Heinz-Walter Hoetter

M A R I A

 

Das Fenster stand offen und von draußen kam der Geruch einer frisch gemähten Wiese herein.

Maria lag auf ihrem breiten Bett und schloss die Augen. Draußen braute sich ein Unwetter zusammen. Ganz plötzlich fing es an zu regnen. Dann setzte ein Donnergrollen ein. Blitze zuckten vom Himmel. Der Regen trommelte wie wild oben aufs Dach, und die junge Frau spürte auf einmal die warmen Hände ihre Freundes Marlon, der zu ihr ins Bett gekommen war.

Maria hatte schon lange sein Begehren gespürt. Er berührte sie jetzt am ganzen Körper und für beide gab es nun nichts mehr zu verbergen.

Maria rollte sich auf den Rücken, zog Marlon zu sich heran und nahm ihn ganz fest in die Arme. Sie entkleideten sich schließlich und liebten sich wortlos in der aufkommenden Dunkelheit der Nacht, in der ein Gewitter tobte.

Später fiel Marlon in einen tiefen Schlaf. Er hatte den rechten Arm um Marias Taille geschlungen und sich ganz dicht an seine wunderschöne Freundin geschmiegt. Sie dagegen spürte seinen warmen Körper und wie sein Herz ruhig und gleichmäßig pochte.

Die junge Frau lauschte auf das Geräusch des herab prasselnden Regens, der unaufhörlich auf das Dach fiel.

Maria lag noch eine Weile so da, bis sie selbst plötzlich einschlief und zu träumen begann.

Sie träumte, dass sie weit über der Erde schwebte. Trotzdem konnte sie alles klar und deutlich erkennen. Ihr Haus schien aus Glas zu sein. Alles darin hatte klare Strukturen. Und während sie so zusah, dehnten sich auf einmal die Strukturen unter ihr in die Zukunft aus. Sie sah Kinder im Haus spielen, die ihre waren. Sie ahnte die viele Arbeit, die auf sie zukommen würde, aber sie spürte auch die Liebe, die von Marlon und ihren zukünftigen Kindern ausstrahlte. Ein unumkehrbarer Wandel kündige sich an. Sie hatte sich endgültig für ein neues Leben entschieden. Der Traum endete so abrupt, wie er begonnen hatte.

Maria wachte für einen kurzen Moment auf. Kühle Luft strich über ihre geröteten Wangen. Sie zog die wärmende Decke höher. Sie spürte Marlons regelmäßigen Atem in ihrem Gesicht. Er murmelte etwas in sich hinein, was sie aber nicht verstand. Scheinbar träumte auch er.

Egal wie warm der Augenblick auch für beide war oder wie zuverlässig sein Herz schlug, sie konnte nicht verstehen, dass eines Tages Marlons Herz irgendwann stillstehen bleiben würde, denn Menschen waren nicht von Dauer und keines dieser sterblichen Geschöpfe, die sich Menschen nannten, lebte ewig.

Das war bei ihr ganz anders. Sie war ein unsterbliches Wesen, das aus den tiefen des Alls auf die Erde gekommen war und sich in eine schöne junge Frau verwandelt hatte. Den Namen Maria fand sie rein zufällig in einem Buch, das sich Bibel nannte, welches sie kurz nach ihrer Ankunft auf der Erde in einem verlassenen Haus entdeckte. Bald darauf mischte sie sich unauffällig unter die Menschen und begann sich an sie zu gewöhnen.

Sie drehte sich jetzt nach Marlon um und schaute ihm ins Gesicht. Sie fühlte sich wohl in der Nähe dieses Erdenmannes, der groß und kräftig war wie ein gut trainierter Athlet. Sie kannten sich schon länger. Sie spürte schon bald, wie er sie über alles liebte. Das war es, wonach sie als unsterbliches Wesen immer wieder suchte. Deshalb war sie bei ihm geblieben und wollte alles mit ihm zusammen teilen und erleben. Nichts würde sie auslassen wollen, auch leidvolle Erfahrungen nicht.

Doch gleichzeitig begriff sie auch, dass jeder Augenblick mit Marlon die einzige Unsterblichkeit war, die sie mit ihm teilen würde, und sie war froh, diesen Augenblick zu haben, denn mehr brauchte sie nicht.

Nach einer Weile schlief Maria wieder ein, und sie träumte von den unzähligen Welten, auf denen sie schon in ihrem unsterblichen Leben war, dort draußen in der Unendlichkeit von Raum und Zeit.

ENDE

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