Wolfgang Küssner

Das H in der Suppe

Miesepeter, Pessimisten, Schwarzmaler, Noergler, Trauerkloeße, Muffel und ähnliche Spezies befinden sich nahezu permanent auf der Suche nach dem... Sie wissen schon. Besserwisser, Angeber, Rechthaber, Dukatenscheißer, Schulmeister, Neunmalkluge, Skeptiker und  Korinthenkacker entdecken es natürlich immer wieder, das Haar, das sprichwoertliche Haar in der Suppe. Das ist traurig aber wahr; so sind viele Exemplare des Homo Sapiens nun einmal gestrickt. Philister, Choleriker, Erbsenzähler, Pedanten und und und wären noch zu ergänzen. Doch da! Auf der anderen Seite: Ein überaus erfreulicher Lichtblick! Da sitzen Kinder mit ihren Entdeckeraugen vor einer Buchstabensuppe. Sie fischen ein erstes H heraus und platzieren es recht vorsichtig auf dem Rand des Tellers. Anschließend wird ein A auf den Loeffel genommen, an das H gereiht. Schon ist das Wort fertig. Sie freuen sich ihrer Kreativität, amüsieren sich koestlich und lachen: HA, HA, HA... Es folgt die Variation aus H und I: HI, HI, HI..., aus A und U usw.

Das mit dem H in der Suppe geht also auch eindeutig anders. Und dann gibt es noch die Worte der Erleichterung: „Oh, um ein H... hätte ich....“ oder die Warnung, man moege bitteschoen einer konkreten Person „kein H krümmen...“. Was für das Krümmen gilt, hat natürlich auch für das Weglassen des H seine Bedeutung. Da wird ein geiler Hahn schnell zum greisen Ahn. Ein Gast, in eiliger Hast, übersieht den tiefhängenden Ast. In der Halle sitzen alle beim Kartenspiel und reizen aus lauter Hass mit dem Ass. Der Helfer schießt den Elfer und zeigt beim anschließenden Duschen seinen Hintern, allerdings nur intern. Ohne Haus droht das Aus und ohne Halt werden wir alt. Ist der Hort ein sicherer Ort? Den Henkel ergreift der Enkel; er ist harmlos, aber nicht armlos. Man sieht Heilige eilige Besorgungen erledigen; sie verteidigen hart ihre Art. Ein solches Verhalten droht zu veralten. Bleibt nur zu  hoffen..... –  das Ende ist offen.

Und dann kennt die deutsche Sprache ja noch das sogenannte Dehnungs-h. Das hat jetzt nichts mit Rapunzel zu tun. Ihr Haar war zwar lang, hing aber erstens in keiner Suppe. Zweitens waren die Haare im Märchen nicht gedehnt oder gestretcht worden, sie waren einfach schnell gewachsen und hingen aus dem Fenster des Turmes heraus. Aber das wäre jetzt wohl eine Geschichte, die ein andermal erzählt werden koennte. Zurück zum H, konkret zum Dehnungs-h.

Da steht ein Mohr im Moor, ein Thor im Tor und beide bekleckern sich statt mit ewigem Ruhm, mit hochprozentigem Rum. Der Rhein, ach so rein, fließt mehr und mehr Richtung Meer. Zunächst fahnden die Polizisten am Ufer. Später fanden sie den Dieb im Hafen. Nach der intensiven Lehre folgte beim Täter eine große Leere. Auf einer Bahre lag das geklaute Bare. Sich zur Wehr setzen? Wer, der Dieb? Es ist ein Wahn. Wann hoert er endlich auf? Die Beamten goennten sich nach erfolgreicher Arbeit ein koestliches Mahl. Mal wieder nach langer Zeit. Ihre Wahl fiel dabei auf einen Wal. Auf die Uhr schaut Ur-Opa und meint, was war, sei wahr. Übrigens: Mühlen mahlen und Maler malen, mal ohne, mal mit H bzw. Pinselhaar. Der Leser sieht, das Dehnungs-h hat für das Wort nicht nur eine dehnende Funktion; sein Potential geht weit darüber hinaus.

Im Restaurant reklamiert ein Gourmet lautstark beim Kellner mit den Worten: „Herr Ober, in meiner Suppe schwimmt ein Haar!“ „Aber mein werter Herr, wahren sie die Contenance,“ so die Antwort des Maitre d´hotel. „Bitte nicht ganz so vollmundig. Das sollte doch unter uns bleiben. Stellen Sie sich vor, die anderen Gäste dieses Dines hoeren ihre Worte und bestehen jetzt auch auf ein Haar in der Suppe. Der Chef de Cuisine verfügt über sehr langjährige Erfahrungen. Wenn Sie verstehen, was ich meine. Betrachten Sie es doch bitte als Amuse Gueule.“

Ja, da gibt es so einiges zu betrachten, äh, zu beachten: Mit dem H im Allgemeinen, mit dem speziellen Dehnungs-h und mit dem ganz besonderen H in der Suppe. Von Syrus, einem roemischen Moralisten (etwa 90 bis 40 v. Chr.) sind die Worte überliefert: „Auch ein einziges Haar wirft seinen Schatten.“ Auch als Gruß aus der Küche? Um bei der Flüssignahrung zu bleiben; da hat ein Unbekannter die Worte in die Welt gesetzt: „Lieber ein Haar in der Suppe, als Suppe im Haar.“

 

April 2017

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