschmettert. Gegen das Automatikfeuer von mehreren Seiten fahren Chris, Manuel und Juan in gekonnten Haken auf den feuernden Trupp mitten auf der Tower Bridge zu und erwidern dabei das Feuer auf den bewaffneten Trupp, um zu verhindern, dass die Politiker entführt werden. Ein paar der Stahlseile aus der Brückenhalterung werden von den Kugeln zerfetzt, sodass sie reißen und jetzt lose in der Luft baumeln. Young-Smith ruft Farrell, Meitner und Brunt zu, sich auf den Boden zu werfen, und schlägt dann zwei der Schützen nieder; gleichzeitig nimmt sich Bancroft ebenfalls zwei weitere Schützen im Nahkampf vor. Young-Smith wird von dem Truppführer allerdings am Arm getroffen und zu Boden geschleudert, während hinter ihm Blutspritzer am Brückengeländer zu sehen sind. Young-Smith rollt sich mit der entwendeten Waffe eines der Schützen auf dem Boden ab und kann mit einer gezielten Automatik-Folge vier weitere Schützen ausschalten. Bancroft tritt dem Truppführer die Waffe aus der Hand und verpasst ihm drei schnelle Faustschläge unmittelbar nacheinander. Da rennt der stämmige Mann mit voller Wucht gegen Collin Bancroft, sodass dieser über das Brückengeländer geworfen wird. Allerdings kann sich Collin noch an einem der losen Stahlseile festhalten und dem stämmigen Mann mit beiden Füßen einen kräftigen Tritt genau gegen den Kopf verpassen, sodass dieser ins Taumeln kommt. Airfighter donnert einmal unter dem vollen Gegenschub seiner Düsen unter der Tower Bridge hindurch, wobei große Wassermengen aufgewirbelt werden, und zieht dann auf der anderen Seite wieder hoch, um den zweiten Helikopter abzuschießen. Gleichzeitig rasen Juan, Manuel und Chris auf ihren Motorrädern auf den Trupp Bewaffneter zu und dezimieren diesen fortlaufend durch präzise Schüsse, indem sie selbst ununterbrochen dem Beschuss bei hohem Tempo ausweichen müssen: Während die drei auf ihren Motorrädern die Mitte der Tower Bridge erreichen, stürzt neben der Brücke der abgeschossene zweite Helikopter brennend mit einem lauten Schlag in die Themse und zieht dunkle Rauchschwaden hinter sich her, durch die Airfighter hindurch donnert. Der Truppführer hat sich wieder gesammelt und ergreift gerade eine Automatikwaffe von einem der auf dem Boden liegenden Schützen: Bancroft lässt sich am Stahlseil gegen den stämmigen Mann schwingen, der gerade zum Schuss angesetzt hat, und kickt ihn mit voller Wucht von der Brücke, sodass beide jetzt am Stahlseil hängen. Der Truppführer schlägt Bancroft brutal in die Seite, doch Collin schlägt dem Mann seine Stirn mitten ins Gesicht, woraufhin Blut spritzt. Am diesseitigen Ende der Tower Bridge senkt sich der dritte Helikopter bis dicht über die Fahrbahn herab, um das durchschlagende Automatikfeuer auf die Delegation zu eröffnen. Chris fährt in Schleifen mit zunehmend ansteigender Geschwindigkeit auf den Helikopter zu, während rings um ihn herum die Automatikkugeln einschlagen. Dann springt Chris in voller Fahrt vom Motorrad ab und hält sich ebenfalls an einem der durchtrennten Stahlseile fest, während das Motorrad frontal in den Helikopter einschlägt: außer Kontrolle stürzt die brennende Maschine seitlich weg in die Themse und fällt dabei auf Bancroft und den Truppführer zu. Bancroft fasst den stämmigen Mann, der ihm gerade wieder brutal in die Seite schlägt, im Würgegriff und schleudert ihn am Stahlseil in Richtung des herabstürzenden Helikopters, indem er sich selbst außer Reichweite schwingt. Schreiend fliegt der Truppführer am Stahlseil genau in den brennenden Helikopter und wird mit diesem nach unten gerissen, wo das brennende Wrack beim Aufprall in die Themse explodiert.

 

  • 7 –

  •  

Der Abwasserkanal geht in einen oberirdisch verlaufenden Fluss über: Justin kneift kurz seine Augen zusammen, als das helle Sonnenlicht ihn blendet. Justin erkennt, dass der Fluss in den Randbezirken von Metro-City an einem umzäunten Fabrikgelände entlang verläuft: auf der anderen Seite geht es einen unbefestigten Hang hinauf in den Wald. Da erblickt Justin eine mit grober Gewalt aufgerissene Stelle im Zaun durch die nicht genauer zuzuordnende Spuren aus dem Flussbett auf das Fabrikgelände führen. Justin lässt sich mit der Kunststoffplatte ans Ufer treiben und hastet mit einem Satz die Böschung hinauf durch das Loch im Zaun auf das Fabrikgelände, wo er sogleich schussbereit in die Hocke geht und innerhalb von ein bis zwei Sekunden die Lage gepeilt hat: alles scheint verlassen und ruhig. Mit nach wie vor schussbereit ausgerichteter Waffe überquert Justin langsam das Fabrikgelände: Hohe, zum Teil mit Moos überwachsene oder halb verfallene Fabrikmauern umgeben die große Fläche, auf der in unregelmäßigen Abständen mehr oder weniger rostende Metallstücke, nicht verwendeter Zaun, Holzplatten, Schrauben, kaputte Gummireifen oder Kunststoffteile verstreut liegen; dazwischen türmen sich immer wieder größere Schrottansammlungen von ein bis zwei Metern Höhe und etwa vier Metern Durchmesser auf. Als Justin sich in der Mitte der Fläche befindet, wird von den Fabrikdächern das brutale Automatikfeuer auf ihn eröffnet: Justin springt reaktionsschnell hinter einem der Schrotthaufen in Deckung, bemerkt jedoch sofort, dass er von den Dächern aus umzingelt ist. Vor Wut schnaubend, erfasst Justin innerhalb von nicht einmal einer Sekunde vier der Killer auf der einen Seite des Daches und setzt sie mit präzisen Kopfschüssen unmittelbar nacheinander außer Gefecht. Justin bringt sich auf dieser Seite des Schrotthaufens sofort in Deckung und hat hier jetzt Feuerschutz. Da kommen weitere Killer aus einem der heruntergekommenen Fabrikgebäude durch eine verrostete Blechtür. Der offenkundige Anführer der fünfköpfigen Truppe funkelt Justin aus mordlüsternen Augen entgegen:

Ein weiterer Bulle zu erlegen – schießt ihn zu Matsch!“

Justin zielt und schießt dem Killer in beide Beine, so dass dieser schreiend zu Boden stürzt; Justin rennt in Haken auf den schießenden Trupp zu und kann in einer kaum nachzuvollziehenden Präzision im Lauf einen der vier übrigen Schützen nach dem anderen durch Kopfschüsse ausschalten, indem er zugleich dem Beschuss von den Dächern ausweichen muss. Bei dem sich blutend und schreiend auf dem Boden wälzenden Truppführer angelangt, tritt Justin diesem einfach in vollem Laufe brutal ins Gesicht, rollt sich hinter dem Mann ab, zieht ihn an den Haaren hoch und schlägt ihn mit dem Gesicht voran mit voller Wucht gegen die Fabrikwand, sodass der Killer verstummt. Justin schleift den reglosen Körper als Schutzschild neben sich her und läuft an der Fabrikwand entlang, indem er selbst immer wieder Treffer bei den Schützen auf den Dächern landet. Dabei schießen die Killer skrupellos weiter, wodurch Justins menschlicher Schutzschild zunehmend in eine blutüberströmte Masse verwandelt wird. Dann hat Justin wieder die aufgerissene Stelle im Zaun erreicht und wirft sich zusammen mit seinem menschlichen Schutzschild mitten ins Flussbett. Indem der andere zerschossene Körper weiter vorne vom Fluss mitgerissen wird und sich alles Wasser um ihn herum blutrot färbt, schwimmt Justin mit aller Kraft gegen den Wasserstrom an, um nicht zu weit vom Ufer wegzutreiben. Plötzlich und halb die Orientierung verlierend, prallt Justin mit dem Kopf gegen einen metallenen Gegenstand, der ihn hart ausbremst: dann ergreift ihn der metallene Gegenstand, der sich als bionische Hand herausstellt, und zieht ihn einfach nach oben aus dem Fluss. Justin findet sich, benommen durch den Schlag gegen seinen Kopf, im Würgegriff eines metallenen Arms wieder, der ihn am Flussufer senkrecht nach oben stemmt: Als Justin nach unten sieht, erblickt er den totgeglaubten Trevor Cort, der mit mordlüsternem Blick zu Justin aufsieht; Corts Unterkiefer besteht jetzt aus einem bionischen Implantat, und auch seine Brust ist von einem bionischen Metallpanzer überzogen. Im Würgegriff der metallenen Hand verliert Justin jetzt das Bewusstsein, indem Corts roboterartig röhrende Stimme erklingt: „Sperrstunde, Lieutenant!“

 

  • 8 –

  •  

Jessica erlangt das Bewusstsein zurück, indem sie spürt, wie ein äußerer Einfluss ihren Körper in hellwache Anspannung versetzt. Als das Bild vor ihren Augen wieder klar wird, findet sie sich in einem metallenen Stuhl gefesselt wieder und blickt Wright an, der auf sie herab sieht: sofort verfinstert sich Jessicas Blick wütend.

Wright: „Oh, bitte verstehen Sie mich richtig, Miss Ricks: es ist rein dienstlich – ich habe nichts Persönliches gegen Sie. Sie sind eine Top-Anwältin und ein Profi des Airfighter-Teams.“

Jessica, wütend: „Sie verzeihen, wenn ich das Kompliment nicht mit einem Handschlag annehmen kann.“

Wright lacht: „Und ich achte Ihre Schlagfertigkeit hoch!“

Jessica: „Ich fürchte nur, meine Schlagfertigkeit hat Sie noch nicht ausreichend überzeugt.“

Wright: „Oh doch, in der Tat: Sie sind ein würdiger Gegner im Nahkampf, Miss Ricks, und Sie haben meinen aufrichtigen Respekt.“

Jessica grinst sarkastisch: „Sie können sich kaum vorstellen, wie sehr mich das ehrt, Mister Wright.“

Wright: „Nun, kommen wir also zu den Tatsachen, mit denen Sie sich jetzt konfrontiert sehen.“

Jessica grinst noch einmal sarkastisch mit wütendem Blick.

Wright deutet auf die Ampulle, die direkt an Jessicas Vene im Arm angeschlossen ist:

Wir haben Ihnen eine Adrenalin-Infusion gelegt, damit wir Sie bei Bedarf augenblicklich wieder zu Bewusstsein bringen können.“

Jessica: „Wenn Sie meinen, das sei erforderlich.“

Wright weist auf den bereitliegenden Taser: „Damit haben Sie ja schon Bekanntschaft gemacht. Und das werden Sie wieder, wenn Sie sich im Verlaufe Ihrer Befragung nicht kooperativ zeigen.“

Jessica, kalt und völlig unbeeindruckt: „Wenn Sie denken, auf diese Weise bekämen Sie Informationen von mir...“

Wright sieht Jessica einen Moment lang fest in die Augen, dann lenkt er ein:

Ich denke, Sie haben Recht: das wird wirklich zu nichts führen, ich glaube Ihnen das.“

Jessica erwidert diesmal nichts und entgegnet Wright nach wie vor einen kalten, funkelnden Blick.

Wright: „Was wäre denn Ihr Vorschlag für eine kultivierte Konversation, Miss Ricks?“

Jessica grinst sarkastisch: „Wie wäre es, wenn wir abwechselnd unsere Fragen beantworten?“

Wright beginnt, begeistert zu grinsen.

 

  • 9 –

  •  

Zusammen mit den Agenten des MI6 ist die Politiker-Delegation durch den Seiteneingang eines Parkhauses am Themseufer in einen unterirdischen Gang geführt worden, der sie anschließend über einen Aufzug in das nach außen hin unauffällige Einsatzhauptquartier gebracht hat, das jetzt gleichzeitig als Safe House dient. Airfighter ist ebenfalls in dem unauffälligen Parkhaus gelandet, wo er von der Luft aus nicht zu sehen ist. Auf expliziten Wunsch von Bundeskanzlerin Meitner hin sind Chris, Juan und Manuel weiterhin unter den Sicherheitsagenten, die sich direkt bei der Delegation befinden: ihnen sind ein paar Räume zugeteilt worden, die direkt nebeneinander liegen und an eine kleine Wohnung erinnern – allerdings nach allen Seiten abgeschirmt.

Meitner: „Es ist sehr beunruhigend, wie gut diese Einheit ausgerüstet ist.“

Farrell: „Ebenso, dass sie uns genau ins Visier nehmen konnten und uns daher offenbar sehr genau beobachten können.“

Chris: „Wir haben kürzlich eine geheime Überwachungsanlage nahe Green-Stone-Town eingenommen, jedoch war sie nur ein Ablenkungsmanöver und wir konnten keinerlei Informationen aus den Datenbänken erhalten.“

Brunt: „Ebenso beunruhigend ist, dass diese Einheit unbemerkt außerhalb der Geheimdienste operiert.“

 

In einem anderen Raum des Safe House ist einer der Killerschützen auf eine Pritsche gefesselt und soll von zwei Agenten des MI6 verhört werden. Alexander Young-Smith und Collin Bancroft überwachen das Verhör.

Einer der Agenten spricht den Gefesselten mit bestimmendem Tonfall an:

Wer ist Ihr Auftraggeber und woher kannten Sie unseren Aufenthaltsort?!“

Der Mann auf der Pritsche schweigt und entgegnet einen Blick, der zeigt, dass er nicht das Geringste von sich geben wird.

Der Agent nickt dem anderen zu: daraufhin öffnet der zweite Agent eine Ampulle, aus der eine Flüssigkeit direkt in die Adern des Gefesselten strömt.

Young-Smith wendet sich im Hintergrund an Bancroft: „Wir sind mit der Dosierung des Wahrheitsserums von vornherein höher gegangen, damit wir keine Zeit verlieren.“

Bancroft blickt Young-Smith einen Moment lang in die Augen und wendet seinen Blick dann stumm wieder ab in Richtung der Pritsche.

 

  • 10 –

  •  

Auf dem metallenen Stuhl gefesselt, grinst Jessica Wright herausfordernd an:

Sie haben den Fehler Nummer 1 begangen, Mister Wright.“

Wright, selbst ungläubig grinsend: „Und ich dachte, unser Deal läuft gerade optimal, Miss Ricks!“

Jessica: „Bei einer so schwachen Ausgangsposition sollten Sie niemals einen Deal mit einer Topanwältin eingehen!“

Wrights Grinsen verschwindet und weicht einem Blick, der Jessica ihren Hochmut missgönnt.

Da setzt in Jessicas gefesseltem rechten Arm unter der Haut ein rotes Blinken ein.

Jessica erinnert sich daran, wie Agent Rimes ihr diese Sonde mit einer Hochdruck-Pistole implantiert hatte, kurz bevor sich beide trennten, um Wright in dem Waldstück um die Airfighter-Basis zu ergreifen.

Jessicas Haut platzt an der blinkenden Stelle auf, und mitsamt einem kräftigen Blutspritzer quillt das rot leuchtende Implantat aus der oberflächlichen Wunde in Jessicas Arm. Mit einem leichten Stoß ihres Arms gegen die Fesseln befördert Jessica das Implantat auf die Kontroll-Konsole, wo dieses eine Reihe von elektrischen Impulsen aussendet, die die Konsole kurzschließen: sofort lösen sich Jessicas Fesseln, und alle Instrumente fallen aus. Reaktionsschnell schmettert Jessica Wright eine der gelösten Metallklammern, die sie festgehalten haben, gegen den Kopf, so dass Wright zurück taumelt. Indem die Wachposten vergeblich versuchen, General Steele zu informieren, und auch die elektronisch verriegelte Tür nicht öffnen können, setzt Jessica einen nach dem anderen im Nahkampf durch präzise Manöver außer Gefecht. Währenddessen kann sich Wright wieder aufrappeln, und als Jessica gerade den letzten Wachposten außer Gefecht gesetzt hat, ergreift Wright den Taser und schießt ihn auf Jessica ab. Unkontrolliert zuckend, stürzt Jessica zu Boden. Wright grinst gönnend bei dem Anblick und schaltet den Taser schließlich ab. Er ergreift die Ampulle mit dem Adrenalin und verabreicht Jessica eine moderate Dosis, indem er sie ihr einfach per Hand in den Arm sticht. Unsanft wird Jessica wieder ins Bewusstsein zurück gerissen, als ihr das Adrenalin durch die Adern schießt: doch zugleich ist sie immer noch durch die schmerzhaften Elektroschocks gelähmt.

Wright beugt sich grinsend zu Jessica herunter:

Wer hat nun einen Fehler begangen, Anwältin Ricks?“

Jessica blickt vom Boden zu Wright empor: „Sie soeben den zweiten, Mister Wright!“

Abrupt rammt sich Jessica den kompletten Rest Adrenalin aus der Ampulle in den Arm: als Jessica die Wirkung nur eine Sekunde später spürt, reißt sie ihre Augen weit auf und gibt einen Schrei von sich, indem sie den erschrockenen Wright mit einem Schlag zur Seite fegt. Sogleich springt Jessica, wie von der Tarantel gestochen, vom Boden in den Stand zurück, und als Wright reaktionsschnell auf sie losgehen will, blockt Jessica seinen Schlag ab und prügelt Wright förmlich Schlag für Schlag im Rausche der vollen Adrenalindosis durch den gesamten Verhörraum: Wright hat keine Chance mehr gegen die entfesselte Jessica. Immer wenn der eigentlich kräftige Wright den Versuch unternimmt, Jessica einen Schlag zu versetzen, blockt Jessica diesen ab und versetzt Wright ihrerseits wieder drei harte Schläge, bis sie ihn bis zur Tür des Verhörraums geprügelt hat, wo Jessica Wright mit dem Kopf einfach wiederholt gegen die Tür rammt, bis er keinen Versuch mehr unternimmt, Gegenwehr zu leisten. Abschließend tritt Jessica Wright von unten mit dem Knie mit voller Wucht gegen den Kopf, so dass er nach hinten bewusstlos auf den Boden schlägt. Jessica nimmt zwei der Gewehre der Wachposten an sich und öffnet dann die mittlerweile nicht mehr kurzgeschlossene Tür. Sogleich richtet Jessica eines der Gewehre in den Gang aus, doch alles ist leer.

 

  • 11 –

  •  

President Brunt ist zusammen mit Chris in einen anderen Raum des gut bewachten Safe House getreten, um sich ungestört zu bereden.

Brunt: „Schwartz´ Einheit hat einen ganzen Teil Londons in Panik versetzt, sodass hier auch die Polizei nicht mehr für Ordnung sorgen kann. Dank Ihrer Hilfe konnten wir nur knapp entkommen – allerdings hat Schwartz´ Trupp dort draußen zurzeit eindeutig die Oberhand.“

Chris: „Schwartz hat uns in eine Sackgasse getrieben, und das weiß er auch. Das heißt, es ist nur eine Frage der Zeit, bis sein Trupp uns finden wird.“

Brunt: „Woher wussten Sie sofort, dass der Anschlag auf Schwartz´ Konto geht, Commander?“

Chris: „Er hat es mir gesagt.“

Brunt blickt erstaunt.

Chris fährt fort: „Er hat sich mit mir kurz vor Beginn des Anschlages in einem Pub unterhalten.“

Brunts Blick wechselt jetzt zu Unglauben: „Was wollte er von Ihnen?“

Chris, sofort antwortend: „Er hat mich beziehungsweise das Airfighter-Team vor die Wahl gestellt, Ihnen weiterhin zu folgen oder uns seiner Einheit anzuschließen.“

Brunts Blick zeigt seine ungute Ahnung.

Chris nickt: „Ja, er kennt offenbar die Hintergründe Ihres Amtsantritts.“

Um die Anschuldigung in seinem Tonfall etwas zu entkräften, fügt Chris anschließend hinzu:

Mister President.“

Jedoch zeigt Chris´ unveränderter Blick, dass er gerade unverblümten Klartext mit Brunt redet.

Brunt: „Wir beide haben gewusst, dass uns die Wahrheit irgendwann einholen wird.“

Chris: „Uns oder Sie, Mister President?

Brunt: „Ich habe Ihnen gesagt, dass ich, wenn es soweit ist, die Konsequenzen ziehen und zu meinen Taten stehen werde.“

Chris, verbittert: „Das ist wohl das Mindeste, was Sie tun sollten, Mister President.“

Brunt: „Sie, Commander, das Airfighter-Team, haben sich entschlossen, meiner Regierung zu folgen – und Sie machen Ihren Job wirklich hervorragend, Commander.“

Chris´ Blick und Tonfall zeigen seine Abscheu:

Wenn es nach unserer Moral gegangen wäre, hätten wir das nicht getan!“

Brunt: „Sie sind die Guten, Commander, und das sind Sie mit dieser Entscheidung auch geblieben – und jetzt muss ich Ihre absolute Zusicherung haben, Commander!“

Chris entgegnet Brunt einen hin- und hergerissenen Blick.

Brunt, mit eindringlichem Blick und Tonfall: „Ich muss wissen, Commander, dass ich mich auf Sie, das Airfighter-Team, bei dem, was jetzt kommt, einhundertprozentig und absolut kompromisslos verlassen kann!“

Chris´ Blick geht in so etwas wie überraschte Erwartung über.

 

  • 12 –

  •  

Judy und Tanja treffen mit einem Polizeitrupp in dem Abwassertunnel bei Raffael und Bill ein; zugleich sind einige Mitglieder aus Raffaels Gruppe mit zwei Hovercrafts über den unterirdischen Wasserlauf hier eingetroffen. Bill ist inzwischen wieder auf den Beinen und wirkt gefasst.

Judy: „Und du hältst es für die beste Alternative, ihnen weiterhin durch den Tunnel zu folgen?“

Bill: „Justin hat das schon getan, Judy – wir müssen ihm zur Unterstützung hinterher!“

Judy: „Schon gut, ich stimme dir da absolut zu, Bill. Nur gefällt mir das Ganze nicht!“

Tanja nickt zustimmend: „Seitdem wir den Commodores in die Falle gegangen sind, haben wir schon eine Reihe sehr guter Leute verloren, Bill.“

Bill erwidert einen von Schmerz erfüllten Blick.

Tanja entgegnet einen wissenden Blick voll Traurigkeit:

Wir dürfen uns auf keinen Fall in eine Vendetta verzetteln.“

Bill: „Willst du nicht auch noch aus den Vorschriften zitieren?“

Judy, barsch ermahnend: „Bill!“

Bill hält mit nach wie vor Schmerz erfülltem Blick inne und atmet einmal tief durch:

Tut mir leid, Tanja.“

Tanja: „Das weiß ich doch, Bill.“

Judy: „Vor allem müssen wir befürchten, dass uns die Commodores erneut einen Schritt voraus sind.“

Bill blickt nachdenklich durch die Runde: ihm sind seine Hin- und Hergerissenheit und zugleich der Drang, die Commodores zu fassen, anzusehen.

Raffael entgegnet Bill einen bereiten und zugleich auf Bills Entscheidung wartenden Blick.

Bill blickt wieder Tanja und Judy in die Augen: „Wir können Shimato so nicht entkommen lassen – und wir müssen Justin Rückendeckung geben, Leute!“

Tanja und Judy wechseln einen Blick und antworten dann einträchtig: „Dann lass uns das tun, Bill!“

Bill nickt Raffael zu, und dieser gibt seinen Leuten sofort das Kommando:

Warren, ihr folgt uns – Leute, es geht gegen die Commodores!“

Warren besteigt mit einigen anderen das zweite Hovercraft, während Bill, Tanja und Judy Raffael zusammen mit einigen weiteren Officers auf das erste Hovercraft folgen.

 

  • 13 –

  •  

Im Safe House steht Chris inzwischen mit Juan und Manuel in einem Nebenraum.

Chris wechselt einen eindringlichen Blick mit den beiden:

Es ist wichtig, dass wir die Befehle genau so ausführen.“

Juan und Manuel erwidern Chris gebannte Blicke.

Chris: „Steht ihr dahinter?“

Juan: „Das tun wir, Commander.“

Manuel: „Du kannst dich auf uns verlassen, Chris.“

Chris´ Blick zeigt Juan und Manuel sein tiefstes Vertrauen in sie: „Dann lasst es uns angehen!“

Die beiden nicken Chris einvernehmlich zu.

Im selben Moment meldet sich Airfighter über Watchcomm: „Chris, ich empfange aus einem der leerstehenden Nebengebäude ein Signal, das inzwischen seit einigen Minuten dort auf der Stelle verharrt.“

Juan und Manuel blicken sofort auf.

Chris klingt gefasst: „Ich möchte das mal spontan als Einladung zu einer weiteren Unterhaltung auffassen.“

Manuel: „Jetzt wirklich?“

Juan, beunruhigt: „Meinst du, Schwartz weiß nach wie vor, wo wir uns aufhalten?“

Chris: „Selbstverständlich bleiben wir nach wie vor hier im Safe House – und somit eigentlich auch ungesehen.“

Chris blickt in die Richtung, in die Airfighter ihm auf dem Display des Watchcomms die Richtung des Signals weist – auch wenn Chris hier nur gegen eine Wand sieht:

Aber darüber hinaus habe ich das Gefühl, können wir nichts mehr vor Schwartz geheim halten.“

Manuel und Juan wechseln mit Chris einen Blick der angespannten, sofortigen Einsatzbereitschaft.

 

  • 14 –

  •  

Jessica stürmt im Adrenalinrausch durch den metallenen Korridor, an dessen Ende sie einen blau leuchtenden Schein erkennen kann. Jessica rennt zum Ende des Korridors und erblickt hier die große in den Fels geschlagene Halle, in deren Mitte eine Art Reaktorkammer steht, aus deren Sichtfenstern das blaue Leuchten strahlt. Jessica steht der Schweiß auf der Stirn, und sie bemerkt, wie ihre Hände leicht zittern. Mit voller Kraftanspannung rennt sie einen in den Fels geschlagenen Gang entlang, der die Felsenhalle umrundet: sie versucht, auf diese Weise weiteres Adrenalin abzubauen. Als sie auf der gegenüberliegenden Seite angelangt ist, hält sie inne und versteckt sich zwischen den Felsen. Unten inspiziert der dunkelhaarige General Steele gerade mit zwei Technikern die leuchtende Kammer: Jessica erkennt, dass diese sogar von mehreren Gasdruckflaschen mit flüssigem Stickstoff reguliert gekühlt wird.

Einer der beiden Techniker weist auf die digitale Statusanzeige: „Alles innerhalb optimaler Parameter, General Steele: anleitungsgetreu nach den damaligen Vorgaben aus Area 51 rekonstruiert. Das Kraftfeld hält dem Massefeld stand.“

Steele streicht mit seiner rechten Hand zufrieden über die metallene Außenwand der Kammer:

Sehr gut, es ist essentiell, dass wir Objekte bis zu der vorgesehen Masse sicher auf kontrollierten Flugbahnen bewegen können.“

Es wird so funktionieren, General.“

Steele blickt weiterhin auf die Metallwand, indem er wie beiläufig zu einem der bewaffneten Wachposten spricht: „Wissen Sie, was jetzt wirklich optimal wäre? – Wenn Sie unterbunden hätten, dass Anwältin Ricks uns hier unbemerkt beobachtet!“

In der glänzenden Metallwand hat Steele seit ein paar Sekunden die Reflexion Jessicas oben zwischen den Felsen gesehen. Reaktionsschnell hat Steele den Wachposten einfach niedergeschlagen und diesem dabei das Automatikgewehr entrissen, mit der er sogleich das Feuer auf Jessica eröffnet. Jessica springt in einem weiteren Adrenalinschub ein paar Meter weit den an der Felswand entlang laufenden Gang nach vorn, rollt sich ab und erwidert sofort das ununterbrochene Feuer aus beiden Automatikgewehren gleichzeitig! Indem die Wissenschaftler Hals über Kopf hinter den technischen Anlagen in Deckung springen, beschießen Jessica, Steele und die übrigen Wachposten einander: Jessica rennt dabei den erhöhten Gang immer weiter an der Felswand entlang und erledigt dabei einen der brutal schießenden Wachposten nach dem anderen – nur General Steele bleibt standfest in der Mitte der großen Felsenhalle stehen und feuert ununterbrochen auf Jessica, hinter der die Felsen überall zerschmettert werden. Im vollen Rausche des Adrenalins springt Jessica am Ende des Ganges einfach über das Geländer nach unten in die Halle, während Steeles Automatikkugeln hinter ihr her jagen. Unten rollt sich Jessica ab, springt mit voller Wucht hoch und kickt Steele das Gewehr aus der Hand und diesen zugleich durch die Luft gegen die metallene Kammer, wo Steele unsanft gegen die Wand prallt. Mit einem Wutschrei tritt Jessica eine der Hochdruckflaschen mit flüssigem Stickstoff hoch, sodass diese in Richtung der großen Panoramascheibe fliegt: Jessica eröffnet das Automatikfeuer auf die Flasche, und im selben Moment, in dem die Flasche gegen die Scheibe prallt, explodiert sie. In einem gewaltigen Donnerschlag wird die komplette Panoramascheibe zerfetzt, und der explosionsartig verdampfende Stickstoff durchflutet den höher gelegenen Kontrollraum hinter der ursprünglichen Scheibe, wo er die gegenüberliegende Panzerglasscheibe schockgefriert und den gesamten Kontrollraum zugleich überflutet: wie kochendes Wasser auf einer heißen Herdplatte verdampft der restliche Stickstoff überall auf den Armaturen und Computerkonsolen. Als sich Steele, durch die Explosion etwas benommen, wieder aufrappelt, geht er in den Nahkampf mit Jessica über und versetzt Jessica eine schnelle und präzise Folge von harten Schlägen in den Bauch und gegen den Kopf. Doch in einem erneuten Adrenalinschub, der Jessicas Puls bis an die Grenze zum Kollaps in die Höhe schießen lässt, schlägt Jessica Steele kurzerhand die zweite Flasche mit flüssigem Stickstoff frontal gegen den Kopf. Dann stürmt Jessica die metallene Treppe nach oben, die eigentlich vor der Panoramascheibe entlang verläuft, und kann jetzt aber durch die zerborstene Scheibe direkt in den Kontrollraum springen. Mit Anlauf springt sie gegen die schockgefrorene Panzerglasscheibe und durchbricht diese: im tiefer gelegenen Flughangar fängt Jessica ihren Sturz auf einer Flugmaschine ab und rutscht, den Schwung nutzend, über den linken Flügel von der Maschine herab.

General Steele hastet ebenfalls die Metalltreppen in den Kontrollraum hinauf und sieht gerade noch, wie Jessica mit einer startenden Flugmaschine in den herabstürzenden Wasserfall am offenen Ende des Felsenhangars hinein fliegt und hinter den Wassermassen verschwindet. Der von Steele niedergeschlagene Wachposten ist inzwischen wieder auf den Beinen und ist unsicher neben den General getreten: „Befehle, General?“

Steele blickt den ebenfalls Uniformierten fast schon genervt an, indem er lediglich seine Augen zur Seite rollt, um den Mann anzusehen.

In scheinbar unbekümmertem Tonfall antwortet Steele:

Sie können einen Trupp damit beauftragen, die Glasscheiben zu reparieren.“

 

  • 15 –

  •  

Sofort nach dem Durchbrechen des Wasserfalls zieht Jessica die Flugmaschine steil nach oben und blickt auf den aus ihrer Haut hervor geplatzten Sensor. Sie bemerkt, dass ihre Hände wieder zittern, und fokussiert sich, um die Wirkung des Adrenalins zu mindern.

 

In der Einsatzzentrale der hoch über Green-Stone-Town stationierten Police-Airbase_002 wird Captain Towers gerade an eine der Überwachungsstationen gerufen.

Der Offizier zeigt dem Captain ein gerade aufgefangenes Ortungssignal.

Towers nickt: „Das ist es, sehr gut! Öffnen Sie einen Kanal zum CIA-Hauptquartier!“

Aye, Sir.“

 

In einem Überwachungsraum im CIA-Hauptquartier in Green-Stone-Town blickt Agent Luke Rimes von einem der Monitore auf, auf dem das Gesicht Captain Towers´ zu sehen ist.

Rimes: „Danke, Captain. Es muss umgehend eine bewaffnete Aufklärerstaffel der Airforce auf Miss Ricks´ Koordinaten geschickt werden!“

Towers auf dem Bildschirm: „Ich werde das veranlassen.“

Rimes: „Nochmals danke, Captain.“

Rimes dreht sich zu einem der anderen Agents im Raum und nickt diesem auffordernd zu.

 

In der Computerzentrale der aktuell über Green-Stone-Town Position haltenden Airfighter-Basis sieht Ned Burton ebenfalls das Gesicht Captain Towers´ auf einem der Bildschirme.

Ned: „Verstanden, Captain Towers, Rendezvous-Manöver mit Jessica ist programmiert.“

Towers: „Viel Erfolg, Commander Burton!“

Ned: „Danke, Captain.“

 

In Außenansicht ist mitzuverfolgen, wie ein vom Flachdach des CIA-Hauptquartiers aus gestarteter Helikopter in die geöffnete Landebucht für Airfighter hinein fliegt. Dann beschleunigt die Airfighter-Basis auf ihren Kurs, während zugleich im unteren Teil der Ansicht eine Staffel aus Airforce-Jägern von ihrem großen Landefeld aus startet. Im oberen Teil der Ansicht bleibt Police-Airbase_002, vor dem Hintergrund des blauen Himmels patrouillierend, zurück.

 

  • 16 –

  •  

Die beiden Hovercrafts sind inzwischen aus dem unterirdischen Abwassertunnel heraus gelangt und fahren jetzt ebenfalls an dem abgesperrten Fabrikgelände vorbei.

Bill und Judy wechseln einen Blick miteinander, ebenso mit Raffael und Tanja.

Tanja weist auf die Stelle, wo der Zaun eingerissen ist: „Ich denke, das sieht deutlich aus.“

Das Hovercraft mit Bill, Raffael, Judy, Tanja und einigen weiteren Polizisten legt an der Böschung an, die direkt zu der eingerissenen Stelle im Zaun hoch führt. Das zweite Hovercraft bezieht mitten im Flussbett Position, indem der Motor gegen die Wasserströmung steuert. Während der Polizeitrupp vom ersten Hovercraft zum Fabrikgelände hinauf pirscht, begibt sich Warren unauffällig zum hinteren Teil seines Hovercrafts und öffnet den Benzintank sowie das Auslaufventil der Ölwanne: Benzin und Öl laufen mit mittlerer Geschwindigkeit in den Fluss und bilden an der Wasseroberfläche einen schmierigen Film, der sich langsam um das weiter vorn angelegte andere Hovercraft ansammelt. Warren entnimmt die Leuchtpistole für SOS-Signale aus ihrer Sicherheitskammer und geht langsam von Bord des Hovercrafts. Vorsichtig, aber zugleich schnell und präzise stößt der Polizeitrupp unter der Leitung von Bill, Judy und Tanja auf das Fabrikgelände vor: die Officers beziehen hinter kleinen Mauern oder Schrotthaufen Stellung und nehmen sofort das gesamte Gelände – soweit überschaubar – ins Visier. Da öffnet sich eine der verrosteten und nur noch halb im Scharnier hängenden Türen zur verfallenen Fabrikhalle, und Shimato tritt langsam mit erhobenen Händen heraus: sofort richten sich alle Waffen auf ihn.

Bill ruft laut: „Was soll das jetzt werden?!“

Shimato antwortet laut, so dass seine Stimme über das ganze Gelände hallt:

Ich möchte Ihre eifrige Suchaktion nur mit einem Erfolgserlebnis krönen...“

Bill kneift misstrauisch die Augen zusammen und lässt seinen Blick angespannt immer wieder über das Fabrikgelände schweifen, indem Shimato mit leiserer Stimme hinzufügt:

..., bevor Sie liquidiert werden!“

Tanja erspäht die in diesem Augenblick auf dem flachen Fabrikdach auftauchenden bewaffneten Commodores: „Auf dem Dach!!“

Die Killer auf dem Dach richten ihre Waffen aus.

Bill: „Feuer frei!!“

Im nächsten Moment beginnt ein Schussgefecht zwischen den Killern der Commodores auf dem Fabrikdach und den hinter den Schrotthaufen und Mauern auf dem Fabrikgelände verschanzten Polizisten.

Judy: „Ein verdammter Hinterhalt!“

Bills Blick zeigt Schuldbewusstsein, während er unentwegt das Feuer erwidert.

Sowohl vereinzelte Commodores als auch Polizisten werden von Schüssen getroffen.

Bill ruft dem Trupp gegen den Schusslärm zu: „Gezielte Liquidationsschüsse!“

Tanja und Judy zeigen kurz erschrockene Blicke, nicken Bill dann aber bestätigend zu, dessen Blick wiederum eine Mischung aus Verzweiflung und Wut zeigt.

Inmitten des Kugelhagels senkt Shimato völlig unbeeindruckt seine Hände und holt eine kleine Fernbedienung aus seiner Jackentasche. Während überall um ihn herum die Kugeln einschlagen, aktiviert er die Fernbedienung und nickt Bill dabei, böse grinsend, zu.

Bill ahnt Schreckliches und brüllt aus vollem Hals gegen den Schusslärm: „Nein!!!“

Tanja blickt erschrocken zu Bill, als in dem Schrotthaufen, hinter dem sich Tanja verschanzt hat, ein rotes Lämpchen aufleuchtet. Mit seinem diabolischen Grinsen drückt Shimato einen Knopf auf der Fernbedienung, und Tanja kann noch kurz aufblicken, als unmittelbar neben ihr der komplette Schrotthaufen in einer gewaltigen Explosion zerfetzt wird, die Trümmer wie Granatsplitter über das Gelände schießen und ein loderndes Meer aus Stichflammen hinterher fegt. Voller Verzweiflung und im Rausche unendlicher Wut kommt Bill aus seiner Deckung und schießt sich den Weg in Richtung Shimato gegen die Killer auf den Dächern frei, von denen er eine ganze Reihe präzise hintereinander ausschaltet. Im selben Moment kommt Raffael mit zweien seiner Jungs durch das Loch im Zaun auf das Fabrikgelände, und sie eröffnen mit einem Raketenwerfer das Feuer auf die Dachschützen: komplette Teile des Daches werden bei den wiederholten Einschlägen zerfetzt, bis schließlich die komplette Fabrikhalle mit einem ohrenbetäubenden Donnern einstürzt. Bill sieht durch die aufgewirbelten Staubwolken hindurch, wie Shimato die Flucht zum gegenüberliegenden Zaun ergreift, wo ein Teil der Fabrikwand den Zaun durchschlagen hat und jetzt wie eine Brücke aus Trümmern über den Bach hinweg führt. Im Rausche seiner Wut und Trauer rennt Bill hinter Shimato her, während Judy mit den übrig gebliebenen Polizisten das Fabrikgelände sichert und Raffael mit den beiden Jungs dazu stößt. Als Bill die Trümmerbrücke über den Bach erreicht, sieht er, dass das andere Ufer aus einer steil aufragenden Böschung besteht, die von dicken Fichtenwurzeln durchzogen ist: gerade verschwindet der hastig nach oben kletternde Shimato weiter hinten zwischen den Wurzeln. Sofort steckt Bill seine Waffe ein und rennt über die Trümmerbrücke, um aus vollem Lauf in die Böschung zu springen, wo er sich in den Wurzeln festklammert und, vor Wut und Anstrengung schnaubend, hinter Shimato her klettert.

 

  • 17 –

  •  

Das Untergeschoss eines leerstehenden, mehrstöckigen Hauses unweit des Themseufers: Die Räume gehen offen ineinander über und sind von Möbeln leer geräumt, vereinzelt flattern Plastikfolien an den türlosen Rahmen im leichten Wind vor dem Hintergrund der tristen Betonkulisse, die ein wenig an ein Labyrinth erinnert – von draußen sind entfernte Schussgeräusche zu hören, ansonsten gespenstische Stille.

Chris betritt das Geschoss und geht mit völlig regloser Miene in die Mitte eines der leerstehenden, kahlen Räume: hier steht Carl Schwartz absolut regungslos und hebt in diesem Augenblick seinen Blick. Die tristen Betonwände, das relativ schwache Licht und der leichte Wind mit den flatternden Folien lässt den reglosen Schwartz schon beinahe gespenstisch erscheinen, während Chris, der gerade den Schatten einer Wand durchquert, Schwartz wie ein automatisch näher kommendes Hindernis ansteuert. Indem Chris wieder aus dem Schatten heraus in den schwachen Lichtschein tritt, verkleinern sich seine Pupillen. Schwartz erwidert Chris einen emotionslosen Blick.

Schwartz: „Sie müssen das nicht tun, Commander.“

Chris: „Was? – Sie daran hindern, die Staatsführer gleich dreier Länder zu liquidieren?!“

Schwartz: „Sich zwischen die Fronten stellen.“

Chris lacht kurz sarkastisch. Dann liest er in Schwartz´ Miene.

Chris: „Sie meinen das wirklich ernst, nicht wahr?“

Schwartz nickt: „Wieso folgen Sie Ihrem Präsidenten noch, Commander? Er hat das nicht verdient.“

Chris, barsch: „Lassen Sie das mal unsere Sorge sein, Schwartz.“

Carl: „Für Sie als Airfighter-Team gibt es nur eine konsequente Option, Commander: schließen Sie sich uns an und operieren Sie mit uns ungesehen und außerhalb des nationalen und internationalen Rechts. Ihnen steht dieses Privileg zu!“

Chris grinst erneut sarkastisch: „So nennen Sie das, dass Sie niemandem gegenüber mehr Rechenschaft ablegen müssen.“

Carl: „Wie auch immer Sie das sehen, Commander: auf jeden Fall müssen Sie dann nicht länger die Bürde ihres Gewissens tragen, wie Sie einer solchen Regierung nur folgen können!“

Chris will ansetzen zu antworten, bringt aber aus offen stehendem Mund nichts heraus.

Carl sieht Chris genau in die Augen, indem er beginnt, langsam und mit verstehendem Blick zu nicken.

 

Alexander Young-Smith wendet sich an Collin Bancroft:

Das Wahrheitsserum zeigt keinerlei Wirkung!?“

Bancroft blickt zu dem Gefesselten auf die Pritsche hinab, als plötzlich einer der beiden daneben stehenden Agenten seine Waffe zieht und damit unerwartet den Agenten neben sich sowie die beiden an der Tür Wache haltenden Agenten erschießt. Reaktionsschnell ziehen Young-Smith und Bancroft ihre Waffen, doch der Mann auf der Pritsche hat die ihm angereichte Waffe ergriffen, sodass jetzt beide das Feuer eröffnen. Bancroft sieht noch, wie Young-Smith getroffen gegen die Wand geschmettert wird, und kann sich selbst noch knapp mit einem Sprung durch die geschlossene Tür in den Flur retten, den er sofort entlang rennt und lauthals brüllt:

Wir haben einen Code Rot – internes Lack!!“

 

Carl: „Denn, Commander, eines sollte Ihnen klar sein, wenn Sie das nicht schon begriffen haben: unsere Leute sitzen bereits in sämtlichen Sicherheitsdiensten weltweit.“

Chris hört weiter hinten Schüsse aus Richtung des Safe House.

Carl: „Und unsere Leute sind schon längst auf ihren Posten, und zwar genau dort, wo wir sie brauchen.“

Undeutlich und gedämpft hört Chris Bancrofts Brüllen.

Carl: „Wir liquidieren die von uns ausgemachten Bedrohungen, Commander Hawk – um jeden Preis!“

Chris rennt zurück zum Safe House: sein Gesicht zeigt, dass er offensichtlich das Schlimmste befürchtet.

 

  • 18 –

  •  

Hoch über dem Gebirgsmassiv ist Jessica mit dem Airforce-Geschwader und der Airfighter-Basis zusammengestoßen und setzt Kurs zurück auf die geheime Basis.

In der Computerzentrale der Airfighter-Basis sitzen Ned Burton und Luke Rimes vor den zahlreichen Kontrollen und sehen Jessica im Cockpit auf einem der Bildschirme.

Ned: „Ich bin froh, dass es dir gut geht, Jessica.“

Jessica: „Danke, Ned – allerdings wir müssen uns umgehend um diese Geheimstation kümmern: sie haben, wie ich das einschätzen kann, einen weiteren Graviton-Emitter konstruiert, ähnlich wie der CIA damals in Area 51.“

Rimes: „Sehr gute Arbeit, Miss Ricks. Unser Geschwader nimmt sich der Sache an.“

 

Im Kontrollraum der Geheimbasis, der sich erhöht über dem Flughangar befindet, meldet einer der vor den Überwachungskontrollen sitzenden Posten: „Airforce-Geschwader im Anflug, General!“

General Steele antwortet mit erschreckend gefasster und ruhiger Stimme:

Initiieren Sie den Graviton-Loop, sobald Sie bereit sind.“

Aye, Sir – Initiierung wird eingeleitet!“

General Steele hebt erwartungsvoll seinen Blick, der zufriedene und absolute Selbstsicherheit offenbart.

 

Der Funkspruch des Airforce-Geschwaderführers geht in der Airfighter-Basis ein:

Unsere Sensoren können keinerlei Energieaktivität auf den angegebenen Koordinaten registrieren, noch nicht einmal den Berg oder den Wasserfall selbst!“

Rimes runzelt die Stirn: „Wie kann das sein?“

Der Airfighter-Computer hat gerade seine Analyse abgeschlossen:

Unter der Annahme, dass es dort einen funktionierenden Graviton-Emitter gibt, ist es möglich, dass dieser jetzt ein so starkes Gravitationsfeld erzeugt, dass sogar elektromagnetische Impulse abgelenkt werden.“

Ned: „Das heißt, sie können unsere Signale ablenken und bleiben für unsere Sensoren unsichtbar.“

Computer: „So ist es.“

Jessica antwortet dem Funkspruch:

Wir müssen Sicht-Zielerfassung durchführen – unsere Sensoren werden gestört.“

Der Geschwaderführer antwortet: „Verstanden, Airfighter-Basis!“

Da wird mit einem tiefen und unbeschreiblichen Dröhnen die Bergspitze abgetragen, indem die massiven Felsbrocken von blau leuchtenden Feldern umschlossen werden und in einem unglaublichen Anblick einfach nach oben schweben; der Wasserfall hört allmählich auf zu fließen, bis die Wassermassen einfach frei in der Luft schweben bleiben. Während die Felsbrocken ringförmig auseinander schweben, taucht die nun offene Kommandozentrale mit General Steele auf, die nun von grün leuchtenden Laserstrahlen nach außen hin abgeschirmt ist: diese Laserstrahlen werden jetzt ebenfalls gekrümmt und schließen sich über der Kommandozentrale zusammen, so dass ein geschlossenes, grün leuchtendes Laserfeld entsteht.

Steeles Blick funkelt vor Zufriedenheit.

Langsam beginnen die Felsbrocken, auf das Airforce-Geschwader und die Airfighter-Basis zu zu schweben und dabei, von den blau schimmernden Feldern umgeben, bedrohlich um sich selbst zu rotieren. Luke Rimes, Ned Burton und Jessica Ricks blicken wie erstarrt durch die Sichtluke auf die draußen in großer Höhe über dem Gebirgsmassiv schwebenden Felsen.

Rimes: „Verdammt, der Graviton-Emitter ist schon voll einsatzfähig!“

Ned öffnet erneut den Funkkanal zum Geschwader: „Ausweichformation einnehmen!“

Jessica: „Auf Einschlag vorbereiten!“

 

  • 19 –

  •  

Bill klettert hastig und schnaubend durch die Wurzeln den Hang hinauf, als ihm aus einem Hohlraum hinter den nächsten Wurzeln eine Faust genau ins Gesicht schmettert. Doch schon den nächsten Faustschlag fängt Bill einfach mit seiner Hand ab und zieht Shimato an dessen Faust gewaltsam hinter den Wurzeln hervor und wirft ihn kopfüber den Hang hinunter, wo sich Shimato aber sofort wieder in den Wurzeln auffängt. Bill schwingt sich an einer breiten und quer gewachsenen Wurzel vor ihm zu Shimato hinab, wo sofort ein brutaler Nahkampf zwischen den beiden sich in den Wurzeln festhaltenden beginnt. Shimato verpasst Bill einen Kinnhaken und zwei schnell aufeinanderfolgende, brutale Schläge in die Seite, doch dann lässt Bill seiner Wut freien Lauf und prügelt ununterbrochen und so schnell auf Shimato ein, dass dieser nur noch wenige der Schläge abblocken kann und selbst keine Gelegenheit mehr bekommt, zu einem weiteren Schlag auszuholen: Shimatos Gesicht wird zusehends verbeult und beginnt zu bluten. Shimatos Überlegenheitsgefühl ist völlig aus seiner Mimik verschwunden, stattdessen versucht er sich nun verzweifelt, gegen Bills Attacken zu wehren, indem Bill, rasend vor Wut, auf Shimato einschlägt: beide befinden sich in einem Hohlraum im Erdhang zwischen den dicken Baumwurzeln.

Unten hat Judy gerade wieder das Fabrikgelände verlassen und klettert im Fluss zurück auf das Hovercraft. Warren steht am selben Flussufer wie Bill und Shimato, allerdings weiter flussaufwärts und unterhalb des Erdhangs mit den zahlreichen Baumwurzeln.

Der verbeulte und blutende Shimato stellt, während er von Bill verprügelt wird, Sichtkontakt zu Warren her und nickt diesem aus anschwellenden Augen zu. Bill hat Shimatos Nicken bemerkt, dreht seinen Kopf in dieselbe Richtung und sieht gerade noch, wie Warren die Leuchtpistole in den Fluss abfeuert: Sofort geht das gesamte Flussbett entlang der ausgelaufenen Ölspur in Flammen auf. Bill hat Judy noch kurz schreien gehört: „Verdammt, was soll...?!!“

Die Mischung aus Entsetzen, Schock, Schmerz und rasender Wut in Bills Gesicht ist schier unbeschreiblich. Da nutzt der blutende Shimato den Moment aus und rammt Bill seinen Fuß in den Bauch und verpasst Bill mehrere Faustschläge ins Gesicht und in die Seiten. Ein weiteres Mal explodiert Bill und brüllt laut und unter Tränen, indem er Shimato am Kopf festhält und diesen mehrfach in sich überschlagender Wut gegen die Wurzeln und den Erdhang rammt, sodass Shimato jetzt überall am Kopf blutet; schließlich reißt Bill Shimatos Kopf so brutal zu sich, dass Shimatos metallene Halsmanschette aufbricht und Shimato mit einem erstickenden Schmerzensschrei seinen Kopf in einer ungesund verrenkten Schiefhaltung baumeln lässt. Doch da explodiert das im brennenden Flussbett stehende Hovercraft, dessen Öl ausläuft, woraufhin Bill durch die gewaltige Schockwelle erfasst und von oben zurück in den Fluss geschleudert wird. Er fällt ins Wasser, wo das Öl schon zu verdünnt ist, um noch zu brennen, und geht hier allerdings reglos unter. Shimato blickt aus geschwollenen Augen hinterher und renkt seinen schiefen Hals mit einem ungesunden Knacken und schmerzverzerrtem Gesicht wieder ein.

 

  • 20 –

  •  

Im Safe House sind Meitner, Brunt und Farrell von den Sicherheitsposten unter der Anleitung durch Bancroft durch einen Flur zum zweiten Ausgang gedrängt worden, während sich Juan und Manuel mit den übrigen Sicherheitsposten am vorderen Flurende verschanzt haben und das Feuer auf einen herbei stürmenden Trupp Bewaffneter erwidern. Eine Automatikschussfolge schlägt brutal in den Sicherungskasten in der Flurwand ein, wodurch Kurzschlüsse einsetzen und die Tapete in Flammen aufgeht. Chris tritt im Treppenhaus eine Tür auf, nachdem er die letzten Stufen mit einem Satz herauf gesprungen ist: In diesem Moment, als sich die Schützen zu ihm umdrehen, spricht die Löschvorrichtung an, und überall spritzt Wasser von der Decke, da mittlerweile die komplette Flurwand in Flammen steht. Juan, Manuel und Chris koordinieren ihr Vorgehen durch lediglich einen kurzen, einvernehmlichen Blick: Während Manuel und Juan die Schützen unter ununterbrochenen Beschuss nehmen und somit Chris Feuerschutz geben, rennt Chris zwischen den Schützen hindurch, springt einmal durch die Flammen im Flur und rollt sich zwischen der Delegation und den Schützen ab. In Flammen stehend, springt Chris in den Stand zurück und, während das Wasser seine Kleidung löscht, eröffnet er bereits das Feuer auf die Schützen. Gleichzeitig wechseln Manuel und Juan ihre Schusspositionen, indem sie dauerfeuernd einmal über Kreuz durch den Flur gehen und dadurch die Schützen verwirren. Bancroft gibt den Politikern am anderen Ende des Flures ebenfalls Feuerschutz, als die Tür des zweiten Ausgangs von außen gewaltsam aufgebrochen wird und auch von hier ein Trupp Schützen in den Flur stürmt und bereits die ersten Sicherheitsposten erschossen hat. Jetzt eingekesselt zwischen den Schützen, erkennen Chris, Juan, Manuel und Collin Bancroft ihre Lage und stellen das Feuer ein. Durch die Rauchschwaden in der zerstörten Tür des zweiten Ausganges tritt eine weitere Person in den Flur, die nach dem Durchschreiten der Rauchschwaden als Carls Schwartz zu erkennen ist, der gerade seinen Blick hebt:

Jetzt stehen Sie vor der Entscheidung, Commander Hawk.“

Allen im Flur läuft das Wasser aus den Haaren über das Gesicht und den ganzen Körper herunter.

Schwartz ergänzt in gespenstisch ruhigem, aber eindringlichem Tonfall:

Wir haben Sie alle im Visier, Commander, aber nur um einen von Ihnen geht es uns!“

Chris dreht sich mit seiner nach wie vor ausgerichteten Automatikwaffe um, streift dabei die Blicke Juans und Manuels und fixiert mit seinem Blick anschließend President Brunt. Dann drückt Chris ab, und infolge der donnernden Schussfolge wird Brunt rückwärts in den Flur geschleudert, wo er auf den unter Wasser stehenden Flurboden stürzt und reglos liegen bleibt.

Chris Blick bleibt emotionslos und fokussiert.

Schwartz nickt seinen Schützen augenblicklich zu, die Waffen zu senken.

 

  • 21 –

  •  

Die Dunkelheit weicht dem Anblick eines durch Betonwände begrenzten Raumes, als Justin Bowers unsanft wieder zu Bewusstsein kommt: Er realisiert, dass er von zwei Personen gewaltsam mit auf den Rücken gedrehten Armen festgehalten wird, indem ein dritter Mann ihn am ganzen Körper durchsucht. Justin sieht, dass ihm einige Kleidungsstücke zur besseren Durchsuchung ausgezogen worden sind.

Da erst erblickt Justin den an einen Cyborg erinnernden Trevor Cort, der an der gegenüberliegenden Betonwand steht.

Mit angsteinflößender Stimme röhrt dieser: „Bruchlandung, mein Junge – du bist völlig allein ohne Verstärkung in unsere Falle gelaufen, und jetzt haben wir dich hier in unserer Gewalt!“

Der ihn durchsuchende Mann ist mittlerweile, vor Justin kniend, bei dessen Füßen angekommen.

Justin, scheinbar von Corts Auftreten unbeeindruckt: „Das hat seine Gründe gehabt.“

Cort lacht abgrundtief böse: „Sicher doch – ich bin sehr beeindruckt von deinem Rachefeldzug.“

Justin: „Glaube mir, das war erst der Anfang.“

Cort tritt jetzt langsam auf Justin zu, indem er bedrohlich seine metallische Hand in einer Geste des Zerquetschens genau vor Justins Augen hält: „Was jetzt kommt, wird für dich sehr langsam und schmerzhaft werden, mein Junge.“

Der vor Justin Kniende zieht diesem gerade den rechten Schuh aus.

Justin entgegnet Cort völlig unbeeindruckt: „Für dich und alle hier wird, was jetzt kommt, schnell und endgültig werden, du Schrotthalde!“

Aus Justins ausgezogenem Schuh kullert eine kleine Sprengkapsel heraus, die bereits in sehr kurzen Abständen rot blinkt.

Der vor Justin Kniende brüllt: „Scheiße, der Sprengsatz ist scharf!“

Cort röhrt Justin abgrundtief böse an, indem er jetzt direkt vor Justin steht.

Justin kneift seine Augen unbeirrt zusammen und flüstert Cort regelrecht entgegen:

Game over, du Abschaum!“

Explosion!

 

  • 22 –

  •  

Indem Bill bewusstlos im Fluss versinkt und langsam mit dem Strom mitgezogen wird, erinnert er sich im Traum:
 

Im luxuriösen Pool des Forest Seasons treibt Jessica, sich sonnend, auf einer Luftmatratze, während Juan neben ihr schwimmt und sie immer wieder mit Wasser bespritzt.
Chris und Bill sitzen am Rande des Pools an einem der Tische bei einem Snack.
Bill: „Es könnte einfach nicht besser sein! Findest du nicht, Chris?“
Chris: „Absolut, Bill. Alles ist perfekt.“
Bill grinst: „Dafür kämpfen wir ja regelmäßig für Recht und Ordnung.“
Chris stößt mit Bill an: “Und dazu werden wir direkt nach dem Urlaub wieder übergehen.“

Bill: „Aber es ist schön, solche Auszeiten genießen zu dürfen, um wieder zu wissen, wofür wir uns einsetzen!“

Chris: „Absolut. Und es fördert doch unser Teamwork und bedingungsloses Vertrauen ineinander.“
Von hinten hat sich Juan heimlich an Chris herangeschlichen, doch Chris hat Juan trotzdem bemerkt, und sich bei den letzten Worten demonstrativ herumgedreht, springt jetzt unerwartet abrupt auf und stößt den schreienden Juan, durch dessen Umklammerung selbst hinterher fallend, in den Pool.

 

Story by Christian Scheffel –

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.02.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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