Conny Kirsten

Sag´s doch durch die Blume

Ich sitze an meinem Schreibtisch und schaue in die Nacht. Ich überlege, was ich Nachhaltiges und Ehrwürdiges schreiben soll. Das Buch stagniert, es muss Met her und ich will tanzen. Die Worte auf diesem sterilen Weiß sehen so dunkel aus, so unfertig und verloren in den Geschichten des Lebens. Ich brauche wirklich Met, sonst wird das irgendetwas Depressives, Melancholisches und davor bewahrt mich.

Ich sinniere bereits nach einem Glas, so schlimm war das letzte Jahr auch nicht, es gab Trennungen, Tränen und Umzüge. Ich zog der Liebe wegen einst ins Ruhrgebiet Punkt Einen berühmten Sohn dieser Fußball verrückten Stadt habe ich im Herbst live gesehen. Danke T. Sträter, das waren sehr unterhaltsame Stunden, ich hatte Maulsperre und Bauchkrämpfe vor Lachen. In meiner Verzweiflung, ob des drohenden Lachtodes, hielt ich mich an meiner Nachbarin fest, die erschrocken nach der Pause woanders saß. Verzeihung, aber mein Ex saß auf der anderen Seite, und ich wollte keine falschen Hoffnungen wecken.

Ein paar tolle Bands habe ich neu, alte wiederentdeckt. Danke an alle Musiker für diese dionysischen Stunden. Vor allem Tool begleiten mich schon so lange durch den Wahnsinn des Erlebens. Viele meiner Kurzgeschichten entstanden sozusagen aus dem Geiste deren Musik.

Die Natur produziert plötzlich ihre eigene musikalische Reise, ich höre es draußen leise grummeln, in weiter Ferne sehe ich einen Blitz den Himmel erhellen. Während des Gewitters sitze ich möglichst geschützt in einem Gebäude. Es ist mir Zuflucht und Gefängnis. Ich würde so gerne zu den wagemutigen Menschen gehören, die sich ganz den Elementen hingeben, sich in den Sturm stellen können. Das Gesicht gen Himmel halten, auf der Haut Nässe tragend gleich einer Ehrung, um dann triumphierend und wie elektrisch aufgeladen wieder in den Schutz der Hütte zu gehen. Ich gehöre nicht zu diesem Typ mutiger Mensch. Im Gegenteil, ich bin überängstlich und freue mich über die Dreifachverglasung.

Mettrunken habe ich nun mein vorgestern erstelltes Profil bei einer Dating Plattform gelöscht. Ich nenne keine Namen, denn sie sind sowieso alle gleich. Ich lese gerne Profile und vergesse bisweilen, dass man(N) auch mein Profil lesen kann. Ich halte mich schön unauffällig im Hintergrund. Weder zeige ich Dekolleté noch verweise ich auf meine prachtvollen, langen Haare. Ich versuche es lieber mit Witz und Humor. Leider verstehen die meisten diesen nicht und antworten möglichst cool und männlich auf meine Wünsche und Likes, die da wären Pferde stehlen,Tierschutz und Dystopien. Also von zehn Schreibern sind sechs verkappte Abenteurer (******), drei notorisch Verzweifelte und eventuell ein interessanter Mensch. Die meisten Profile hinterlassen in mir nur ein Gähnen oder dienen als Comic. Ich wundere mich stets, wie wenig Einsatz die Herren den Damen gewillt sind zu geben. Der eine Interessante will aus der anonymen Flut der Buchstaben gerettet werden und trotz meines Einwands, dass ich gerne erst lang und ausführlich schreibe, bevor der berühmte Kaffee zum Einsatz kommen kann, bekomme ich prompt seine Handynummer. Da hat er irgendetwas falsch verstanden - hätte ich ihm vor noch fünf Jahren positiv unterstellt. Nicht, dass ich gesucht hätte, damals war ich noch glücklich verliebt. Bloß niemals nie sagen, Kharma ist eine bitch, aber es ist ein wirklich gutes Abendprogramm, entschuldigt meinen Sarkasmus. Ich sollte mal wieder hinaus in die Nacht meiner Stadt.

Meine neue Zuflucht ist eine sphärische Künstlerstadt. Unser Nachbar verwandelte sein Hinterhaus an vielen schönen Wochenenden in ein tolles Atelier. Ich frage mich, warum ich mit meiner Kunst noch kein tolles Hinterhaus mein Eigen nennen kann. Verdammt auch! Mein Schreiben ernährt weder mich noch Kind. Ich starre selbiges an und verspreche mir mehr Abende bei Word als bei Net***x, aber da kommen im Moment so spannende Serien! Ich boykottiere mittlerweile das „normale“ Fernsehen. Ich hasse Werbung und die ewig gleichen Wiederholungen von den ewig gleichen Filmen. Trotzdem habe ich von der GEZ bereits die zweite Mahnung bekommen.

Die Künstler waren alle begabt, manche nett. Ich mag Vielseitigkeit und einer hatte spannende Geschichten zu erzählen. Ich staunte und wünschte mir zwei begabte Hände und die Möglichkeit, meine Visionen auf eine Leinwand aufbringen zu können. Danach erhielten wir das Versprechen, dass im Garten eine Skulpturenlandschaft entstünde. Bis Juni. Vor meinen Augen ziehen wahre Kolonnen von Baggern vorbei und ich sehe mich wieder im Staub und Lärm auf dem Balkon sitzen. Ich brauche dringend meine eigene Finca, um in Ruhe produktiv sein zu können. Ich hatte die leicht nachtragend eingefärbte Vision, ich baue direkt unter dem Schlafzimmer der Bauherren ein riesiges Loch in den Beton, möglichst ab sieben Uhr morgens und natürlich nur an Wochenenden mit Sonnenschein. Nur so zum Spaß, versteht sich.

In Wahrheit wünsche ich natürlich Glück und Frieden allen Wesen dieser Welt, nein, aller Welten. Ich wollte so gerne ein Jedi sein, seit ich zwölf Jahre alt bin. Für das Gute kämpfend und dabei die Galaxien bereisen. Damals sah ich Luke Skywalker, einen Jedi-Schüler, das erste Mal auf dem Wüstenplaneten Tatooine vor zwei Sonnen stehend, wehendes Haar. Ein unvergesslicher Moment im Leben eines romantischen, idealistischen Mädchens, dass alle Tiere retten will und Scifis liebt. Gestern sah ich ihn da wieder, das letzte Mal, in Star Wars VIII, so schließt sich der Knispel und ich bin traurig. Märchen sollten gut enden.

Möge die Macht mit uns sein.

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.02.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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