Olaf Lüken

Lieben Sie James?

Die älteren Autorinnen und Autoren werden sich noch daran erinnern: In den 70ern des vorherigen Jahrhunderts hieß in der emanzipierten Frauenwelt die Selbstverständnisparole: "Mein Bauch gehört mir." Jetzt läuft via Hollywood mit "Me too" die nächste Aufklärungswelle über den Globus. Weltmännisch formuliert: "Männer, wo immer ihr auch seid, nehmt euch in Acht." Liebe Leserinnen und Leser, kennt ihr "Sweet Baby James ?" Der Kleine ist ganze drei Wochen alt, 52 Zentimeter groß und 2700 Gramm schwer. James hat blaue Augen, lächelt fröhlich und ist der ganze Stolz von Mutter Sandra N. (40) aus New  York.


"Es schreit nie", sagt sie, als sie sich über den Kinderwagen beugt und ihm den Schnuller liebevoll in den Mund steckt. Der süße Fratz ist nicht nur pflegeleicht, er wird niemals weinen, in die Windeln scheißen oder Omas Katzen jagen. James ist kein Mensch, sondern eine Puppe. Die amerikanische  Kennerinnenszene hat mit "James" ein "Reborn Baby". Eine Puppe, die aussieht und sich anfühlt wie ein echtes Baby, in all seiner Zerknautschtheit und Unebenmäßigkeit. Und auch bei uns gibt es eine wachsende Anhängerinnenschar. Unzählige Facebookgruppen, in denen sich Rebornerinnen austauschen und Fotos posten. Ist das nicht süß und schnuckelig ? Ist das nicht herrlich ? Werden die Puppen zum Verkauf angeboten, sprechen die Frauen von "Adoption".


Die Erstausstattung besteht aus "James", einem Kinderwagen, einer Mütze und einer Wiege. Wacht "Mutti" morgens auf und will sogleich ein Kinderlächeln sehen, dann schaut sie auf ihren kleinen Strampler. Und siehe da, der Tag ist voller Lebensglück und kann nicht mehr schiefgehen. Eine Kundin in den USA gab zu Protokoll: " Mit James konnte ich mir mein Wunschkind bestellen. Haar-, Haut- und Augenfarbe inklusive. " Die Puppe wird komplett nach den Vorlieben der Kundinnen angefertigt. Und was kostet so ein perfektes Kind ? Weniger als ein Hunde- oder Katzenleben. Liebe Leserin: "Wollen Sie James als normales Kunstbaby, dann sollte Ihre Geldbörse 430 Euo schwer sein. Im Internet gibt es Sammlerstücke, die 20.000 bis 25.000 Euro kosten können. What a wonderfull world.

(c) Olaf Lüken (2018)

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.03.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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