Olaf Lüken

Erfolg durch Irrtum

Zu den Sternstunden der Menschheit gehören jene magischen Momente, in denen uns eine Idee durchzuckt und Gestalt annimmt, ein nie gedachter Gedanke sich seinen Weg durch's Gehirn bahnt in die Welt neuronaler Wirklichkeit. "Heureka" oder "Ich hab's." Wer kreativ arbeitet, weiß, wie schwierig gedankliches Schaffen ist. Geniale Einsichten und Einfälle lassen sich nicht planen. Ganz im Gegenteil. Vielen Erfolgen liegen spektakuläre und grandiose Irrtümer zugrunde.

Christoph Kolumbus suchte 1492 den Seeweg nach Indien. Er fand Amerika. Der Engländer Henry Hudson suchte Jahrzehnte später den Seeweg nach China - und fand erneut Amerika. Dumm gelaufen, sagt der Volksmund, wenn ein Kapitän mit seiner Crew so viele Wochen in die falsche Richtung segelt. Andererseits: Die seltsamen Inder, die der gescheiterte Indienbesucher Kolumbus durch's Land rennen sah, nannte er logischerweise "Indianer". So heißen die Ureinwohner Amerikas Indianer bis auf den heutigen Tag. Der Grund ? Kolumbus hattte den Erdumfang vor seiner Reise falsch berechnet. Der Fluss neben jenem Manahattan", wie er noch zu Anfang des 17.Jahrhunderts in der Sprache der indigenen Bevölkerung hieß, hat seinen Namen bis heute in der Sprache amerikanischer Finanzjongleure mit Manhattan nahezu unverändert behalten.

Friedrich Böttger erfand trotz jahrelangen Experimentierens und vieler grauer Haare, zu keiner Zeit die Formel Gold auf künstliche Art und Weise herzustellen. Stattdessen erfand er das weltberühmte Meißener Porzellan, und Sachsenherzog August* war zufrieden mit seinem Alchemisten. Benediktinermönch Dom Perignon wurde 1668 Kellermeister in der Abtei Saint-Pierre d' Hautvilliers. Sein Ziel ? Einen Wein herzustellen, der jahrgangsunabhängig gleichbleibend gut ist. Bei seinen Versuchen fand Perignon heraus, dass er Traubensorten mischen musste, um sein Ziel zu erreichen. Die Cuvee, ein Synonym für  Verschnitt, wurde erfunden. Allerdings hatte der Wein einen Schönheitsfehler. Bei der Herstellung bilden sich im Wein zahlreiche Bläschen. Dom Perignon produzierte entsprechend hohe Ausschussquoten - so lange, bis die Engländer Gefallen an dem moussierenden Wein fanden und den prickelnden Ausschuss kauften. Das brachte den Kellermeister auf eine neue Geschäftsidee. Und der Champagner eroberte die Welt.

Als Henri Becquerell vergeblich prüfte, ob Uran Röntgenstrahlen aussendet, entdeckte er nebenbei die natürliche Radioaktivität und statt Elementen jenseits des Urans, entdeckte Otto Hahn die Kernspaltung. Thomas Alva Edison, Erfinder der Glühbirne, auf die Frage, warum er mit seinen Versuchen künstliches Licht zu schaffen, häufig gescheitert sei ? Edison: "Ich bin nicht gescheitert, ich habe nur 10.000 Möglichkeiten ausprobiert, die nicht funktioniert haben!" Ob Penicillin, Meerschaumpfeife, Teflonpfanne, Post-Its oder Viagra. Allesamt zeigen sie, dass Irren nicht nur menschlich, sondern oft Ursprung neuer Ideen und Produkte ist.

* Herzog August der Starke

(c) Olaf Lüken (2011)

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