Stella Eva Henrich

Mein erstes Rubbellos

Auch den Augen, aus dem Sinn: Für Arbeitnehmer kann es zum Problem werden, wenn sie den Kontakt zur Firma verlieren. Das jedenfalls ist die Erfahrung einiger Homeworker, die meist namentlich nicht genannt werden wollen. Wenn man von zu Hause arbeitet, kann man „noch so fleißig sein, die anderen sehen es ja eh nicht“, sagt einer der sich traut den Mund aufzumachen. Detlef Brauerfreunt arbeitet schon viele Jahre von zu Hause aus. Personalabbau und Umstrukturierung waren vor fünf Jahren der „offizielle“ Grund für seine Entscheidung, das Firmenbüro nach Hause zu verlegen.
Der Mann hatte zuvor viele Jahre in der Vertriebsabteilung eines Handelsunternehmens gearbeitet. Er war auch damals bereits viel außerhalb des Firmenhauses unterwegs, wenn er Messen besuchte, Vertriebskollegen auf Poolparties traf, nachts des öfteren ins Taxi sprang, um noch einmal schnell beim Kiosk um die Ecke anzuhalten, um mit dem Mann hinterm Trinkhallentresen ein Bierchen zu trinken.
„Kurios was man da alles zu hören bekommt und wen man trifft“, staunt Brauerfreunt noch heute, wenn er sich an diese verrückte Zeit von damals erinnert. „Vom Penner bis zum Mann im Anzug stehen sie da und kotzen sich gemeinsam aus“. Der eine beschwert sich lautstark über „viel zu wenig Knöllchen“, die beim Fasching vom großen Wagen geschmissen werden, der andere über „die utopischen Renditeforderungen“ des Chefs. „Man fühlt sich an solchen Orten förmlich angefasst“, sagt Brauerfreunt, auf ein Erdnüsschen beißend. Ein breites Grinsen überzieht sein Gesicht dabei. Diese Erlebnisse braucht er heute nicht mehr.

Er hat inzwischen die Spur gewechselt. Als einen Rückzug will er es aber nicht verstanden wissen. Mehr als ein kleines Geschenk, das ihm sein Arbeitgeber mit dem Büro zuhause ermöglichte. Dennoch rät er jedem, der vor einer solchen Entscheidung steht, vorab mit der Firma bestimmte Bedingungen festzulegen. Zwar freute er sich über das tolle Firmenhandy und die ganze Technik, die man ihm daheim bereitstellt, aber das bedeutet gleichsam auch, dass er irgendwie ständig glaubt, er müsse der Firma ständig zur Verfügung stehen. „Die sehen, wenn der Rechner läuft – die sehen aber auch, wenn er ausgeschaltet ist“. Eine moderne Technik macht das möglich. Wie erklärt man es dem Chef, was man treibt, wenn der Rechner mal nicht läuft. „Einen faulen Lenz zu Hause machen, nö das geht nicht“, weiß Brauerfreunt. Auch wenn er für seine Kollegen im Büro nicht sichtbar ist, er spürt den Druck, der über allen hin und wieder schwebt. Die Arbeitswelt sei eben noch immer absolut durchgeknallt. Trotz über Jahrzehnte errungener Arbeitnehmerrechte.

Brauerfreunt ist daher überhaupt nicht verwundert darüber, dass der ein und andere zu Hause sogar mehr arbeitet - bei deutlich weniger Gehalt - versteht sich. Wer also glaubt, dass ihm in der Tasche etwas fehlt, dem rät Brauerfreunt, schnell die Hütte zu wechseln. Auch er hat seither weniger im Portemonet.

Dennoch ist er mit seiner persönlichen Situation „irgendwie zufrieden“. Das liege wohl auch daran, dass er vorab für sich Rahmenbedingungen geschaffen habe

Was hat Detlef Brauerfreunt vertraglich mit seiner Firma vereinbart, erfahren Sie, sofern Sie wollen, demnächst in dieser zauberhaften Geschichte. Bitte erwarten Sie keine investigative Watergate-Affäre. Nur ein paar wunderschöne kleine Tipps, um sich selbst nicht zum Firmensklaven zu machen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.02.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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