Elke Müller

Amerika

Schaurig ruft es von den alten Bäumen. Der Mond schickt sein fahles Licht über die knochigen Äste, doch erreichen diese den Boden nicht. Bratenduft lag in der Luft und der Magen von Redmon begann zu knurren. Ein Stück schön braun gebratenes Fleisch steckte auf einen Spieß. Heika beachtete es nicht. Redmon senkte den Blick, rieb sich über seine schmerzenden Handgelenke, die zerschnittenen Riemen lagen neben ihm. Er wusste das er in diesen Moment gründlich beobachtet und nie genauer getestet wurde wie jetzt, in diesen Augenblick. In ihm ging etwas vor. Er war ein Gringo, dem man mit Missgunst begegnete. Kein Hauch von Angst war zu merken. Er war ja Soldat und Reiter. Sein Körper trug Narben von den vielen Einsätzen, welche Tod oder Leben bedeuteten. „ Hölle und Pest, es ist zum aus der Haut fahren!… Ich habe die Schnauze voll!“, rief Redmon zornig, sah Heika fest in die Augen. Ich bin nicht der Einzige der kämpfen kann,… ich habe unzählige Gräber als Späher, Scout, Kundschafter und Jäger gesehen und weißweiß, es fallen willkürlich Beschlüsse und… und wenn sich die Indianer auflehnen, dann gibt es brutale Bestrafungen. Es ist dieser unsinnige Hass… Keiner weiß, was auch immer dahinter steckt, aber wir haben der Fahne zu dienen, unsere Befehle auszuführen, ohne lange zu fragen oder darüber nachzudenken,… dabei ist es egal, ob es sich um blutjunge Männer handelt, die noch keine Erfahrung im Indianerkrieg sammeln konnten. Es kam immer darauf an, wer auf welcher Seite, ob Rot oder Weiß, zuerst schießt… und natürlich trifft.Heika nickte. Blicklos schaute er ihn an, als wenn er durch ihn hindurch sah. Ja, nur mit dem Unterschied, das wir reiten, um unser Land zu verteidigen und wenn wir auch unser Leben dafür verlieren. Unsere Vaterlandsliebe lässt uns den Tod verachten… Ich habe schon als Kind die Kämpfe zwischen Indianer und der U.S Armee miterlebt. Eure Scheinverträge taugen nichts… Wir werden niedergeschossen, erschlagen, zerbrochen, nur weil wir versuchen euch Weiße aufzuhalten. Allerdings… seit ihr zahlreicher als wir. Eure Revolver und Gewehre schießen gut und weit, aber unsere Pfeile von einem Kriegsbogen abgegeben fliegen noch weiter… Es stirbt sich schnell…

Aber was ist das für ein Land, in dem alles andere zählt, als das Leben der Menschen, die hier leben… wie viele Menschen müssen noch sterben! Und eure feine Regierung kümmert sich einen Scheißdreck darum, macht sich nicht einmal die Mühe, mal hier her zu kommen. Obwohl das gesamte Gebiet, welches nach Osten bis zum kleinen Missourium reichte, von Yellowstone und die Rocky Mountains, worin die Black Hills mit eingeschlossen war, die Regierung in Washington, uns, den Indianern zugesichert gehabt… Was daraus geworden ist, sehen wie jeden Tag. Der Büffel ist so gut wie ausgerottet, aber nicht von uns roten Männern, sondern es waren Weiße, die erst unser Land gestohlen und dann durch Massenabschlachtungen dies vorsetzlich vorangetrieben haben. Jetzt gibt es nur noch ein paar kleine Herden, welchen bald ebenfalls ausgerottet sein werden… Bei uns herrschte insgesamt ein Gleichgewicht, wir waren grenzenlos frei, bis… Wir haben von Anfang an, nie eine richtige Chance erhalten….“ Redmon brauchte eine Weile bis er das gehörte verdaut hatte. Die Treue und der Mut der roten Männer zwangen Redmon Hochachtung ab. Heika erhob sich, gab dabei eine Fluch ab und drehte sich um. Entsetzt sah Redmon die Spuren der Peitsche auf seinem Rücken. Die blutigen Striemen an seinen Handgelenken. Ein würgen spürte er in seiner Kehle.

Aufgeregtes wiehern der Pferde war zu hören, als ob sie irgend eine Gefahr spürten. Heika wandte sich um, sah zu den Fuchs und dem Schecken. Die Tiere waren unruhig. Die Ohren waren gerade aufgerichtet, warfen ihre Köpfe in die Höhe und tänzelten hin und her, bäumten sich auf, scharrten ungeduldig mit den Vorderhufen, standen kurz vor einem Ausbruch. Tinker schlug plötzlich mit den Hinterläufen aus. Aufflammende Lichter konnte man kurz sehen, dann ein grimmiges Fauchen und Knurren. Die Raubkatze war blitzschnell ausgewichen. „ Ein Puma! Hat wohl Hunger.“ „ Was, ein Berglöwe? Mist, verdammter!Redmon schaute an Heika vorbei und konnte gerade noch einen Schatten sehen. Jeden Augenblick musste er mit einen Angriff auf die Tiere rechnen. „ Ruhig Taco, ganz ruhig, es passiert nichts, komm her.“ lockte er leise seinen Fuchs, welcher nach Indianerart abgerichtet war. Heika schob sich, ohne eine Geräusch zu verursachen, mit gezückten Messer, an die Felsennase heran. Wieder ein Geräusch. Etwas springt ihn aus der Luft an und prallt mit ihm hart auf den Boden. Redmon sah die spitzen Reißzähne, die breiten Pfoten und Krallen, ist kurz wie erstarrt, dann packt er einen Stein um ihn nach der Katze zu schleudern. Aber mit einer blitzschnellen Bewegung stößt Heika das Messer vor. Die Klinge trifft nicht exakt, reißt aber eine große Wunde in die Schulter des Silberlöwen. Wild fauchend sprang das verwundete Tier mit einem Satz zurück und verschwand, eine blutige Spur hinterlassend, wie ein Geist.

Redmon schaute zu Heika, den hat es ziemlich erwischt. Er lag mit geschlossenen Augen da. Sofort kniete er sich neben ihn. „ Hey, es gibt so einige, die dir liebend gern deine Haut abziehen würden, was! Dabei ist es egal mein Freund, ob du mal mit einer Kugel, wo auch immer, irgendwo im Dreck liegst und dir einbildest, einen Heldentod zu sterben. Jeder stirbt allein und auf eine andere Art. Man wird dich vergessen, so wie deinen Namen und so viele andere Dinge auch.“

Redmon warf neues Holz ins Lagerfeuer, was zu erlöschen drohte. Holte aus seiner Satteltasche Bärenfett und Kräuter, die Ashley ihn mitgab, eine kleine Flasche Whisky, nicht zum trinken, sondern zur Wundversorgung, sowie eine Flasche Jod, aus seiner Armeeausrüstung, kniete sich neben Heika hin. Mit geübten Griffen versorgte er die Wunden und legte einen Verband an.

„…Hör mal, manchen Menschen sieht man nicht an, ob sie etwas taugen. Man kann keinem Menschen hinter die Stirn blicken… Wir sollten Freunde und keine Widersacher sein. Wir können einander soviel geben. Wir beide kommen bestimmt gut miteinander aus… Ich mag es nicht, wenn man jemanden etwas wegnimmt… Aber wenn man etwas nimmt was keinem gehört, wie nennt man dies dann?“

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 10.03.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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