Wolfgang Küssner

Der Weißhaut letzter Schuß

Eigentlich sind die Augenbrauen beim Menschen so konzipiert, daß sie den Schweißfluß oder andere Feuchtigkeit von der Stirn nicht in die Augen leiten, dieses verhindern helfen. Aber eben nur helfen, denn bei 30 und mehr Grad im Schatten funktioniert das nicht immer. Die Augen jucken, brennen, schmerzen – ein jeder wird es kennen. Und so wurde bei einem Spaziergang am Strand unter tropischer Sonne die Überlegung angestellt, ob nicht mit einer kleinen, implantierten – sagen wir - Miniatur-Regenrinne aus transparentem Silikon dieses Leid, dieser Schmerz beendet werden koennte. Das mag vielleicht ein wenig abartig klingen; doch vermutlich wird längst in irgendeiner Klinik an einer Abhilfe, einer entsprechenden Innovation experimentiert.

Was gab und gibt es nicht alles für verrückte Ideen, das Leben angenehmer und unser Aussehen – zum Glück sind wir nicht eitel - schoener zu gestalten. Puder, Diäten, Faltencremes erwecken heute fast einen steinzeitlichen Charakter. Erinnern Sie sich noch an den Werbeslogan: „Es ist nie zu früh!“ Das war doch – salopp formuliert -  alles Pipikram. Werfen wir einen kurzen Blick auf das Portfolio heutiger Moeglichkeiten:

Stupps-Näschen werden neu geformt; Haken-Nasen begradigt. Jochbeine geschliffen; Kinn zurückgesetzt; Tränensäcke entfernt, Haare verpflanzt und gefärbt; Anti-Aging-Pillen geschluckt. Lippen werden aufgespritzt; Brüste Silikon gepolster; Arsch-Geweihe und Augenbrauen tätowiert; Botox unter Falten gespritzt. Fett wird abgesaugt, Hoden ersetzt, Schweißdrüsen entfernt etc. etc. usw. In einigen Regionen wird Bräunungscreme – färbt manchmal nicht nur die Haut - eingesetzt, in anderen ist Whitening Creme das Non plus Ultra. Intim-Friseure sind gut beschäftigt. Spezial-Kliniken bieten Verkleinerung der Schamlippen und Vaginal-Straffung an. Eichel, Vorhaut, Brustwarzen, Lippen, Bauchnabel, Schamlippen, Nasenflügel und vieles mehr, wird mit einem Piercing geadelt. Der jüngste Schrei zielt wieder einmal auf den Schniedelwutz, oder wie Sie den Zipfel auch nennen wollen, ab und nennt sich nun: „Penis-Whitening.“

In Bangkok hat sich eine Klinik darauf spezialisiert, Männern, deren Haut – was bei Thais und anderen durchaus der Fall sein kann – etwas dunkler ausfällt, europäisch aufzuhellen, also weiß zu machen. Ob die Klinik irgendwann – vielleicht tut sie es schon - auf deutsche Waschmittelwerbung zurückgreifen wird? „So weiß, weißer geht´s nicht.“ Oder: „Da weiß man, was man hat.“ Es wird diesmal allerdings nicht gewaschen, sondern gelasert. Fünf Termine zum Gesamtpreis von 650 Dollar sind angeblich erforderlich. Ob ein kleinerer Schniedelwutz auf Rabatt hoffen kann? Jedenfalls machen Monat für Monat 100 Männer ihre Beine breit und lassen ihren besten Freund weißen. Vielleicht ist Werbung bei der Nachfrage schon jetzt überflüssig.

Da stellt sich für einen Laien zwangsläufig die Frage, in welchem Zustand erfolgt eigentlich solch ein Eingriff? Nein, es geht jetzt nicht um den Zustand des behandelnden Arztes, sondern um den..., Sie wissen schon. Geht es mit oertlicher Betäubung oder bedarf es einer Vollnarkose? Wird das Lasern – es würde Sinn machen, für einen optimaleren Erfolg sprechen – im Zustand groeßtmoeglicher Ausdehnung durchgeführt, oder ist auch ein schlaffer, ruhender Zustand – natürlich ist auch hier nicht der Arzt gemeint – zielführend? Und wenn es der besten Ausdehnung bedarf, wie geht das bei Narkose? Leser werden vermutlich ähnliche Probleme in alkoholisierten Situationen kennen. Und wie erreicht man den aufrechten Zustand, die optimale Groeße? Werden etwa anregende Bilder gezeigt – funktioniert das im betäubten Zustand überhaupt? – oder befindet sich eine Anbläserin im Ärzteteam? Wie steht es um Schmerzen, um Gefühle? Oder sollte man die jetzt besser außen vor lassen, damit die Weißhaut nicht zum Schuß führt?

Die vielen, oben aufgelisteten und unbeantworteten Fragen koennten jetzt zum Rückschluß führen, der Autor würde sich ernsthaft mit der Absicht tragen, der Klinik in Bangkok einen Besuch abzustatten. Ich bin zwar sonnengebräunt, doch unter der Badehose herrscht norddeutsche Blässe. Zugegeben, die Fragen müßten wohl eher lauten: Was kommt als nächstes? Wird der Allerwerteste künftig zu vergolden sein? Werden blaue Tränen fließen? Urin in Pink oder Grün? Vielleicht schneiden wir uns die Ohren ab, oder springen in einen Jung-Brunnen? Wie wäre es mit weißen Pupillen? Oder war das jetzt vielleicht der Weißhaut letzter Schuß?

Als Helga vor einigen Jahren ausgeglichen, erholt, strahlend und braungebrannt aus dem Urlaub zurückkehrte, wollte Dieter, das ist ihr Nachbar, doch zu gern wissen, wo Helga denn die letzten Wochen verbracht habe. Glücklich und mit leuchtenden Augen nannte Helga nur ein Wort, drei Silben: Ja-mai-ka. Es ging dabei nicht um Koalitionsverhandlungen. Nicht Koalition, eher wohl um Konstellationen. Nun war Dieter nicht gerade auf den Mund gefallen, andere würden vielleicht von mangelndem Taktgefühlt sprechen und kommentierte die drei Silben von Helga mit folgenden Worten: „Mensch Helga! Warum haste vorher nichts gesagt? Ich hätte meinen Schniedelwutz doch braun anmalen koennen und Du hättest ´ne Menge Geld gespart.“

Offensichtlich führt nicht nur Weißhaut, sondern auch ein Braun, ein Schokobraun, zum letzten Schuß. Augenzwinkernd wartet der Autor erst einmal auf die Einführung des Tropfenfängers für die Augenbrauen.

 

Januar 2018

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