Andreas Rüdig

Invokation

Invokation ist eine Technik der Magie. Der Ausführende glaubt, ein Geistwesen herbeirufen zu können. Invoziert im engeren Sinne bedeutet hier das Hinein-Rufen in den Körper und die Psyche des Magiers. Der Gegenbegriff zur Invokation ist die Evokation, wobei das Geistwesen als außerhalb der Person zu beschwören gedacht wird.

Religionsphänomenologisch bezeichnet die Invokation die Anrufung einer höheren Macht. Aus wissenschaftlicher Sicht wird bei der Invokation davon ausgegangen, dass die herbeigerufenen Wesen nicht real sind, sondern lediglich in der Vorstellung des „Magiers“ existieren.

Invokation muss allerdings nicht zwingend die vorgestellte Hineinrufung in den Körper des Praktizierenden bedeuten. Während bei der Evokation oftmals ein schützender „Bannkreis“ (z. B. aus Kreide) gezogen wird, wird bei der Invokation zum Betreten des Kreises eingeladen.

Gemäß der okkultistischen Theorie soll nur eine Hineinrufung von Wesen stattfinden, die dem Magier wohlgesinnt sind. Die Invokation kann von einfachen Formen, wie der Konzentration auf eine Visualisation oder ein Gebet zu dem entsprechenden Geistwesen, bis zu höheren Formen, wie der Annahme von Gottformen, bei der komplexe Mentaltechniken benutzt werden, um ein göttliches Wesen zu invozieren, reichen. Soweit zur Theorie, wie sie in der Sekundärliteratur zu finden ist.

Großer Gott, so komm
denn ich bin sehr fromm
ich bete dich an,
wann immer ich kann
Kreis, Ring, Kerze
sie sind keine Scherze
wenn ich nach dir schrei
so eile auch herbei
sei in meiner Brust
sie ist dann ohne Frust.

Der Weihrauch liegt bereit. Die Kerze ist angezündet, das Glühbirnenlicht heruntergedimmt. Eine Schale mit geweihtem Rosenöl steht auf dem Tisch. Deine Symbole und Attribute sind überall im Raum verteilt: Bilder von Katzen, Sonnen, Sternen und Monden, Pyramiden, Fratzen und Mumien.

So allmählich versinke ich in der Ruhe. Die Kraft der beiden herbeigerufenen Götter durchdringt mich. Wie üblich beginne ich zu strahlen.

Doch dann passiert das Unfaßbare: "Walburga, du hast Besuch!" ruft meine Mutter und stürmt auch schon in mein Zimmer.  Und tatsächlich: Vor ihr betritt Gotthilf-Gotthard den Raum. Womit auch schon die Magie des Augenblicks zerstört ist. Ich bin wieder die alte Walburga, die ich auch sonst bin.

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