Alfred Hermanni

Wulluwutsch und sein Freund Henri

 

von Alfred Hermanni Alle Rechte vorbehalten 21.02.2018

 

Liebe Leser, in der Kurzgeschichte "Die Abenteuer des kleinen Wulluwutsch" ist die Vorgeschichte des Protagonisten beschrieben.

Die Ferienzeit ging langsam zu Ende. Der kleine Ausreißer Wulluwutsch und sein Hund und bester Freund Henri, zogen nun schon seit ein paar Wochen durch das Land, immer bemüht nicht gesehen zu werden. Denn auf keinen Fall wollte Wulluwutsch zurück ins Heim, wo er von den gemeinen Mitbewohnern ständig schikaniert und gehänselt wurde.

Das Wetter an diesem Morgen war wirklich nicht schön. Es regnete und für die Jahreszeit war es einfach zu kühl.

Die Vorstellung über Nacht keinen trocknen Unterschlupf zu finden, ließ Unbehagen in ihm aufkommen. Die Vorräte in seinem Rucksack waren aufgebraucht, was bedeutete, dass beide mit leerem Magen schlafen mussten, wenn sie nichts zu essen fanden. Keine schöne Vorstellung.

Er überquerte einen Hügel und sah unten in einem kleinen Tal Felder und Wiesen...und einen Bauernhof.

Dort könnte ich etwas zu essen bekommen, dachte er und und machte sich frohen Mutes auf den Weg hinunter ins Tal.

Als er den Bauernhof erreichte, fuhr der Landwirt gerade mit seinem Traktor auf den Hof, stellte den Motor ab und kletterte aus dem Führerhaus.

Guten Tag, ich heiße Wulluwutsch, könnte ich hier etwas zu essen bekommen, ich würde auch dafür arbeiten“, begrüßte er den fremden .

Bon jour, jeune homme“, antwortete der Bauer.

Nun hatte Wulluwutsch ein Problem. Außer ein wenig Englisch konnte er keine anderen Fremdsprachen.

Äh, ehm...ich kann Sie leider nicht verstehen“, erklärte Wulluwutsch.

Kein Problem, isch sprechen ein wenig deutsche Sprache“, hörte Wulluwutsch den Mann sagen.

Wie sagtest du ist deine Name?“, fragte der Bauer.

Ich heiße Wulluwutsch.“

Was ist das für seltsame Name, isch 'abe noch nie ge'öhrt.“

Weiß ich auch nicht, alle nennen mich so“, antwortete Wulluwutsch.

Oui, dann guten Tag Wulluwutsch. Ich bin Jean Pierre.“

Ja, äh, ich fragte gerade ob...“

Oui, oui, isch 'abe verstanden. Du willst etwas zu essen. 'ast du denn auch Geld?“

Nein, Geld habe ich nicht, aber ich könnte dafür arbeiten.“

Junger Mann, 'ier in Frankreisch ist Kinderarbeit verboten. Aber ich laden disch und deinen 'und zum petit déjeunes, wie ihr sagt...Frühstück ein.“

Boah,ich bin in Frankreich. Ich hab gar nichts von einer Grenze bemerkt, dachte Wulluwutsch.

Das ist sehr nett, Henri und ich haben großen Hunger“, ließ er den Bauern wissen.

 

Na dann, willkommen und komm 'inein“, sagte der Bauer und ging mit beiden in sein Haus.

Das Frühstück fiel allerdings etwas mager aus. Es gab zwei Croissants mit Butter und Marmelade, dazu ein Glas Milch und für Henri eine kleine Dose...Katzenfutter.

Junger Mann, wenn du du disch auf meinen 'of umsiehst und vielleischt etwas saubermachst oder aufräumst, dann ist das keine Arbeit, sage ich, und heute Abend werden wir wieder etwas essen.“

Also machte sich Wulluwutsch ans Werk und ging zuerst in den Stall, wo er eine Weile brauchte, um ihn auszumisten. Bis zum Abend werkelte er hier und dort, putzte Fenster, scheuerte den Boden in der Wohnung und war so richtig geschafft und müde, als er wieder in den Stall ging, wo Henri im Stroh schlief.

Bald gibt es wieder etwas zu essen, Henri. Das haben wie uns aber auch verdient“, sagte er und legte sich neben Henri ins Stroh.

Beinahe wäre er eingeschlafen, als er von draußen Geräusche hörte.

 

*

 

Durch ein kleines Loch in der Bretterwand des Stalls sah er den Landwirt, wie er gerade zwei Polizisten, die mit ihrem Streifenwagen angekommen waren, ins Haus begleitete.

Sofort wurde Wulluwutsch klar, dass der Bauer ihn verraten hatte. Also griff er sich seinen Rucksack, den er zum Glück im Stall gelassen hatte, schlich sich leise mit Henri hinaus und lief zur Rückseite, wo er im Sichtschutz des Stalls den Hof verließ.

So eine Gemeinheit. Erst lässt er mich für eine dürftige Mahlzeit schuften und dann verrät er mich an die Polizei, dachte Wulluwutsch und wurde ganz wütend.

Zum Glück regnete es nicht mehr, so das er trockenen Fußes ein kleines Wäldchen erreichte, wo er erst einmal Deckung fand und gleichzeitig den Hof beobachten konnte.

Eine Weile suchten der Bauer und die Polizisten nach ihm, konnten ihn aber natürlich nicht finden. Dann fuhren die Polizisten endlich davon.

Was soll ich nur machen, Henri? Bald wird es dunkel und wir haben keinen Platz zum schlafen. Hunger habe ich auch, hörst du wie mein Magen knurrt? Wir brauchen etwas anständiges zu Essen“, sagte Wulluwutsch zu seinem Freund Henri.

Also streiften sie umher, auf der Suche nach einem Platz oder Unterschlupf, wo er mit Henri die Nacht verbringen konnte. Eine gute halbe Stunde später lief Henri plötzlich voraus und kam schon bald bellend zurück.

Hast du etwas gefunden, Henri? Los, zeig es mir!“, rief Wulluwutsch und lief

Henri hinterher. Von ein paar Sträuchern und Büschen geschützt fand er genau das Richtige. Eine schmale Straße führte zu einem kleinen Parkplatz,

wo ein verwahrloster, alter Wohnwagen einsam und verlassen in der Gegend herumstand.

Der Wohnwagen machte äußerlich einen erbärmlichen Eindruck. Schmutzig und verbeult, die Reifen waren platt und durch die Fenster konnte man nichts erkennen, so verdreckt waren sie. Aber das war Wulluwutsch egal.

Zum Glück war die Tür nicht verschlossen und Wulluwutsch ging mit Henri hinein. Drinnen schaute er sich um und stellte fest, dass das Dach keine Löcher hatte und die Fenster dicht waren. Für die kommende Nacht war das eigentlich eine gute Unterkunft.

Ein leises Knurren erschreckte plötzlich Wullwutsch. Doch dann merkte er, dass es Henris Magen war, der knurrte.

Jetzt machte sich der Hunger auch in seinem Magen bemerkbar.

In Wulluwutsch reifte ein Plan. Jetzt wusste er, wie er für Henri und sich etwas zu essen besorgen könnte.

Langsam wurde es dunkel und Wulluwutsch machte sich auf den Weg. Henri ließ er zur Vorsicht in dem alten Wohnwagen zurück.

Als es völlig dunkel war, erreichte er den Bauernhof und schlich leise und geduckt auf das Haus zu. Ein Fenster war erleuchtet und Wulluwutsch sah hindurch. Der Bauer saß auf seinem Sessel, trank Wein und schaute in den Fernseher. Er hatte wohl schon sehr viel Wein getrunken, denn schon nach kurzer Zeit war der Bauer eingeschlafen, was Wulluwutsch durch das laute Schnarchen bestätigt wurde.

Wulluwutsch schlich zur Haustür und stellte fest, dass der betrunkene Bauer sie nicht verschlossen hatte. Vorsichtig öffnete er die Tür und schlich auf leisen Sohlen durch die Wohnung. Weil er ja alle Räume gesäubert hatte, wusste Wulluwutsch wo sich die kleine Vorratskammer befand.

Er horchte aufmerksam und hörte das laute Schnarchen des Bauern, es war sogar lauter als der Ton vom Fernseher.

Leise öffnete er die Vorratskammer und spähte hinein. Doch es war zu dunkel, um etwas zu erkennen. Also musste er das Risiko eingehen und das Licht anknipsen. Doch vorher machte er die Tür zum Zimmer, in dem der Bauer schlief ganz vorsichtig zu und ging zurück zu den Vorräten.

Dort fand er einen kleinen Laib Brot, ein Stück Käse, eine dicke Leberwurst und mehrere Dosen mit, natürlich Katzenfutter.

Seltsam, ich habe den ganzen Tag keine Katze hier gesehen, dachte Wulluwutsch. Aber das war ihm egal, Henri würde es schon schmecken.

Schnell machte er den Rucksack voll und fand sogar noch eine Tafel Schokolade.

So, das sollte als Bezahlung für die Arbeit reichen. Geschieht ihm recht, dachte er und schlich sich leise hinaus aus dem Haus.

Auch wenn es draußen dunkel war, fand Wulluwutsch zielsicher den Weg zurück zum alten Wohnwagen, wo Henri ihn freudig begrüßte.

Ein paar Brotscheiben mit der leckeren Leberwurst, sowie ein kleines Stück vom Käse ließ Wulluwutsch schnell in seinem Magen verschwinden, auch Henri wurde satt und rülpste vernehmlich.

Danach machten sie es sich bequem und waren schon bald eingeschlafen.

 

*

 

Der nächste Morgen begrüßte sie mit Sonnenschein und es wurde auch viel

wärmer als am Tage zuvor.

Weißt du was, Henri, Frankreich gefällt mir gar nicht. Wir machen uns wieder auf den Weg zurück wo wir herkamen.“

Wulluwutsch überprüfte den Inhalt seines Rucksacks und befand, dass sie mit dem Rest Brot, Käse, Wurst und Katzenfutter noch für drei Tage zu essen hatten, wenn sie sparsam waren.

Dann machten sie sich auf den Weg, Richtung Osten. Nach Deutschland, ihre Heimat.

 

Ende

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Alfred Hermanni).
Der Beitrag wurde von Alfred Hermanni auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.02.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Lieber Papa von Klaus-D. Heid



Klaus-D. Heid beschreibt auf witzige Weise, wie die Nachkommen die Marotten ihrer Erzeuger überstehen, und zeichnet viele Situationen nach, in denen sich Väter gerne wiedererkennen werden. Mit Cartoons von Laurie Sartin.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Kinder- und Jugendliteratur" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Alfred Hermanni

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Bekifft in Deutschland- Der Mord, der keiner war von Alfred Hermanni (Skurriles)
Pinkes von Lara Otho (Kinder- und Jugendliteratur)
Ein Tropfen Liebe...Themenvorgabe von Adalbert N. von Rüdiger Nazar (Auftragsarbeiten)