Heinz-Walter Hoetter

Der Jäger

"Das Opfer ist des Jägers Tod."
 

***


Es ging auf den Abend zu. Die dunklen Schatten der riesigen Bäume wurden länger und länger, verschwanden jedoch schlagartig, als die Sonne von einer großen Wolkenwand knapp über dem Horizont verschluckt wurde.

 

Der Jäger Georg Palmer fühlte sich nicht wohl in seiner Haut. Er schaute aufmerksam nach allen Seiten. Dann nahm er sein Strahlengewehr vom dreirädrigen Robotmobil und klemmte es mürrisch unter den rechten Arm. Er tat das nur ungern, weil die Müdigkeit von ihm langsam Besitz ergriff, und er ausgerechnet jetzt noch mehr Gewicht bergauf zu schleppen hatte, als ihm lieb war.

 

Das Roboterfahrzeug wurde nie müde; nun, das war bei einem solchen Ding ja auch nicht anders zu erwarten. Den ganzen Tag hindurch hatten sie zusammen einen Hügel nach dem anderen abgesucht. Jetzt schmerzten seine Füße von der andauernden Überanstrengung, aber an eine kleine Verschnaufpause war im Moment trotzdem nicht zu denken.

 

In dieser Gegend standen zudem noch viele Bäume dicht an dicht und ihre Äste reichten oft bis zum Boden hinunter, sodass Palmer die meiste Zeit gebückt dahin laufen musste; der flinke Roboter dagegen hielt leicht mit ihm Schritt. Er stellte seine Achshöhe je nach Bedarf einfach niedriger. Auch machte ihm die hohe Laubschicht keine Schwierigkeiten. Seine breiten Ballonräder fuhren einfach darüber hinweg.

 

Die grün leuchtenden Instrumente auf der Anzeigentafel lieferten ihm ununterbrochen Informationen aus der näheren Umgebung, weshalb Georg Palmer die ganze Zeit unter Anspannung stand. Er beäugte jeden Strauch und jeden Baum gleich zweimal, bevor er weiterging. Aber während der letzten halben Stunde war die Fährte, die er verfolgte, immer mehr verblasst. Palmer wollte sich deshalb auf dem Kamm des nächsten Hügels ein wenig ausruhen und wies den Dreiradroboter an, auf der erhöhten Lichtung vor ihnen anzuhalten. Hier war die Laubschicht der Bäume besonders dünn, was das Gehen erleichterte.

 

Palmer war schon viel zu lange über den braun goldenen Blätterteppich gelaufen, der das Vorwärtskommen ziemlich erschwert hatte. Auch seine Nackenmuskulatur tat ihm weh, weil er die meiste Zeit Oberkörper und Kopf wegen der tief hängenden Äste gesenkt halten musste, was auf Dauer sehr unangenehm war.

 

Endlich erreichte er die Anhöhe, wo sein quirliges Robotergefährt schon auf ihn wartete. Palmer atmete die frische Luft ein paar Mal tief ein und wieder aus. Schließlich schaute er sich um. Die Rundumsicht war von hier oben einfach großartig; das düster wirkende Land war zerklüftet und so gut wie unbewohnt, aber dafür hatte Palmer jetzt kein Auge übrig.

 

Plötzlich gab sein Roboter eine Infrarotwarnung und wies mit seinem dünnen Antennenstab auf eine mannsgroße Wärmequelle direkt vor ihnen im Gelände hin. Fast gleichzeitig entdeckte auch Palmer den Mann, der halb versteckt hinter einer mächtigen Eiche stand und offenbar Angst vor Palmer und dem Roboter hatte. Unsicher beobachtete der Fremde die herum kurvende Maschine, die mit einer kleinen Strahlenkanone auf ihn zielte.

 

Als Georg Palmer die Hand vorsichtig zum Gruß erhob, erwiderte der Unbekannte hinter dem Baum ihn nur zögerlich. Es vergingen ein paar Sekunden des gegenseitigen Schweigens, dann rief der Jäger seinen Namen und gab zusätzlich noch seine persönliche Kennzahl durch. Gleiches tat der Mann hinter dem Baum. Der intelligente Dreiradroboter prüfte umgehend die Information in seiner Datenbank, gab nach wenigen Augenblicken sein OK und bewegte sich mit Palmer zusammen auf die wartende Person zu.

 

Dann waren sie auf gleicher Höhe. Erst jetzt sah der Jäger ganz nebenbei die kleine Holzhütte, die hinter dem Fremden auf einer baum- und strauchlosen Rodung stand. Die beiden Männer schüttelten einander freundlich die Hände, und der andere gab sich mit seinem Namen Jack Flemming zu erkennen.

 

Ich bin der zuständige Forstaufseher für diese Region“, stellte er sich vor und zeigte gleichzeitig auf sein eingeschaltetes Funkgerät.

 

Ich wurde von der Zentrale davon unterrichtet, dass Sie sich hier in der Gegend aufhalten, Mr. Palmer. Ich weiß auch, dass Sie ein Jäger sind.“

 

Palmer schaute den Forstaufseher argwöhnisch an und sagte dann mit forschender Stimme: „Dann hat man Sie sicherlich schon davon unterrichtet, dass ich hinter einem Werwolf her bin.“

 

Hinter einem Werwolf, der ahnungslose Menschen anfällt, sie tötet und dann frisst? Hier in meinem Gebiet? Nun ja, es hat Gerüchte von schrecklich zugerichteten Leichen gegeben. Keiner weiß genau, von wem die stammen. Vielleicht ist da was wahres dran, vielleicht auch nicht. Richtig ist, dass sich in dieser Gebirgs- und Waldregion viele herum schleichen, die hier nichts zu suchen haben, seit ein großer Teil der einheimischen Bevölkerung in die Städte abgewandert ist. Der riesige Raumflughafen in Slateport City bietet den Leuten einen sicheren Arbeitsplatz und viel Geld. Alle wollen da hin, weil er viel Abwechselung bietet. Die unterschiedlichsten Lebensformen aus allen Ecken des Universums scheinen sich dort zu treffen. Von den möglichen Gefahren spricht keiner, die von den fremdartigen Lebewesen ausgehen können. Aber niemand macht sich darüber Gedanken. Soll mir auch egal sein.“

 

Im Ton des Mannes schwang ein wenig Enttäuschung mit, da er es offensichtlich bedauerte, dass die einheimischen Bewohner die natürliche Gegend hier verlassen hatten, um in die große Stadt mit ihrem gewaltigen Raumschiffhafen zu ziehen, wo das Leben für sie angeblich angenehmer und aufregender sein soll.

 

Doch dann fuhr er schnell mit seiner Rede fort und blickte dabei nach oben in den dämmrig gewordenen Himmel.

 

Auf jeden Fall haben Sie sich genau den richtigen Zeitpunkt ausgewählt. Die Nacht ist gut für die Jagd auf einen Werwolf, sollte es so eine Bestie hier überhaupt geben.“

 

Wie meinen Sie das?“ fragte Palmer energisch zurück.

 

Wir haben heute Vollmond. Die Werwölfe erreichen dann ihre größte Macht, wenn der Mond voll am nächtlichen Himmel steht“, gab der Forstaufseher zur Antwort und tat so, als kenne er sich mit diesen fürchterlichen Monstern gut aus.

 

Palmer musste dem Mann trotzdem Recht geben, und genau deshalb wurde er seine innere Unruhe nicht los. Er war davon überzeugt, dass es diesen Werwolf wirklich gab.

 

Der dreirädrige Roboter hielt sich derweil in der Nähe der beiden Männer auf und drehte seine Antenne in alle Richtungen. Plötzlich setzte sich das Gefährt schaukelnd und holpernd in Bewegung. Palmer, der Jäger, folgte dem Roboter bis zum Rand einer kleinen Felswand hinter der Holzhütte, wo er neben der Maschine stehen blieb.

 

Dort ist das Tal der verschwundenen Wanderer. Leider kann man von hier aus den Fluss nicht erkennen, an dessen Ufer man angeblich einige grässlich verstümmelte Leichen gefunden haben will“, erklärte der Forstaufseher Jack Flemming, der lautlos hinter Palmer getreten war und ihn deshalb ein wenig erschreckte. Er mochte es nicht, wenn man ihm zu nah auf die Pelle rückte.

 

Was Sie nicht sagen. – Haben Sie denn schon mal einen Werwolf leibhaftig zu Gesicht bekommen oder ist Ihnen in der letzten Zeit irgend jemand aufgefallen, der ein Werwolf sein könnte, Flemming?“

 

Mmh...! Heute früh sah ich jemanden kommen. Ja. – Sein Name ist Gyfal Berinsky. – Zuerst kam er alleine, dann waren plötzlich mehrere da“, erwiderte der schlanke Forstaufseher grübelnd. Sie alle identifizierten sich allerdings mit ihren Kennzahlen. Aber ich habe mit keinem von ihnen gesprochen; sie sagten auch nichts zu mir. Ich empfand das als ungewöhnlich, doch dachte ich mir, dass diese Leute wohl schon einen Grund dafür hätten. Vielleicht wollten sie nur in Ruhe gelassen werden. Mehr nicht! Das soll’s ja auch geben.“

 

Kannten Sie die Leute vielleicht? Oder einige von ihnen?“ fragte Palmer neugierig.

 

Was heißt kennen? Ich kenne viele hier aus dieser Gegend. In den Wäldern trifft man tagsüber immer wieder auf irgendwelche Touristen, mit denen man redet. Darunter sind auch Männer, die sich manchmal mehrere Monate hier in dieser waldreichen Naturlandschaft aufhalten. Sie streifen überall herum. Sogar in den Bergen habe ich schon welche von ihnen angetroffen. Einige sehen tatsächlich ziemlich verwildert aus und tragen eine lange Mähne. Man könnte wirklich Angst vor ihnen bekommen. Jedoch taten sie mir niemals etwas zuleide. Außerdem bin ich gut bewaffnet.“

 

Aber Sie fürchten sie trotzdem und würden des Nachts lieber keinem dieser Typen begegnen wollen. Es könnte ja ein Werwolf unter ihnen sein – oder?“

 

Ich sagte ja schon, dass hier gewisse Gerüchte im Umlauf sind, die auch mir Angst einflößen. Man sagt ja, dass diese Ungeheuer nicht menschlich sind und über Kräfte verfügen, welche die unseren weit übersteigen“, antwortete Flemming und fuchtelte mit seinen Armen beschwörend in der Luft herum.

 

Diese Drecksviecher kann man töten. Wir verfügen über widerstandsfähige und kampferprobte Roboter und besitzen sehr effektive Waffen. Eine ernstliche Bedrohung sind sie eigentlich nicht", sagte der Jäger abschätzig.

 

Flemming sah Palmer plötzlich mit ernstem Gesichtsausdruck an.

 

Sind Sie sich da so sicher? Sie reden wie diese verwöhnten Stadtmenschen aus Slateport City mit ihrem riesigen Raumschiffhafen weiter oben an der Küste. Der wachsende Wohlstand lässt die Leute degenerieren. Wie lange sind Sie denn schon hier und pirschen hinter diesem vermeintlichen Werwolf her, Palmer?“

 

Seit mehr als zwei Woche. Einmal meinte ich schon, ich hätte ihn getroffen, als ich meine Strahlenwaffe auf ihn abgeschossen habe. Er sah aus wie ein alter Mann mit sehr langen grauen Haaren und kantigen Gesichtszügen und langen Reißzähnen. Er lief in Richtung ihres Gebietes.“

 

Ich habe niemanden gesehen. Egal wie auch immer. Bleiben Sie und essen Sie mit mir! Es wird sowieso gleich dunkel und ich brauche mal einen Menschen, mit dem ich reden kann.“

 

Ok, einverstanden! Ich hole nur meinen Roboter zurück und postiere ihn draußen vor dem Eingang Ihrer Hütte, falls Sie nichts dagegen haben. Er wird gut auf uns aufpassen. Sein Verteidigungsmodus schaltet sich automatisch ein, sobald seine Infrarotsensoren etwas Ungewöhnliches bemerken sollten.“

 

Wenn Sie damit Ihr Sicherheitsgefühl befriedigen können, soll es mir recht sein, Palmer“, gab der Forstaufseher spontan zur Antwort und aß genüsslich ein Stück eines wilden Tieres, das er fast roh hinunter schluckte.

 

Georg Palmer fühlte sich davon angewidert und verzehrte dafür lieber seine eigenen Rationen aus dem Robotermobil, das sich jetzt wie ein stählernes Denkmal vor dem Eingang der Holzhütte postiert hatte. Die gefährlich wirkende Strahlenkanone bewegte es dabei langsam nach allen Seiten, als würde es damit die gesamte Umgebung nach Feinden absuchen.

 

Glauben Sie, dass es diese Werwölfe auch schon woanders gibt“, fragte Flemming plötzlich den verblüfften Jäger.

 

Sie meinen in den Städten – oder?“

 

Ja“, nickte Flemming.

 

Möglich. Man hat schon davon gehört. Genaues weiß man nicht. Einen Fall soll es aber bereits oben an der Küste gegeben haben. Dort fand man am Strand zwischen den abgestellten Fischerbooten die menschlichen Überreste einer schrecklich zugerichteten jungen Männerleiche. Die Bestie hat nur noch die blanken Knochen und ein paar Fetzen Fleisch übrig gelassen.“

 

Teufel noch mal, Palmer. Das sind ja richtige Gruselgeschichten, die Sie mir da erzählen. Mir wird angst und bange.“

 

Plötzlich flackerte das Deckenlicht in der Hütte, was störend wirkte.

 

Der Stromgenerator macht manchmal Schwierigkeiten. Nichts besonderes. Wir wollen aber jetzt lieber nicht über Werwölfe und andere Ungeheuer sprechen“, bat Flemming und stopfte sich die nächste Portion rohes Fleisch zwischen die Zähne. Palmer sah einfach weg und hätte fast gewürgt. Dann kam er auf das Thema Werwölfe zurück.

 

Zusammen mit den Robotern werden wir sie alle jagen und erledigen“, sagte er zuversichtlich und deutete auf seine gefährliche Strahlenwaffe hin, die neben ihm am Tisch lehnte.

 

Kann schon sein. Aus Ihnen spricht die reine Jägerseele“, sagte Flemming, machte dabei ein ziemlich säuerliches Gesicht und schaltete etwas unhöflich sein Handphon ein, als wollte er Palmers Worte einfach ignorieren.

 

Wenig später tat es ihm Palmer nach. Die Vermittlung meldete sich sofort, und er bat darum, an die Satellitennachrichten angeschlossen zu werden. Man sagte ihm allerdings, er solle die Vermittlung in einer Stunde wieder anwählen, weil die Leitung überlastet sei.

 

Flemming dagegen hatte einen spannenden Spielfilm eingeschaltet. Offenbar benutzte er eine andere Satellitenverbindung. Palmer konnte von seinem Platz aus die Bilder auf dem Monitor des Forstaufsehers nur verzerrt sehen. Er stand deshalb auf und ging zur Hüttentür.

 

Der Roboter stand draußen, ignorierte ihn jedoch. Über der gesamten Rodung lag ein merkwürdiges Licht; es herrschte tiefes Zwielicht, denn der Mond ging gerade auf und sein gespenstischer Schein ergoss sich auch über den vor ihm liegenden Hügel, der jetzt einen düsteren Eindruck auf ihn machte. Der Jäger war erstaunt darüber, wie schnell der Tag vergangen war. Er wurde sich plötzlich seiner eigenen Existenz bewusst, die nur eine begrenzte Lebensspanne umfasste. Dieser nach innen schauende Blick war für ihn ein wenig ungewohnt, sodass er sich auf einmal selbst davor ängstigte, noch dazu in dieser mondhellen Nacht, die ihm irgendwie unwirklich vorkam. Er dachte darüber nach, dass es nun höchste Zeit sei, den Werwolf, oder was es auch immer zu sein pflegte, aufzuspüren, um ihn zu töten, damit er so schnell wie möglich zur Stadt zurückkehren kann.

 

Als er so draußen vor dem Eingang der Hütte stand, hörte er, wie Flemming hinter ihm herankam.

 

Es tut mir leid, Palmer“, sagte er, „dass ich vorher so unhöflich zu Ihnen war, obwohl ich mich eigentlich doch darüber gefreut habe, Sie bei mir zu haben. Ich gebe zu, dass ich eigensinnig und engstirnig bin. Wissen Sie, ich bin die Städter nicht gewöhnt. Das ängstigt Sie wohl ein bisschen. Sie dürfen deshalb nicht beleidigt sein. Ich hoffe nicht, dass Sie glauben könnten, ich selbst sei vielleicht ein Werwolf, nur weil ich hier draußen so gerne in der Wildnis lebe und rohes Fleisch esse. Das tue ich nicht immer, was Sie mir ruhig glauben dürfen.“

 

Ich könnte Sie einem Bluttest unterziehen, sofern Sie dem zustimmen würden, Flemming. Dann wären alle Zweifel zwischen uns beiden ausgeräumt.“

 

Der Jäger griff instinktiv nach seiner Strahlenwaffe und hielt sie mit beiden Händen fest umklammert.

 

Nur so für alle Fälle“, bemerkte er nebenbei.

 

Flemming starrte ihn an und sagte dann: „Kann ich verstehen, Palmer. Sie glauben also, der Werwolf könnte hier in der Gegend sein? Vielleicht ist er Ihnen sogar gefolgt, anstatt Sie ihm? Könnte es sogar sein, dass er Sie angelockt hat, ohne dass Sie es selbst bemerkten? Was meinen Sie?“

 

Sie sagten ja vorhin schon, dass Vollmond ist. Er ist mit Sicherheit hier ganz in meiner Nähe“, gab ihm Palmer zur Antwort.

 

Irgendwo zwischen den Bäumen hinter der Rodung erklang ein unheimlicher Schrei, der gleich mehrmals hintereinander wiederholt wurde.

 

Flemming bat den Jäger wieder in die Hütte zu kommen und die Tür zu schließen. Dann stellte er eine Flasche Wein und zwei Gläser auf den Tisch, den sie zusammen tranken.

 

Wollen Sie heute noch den Werwolf töten oder was sie dafür halten, Palmer?“

 

Wenn er sich mir zeigt oder es nur den Anschein hat, dass er sich in dieser Gegend herumtreibt, will ich ihn in dieser Nacht noch töten. Mein Roboter wird mir dabei helfen. Danach gehe ich in die Stadt zurück.“

 

Palmer, du irrst. Es gibt keine Werwölfe. Die Menschen glauben an so viele unsinnige Dinge und sogar daran, dass es diese Bestien gibt. Aber ich weiß es besser. Glauben Sie mir.“

 

Palmer runzelte die Augenbrauen und blickte mit wachsendem Argwohn zum Forstaufseher hinüber, der ihn plötzlich mit seltsamen Blick anstarrte.

 

Aber damit will ich nicht sagen, dass es keine Ungeheuer oder Monster gibt, die Menschen jagen, sie töten und danach sogar gierig auffressen. Doch, doch..., es gibt sie“, sagte Flemming mit einem seltsam grunzenden Ton in seiner Stimme.

 

Georg Palmer bemerkte ausgerechnet in diesem Augenblick mit Entsetzen, wie sich alles vor seinen Augen zu drehen begann und die Arme seltsam schwer wurden. Irgendwas stimmte hier nicht. Der Wein war manipuliert. Er griff nach seinem Glas und schlug es mit letzter Kraft vom Tisch. In Panik versuchte er sich noch aufzurichten, um an seine Strahlenwaffe zu gelangen, was ihm jedoch nicht mehr möglich war. Er rutschte im nächsten Augenblick kraftlos wie eine Gummipuppe wehrlos vom Stuhl und fiel der Länge nach polternd auf den Holzfußboden, wo er mit paralysiertem Körper liegen blieb.

 

Trotzdem konnte er die grunzenden Worte Flemmings noch deutlich hören, wenngleich sie sich wie ein fernes Echo anhörten.

 

Ach Palmer, wissen Sie eigentlich, dass Sie mir wie eine Fliege ins Netz gegangen sind? Wie ich schon sagte, es gibt sie wirklich, diese schrecklichen Monster. Niemand hat sie eigentlich je direkt zu Gesicht bekommen und wenn doch, dann hat es keiner von ihnen überlebt. Man erzählt sich eine Menge unheimlicher Geschichten über diese Bestien. Ich glaube sogar Hunderte von Geschichten, die alle von dieser schrecklich bösartigen Kreatur berichten, die keine menschliche sein soll. Manche behaupten sogar, sie könne die Gestalt von Menschen annehmen und sich von einer Sekunde auf die andere in ein mit langen Zähnen und scharfen Klauen ausgestattetes Ungeheuer verwandeln, das wie eine aufrecht gehende Echse aussieht und eine Schuppenhaut hat. Es spuckt schwarzen Eiter aus, der so giftig sein soll, dass jedes Lebewesen augenblicklich daran stirbt. Wenn es sein Opfer gefressen hat, verschwindet es wieder unauffällig und taucht lange Zeit nicht mehr auf. Ich persönlich halte es für ein Alien, das aus den unergründlichen Tiefen des Alls hin und wieder den Planeten Erde besucht, um auf Jagd zu gehen. Tja, aber genug der vielen Worte. Ich werde dich jetzt töten und dann fressen, Palmer. Deine Jagd ist hier auf jeden Fall zu Ende. Ein für allemal!“

 

Georg Palmers Blick nahm verschwommen wahr, wie Flemming sich langsam Schritt für Schritt in eine echsenartige Kreatur mit riesigen Reißzähnen verwandelte und wenige Augenblicke später eine schwarz aussehende Flüssigkeit über ihn ausspie. Er wollte noch schreien, brachte aber, weil schon im Todeskampf liegend, keinen Ton mehr über die Lippen.

 

Die Bestie grunzte zufrieden, als sie die Leiche des Jägers gierig in Stücke riss und genüsslich verspeiste. Nur die Knochen blieben übrig. Dann holte die hässliche Kreatur einen silbrig glänzenden Bumerang aus der geöffneten Tischschublade hervor, drückte mit seiner Pranke sanft eines der kryptischen Zeichen auf der metallenen Oberfläche und löste sich kurz darauf wie ein verblassendes Bild langsam auf. Wenige Augenblicke später war die blutrünstige Gestalt im Nichts verschwunden, als hätte es sie nie gegeben.

 

***

 

Unter den zahlreichen Passagieren eines gewaltigen interstellaren Raumschiffes befand sich auch ein großer hager aussehender Mann in einer schwarzen Raumfahreruniform. In seiner rechten Hand hielt er ein silbrig glänzendes Artefakt, das aussah wie ein Bumerang.


„Persönliches Eigentum“ stand als amtlicher Vermerk auf einem kleinen ovalen Zettel, den eine freundlich lächelnde Mitarbeiterin der intergalaktischen Fluggesellschaft auf den silberfarbenen Gegenstand aufgeklebt hatte.

 

Als der Mann in seiner Passagierkabine angekommen war, legte er die Rückenlehne seines Sitzplatzes zurück und verdunkelte den kleinen Raum, um sich vor fremden Blicken zu schützen.

 

Nach einer Weile war er eingeschlafen und manchmal war es so, als würde sich sein menschlicher Körper, wenngleich auch unmerklich für wenige Sekundenbruchteile nur, in die hässliche Gestalt eines echsenartigen Monsters verwandeln.

 


 

ENDE

 

 

©Heinz-Walter Hoetter

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Heinz-Walter Hoetter).
Der Beitrag wurde von Heinz-Walter Hoetter auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.02.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Bücher unserer Autoren:

cover

Leben & Poesie von Alexander Pernsteiner



Gedichte vom Zauber der Liebe und den Träumereien des des Lebens.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Horror" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Heinz-Walter Hoetter

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Odins Raben von Heinz-Walter Hoetter (Wahre Geschichten)
Ein ganz normaler Schultag... von Carrie Winter (Horror)
Meine Bergmannsjahre (zwölfter Teil) von Karl-Heinz Fricke (Autobiografisches)