Monika Jarju

Tee & Schrott

PROSAMINIATUREN

 

Im Treppenhaus überwinde ich auf allen Vieren die Steigung der Stufen.

Knie und Finger versinken in der Treppenpolsterung. Das Haus wurde

saniert, die Miete erhöht. Ich habe ein Zimmer mehr und eine Terrasse.

Doch meine wenigen Sachen füllen nicht den Raum. Und ich muss von

nun an kriechen.

*

Das Arbeitslosen-Zentrum liegt am Meer, Trümmer säumen den Strand.

Man sollte dort besser nicht hingehen, es ist voll und jede Beratung

kostet zehn Euro. Meine neue Arbeit ist es den Stand des Mondaufgangs

in Karten einzutragen. Stattdessen schreibe ich Mondgedichte und in die

Schlusszeile: WUT.

*

Afrikaner sitzen auf Hockern vor Nähmaschinen. Ich setze mich zu ihnen.

Einer brüht Tee auf. Weil es uns an Keksen mangelt, schreiben wir

Zahlen auf Zettel. Sie schmecken nur annähernd gut. Ein alter Mann

schüttelt den Kopf.

*

Ich durchquere eine Gegend, die nicht im Stadtplan verzeichnet ist,

klettere über Müllhalden. Schließlich bleibe ich stehen, setze den Koffer

ab und weiche Wäsche darin ein. Ab jetzt lebe ich in einem Schrottauto

wie die Leute hier. Wir wohnen im Müll und schauen uns Fotos an.

*

Züge fallen aus, verspäten sich. Während ich überlege, wie ich Strecken

umfahre, vergeht Zeit. Wie und wann werde ich ankommen, und vor

allem wo? Sogar meine Träume verändern sich. Bald fahre ich im

Traum unentwegt die gleiche Strecke. Sie endet stets vor einer Mauer

und die Fahrt beginnt von vorn.

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.03.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

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Lieder eines sattvischen Engels von Angelos Ashes (Übersetzer Uwe David)



Die Idee, die vorgelegten Gedichte in eine Buchform zu bringen, kam mir eines Tages in der Meditation. Dabei verspürte ich eher den Wunsch, dem Leser ein Gefühl von Liebe und Trost zu vermitteln, als dass es ein intellektueller Prozess war. Die Lieder sind einfach gedacht und ebenso gelesen, gibt es mir das Gefühl, erfolgreich die Lücke zwischen Wissen und Werden geschlossen zu haben. Dies ist die Reise, die wir alle von unserem Verstand zum Herzen unternehmen müssen, um uns selbst und die Welt um uns herum heilen zu können. Der Titel des Buches verweist auf eine engelhafte Reinheit, die zugleich Anspruch und auch die tiefe Wirklichkeit ist, die wir alle sind. Es liegt nur an uns, diese Qualität zu entdecken und manchmal helfen dabei ein paar wenige Worte.

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