Hans Elmer

Lila Schuhe

Lila Schuhe

Es gab da mal einen Herzog, König? In Württemberg. Also zunächst war er Herzog
und ist dann befördert worden. Glaube ich. Und dieser Herr war nicht nur rattengeil
sondern auch sehr potent. Alles was nicht bei drei auf dem Baum war, hat er vernascht.
Seine Mätressen trugen lila Schuhe. Das war die dominierende Schuhfarbe bei
den Hofdamen. Die Chronisten sprechen von ca. 200 Nachkommen.

Aber, es wird ja wohl niemand glauben, dass dieser Typ sich auf die Hofdamen
beschränkt hat. So ein Herrscher hatte jede Menge Groupies aus dem niederen Adel.
Er bewohnte turnusmäßig mehrere Schlösser. Und in so einem Schloss gibt es jede
Menge weibliches Personal und auch jede Menge Besenkammern.

Nun wissen wir ja aus der jüngeren Geschichte, dass so eine Besenkammer eine
durchaus zeugungstaugliche Räumlichkeit ist.

Also waren die Maiden, die da immer wieder etwas zerzaust, mit unordentlich
geschnürtem Mieder und leicht glasigem Blick, aus so einer Besenkammer
taumelten, nicht besoffen, sondern des öfteren königlich gesegneten Leibes.

Bei der Niederschrift dieses Blödsinns viel mir, na ja sozusagen zwangsweise,
ein alter Witz ein: Eine Frau schreibt, handschriftlich, an den Eheberater – Ich
sagte doch alter Witz, da war noch nix mit E-Mail. - Sehr geehrter Herr Sowieso,
ich möchte sie um einen Beratungstermin bitten. Mein Mann ist sexuell
unersättlich, egal was ich gerade mache, er macht es mit mir. Bitte entschuldigen
sie die wackelige Schrift. Passt doch oder?

Zurück zum Thema. Bei diesem hemmungslosen durcheinandervögeln dieses Herzog-Königs

bleibt doch jeder Chronist auf der Strecke. Das gleicht doch jener sagenhaften Syphilisarbeit.

Ist das jetzt ein freudscher Versprecher? Egal unterm Strich bleibt auf jeden Fall eine,
nach oben offene, Dunkelziffer an tatsächlichen Nachkommen.

Und jetzt offenbart sich auch der Sinn mit diesen lila Schuhen. Das hat sich mit
Sicherheit ein weitblickender Hofbeamter ausgedacht. Das war keine Auszeichnung!
Das war eine Warnung! Die da lautet: Verheiratet eure Kinder nicht untereinander
es sind Geschwister!

Die Kinder der Hofschranzen konnten also untereinander nicht heiraten.
So hat man den notgedrungen auf die niedrigen Ränge zurückgegriffen.
Doch der Trick ist verreckt!

Dafür hat schon der Chef mit seiner Besenkammertournee gesorgt.

Und ob sich die Nachkommen dieser lila Schuhe Schlampen alle an
diese Warnung erinnerten? Wohl kaum. Auch hier kam es zu so manchem
gemischten Doppel.

Es hat also so manches Brüderlein das Schwesterlein geheiratet und
Kinder gezeugt, die dann wiederum und so weiter und so fort. Somit
hielt die Inzucht fröhlich Einzug im Muschterländle. Tja, jetzt haben wir
in Baden-Württemberg eine große, offensichtlich mehrheitsfähige,
Familie von königlichem Geblüt. Und was machen die so? Na ja, was
Königs eben so machen, klotzen und nicht kleckern! Zur Zeit bauen
sie Stuttgart 21.

Für ein derart hirnrissiges Projekt, genügt es nicht, nicht mehr alle
Tassen im Schrank zu haben. Hier bedarf es schon einer fürstlichen
Vitrine, ganz ohne jegliches Porzellan.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.02.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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