Heinz-Walter Hoetter

Das Adam und Eva-Prinzip

An der tiefsten Stelle der Höhle befand sich ein kleiner See, dessen Oberfläche teilweise mit einer dicken Schicht aus gelbbraunen Flechten und grünen Moosen bedeckt war. Besonders in Ufernähe. Hier und da blubberten Gasbläschen aus der Tiefe, die, wenn sie zerplatzten, das trübe Wasser wellenförmig kräuselten.


 

Die abgeschiedene Ruhe des urzeitlichen Höhlensees wurde schlagartig unterbrochen, als sich in der Nähe des steinigen Ufers plötzlich laut schäumend die Seeoberfläche teilte und der Kopf eines Mannes erschien.


 

Das Gesicht des Tauchers war mit weit geöffnetem Mund steil nach oben gerichtet. Gierig nach Luft schnappend hielt er sich mit heftigen Schwimmbewegungen nur knapp über Wasser und schaute sich hastig dabei um. Nach einer Weile schwamm er schließlich an den glitschigen Rand des Höhlensees.


 

Nur schwaches Licht drang irgendwo von weit oben in die Höhlenraum, sodass nicht einmal das Wasser schimmerte. Es war aber immer noch hell genug, um alles einigermaßen gut erkennen zu können.


 

Der Mann, der Jimmy Denveron hieß und etwa dreißig Jahre alt war, tastete sich jetzt vorsichtig bis zum steinigen Seeufer vor, bis er schließlich eine flache Stelle gefunden hatte, wo er stehen konnte. Keuchend und halb gebückt verließ er das brackige Wasser. Sein ganzer Körper war mit abgerissenen Flechten- und Moosfetzen überzogen, die einen fäulnisartigen Geruch verbreiteten. Angeekelt schüttelte er das widerliche Zeug ab.


 

Obwohl eigentlich keine echte Gefahr für ihn bestand, suchte er dennoch instinktiv nach seiner Laserpistole, die sich in einer Spezialhalterung griffbereit an seinem rechten Hüftgürtel befand. Als er ihren kalten Metallknauf in der Hand spürte, erhöhte das gleich sein Sicherheitsgefühl, denn diese Waffe war sehr wirkungsvoll.


 

Noch vor wenigen Minuten hatte er sich unter Lebensgefahr durch einen engen Verbindungskanal zwängen müssen, der schließlich in diesem trüben See endete. Er war nur knapp dem Tod entkommen. Wäre der Wasser überflutete Tunnel nur ein paar Meter länger gewesen oder schmaler geworden, hätte er elendig darin ertrinken müssen. Er schaffte es gerade noch mal so und war trotz aller widrigen Umstände glücklich darüber gewesen, am Leben geblieben zu sein. Jetzt wollte er erst mal ein wenig verschnaufen.


 

Plötzlich vernahm er ein seltsames Geräusch. An seinem Gesicht schwirrte etwas laut surrend vorbei, das wie der schnelle Flügelschlag eines Vogels klang. Erschreckt schrie er auf, wobei er mit beiden Händen wie wild in der Luft herumschlug. Doch so schnell wie der Spuk gekommen war, so schnell verschwand er auch wieder.


 

Irgendwie kam ihm auf einmal der Gedanke, dass sich eigentlich kein Vogel in dieser schummrigen Dunkelheit orientieren konnte. Vielleicht war es so etwas ähnliche wie eine Fledermaus gewesen, überlegte der Mann weiter. Wenn er mit dieser Vermutung richtig lag, konnte er in gewisser Hinsicht sogar damit zufrieden sein, denn wo sich Fledermaus ähnliche Tiere aufhielten, führte mit Sicherheit auch ein Weg aus der Höhle wieder heraus. Hoffnung keimte in dem Raumfahrer auf.


 

Aufgrund des Echos nahm er weiterhin an, dass die Höhle gar nicht so klein sein konnte, wie er anfangs vermutet hatte.


 

Jimmy Denveron ging behutsam weiter, watete durch knietiefe Wasserpfützen und tastete sich schließlich in der diffusen Dunkelheit bis zu einer schroffen Felsenwand vor, die sich offenbar leicht schräg nach hinten neigte und dadurch nicht allzu steil war. Er begann ohne zu zögern damit, die Wand wie eine Katze hinaufzuklettern. Er hatte einen gut durchtrainierten Körper, der athletisch und sportlich aussah.


 

Zum Glück gab es genügend Löcher, Spalten und kleinere Vorsprünge, an denen er sich optimal festhalten konnte. Nach etwa fünfzehn Minuten erreichte der Kletterer eine kleine Felsennische hoch über dem Boden des Höhlenraumes, die gerade breit genug war, um darauf rücklings einigermaßen bequem sitzen zu können. Hinter seinem Rücken befand sich jetzt die kalte Felswand, direkt vor ihm gähnte der tiefe Abgrund.


 

Denveron schauderte, als er nach unten blickte. Er durfte jetzt keinen Fehler machen, sonst würde er den gesamten Weg zurückstürzen und unten auf dem harten Felsenboden mit zerschmettertem Körper liegen bleiben. Um Kraft zu sparen, ruhte er noch ein paar Minuten aus, bis er schließlich den gefährlichen Aufstieg fortsetzte. Jede seiner Bewegung erforderte eine hohe Konzentration, was seine Sinne aber nur noch weiter schärfte. Nach einer Weile spürte er auch hinter sich nur feuchtkalte Felsenwände, die ihm das Gefühl vermittelte, in das Innere eines sich nach oben hin verengenden Flaschenhalses zu klettern. Auch war es nicht mehr ganz so dunkel wie zuvor. Und tatsächlich wurde es immer heller, je weiter er nach oben kam. Nach dem langen Aufenthalt in der dunklen Höhle blendete ihn das Tageslicht so stark, dass er kurz inne halten musste, um für einige Augenblicke seine Augen zu schließen. Als er sie wieder öffnete und wenig später aus der schmalen Felsenspalte kroch, sah der Raumfahrer gerade noch die untergehende Sonne, die blutrot den fernen Horizont färbte.


 

Mit Bedacht bewegte sich der Mann Schritt für Schritt auf den Rand des kleinen Plateaus zu, beugte sich leicht vor und schaute vorsichtig hinab. Überall konnte er nur nackten Fels und einen klaffenden Abgrund entdecken, der ihm Respekt einflößte. Dann schaute er nach oben. Er schätzte, dass er mehr als die Hälfte der Strecke schon zurückgelegt hatte.


 

Obwohl der weitere Anstieg steil und gefährlich aussah, beschloss Denveron, die anstehende Kletterpartie unverzüglich ohne weitere Unterbrechungen fortzusetzen. Schon bald würde die fremde Sonne dieses namenlosen Planeten ganz verschwinden und die Dunkelheit hereinbrechen. Er wollte auch nicht die ganze Nacht in der unangenehm kühlen Bergwand verbringen.


 

Ohne nach unten zu blicken, begann er den weiteren Aufstieg. Nur keine übereilte Hast, dachte er für sich, als einige Male loses Felsgestein unter seinen Händen und Füßen zu bröckeln begann und polternd nach unten stürzte. Dann hatte er es endlich geschafft und erreichte ein gewaltiges Plateau, das einen ungehinderten Ausblick über die weite Landschaft gestattete. Erschöpft drehte sich der Raumfahrer auf den Rücken, als gerade in diesem Moment auch die letzten Sonnenstrahlen am fernen Horizont verschwanden. Dann brach die Dämmerung herein.


 

Denveron betrachtete nachdenklich den beginnenden Nachthimmel, an dem hier und da schon einige Sterne sichtbar wurden. Ein leichtes Lächeln huschte ihm übers verschmutzte Gesicht. Er käme von selbst nie auf den Gedanken, sich für einen besonders mutigen Mann zu halten, aber diesmal hatte er in der Tat eine Meisterleistung hingelegt und den gefährlichen Aufstieg ohne große Probleme geschafft. Vorerst war er damit gerettet.


 

Draußen wurde es langsamer noch dunkler. Bald stiegen zwei Monde am klaren Planetenhimmel auf und ihr seltsam anmutendes grauweißes Licht dehnte sich zusammen mit langen Doppelschatten über die ganze Wüstenlandschaft aus. Trotz seines eng anliegenden, gut wärmenden Spezialanzuges zitterte der Raumfahrer vor Erschöpfung immer noch am ganzen Körper. Deshalb setzte er sich jetzt hin, winkelte seine Knie soweit an, dass er in leicht nach vorn gebeugter Haltung seinen Kopf entspannt oben drauflegen konnte. In dieser bequemen Haltung ließ er seine Erinnerungen an die Landung ihres Raumschiffes auf diesem Planeten Revue passieren.


 

***

Jimmy Denveron befand sich gerade zusammen mit seiner Kollegin Betty Miller, einer jungen Kosmobiologin, auf einem der unteren Be- und Entladedecks, als ihr kugelförmiges Explorerraumschiff United Kingdom II, das auf einer weiten Geröllebene schutzlos am Rande der Wüste auf mächtigen Landefüßen stand, von den aggressiven Deluriern völlig überraschend angegriffen wurde, die überall im Universum herum zigeunerten und wie Piraten fremde Raumschiffe ohne Vorwarnung brutal überfielen. Ihre klobig aussehenden Schiffe besaßen raffinierte Tarnvorrichtungen, die sie allerdings kurz vor dem Angriff abschalten mussten, um die schweren Laserkanonen ihres Schiffes einsetzen zu können. Ihre Unsichtbarkeit verschaffte den Deluriern jedes Mal einen enormen taktischen Vorteil, weil sie durch den überraschenden Erstschlag den Angriffszeitpunkt selbst bestimmen konnten. Das war auch der Grund dafür, dass ihre Gegner bereits schon zu Beginn der Kampfhandlungen meist schwer getroffen oder gleich ganz außer Gefecht gesetzt wurden.


 

Die United Kingdom II war jedoch ein überaus modern konzipiertes Raumschiff und selbst gut bewaffnet. In Sekundenschnelle fuhr der Zentralcomputer das Verteidigungssystem hoch und aktiviert alle einsatzbereiten Lasergeschütze. Bald darauf begann ein wütendes Abwehrfeuer noch während das Raumschiff den automatischen Notstart einleitete, um aus der unmittelbaren Gefahrenzone des delurischen Piratenraumschiffes zu gelangen.


 

Der größte Teil der Besatzungsmitglieder der United Kingdom II schaffte es gerade noch bis zu den sicheren Notstartkabinen, die es überall in ausreichender Menge auf jedem einzelnen Schiffsdeck gab und mit Andruckkompensatoren ausgerüstet waren. Jene, die diese Dinger nicht mehr erreichten, wurden entweder aus dem startenden Raumschiff geschleudert oder ihre Körper zerschmetterten schutzlos an den inneren Metallwänden des Raumschiffes.


 

Die große Forschungsstation am Rande der fremden Planetenwüste musste komplett und voll einsatzfähig ausgerüstet zurückgelassen werden.


 

Denveron stand zusammen mit seiner Kollegin auf der weit ausgefahrenen Rampe des noch offenen Be- und Entladeschotts, das sich bereits langsam zu schließen begann, als der Start des Raumschiffes schon im vollen Gange war. Er selbst wurde kopfüber aus dem Schiff heraus katapultiert und stürzte aus großer Höhe in einen einsam gelegenen Kratersee, dessen Wände so steil waren, dass man nicht ohne entsprechende Bergsteigerausrüstung daran hochklettern konnte. Wie durch ein Wunder überlebte er den Sturz so gut wie unverletzt.


 

Seine junge Kollegin konnte sich mit einem waghalsigen Sprung von der einfahrenden Rampe des startenden Raumschiff retten und landete irgendwo im weichen Wüstensand. Was danach aus ihr geworden ist, wusste Denveron nicht. Vielleicht hatte sie den Absturz, so wie er, ebenfalls unverletzt überlebt.


 

Die meiste Zeit verbrachte er im kalten Wasser. Die Situation wurde bald unerträglich. Er hatte schon mit seinem Leben abgeschlossen und sah sich bereits an schleichender Unterkühlung sterben, wenn er nicht durch Zufall bei seiner verzweifelten Suche nach einem Ausweg auf diesen offenen Felsspalt gestoßen wäre, der knapp unterhalb der Wasserlinie lag und zu einer Höhle ins Berginnere führte. Unter Lebensgefahr tauchte er ohne lange zu zögern in die dunkle Öffnung hinein und kam bereits schon nach wenigen Metern am anderen Ende in einem kleinen Höhlensee wieder zum Vorschein. Von dort aus erreichte er über einen nach oben führenden Felsenschacht die Oberfläche eines Bergplateaus, das nach hinten in mehreren Stufen sanft abfiel und sich irgendwo weit unten in einem riesigen Meer aus feinem Wüstensand verlor. Der Abstieg von dieser Hochebene würde sicherlich kein allzu großes Problem für ihn darstellen, dachte sich Denveron.


 

Das hellgraue Licht der zwei Planetenmonde machte die Nacht jetzt fast zum Tage. Trotzdem bot sich dem Raumfahrer ein prächtiger Sternenhimmel dar, der aussah wie ein schwarzer Vorhang mit glitzernden Lichtpunkten. Nach und nach erschienen immer mehr Sterne am nächtlichen Himmel. Er wunderte sich auf einmal darüber, dass er von dort oben mit einem gewaltigen Raumschiff gekommen war, von dem er nicht wusste, ob es den Überraschungsangriff der delurischen Piraten überhaupt heil überstanden hatte.


 

Das Universum erschien ihm plötzlich fern und unerreichbar zu sein.
Jimmy Denveron wollte trotz seiner prekären Lage nicht aufgeben, sondern würde jetzt erst recht zäh versuchen, das Forschungslager auf der anderen Seite der Wüste zu erreichen.


 

Während er sich mühsam aufrappelte, überkam ihn auf einmal eine grauenvolle Ahnung. Er wusste nicht, ob die United Kingdom II die Angreifer hat abwehren können oder ob das Schiff überhaupt noch existierte. Wenn nicht, hätte er ein ziemlich großes Problem. Niemand wusste dann nämlich, dass er sich noch auf diesem Planeten befand und am Leben geblieben war. Wenn dem so wäre, dann konnte er nur noch darauf hoffen, dass irgendwann ein Rettungsteam der Raumflotte ihr Außenlager finden und nach möglichen Überlebenden suchen würde. Das war auch schon alles, dachte sich Denveron, und viel war es nicht, sinnierte er weiter.


 

Plötzlich hatte der Raumfahrer furchtbare Angst davor, zu früh sterben zu müssen. Er empfand sein Leben, trotz seiner schrecklichen Situation in der er sich befand, irgendwie sogar als ein herrliches Geschenk. Er dachte daran, vielleicht nie wieder die Landschaft seiner Heimat auf der Erde, die saftigen Ufer ihrer Flüsse, die Wälder aus Kiefern und Tannen zu erblicken. Nie wieder seine Freunde sehen zu können, mit denen er schon auf der Raumfahrerakademie studiert hatte. Nie wieder die Umarmungen seiner Mutter zu spüren, mit seinem Vater zu reden oder seine jüngere Schwester zu necken, die ihn voller Stolz anhimmelte, weil er zur terranischen Raumfahrerelite gehörte.


 

Trotz allem hielt er seine aufkommende Panik unter Kontrolle und machte sich auf den Weg, den ehemaligen Vulkanberg über sein etagenartiges Plateau zu verlassen.


 

Nach mehr als fünf Stunden harter Abstiegsarbeit über schroffe Felsen und steinige Geröllebenen erreichte Denveron erschöpft aber zufrieden den Fuß des Kraterberges und schlug umgehend den vermuteten Weg zum Lager durch die offen vor ihm liegende Wüste ein. Er orientierte sich dabei nach den Sternen, die ihm den Weg vorgaben.


 

Der Marsch durch die nächtliche Wüstenlandschaft war für ihn irgendwie faszinierend, verlief aber problemlos, trotz der Gefahren. Hier und da glaubte Denveron nämlich die leuchtenden Augen einiger Wildtiere gesehen zu haben, die ihn anscheinend als willkommene Beute betrachteten und deshalb aufmerksam verfolgten. Aber irgendwann ließen sie ihn dann doch in Ruhe. In der kühlen Nacht kam er in der Wüste gut voran und bald hatte er sein Ziel erreicht.


 

Knapp einhundert Meter vor dem Lager erkannte er die ersten verwaist herum stehenden Container der Station. Er beschleunigte seine Schritte, und sah eine zeitlang später eines dieser imposant aussehenden achträdrigen Geländefahrzeuge, das verlassen im sandigen Gelände herum stand. Die Standbeleuchtung war eingeschaltet. Von der Besatzung war weit und breit aber nichts zu sehen.


 

Dann hörte er plötzlich ein verdächtiges Geräusch unmittelbar vor sich. Denveron zog seine Strahlenpistole aus der Halterung und beobachtete aufmerksam die Umgebung.


 

Jimmy!“ rief mit schriller Stimme eine junge rothaarige Frau, die wie ein Gespenst hinter dem bulligen Fahrzeug hervortrat und durch ein Nachtsichtgerät blickte.


 

Der Raumfahrer kannte diese Stimme. Es war die Stimme seiner Kollegin Betty Miller, der jungen Kosmobiologin. Auch sie hatte den Absturz ohne große Verletzungen überlebt. Ein Gefühl übergroßer Freude kam in ihm auf. Er war also nicht allein auf diesem unbekannten Planeten zurück geblieben. Fast hätte er deswegen geweint.


 

Großer Gott, Jimmy, du bist es wirklich! Ich dachte schon, ich sei die einzige Überlebende der Katastrophe“, sagte sie mit aufgeregter Stimme und rannte mit großen Schritten auf den ungläubig da stehenden Raumfahrer zu.


 

Nachdem sich beide überglücklich in die Arme gefallen waren, fragte Denveron sie nach dem Schicksal des Raumschiffes und wollte wissen, was aus den anderen Besatzungsmitgliedern geworden ist.


 

Die junge Frau mit den kirschroten Haaren und dem zerrissenen Raumanzug atmete erst einmal tief durch, bevor sie zu sprechen begann.


 

Das Bodenpersonal konnte das Basislager schnell und komplett räumen. Bis dahin hast du ja auch noch alles mitbekommen. Die meisten von uns erreichten das rettende Raumschiff und stiegen in die Kabinen mit den Andruckkompensatoren. Einige jedoch stürzten beim Notstart aus großer Höhe durch die sich schließenden Außenschotts und kamen dabei um. Es ist wie ein Wunder, dass wir beide noch am Leben sind. Leider wurde die United Kingdom II offenbar schon kurz nach dem Start in der Nähe des zweiten Mondes von den Deluriern mit konzentriertem Raketenbeschuss belegt und verglühte später in einer gewaltigen Explosion. Über unsere intakte Funkanlage im Basislager stand ich bis zum Schluss der Kampfhandlungen mit Commander Harrison in Verbindung, bevor das Schiff explodierte. Er gab mir noch in letzter Sekunde den gültigen Rettungscode durch, da die Delurier alle Hypersignale der United Kingdom II mit Störgeräuschen überlagerten. Somit konnte der Commander keinen klaren Hypernotruf absetzen. Aber auch das Raumschiff der Delurier erhielt ebenfalls einige schwere Treffer. So wie es scheint, treibt es jetzt ohne Antrieb führerlos auf die Sonne zu. Darauf deuten jedenfalls die Ergebnisse meiner Messinstrumente hin. Sie werden alle mitsamt ihrem Schiff in der Sonne verglühen. Mit unserer kleinen Funkanlage können wir später dann den Rettungscode ins Universum hinaus senden. Ich bin mir aber nicht sicher, ob das Signal überhaupt von unseren Leuten jemals empfangen wird. Wir sind mehr als zwei oder sogar drei Lichtjahre von der nächsten Außenstation entfernt. Bis man uns finden wird, vorausgesetzt das Notsignal kommt in nächster Zeit bei ihnen an, werden wir beide schon alt und grau sein, Jimmy.“


 

Der Raumfahrer schaute sich um.


 

Wir können aber auf jeden Fall ohne Probleme überleben. Das Forschungslager ist sehr groß und bietet uns mannigfaltige Möglichkeiten, auch biologische, die Flora und Fauna dieses Planeten für unsere Zwecke nutzbar zu machen. Außerdem sind wir dazu in der Lage, jede Pflanze und jedes Tier genetisch zu verändern. Unsere Station erhält ihre Energie direkt von Sonne. Um die Energieversorgung müssen wir uns also keine Gedanken machen. Das Wasser auf diesem Planeten ist ebenfalls für uns Menschen genießbar. Unsere Möglichkeiten sind praktisch gesehen unbegrenzt. Und denk’ doch mal daran, dass wir sogar unsere eigenen Nachkommen produzieren können, sowohl auf künstlichem, als auch auf natürlichem Wege.“


 

Die überraschte Kosmobiologin schaute Denveron jetzt mit vielsagendem Blick an, zog ihn schließlich zu sich herüber und schaute ihm dabei tief in die Augen.


 

Ach Jimmy, auf der Raumfahrerakademie haben sie uns so viele gute Dinge beigebracht, aber nicht, wie man als Mann und Frau auf einem fremden Planeten überlebt. Lassen wir also der menschlichen Natur ruhig ihren freien Lauf. Der Rest erledigt sich meistens wie von selbst. Und ich sage dir, es ist mir ganz gleichgültig ob man uns jemals finden und von hier wieder abholen wird. Wir gründen einfach eine neue planetarische Rasse uns schaffen uns mit ihr zusammen eine neue Zivilisation. Wir fangen quasi noch mal ganz von vorne an, sozusagen als Adam und Eva. Die entsprechenden Mittel dazu befinden sich alle in den hochtechnisierten Biolabors unserer Forschungsbasis. Vor Inzucht brauchen wir also keine Angst zu haben.“


 

Das ist eine faszinierende Idee, Betty. Das Adam und Eva-Prinzip ist eben universal. Was meinst du, ob wir beide heute Nacht schon damit anfangen sollten?“


 

Ich hätte nichts dagegen. Je ehr, desto besser“, antwortete sie ihm.


 

Beide sahen jetzt lachend zu der riesigen Forschungsstation hinüber, die nur schwach beleuchtet wie eine schwarze Festung im fahlen Licht der beiden Doppelmonde lag.


 

Die Zeit einer neuen menschlichen Zivilisation kündigte sich verheißungsvoll auf diesem erdähnlichen Planeten an, der Lichtjahre entfernt von ihrem eigenen Heimatplaneten, der Erde, zusammen mit zwei Monden um eine noch junge Sonne kreiste.


ENDE

(c)Heinz-Walter Hoetter

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.03.2018. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Lebenseindrücke: Gedichte von Annette Messerschmidt



Die Autorin, geboren 1960, wohnt im Dreiländereck Nordrhein-Westfalen/Hessen/Rheinland-Pfalz. Erst spät hat sie ihr Talent zum Dichten entdeckt und ihre Gedanken und Erfahrungen zusammengetragen. So entstand eine Gedichtsammlung, an der die Autorin gerne andere Menschen teilhaben lassen möchte, und daher wurde der vorliegende Band zusammengestellt.

Das Leben ist zu kurz, um es mit Nichtigkeiten zu vergeuden oder um sich über die Schlechtigkeit der Welt allzu viele Gedanken zu machen. Wichtig ist, dass man sich selbst nicht vergiften lässt und so lebt, dass man jederzeit in den Spiegel schauen kann.

In diesem Sinn denkt die Autorin über Natur, Naturereignisse und ihre Lebenserfahrungen nach. Dem Leser wünscht sie eine positive Lebens-einstellung, viele gute Gedanken und Freude an der Lektüre.

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