Doris E. M. Bulenda

„Reizendes“ Münchner Verkaufspersonal

In München hat das Verkaufspersonal den Ruf, sehr oft eine spezielle „ach so liebenswürdige“ Art am Leibe zu haben. Dass dieser Ruf nicht von ungefähr kommt, möchte ich euch in zwei von mir selbst erlebten Episoden schildern.

Erstes Beispiel: Eine Zeitlang pflegte ich in einem neu eröffneten Fruchthof einzukaufen. Dieser Laden war einer der ersten, in dem man das Obst und Gemüse, das man haben wollte, selber auswählen und einpacken konnte. An der Kasse wurde dann gewogen und bezahlt. Es war am Beginn der Zwetschgen-Saison und es gab auch einen Verkaufstisch mit den leckeren Früchten. Nur war da leider keine Selbstbedienung, eine mürrisch dreinblickende alte Frau stand zur Bedienung dahinter bereit.

Ich schaute noch ein wenig unschlüssig auf das Obst, als ich auch schon etwas grimmig angeredet wurde: „Na und, was is‘, brauch‘ ma wos?“ „Ja, ein Kilo bitte.“ Die Tussi machte sich dran, eine Tüte mit Zwetschgen zu füllen. Ich schaute genau auf das, was sie da einpackte und bemerkte dann: „Aber bitte keine dahauden!“ ("Dahaud" bedeutet angeschlagen, angefault, angeschimmelt, leicht verrottet – so ungefähr.) Zur Antwort bekam ich einen giftigen Blick und wurde sehr böse und laut angeschnauzt: „De san ned dahaud!“ Ich zuckte zusammen. „Ist schon recht, lassen wir’s eben!“

Damit ging ich ein paar Schritte weiter. Dann drehte ich mich um. Und siehe da – die Verkäuferin war eifrig damit beschäftigt, alle schlechten Früchte, die sie in meine Tüte gepackt hatte, auszusortieren und in einen Mülleimer unter dem Tisch zu werfen. Sie hatte wohl geglaubt, eine Dumme gefunden zu haben, der sie das vergammelte Zeug aufdrehen konnte … Ich habe meine einwandfreien Zwetschgen dann im Supermarkt bekommen.

Zweites Beispiel: Ich besaß eine preiswerte, gelbe, wunderbar warme und weiche Daunenjacke, die aber leider durch häufiges Tragen schmutzig geworden war. Laut Etikett durfte man sie nicht waschen, also wanderte ich mit dem Teil in eine Reinigung.

Dort störte ich eine ältere Frau beim Lesen in einem dicken Liebesroman. Sie grüßte nicht, erhob sich nur unwillig, packte wortlos meine Jacke und trug sie nach hinten in einen anderen Raum. Dann kam sie wieder. „29,50 Mark!“ Ich starrte sie entsetzt an. „Wie bitte? Diese Jacke hat nicht mal 19 Mark gekostet.“

Damit hatte ich wohl das Falsche gesagt, denn die Tussi schnauzte mich laut und sehr bissig an: „Jetzt stellen’s eana ned so blöd an und tun’s sofort des Geld her!“ Mir stellten sich die Nackenhaare auf – so einen Ton lasse ich mir nicht bieten, von niemandem. Also schnauzte ich zurück: „So schon gleich gar nicht! Geben Sie mir die Jacke zurück.“

Die Alte warf mir einen bösen Blick zu und wollte gerade den Mund aufmachen, als mir der Kragen platzte. Ich brüllte in voller Lautstärke: „Her mit der Jacke und zwar sofort!“ Das war wohl ausreichend, die Tussi drehte sich um, holte meine Jacke – und hätte sie sicher auch noch auf die Ladentheke geknallt, wenn das mit einer Daunenjacke möglich wäre.

Ich packte mein Teil und verließ den „freundlichen“ Laden im Eilschritt. Immer noch wütend fuhr ich heim, warf dort die Jacke in die Waschmaschine und anschließend in den Trockner. Siehe da, meine geliebte Daunenjacke überstand die Prozedur, sie wurde wunderbar sauber, weich und flauschig …

So hatte dieser Ärger zumindest ein Gutes gehabt: Ich hatte gelernt, dass man Daunenjacken nicht reinigen braucht, Waschmaschine und Trockner sind völlig ausreichend. Wie ich auch an vielen anderen Daunenjacken feststellen konnte.

 

 

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