Karin Unkrig

Abendblatt 8 (Fortsetzungsgeschichte)


Weiter gehts mit Elle und Luis. Die Unterschiede bleiben: Er raucht, sie joggt. Er lamentiert, sie handelt. Neulingen im Medienbusiness sind sie mittelerweile beide nicht mehr.

Louis hat die Reaktion verlassen. Er führt nun ein PR-Büro mit einem eigenen Verlag. Als Editor kümmert er sich um Lizenzen, Technisches, Finanzen. Die ehemalige Arbeitskollegin besucht den Jungunternehmer. Er wirkt nachdenklich. «Ich habe inzwischen gelernt, dass typografisch nicht ästhetisch heisst, ökonomisch keineswegs Qualität bedeutet – und ›freischaffend‹ noch mehr stresst, als ein Angestelltenverhältnis …»

«Das ist zu viel verlangt!», Elle zwinkert ihm zu. «Zu diesem Satz komm ich gar nicht erst. Schau nur dieser Literaturwettbewerb. An und für sich eine tolle Idee. Aber die Umsetzung!» «Was wird es denn?» «Eine Anthologie mit Hör-CD.» «Würde ich auch gerne machen». «Freu dich nicht zu früh! Es beginnt mit dem Eingabemodus: Wir sagten ›per Post‹. Aber wie kontrollierst du da die Zeichenzahl? Wäre bei elektronischer Übermittlung ein Leichtes gewesen.»

Der Politologe zeigt ihr einen Stapel Manuskripte. «Verwenden doch tatsächlich zwei Nasen dasselbe Kennwort. Dem nicht genug: Die meisten wählten als Überschrift den Titel der Ausschreibung. Resultat: 173 gleich lautende Aufhänger.» Nach der Hauptselektion stellten wir fest, dass die einzelnen Texte zwar ansprechend waren, aber überhaupt nicht zueinander passten. Zudem eigneten sich die Wenigsten für Tonaufnahmen …»


Efalin mit Bänchen[1]
«Dafür null Trouble in der Jury, mit den Sponsoren, der Kulturförderung?», fragt Elle. «Denkste! Zuletzt stritten wir uns um die Ausstattung des Buchs. Wie der Umschlag aussieht, welche Eigenschaften er haben sollte: kratz-, stoss-, oder schlagfest.» «Strapazierfähig, prägbar, möglichst in Neuleinen …», ergänzt die Journalistin. «Da ist es bei der Zeitung einfacher. Die hat höchstens eine Hochglanz-Beilage.» «Wo über den Zusammenhang zwischen Literatur und buschigen Augenbrauen spekuliert wird», fotzelt Louis.

Elle versetzt dem Spötter einen Rippenstoss. Dieser schwellt die Brust, deutet auf den Entwurf: «Schau, ich habe mich durchgesetzt. Es gibt einen Überzug.» «Dazu ein textiles Lesezeichen?» Louis schmunzelt: «Nostalgikerin! Klar, in Himmelblau, ohne Fransen. Du, ich muss los! Der Bus fährt in drei Minuten. Sausen wir, so wie früher?» «In dieser Disziplin schlag ich dich allemal», prophezeit sie und spurtet los.

Tags darauf findet Louis eine Karte im Briefkasten:

Lieber Eisbrecher

Kafka hatte Unrecht:
Ein Buch muss «keine Axt sein,
für das gefrorene Meer in uns.»
Lerne lieber Wellenreiten,
tauchen, über die Wogen gleiten!

Viel Spass wünscht dir:
Elle

 

[1] Hardcover mit Überzug (bibliographische Angabe: gebunden)

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